Archiv der Kategorie: Sant’Anna di Stazzema

Italienisch-deutsche Jugendbegegnungs- und Gedenkstättenfahrt
Workcamp 2018 der AnStifter-Initiative in Sant’Anna di Stazzema

Workcamp in Sant’Anna –
Eine italienisch-deutsche Jugendbegegnungs- und Gedenkstättenfahrt

  • Du bist zwischen 18 und 27 Jahren alt?
  • Du interessierst dich für politische Zusammenhänge und geschichtliche Hintergründe?
  • Du willst mit jungen Italienern und Deutschen etwas unternehmen?
  • Du möchtest deine Interessen und deine Neugierde einbringen?

Dann freuen wir uns über deine Anmeldung für eine besondere Reise in die Toskana!

Geschichtlicher Hintergrund und Aktivitäten:

Am 12. August 1944, gegen Ende des zweiten Weltkrieges, überfielen deutsche Soldaten das toskanische Bergdorf Sant’Anna di Stazzema und verübten eines der größten deutschen Verbrechen auf italienischem Boden. Bei dem dortigen Massaker ermordeten sie etwa 560 Zivilisten, darunter vor allem wehrlose Frauen und Kinder, auf erbarmungslose Art. Wo einst grauenvolles Töten vonstattenging, befindet sich heute ein Friedenspark mit Gedenkstätte und Museum, ganz besonders dank des jahrzehntelangen, unermüdlichen Einsatzes der wenigen Überlebenden. Es sind diese Zeitzeugen, die uns herzlich einladen, von ihnen persönlich ihre Geschichte zu hören, sowie am Ort des Gedenkens über die Vergangenheit zu forschen, über die Gegenwart und Zukunft Europas zu diskutieren und sie bewusst mitzugestalten.

Für unsere Friedensarbeit stehen uns vielfältige Möglichkeiten zur Verfügung. Wir können aus verschiedensten Workshop-Angeboten mit kreativen oder multi-medialen Methoden wählen. Zum Abschluss kann dabei auch eine Präsentation und Dokumentation mit den Mitteln unserer Wahl entstehen. Geplant ist auch, dass wir einen eigenen Beitrag zu den Gedenkfeierlichkeiten des Jahrestags des Massakers am 11. und 12. August vorbereiten.

Klar, dass wir uns, zusammen mit den italienischen Teilnehmenden, viel Zeit fürs gegenseitige Kennenlernen und die Besichtigung der Umgebung nehmen, ob beim gemeinsamen Zubereiten der Mahlzeiten, beim Erkunden des mittelalterlichen Städtchens Pietrasanta, bei sportlichen Aktivitäten oder bei einem Ausflug ans Meer…

Vor- und Nachbereitungsseminare in Stuttgart (Änderungen vorbehalten!):

Vorbereitung: voraussichtlich 01.06. – 03.06.2018
Nachbereitung: voraussichtlich 11.10. – 14.10.2018

Workcamp-Flyer zum Herunterladen: Workcamp2018_Flyer_SantAnna

Infos & Anmeldung: Naturfreundejugend Württemberg / 0711-481077 / info@nfjw.de

PS: Die AnStifter-Initiative Sant’Anna freut sich über neue Mitstreiter*innen (gerne auch mit Buchhaltungskenntnissen). Bei Interesse einfach eine Mail an kontakt@die-anstifter.de mit dem Betreff „Sant’Anna“ senden, Termin und Einladung zum nächsten Treffen der Gruppe folgen.

PPS: Die Finanzierung des Projekts soll größtenteils durch den Zuschuss des Landes gesichert werden, für den Rest laufen noch Zuschussanträge. Spenden für das Workcamp und für unsere weitere Arbeit in Sant’Anna nehmen wir gerne entgegen.

Spendenkonto:
Die AnStifter e.V., IBAN DE31 4306 0967 7000 5827 01, Stichwort: SantAnna.

