Schlagwort-Archive: USA

Faschisten-Sahne und Breitbart-Boys

Kein Mensch glaubt, dass Donald Trump den Finger am Drücker der Atombombe hat – und wenn, dass er niemals abdrücken würde – und wenn, dann nur einmal. Derlei Horrorszenarien sind gut für Omas Kino: Schafft es James Bond, die Welt zu retten?

Das soll uns, wenn’s nicht junge Hunde regnet, Dr. Sebastian Gorka erklären. Sein kometenhafter Aufstieg führte ihn über die Führungsetagen von Breitbart-News jetzt direkt auf den Schoß von Donald Trump. Breitband-News läuft und lässt laufen: Das rechtspopulistische, rechtsextreme Meinungsnetzwerk, das noch vor den Wahlen, also jetzt, 2017, nach Deutschland und Frankreich expandieren will, dürfte die Wählenden direkt in die Arme der AfD, von Le Pen & Co. treiben. Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit unter den Rechten. Was viele nicht wissen: Gründungsvater Breitbart erläuterte schon 2005 sein Ziel, die „alte Medienlandschaft zu zerstören“. Also doch junge Hunde – und Krieg gegen die freie Presse, weltweit.

Dr. Sebastian Gorka, angeblich auch Ratgeber von Ungarns Premier Orban, ist jetzt Gast der Stuttgarter Nachrichten. Der US-Experte ist Deputy Assistant to the 45th American President D. Trump, Irregular Warfare Strategist und kommt am 09. Februar in die Stuttgarter Liederhalle – mit dem Segen von Steven Bannon, dem rechts-nationalistischen Berater Trumps. „Wirklich allererste Faschistensahne“, würde meine Omi Glimbzsch in Zittau sagen und auf die unabhängige, freie und demokratische Presse und ihre Öffentlichkeit bauen, auch wenn da manches, wie wir sehen, auf Sand gebaut ist. Am 09.02. schwebt die Frage im Raum: „Terrorismus bekämpfen und Freiheit bewahren – wie geht das?“ Gorka weiß es: alte Medienlandschaft zerstören. Macht kaputt, was Euch kaputt macht? Ob es die Faschingsprinzen am Katzentisch im Mozartsaal, Innenminister Thomas Strobl und Dr. Christoph Reisinger, Chefredakteur der Nachrichten, auch wissen?

Breitbart-News haben sich auf die Herstellung von Fake-News spezialisiert. Da schaun wir doch mal, wie lange die Kollegen noch durchhalten. Bei der FAZ (30.10.16) weiß man: „… Breitbart gilt als Meister der Fake News, denen Menschen glauben und so verleitet werden, das Kreuz an der falschen Stelle zu machen.

Also FAZ lesen. Und Kontext groß machen.

*) Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter

Alles Verbrecher…

… sagte meine Omi Glimbzsch aus Zittau gern und warf die schlechten Nachrichten in die Ecke. Als Junger Pionier wollte ich natürlich wissen, wer da genau gemeint war: Verbrecher interessieren mich von klein auf, aber ich bin mir bis heute unsicher. Nehmen wir den persischen Kriminellen Reza Pahlavi. Der olle Schah war sehr gern zugegen, wenn seine Folterknechte mit Küchengeräten politische Gegner zum Reden brachten. Aber ein Freund der deutschen Bundesregierung kann ja kein Verbrecher sein, sagt sich der Junge Pionier und schaut heute zu den befreundeten Terrorhelfern in Saudi-Arabien oder zum Waffenbruder Erdoğan. Der hat zwar eine sichere Mehrheit, aber kein sicheres Land mehr. Der türkische Teppich- und Immobilienhändler (Rassismus pur!) weiß, dass man nicht alles haben kann, jedenfalls nicht auf einmal. Der Rotchinese wiederum schnappt jenseits der großen Wasser dem Trump(el)-Präsidenten die besten Äcker Afrikas vor der Nase weg! Unerhört, ungelesen! Also, Leute: Beim neuen Agrarkapitalismus geht’s ja nicht nur darum, den Leuten zu Hause die Ernten aus der Fremde zu sichern. Die freie Welt von morgen braucht vor allem Rohstoffe, Infrastruktur und Landeplätze für schnelle Eingreiftruppen. In den besoffen gemachten Dörfern diskutieren abends Befürworter und Gegnerinnen von Zukunftsprojekten fröhlich das Pro und Contra von Landnahme, Profit und Umweltzerstörung, während sich die weißen oder gelben Männer tagsüber die schwarzen Minister gekauft haben und die Strippen ziehen. Alles längst beschlossen, alles streng geheim, alles wird gut, wie bei Ceta & TTIP.

