Archiv der Kategorie: Allgemein

OB-Wahl in Stuttgart
Ein zu erwartendes Ergebnis (und eine Überraschung)

Im ersten Wahlgang am 8. November hatte Frank Nopper mit 31,8 Prozent klar vorne gelegen. Veronika Kienzle (Grüne) war mit 17,2 Prozent auf Platz zwei gelandet, hat inzwischen aber zurückgezogen. Auf Platz drei lag vor drei Wochen Marian Schreier (unabhängig / SPD) mit 15 Prozent, dahinter kam Hannes Rockenbauch (SÖS) mit 14 Prozent.

Wie aber werden die Bürgerinnen und Bürger im zweiten Wahlgang entscheiden? Die Geisterfahrten bei den „progressiven Kandidaten“ hat heute wieder einmal bewiesen: konservative Positionen setzten sich durch, wenn das progressive Lager sich nicht auf einen Kandidaten einigen kann. Der neue Oberbürgemeister wird der CDU-Kandidat Frank Nopper sein. Erstaunlich, dass der Querdenker Michael Ballweg auf Platz 4 landet. Das sollte den AnStiftern zu denken geben.

Zum Geburtstag von Friedrich Schiller
Festrede von Prof. Dr. Drosten

Schillerrede 2020 - Prof. Dr. Christian Drosten

„Wir bestimmen selbst, ob sich die Lage verschlimmert oder verbessert“, sagte der Virologe Christian Drosten in seiner Rede zum Geburtstag Friedrich Schillers. Gerade Wissenschaftler müssten deshalb verlässlich kommunizieren. Der Virologe war vom Deutschen Literaturarchiv (DLA), Marbache, eingeladen worden, die diesjährige Festrede zum Geburtstag des Dichters Friedrich Schiller zu halten (per Videoübertragung).

Brücken bauen – Streit schlichen – Frieden stiften

Zum CNN-Beitrag bei CNN bitte auf das Bild klicken (Foto: Screenshot, CNN)

Im Studio von CNN saß ein Mann, der live vor der Kamera von seinen Emotionen überwältigt wurde: Mit stockenden Worten erklärte Kommentator Van Jones seine Erleichterung über den Wahlausgang: „Es ist einfacher, Eltern zu sein, an diesem Morgen.“ Es sei einfacher, den Kindern zu erklären, Charakter ist wichtig. „Ein guter Mensch zu sein, ist wichtig.“ Politikwissenschaftler Van Jones hat allerdings auch positive Worte für Trump.

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Die Skulptur von Peter Lenk
Endlich ist sie da

Peter Lenk Skulptur in Stuttgart
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Lange war die Aufstellung der Skulptur der „Schwäbische Laokoon“ des Bildhauers Peter Lenk umstritten. Nicht des Preises wegen. Ein Großteil der Kosten kam druch Spenden zustande. Lenk wollte die Skulptur der Stadt sogar schenken. Sein aus 150 Skulpturen bestehendes, satirisches Kunstwerk wollten die Regierenden nicht haben. Zumal wichtige damalige und heutige Politiker von der Lokalebene bis zu Bundesebene abgebildet sind. Lenk meint zu seiner Skulptur: „Der mythologische Laokoon konnte Troja nicht mehr warnen vor dem Trojanischen Pferd. Der schwäbische Laokoon (Kretschmann) will nicht mehr vor Stuttgart 21 warnen, weil er sich an das Volksbegehren gebunden fühlt.“ Der Ministerpräsident Winfried Kretschmann kämpft mit der ICE-Schlange. Nach Einbruch der Nacht, am 26. Oktober rollten zwei Tieflader sowie ein mobiler Schwerlastkran zum Stadtpalais und das in Einzelteile zerlegte Kunstwerk wurde auf den tonnenschweren Sockel montiert. Der Fotograf Martin Storz hat den Aufbau filmisch begleitet.

Nun kann die neun Meter hohe Figur von der Stadtgesellschaft betrachtet werden, die durch den Bahnhofsbau tief gespalten wurde. Es bleibt zu hoffen, dass durch gemeinsames Schmunzlen und Lachen diese wieder ein wenig zusammenfindet.