Artikel in der KONTEXT Wochenzeitung
Stadt der Antifaschisten

Von Sandro Mattioli
Datum: 28.02.2018

Im Jahr 1944 wurden mehr als 500 Bürgerinnen und Bürger von Sant’Anna di Stazzema Opfer eines Massakers der SS. Der Bürgermeister des toskanischen Bergdorfs setzt nun ein Zeichen gegen leichtfertige Reden über den Faschismus, seine Symbole und Gesten: Seit kurzem kann jeder Bürger werden, der die Welt als globales Friedensdorf begreift.

Er wollte es vor allem für die jungen Menschen machen, für die Werte der italienischen Verfassung, die dezidiert antifaschistisch ist. Für Freiheit und Demokratie, nicht gegen etwas. Am 27. Dezember des vergangenen Jahres hatte Bürgermeister Maurizio Verona, 51, die Idee. „Junge Menschen benutzen das Internet täglich, es ist ein wichtiges Instrument für sie. Es ist deswegen einfacher, sie dort zu erreichen“, erklärt er. Das Register steht aber jedem Menschen der Welt offen, so er oder sie die Werte der entsprechenden Charta teilt: die Welt als globales Friedensdorf. Noch ist die Seite und die Charta nur in Italienisch verfügbar, doch in Bälde soll auch eine deutsche, französische und englische Version online gehen. Mehr als 37 000 Bürgerinnen und Bürger hat die antifaschistische Gemeinde bereits.

Es ist ein symbolischer Akt, sich hier zu eintragen, er hat keine Rechtsfolgen und keinerlei verpflichtende Wirkung. Aber gerade für Deutsche ist es ein hoch aufgeladener Akt. Denn die Geschichte dieses Melderegisters reicht weit zurück, zurück in eine Zeit, in der sich Deutschland und die Deutschen von ihrer allerhässlichsten Seite in Italien gezeigt haben: in das Jahr 1944. Damals wurde Sant’Anna di Stazzema Schauplatz eines schlimmen Massakers an der italienischen Zivilbevölkerung. In Maurizio Veronas Gemeinde machten sich die deutschen Soldaten, vorrangig der Waffen-SS, zu Kriegsverbrechern, machten sich zu Massenmördern an der Zivilbevölkerung.

Gedenkfeier am Ossarium (Beinhaus) von Sant'Anna 2017. Foto: Christina Gohle.
Gedenkfeier am Ossarium (Beinhaus) von Sant’Anna 2017. Foto: Christina Gohle.

Der Ort Sant’Anna di Stazzema liegt in den toskanischen Bergen. Er hatte damals keinerlei strategische Bedeutung. Ursprünglich zählte Sant’Anna rund 400 Seelen. Weil aber in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs viele Kriegsflüchtlinge hier Schutz gesucht hatten, war die Einwohnerzahl deutlich angewachsen. Im Ort hielten sich neben den Einwohnern nur Menschen auf, die größtenteils aus tieferliegenden Orten an der Küste kamen, wo heftige Kämpfe tobten. Die militärische Bedeutungslosigkeit der Anwesenden hielt deutschen Soldaten am Morgen des 12. August 1944 nicht davon ab, den Ort auszulöschen. Sie erschossen rund 560 Menschen, vom Kleinkind bis zum Greis, sperrten die Menschen in Häuser, warfen Handgranaten hinein. Auf dem Platz vor der Dorfkirche schichteten sie die Bänke aus der Kirche auf mitsamt den Leichen und zündeten alles an. Sie wüteten, als seien sie keine Menschen. Sant’Anna hat die Folgen von Hass, Faschismus und Totalitarismus besonders heftig vor Augen geführt bekommen – doch lange hat das niemanden interessiert.