Blut-und-Boden-Bald-Präsident Donald Trump verspricht dieser Tage den Nordamerikanern (außer den Rothäuten in Nord-Dakota) bessere Zeiten, mexikanische Mauern und seine harte Hand. Die kann belohnen oder bestrafen. Während wir längst und aus eigener Erfahrung wissen, dass Wahlversprechen auf keinen Fall ernst genommen werden dürfen, ahnen wir gruselnd, dass Trump tut, was er versprochen hat. Verkehrte Welt! Alles ist unsicher in diesen Zeiten, nur das Polar-Eis weiß, was zu tun ist: Schmelzen, schmelzen, schmelzen, bis die Wasser die Oberkante der Unterlippe erreichen.

*) Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter

Blut und Boden


Nahezu die ganze „Welt“ ist dagegen, dass die etwas Reicheren unter uns durch die Vermögenssteuer zur Kasse gebeten werden. Da gibt’s eine Union von der FAZ über die SZ bis zum Handelsblatt. Als Ausgleich könnten ja die Mautobahnen privatisiert werden. Wo du hinguckst: Eine Wahl zwischen Pest und Cholera oder Pocken! Die Pest hat knapp gewonnen, jedenfalls in den Staaten, sagen Unternehmensberater, und die haben sich vorher impfen lassen, zur Sicherheit gegen alles. Donald Trump weiß ja auch: Jemand muss das Drecksgeschäft machen. Deshalb wird er vorerst nur zwei bis drei statt geplanten elf Millionen Migranten ausweisen. Der Weg vom Tellerwäscher zum Millionär ist keine Einbahnstraße, wusste schon Bernie Sanders. Keiner redet mehr über ihn. Sanders hätte, was die verbitterte Arbeiterschaft und die wahlmüde, daheimgebliebene Jugend anging, das Zeug gehabt, Trump zu schlagen. Nur er.

In grauer Vorzeit haben die Siedler, in der einen Hand die Bibel, in der anderen die Flinte, die Rothäute ausgewiesen, besoffen gemacht oder erschossen und sich dann das Land zu eigen gemacht. Historiker behaupten gar, der weiße Wähler hätte mit Pocken infizierte Decken an die Ureinwohner verteilt – ganz nach dem Credo der Herrschenden, deren Zeitung The North-West im Mai 1859 schrieb, „…die Indianer sind eine abscheuliche und arbeitsscheue Rasse, von keinerlei irdischem Nutzen für sich oder sonst irgend jemanden.“ Das könnt‘ Donald Trump gesagt haben. Seitdem die Roten überall den Kampf um ihren Boden verloren haben, ist der weiße Mann im Vormarsch, in Frankreich sogar als Frau. In Europa sind reaktionäre und faschistische Kräfte auf dem Vormarsch, stellen selbst die Kieler Nachrichten fest, der Spiegel gar weiß, dass sich Präsident Erdogan zu Hitler als Vorbild bekennt. Wir ignorieren das. Vor zwei Jahren hatten unsere Analysten noch orakelt, Pegida habe sich endgültig ausgelutscht (Gefahr erkannt – Gefahr gebannt). Heute wissen wir, dass die Eliten aus dem Hause Blut und Boden das Zeug haben, in freien Wahlen in die erste Liga aufzusteigen. Droht also ein rechtes Debakel? „Haben wir schon“, behauptet meine Omi Glimbzsch in Zittau. Oder sieht das wer anders? 450 gewalttätige Attacken gegen gegen Politiker und Flüchtlingshelfer hat das BKA 2016 schon gezählt. Aber nun beruhigen Sie sich mal, das Jahr ist doch noch nicht zu Ende! Und das Innenministerium hatte vor acht Wochen noch ganz andere Zahlen parat. Nach denen gab es seit Jahresbeginn mehr als 800 Übergriffe allein auf Amts- und Mandatsträger.

Ich will niemanden Angst machen – die Angriffe auf Migranten habe ich deshalb gar nicht erst mitgerechnet, auch nicht die auf Schwule, Linke, Behinderte, Dunkelhäutige oder Juden. Nach Ansicht des BKA ist es den Tätern egal, ob eine attackierte Unterkunft bewohnt ist oder nicht. Kommt Zeit, kommt Rat, kommt zu spät.

*) Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter

Paranoia


Es gibt momentan zwei große Gruppen, die an Paranoia leiden: Die deutsche Bahn und die deutschen Dresdner. Die Bahn sagt, die Eidechsen sind schuld, die Dresdner sagen, der Ami. Beides ist falsch.