Neulich dachte ich an Wiglaf Droste

Wiglaf Droste 2008

Der barock-brachialer Satiriker, Polemiker, Dichter und Sänger scheute sich nicht, die menschlichen Schwächen und den menschlichen Schwachsinn selbst bei den ihm politisch Nahestehenden zu attackieren. Er legte sich mit so gut wie allen Leuten aus dem Feuilleton an, er pöbelte gegen Esoterik und Geschwurbel im linksalternativen Milieu genauso wie gegen neue und alte Nazis. „Es gibt Menschen, die haben ein klar umrissenes Verhältnis zur Macht…“ mit diesen Worten fängt ein Beitrag von ihm an, der mich doch sehr an Erfahrungen erinnert, die ich in der letzten Woche erst wieder machen musste:

Wiglaf Droste 16 Der Haushitler (Das Leben ist keine evangelische Autobahnkirche)[2010]

Olga Tokarczuk
Diese Frau zeigt Größe

Olga Tokarczuk während einer Lesung in der StaBi Foto: © M. Seehoff
Olga Tokarczuk während einer Lesung in der StaBi
Foto: © M. Seehoff

Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk lehnt eine Ehrenbürgerschaft ihrer polnischen Heimatregion Niederschlesien ab. Diese Ablehnung begründet sie mit der zeitgleichen Auszeichnung des katholischen Bischofs Ignacy Dec. Dieser betreibt nach Aussagen von Olga Tokarczuk die Spaltung der polnischen Gesellschaft, weil er den Lesben, Bisexuellen und Transsexuellen ihre Rechte verweigere. Bischofs Ignacy Dec bezeichnet die LGBTQ-Bewegung in seinen Reden als Gefahr für die katholische Kirche und Polen.
Stadträte mit Verbindung zur Oppositionspartei Bürgerplattform hatten Olga Tokarczuk für die Ehrenbürgerschaft nominiert. Mitglieder der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit hatten Dec vorgeschlagen.

Über die tiefe Spaltung Polens hatten die Anstifter schon hier berichtet. mehr…

Géants de la chanson I
Juliette Gréco, die Amsel von Paris singt nicht mehr

Juiliette Géco
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Gestern verstarb im Alter von 93 Jahren Juliette Gréco. Immer elegant schwarz gekleidet. Im schwarzem Etui-Kleid oder in schwarzer Hose. Dazu ein schwarzer Pullover, ihre schwarzen Haare. Für Juliette Gréco eine Farbe, die ihr Raum für das Imaginäre gab und zugleich ein Schutz war. Das brachte ihr den Namen „Die Amsel“ ein, in Anlehnung an ihre Kollegin Edith Piaf, die alle den „Spatz von Paris“ nannten. (Piaf heißt umgangssprachlich Spatz).

Wenn man sie in Musikvideos sieht, sind es die Hände, die einem zuerst ins Auge man stechen: Feingliedrige Finger, die sich winden, Kreise ziehen, am Körper entlangstreichen. Mit ihnen und ihrer Stimme zieht sie den Zuschauer in Bann. mehr…

Für alle auf den Zug Wartenden

Jimi Hendrix On An Acoustic Guitar(Only known 2 videos RARE)

Bis die Züge in den neuen Bahnhof einfahren, werden sicher noch viele Jahe ins Land gehen. Bis dahin kann man sich die Zeit des Wartens mit „Hear my train a comin“, einem Klassiker des Ausnahmegitarristen Jimi Hendrix, vertreiben oder seine kompexen Riffs auf der Gitarre lernen.

Europäische Mobilitätswoche
Verkehrswende in Stuttgart – Jetzt!

Robin Wood Aktivisten erklimmen die Fahnenstangen vor dem Verkehrsministerium und hängen ein Transparent auf.
Robin Wood Aktivisten erklimmen die Fahnenstangen vor dem Verkehrsministerium und hängen ein Transparent auf.