Deutsche Soldaten in Abwesenheit als Kriegsverbrecher verurteilt

Dieses Massaker war kein Thema, für Jahrzehnte. Zunächst wollte Italien nicht die gute Beziehung zu Deutschland riskieren, dann regierte das Vergessen. Bis im Jahr 2002 die Unterlagen zu dem Fall wieder auftauchten. Ein rühriger Staatsanwalt machte sich ans Werk, am Ende wurden im Jahr 2005 deutsche Soldaten in Abwesenheit als Kriegsverbrecher verurteilt. Zu befürchten hatten die Männer freilich nichts: die Bundesrepublik liefert keine Staatsangehörigen aus. Und die Mühlen der Justiz in Deutschland mahlten in der Folge betont langsam bis gar nicht.

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Bericht aus dem Workcamp in Sant’Anna

Alle Teilnehmenden unserer deutsch-italienischen Jugendbegegnung sind am vergangenen Samstag im italienischen Ort Pietrasanta, nahe Sant’Anna, angekommen. Am Wochenende fanden erste Workshops zum Thema „Erinnerung“ und zum geschichtlichen Hintergrund des Massakers in Sant’Anna im Zweiten Weltkrieg statt. Auf dem Programm stehen auch Begegnungen mit Zeitzeugen, die gemeinsame Arbeit an Projekten zur Völkerverständigung und Menschenrechten sowie die Teilnahme an den Gedenkfeiern zum Jahrestag des Kriegsverbrechens am 12. August.

Bericht aus dem Workcamp: Wer mehr über die Aktivitäten und Erlebnisse der Teilnehmer*innen erfahren möchte, kann das über den Blog einer Workcamp-Teilnehmerin. Christina Gohle ist Mitglied in der Ortsgruppe der Naturfreunde Giengen und bloggt auf ihrer Website.

DVD
Das zweite Trauma – Sant’Anna di Stazzema

DVD Das zweite TraumaNach der sehr erfolgreichen Premiere am 20. November im Atelier am Bollwerk ist nun die DVD zum Autorenfilm „Das zweite Trauma – das ungesühnte Massaker von Sant’Anna di Stazzema“ erschienen.

Unter der ISBN 978-3-941585-06-5 kann sie im Buchhandel für 15 Euro bestellt werden – und natürlich auch direkt beim Macher Jürgen Weber unter info@querwege.eu.

 

Sant’Anna
Ehrenbürgerschaft für Gabriele Heinecke

2016-03-19 Gabriele Heinecke Sant'Anna_2Die Gemeinde Stazzema verlieh Rechtsanwältin Gabriele Heinecke aus Hamburg die Ehrenbürgerschaft. Und zwar- wie Bürgermeister Maurizio Verona ausführte – „für ihren Einsatz von über zehn Jahren, um auch in Deutschland der Wahrheit und der Gerechtigkeit für die Opfer von Sant’Anna di Stazzema Geltung zu verschaffen.“

Am 19. März 2016 wurde die Urkunde in einer Feier im Museo Storico della Resistenza in Sant’Anna von Bürgermeister Verona überreicht. Anwesend waren zahlreiche Ehrengäste: u.a. aus der Versilia die Massaker-Überlebenden Enrico Pieri, Enio Mancini und die Schwestern Pardini (s. Foto) – aus Rom Militärstaatsanwalt Marco de Paolis, aus Süddeutschland Udo Sürer (Lindau) und Jürgen Weber (Konstanz) sowie Gunther Leibbrand als Vertreter der AnStifter-Initiative Sant’Anna (Stuttgart).

Gabriele Heinecke war sehr bewegt und bedankte sich mit einem Rückblick auf die zehn Jahre ihres Engagements.  Besonders aufschlussreich die Schilderung ihrer Erfahrungen mit der Stuttgarter Staatsanwaltschaft vertreten durch Oberstaatsanwalt Bernhard Häußler, sie spricht mit Bezug auf ihn von einem „System der Behinderung meiner Arbeit„, von frühen „Anzeichen dafür, dass von ihm keine sachgerechte Bearbeitung des Falles Sant’Anna zu erwarten war„. Und die Passivität des Justizministers werfe „einen dunklen Schatten auf die Justizbehörden des Landes Baden-Württemberg„.