Es ist die allein die Paranoia, eine schlimme, aber heilbare Krankheit des Geistes. Kein Mensch etwa würde behaupten, Donald Trump sei paranoid. Er ist lediglich gedankenlos, dumm und reich, er kann es sich leisten, Prolet zu sein: „Ich könnte in der Mitte der 5th Avenue stehen und jemanden erschießen – und ich würde keinen einzigen Wähler verlieren“, sagte der künftige Präsident der USA am 11. Januar 2016 im Sioux Center.
Das ist einer der wenigen Nachteile einer Demokratie – es kann der Paranoide den Dummen wählen – und umgekehrt. Unser Spaßvogel hat im Falle seiner Wahl die Finger am Abzug, sprich: am Roten Knopf. Und da hört der Spaß natürlich auf, auch wenn ihn keiner stoppen könnte.

Von Paranoia betroffene Zeitgenossen leiden an einer verzerrten Wahrnehmung ihrer Umgebung – ich sage nur: VW-Skandal, Kondensstreifen oder NSU. Tatsache ist, dass das BKA 2000 Waffenfunde bei Rechtsextremisten registriert hat. Die nichtregistrierten Waffen sind nicht mitgerechnet, die haben unter Umständen die etlichen hundert untergetauchten Nazis. Paranoid wäre nun die Annahme, die Rechtsextremisten würden die Waffen morgen schon einsetzen, denn es könnte ja auch später werden. Harmlos gegenüber solchen Mutmaßungen ist dagegen die Paranoia der Deutschen Bahn, die für Chaos, verdreifachte Baukosten oder defekte Scheißhäusle wahlweise die Projektgegner, den Juchtenkäfer oder den Bundesrechnungshof verantwortlich macht. Sie tut es dem Deutschen Dresdnern nach: Ehedem bedroht von polnischen Touristen, die ihnen auf dem Altmarkt den letzten Christstollen vor den Nase wegschnappten – und heute durch tausende Terroristen, die im Flüchtlingstreck einwanderten und den sächsischen Atheisten die Weihnachtskerzen auspusten wollen. Ganz zu schweigen davon, dass ihnen unser Staat das Geld in den Hintern bläst, während unsereins … ach Mensch, das wissen Sie ja aus eigener Erfahrung. Das untere Drittel der Gesellschaft muss für die Miete die Hälfte des Einkommens hinlegen – bei schrumpfenden Löhnen, während der Asylant kostenlos wohnt. Dieser Aussage würden 62% der Deutschen zustimmen, ein Irrwitz, meint Omi Glimbzsch aus Zittau dazu. Sie wohnt im Eigenheim und will jetzt untervermieten – wegen des Rentenrisikos.
„Wenn’s sein muss, ein Neger!“

*) Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter

Milliardäre

Die Amis haben es leichter als wir Sparheimer. Wenn da einer Präsident werden will, schmeißt er einfach eine Milliarde Dollar in den Ring und sagt: „Der Nächste bitte“. Und wenn das nicht reicht, legt er einfach eine Milliarde nach. Ein Spiel. Und was soll’s, er wird ja nicht ärmer. Da sieht so ein demokratischer Sozialist wie der Bernie Sanders alt aus, noch älter als Gerhard Schröder, der jetzt in den baden-württembergischen Wahlkampf eine eher soziale Note bringen soll, aber nie so weit gehen würde wie Sanders. Der hat, im Gegensatz zu dem, immer ein volles Haus: Neulich 20.000 Peopel in der Portland-Arena, 10.000 mussten draußen bleiben.
„Ich werd‘ oft gefragt, warum so viele zu unseren Veranstaltungen kommen“, wurde der unabhängige Kandidat von einem Journalisten auf der Bühne gefragt. „Weil du recht hast, Bernie!“, ruft ein Zuhörer. Donnernder Applaus, und Sanders hat gut lachen. Er wettert in seinen Reden über die wachsende Ungleichheit in der Welt und in den USA, geißelt den laxen Umweltschutz, lästert über gierige Milliardäre, kriminelle Banken und zitiert Karl Marx: „Bei uns werden die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher.“ Der Arme ist halt immer der Arsch, tät meine Omi Glimbzsch in Zittau vielleicht sagen. Aber sowas möchte ich bei uns mal hören – mit 20.000 anderen. Sanders fordert eine bessere soziale Absicherung, einen flächendeckenden Mindestlohn für alle US-Bürger, Schluss mit dem Rassismus und eine gerechte Justiz. Auch wenn es den Amerikanern peinlich ist: Wir wissen, dass dort ein Prozent der Bevölkerung im Knast sitzt, dass Polizeibeamte wahllos und ohne begründeten Verdacht Personen auf der Straße anhalten, durchsuchen und in Gewahrsam nehmen können und diese Schikanen zu fast 90 % Latinos und Afroamerikaner betreffen. Für die ist das lebensgefährlich. Momentan gibt’s ja massenhaft Proteste gegen ein neues Polizeigesetz. „Wir wollen unsere Demokratie und unsere Freiheit verteidigen“, sagen die Leute. Mit dem neuen Gesetz können die Medien nun ganz direkt und stärker kontrolliert und überwacht werden. Vor der verschärften elektronischen Überwachung und Datenerfassung ist nur noch das Beichtgeheimnisse sicher. In Polen. Biometrischer Personalausweis, elektronische Gesundheitskarte, Erstellung von Bewegungsprofilen, Vollerfassung bei Reisen, Lauschangriff, Online-Überwachung und Online-Untersuchung, Vorratsdatenspeicherung, Raster- und Schleierfahndung, Platzverweise und Unterbringungsgewahrsam gibt’s in Polen noch nicht, aber hier. So ist das eben mit der Demokratie.