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Kriegsverbrecher verzichtet auf Ehrenmedaille
Erleichterung in Italien

Kusterer 3

Die Meldung der Gemeinde Engelsbrand vom 15. März 2016 „Bürgermeister Rosenau erhält die Medaille …  zurück“ hat in Italien positive Reaktionen ausgelöst.

So wird in der Zeitung Il Tirreno vom 15.3.206 Paolo Grossi, der Bürgermeister von Fivizzano, einem der Orte der Massaker der Waffen-SS, an denen nach dem italienischen Gerichtsurteil von 2008 Kusterer in den Teilorten San Terenzo und Vinca beteiligt war, zitiert:
„Ich fühle mich erleichtert, glücklich und ermutigt von der Nachricht von der Rücknahme der Medaille des Kommandanten der SS; ein Akt, den wir dem Teil Deutschlands verdanken, der den Fehler begriffen hat, den man begangen hatte. …
Heute erneuere ich die Einladung an den Bürgermeister der Gemeinde Engelsbrand in Deutschland, die Gemeinde Fivizzano und die Orte der Nazi-Massaker zu besuchen, bei denen Kusterer einer der Hauptverantwortlichen war. …“

Weiter zum italienischen Originalartikel

„Ex-SS-Soldat gibt Ehrenmedaille zurück“

Am 15.3.2016 meldet der SWR:

Entscheidung in Engelsbrand: Ex-SS-Soldat gibt Ehrenmedaille zurück
„Nach internationalen Protesten gegen die Ehrung eines Kriegsverbrechers in Engelsbrand gibt der 94-Jährige die Auszeichnung zurück. Der Mann war wegen sozialer Verdienste geehrt worden. …“
  Weiter zur Nachricht des SWR

Und die Gemeinde Engelbrand teilt am selben Tag mit, die Auszeichnung habe „keinen Bestand  mehr“.
LINK zur Erklärung der Gemeinde

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Marzabotto – Engelsbrand
Die Täter sind unter uns.

Der Vorgang liegt bereits ein Jahr zurück, ein Foto dokumentiert eine alltägliche Szene aus dem Dorfleben: Ein Bürger wird vom Bürgermeister für sein ehrenamtliches Engagement geehrt. In einem kleinen Dorf im Nordschwarzwald, Engelsbrand südlich von Pforzheim. Sein Name: Wilhelm Kusterer.

Nun hat ein italienischer Anwalt aufgedeckt: Der Geehrte war – zumindest nach Auffassung eines italienischen Gerichts – an Massakern der Waffen-SS u.a. in Marzabotto beteiligt gewesen. Dies führte nun – ein Jahr später – zu großer Empörung in Italien, in den dortigen Medien und v.a. bei den Überlebenden und Angehörigen der Massakeropfer. Inzwischen auch in Deutschland, so wird er in der Stuttgarter Zeitung vom 9.3.2016 als Kriegsverbrecher tituliert. mehr…

Jugendbegegnungsprogramm mit Sant’Anna angekündigt

P1100508a

… so lautete die Meldung in der Zeitung IL TIRRENO vom 1.2.2016.
Übersetzung: „Die Deutschen werden Jugendbegegnungen mit Italien finanzieren.
SANT’ANNA. Die Unterstützung für Sant’Anna von Seiten des Bundeslandes Baden-Württemberg ist noch nicht beendet. Sie haben gerade die Restaurierung des Kirchplatzes mitfinanziert, eingeweiht mit einer feierlichen Zeremonie.“  Und weiter: „Staatsrätin Gisela Erler hat im Museum des Widerstandes tatsächlich die Absicht  verkündet, Schülerbegegnungen zwischen ihrem Land und Sant’Anna di Stazzema zu finanzieren.“

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