Drohnen
Die Rekonstruktion von Morden

Netzpolitik.org berichtet über die Bemühungen, Klagen gegen Drohnenangriffe mit Fakten zu untermauern. Hierzu gehören sehr detaillierte Rekonstruktionen der Tatverläufe durch die Goldsmiths University in London, die 3-D-Modelle der Angriffe erstellt und hierdurch Rückschlüsse auf Zeiten, Orte und Opfer möglich macht.

Eigentlich sollte diese Arbeit ja von Polizei und Staatsanwaltschaft geleistet werden. Naja, da haben die USA wohl andere Interessen…

Waffenlobby
Wie die deutsche Waffenindustrie in den USA mitmischt

Die Süddeutsche Zeitung scheint ihr Profil stärken zu wollen. Nach den umfangreichen Recherchen zu Bildung/Gesundheit und zum Geheimen Krieg berichtet sueddeutsche.de heute ausführlich über die Einflussnahme der deutschen Waffenindustrie in den USA.

Seit 1968 sind innerhalb des Landes mehr als eine Million Amerikaner durch Schusswaffen gestorben – mehr als in allen Kriegen Amerikas zusammen.
[…]
454 Tonnen Revolver und Pistolen verschifften deutsche Firmen Daten der UN zufolge 2012 nach Amerika.
[…]
In einem Dokument, mit dem H&K 2011 Kreditgeber gewinnen wollte, gab es den zivilen US-Umsatz 2010 mit 14,9 Millionen Euro an – 20-mal so viel wie auf dem stark regulierten deutschen Markt.

Anstifterkino
5 Jahre Leben

Heute startet der Film „5 Jahre Leben“ über die Inhaftierung des unschuldigen Murat Kurnaz in Guantanamo. In Stuttgart läuft er im Delphi.

 

Der Vertrieb schreibt zum Film:

Was wäre Ihnen lieber? Einzelhaft mit Non-Stop Neon-Beleuchtung, amerikanische Popsongs in voller Lautstärke und plötzliche sinnlose Prügel? Oder neben einem Mithäftling eingesperrt zu sein, der Sie für einen Cheeseburger verrät? Am schlimmsten wäre es wahrscheinlich, den einzigen Freund umbringen zu müssen, selbst wenn dieser Freund ein Leguan ist …

5 JAHRE LEBEN, basierend auf der wahren Geschichte des Deutsch-Türken Murat Kurnaz, der insgesamt fünf Jahre als Gefangener der USA in Afghanistan und Guantanamo inhaftiert war, ist nicht nur die Chronik eines unvorstellbaren Missbrauchs, sondern zeigt auch den Überlebenswillen eines Mannes, dem man alles genommen hat. Zugleich schildert der Film das Duell zweier außergewöhnlich starker Persönlichkeiten. Auf der einen Seite: Murat Kurnaz, der seinem Leben einen neuen Sinn geben wollte, als er sich dem Islam zuwandte und nach dem 11. September nach Pakistan aufbrach, um eine Koranschule zu besuchen. Auf der anderen Seite: Gail Holford, Verhörspezialist der US-Regierung, der alle Tricks von Manipulation bis Einschüchterung beherrscht und dessen Hauptziel es ist, Kurnaz ein Geständnis zu entlocken. Aber Kurnaz hat nichts zu gestehen. Er ist unschuldig. So verstreichen Monate – Monate voller psychischer und physischer Folter – bis Kurnaz begreift, dass seine Weigerung, ein Geständnis zu unterzeichnen, das Einzige ist, was ihm bleibt.

Murat Kurnaz‘ Geschichte wirft nicht nur große Zweifel auf an der Rechtsstaatlichkeit unserer westlichen Welt, der Film konfrontiert den Zuschauer auf eindringliche Art und Weise mit der eigenen Wahrnehmung und Bewertung.