Ein breites Aktionsbündnis demonstrierte am 18. September 2020 in Stuttgart für eine radikale Verkehrswende in der Stadt. Eine Fußgängerdemo, vom Bopser kommend und Radfahrer vom Erwin-Schöttleplatz kommend trafen sich auf der Dorotheenstraße. Ohne eine Verkehrswende, so die Einschätzung der Demonstranten, sind die Klimaziele nicht zu erreichen.

Vor der Abschlusskundgebung entrollten Aktivisten der Stuttgarter ROBIN WOOD-Regionalgruppe vor dem baden-württembergischen Verkehrsministerium ein Banner mit dem Slogan „Wie lange noch? Autos raus aus unseren Städten!“

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Zentralrat der Juden in Deutschland
70-Jahrfeier

IsraelHeute fand im Innenhof der neuen Synagoge in Berlin der Festakt zum 70-jährigen Bestehen des Zentralrats der Juden in Deutschland statt. Sie war einst das größte jüdische Gotteshaus Deutschlands. Nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg – und dem späteren Wiederaufbau der erhalten gebliebenen Teile – gilt das Gebäude als Mahnmal.

1945 war es kaum vorstellbar, dass es in Deutschland nach den Schrecken des Holocaust noch ein jüdisches Leben geben könnte. Heute gibt es in Deutschland wieder mehr als 100 jüdische Gemeinden. Das ist vor allem dem Zentralrat der Juden in Deutschland zu verdanken. mehr…

Klong – Und dann ist Herbst

Herbst Kragen
Bild: Engin Akyurt / Pixabay

Nur noch 21 Grad, und morgen bloß 20. Nun ist er also fast schon da, der Herbstwinter. Man kann ihn bereits riechen, den Schneematsch und den beharrlich in die warmen Wollmäntel hineinsickernden halbgefrorenen Nieselregen. Aber zuvor müssen erst alle Kastanien mit lautem Klonk zu Boden fallen, und zwar genau dann, wenn man gerade dabei ist, einzuschlafen, Klonk, Klonkklonk.

Was es mit dem Kragen auf sich hat, siehe hier. (Aus Jungle World)

Frauen im Rock XXI
Emilíana Torrini – der Norden meldet sich zurück

Emilíana Torrini - Sunnyroad (Live on KEXP)

Die 1977 in Reykjavík geborene isländische Sängerin Emilíana Torrini wuchs als Tochter eines aus Italien stammenden Gastwirts und einer Isländerin auf. Mit fünfzehn begann sie eine Ausbildung an einer Opernschule. Während Ferienaufenthalten bei Onkel und Tante in Mörfelden-Walldorf lernte sie Deutsch. Die auf ihren Reisen gewonnenen Eindrücke verarbeitete sie in selbstkomponierten, klar strukturierten Liedern.

Ihre aktuellen Songs sind spürbar weniger auf Kommerz getrimmt. Die Künstlerin lebt abseits des Rampenlichts und ist damit offenbar sehr glücklich.

Protest organisieren

Protestieren

Heute reicht es nicht mehr, die Flugblattpresse anzuwerfen, um für eine Demonstration zu werben. Auch Plakate erzielen nicht die gewünschte Reichweite. Wenn man sich die Demonstrationen zu „Black lives Matter“ und auch zu der jüngsten Corona-Demonstration ansieht, so wird schnell klar, die Mobilisierung erfolgt über Internetplattformen. Bei „Black lives Matter“ fand die Mobilisierung über die Instagram-Kanäle bekannter Mode-Influencerinnen statt. (Siehe z. B. hier).

Michael Ballweg, Kopf der Bewegung „Querdenken 711“ nutzt seit Beginn seiner Kampagne das Internet zur Mobilisierung. Und er verbreitert geschickt seine Basis: mehr…

Sant´Anna di Stazzema
Alternative Jugendbegegnung

Jugendbegegnung 2019 Sant´Anna mit Botschafter Elbling

Die Jugendbegegnungen Baden-Württemberg  –  Sant’Anna di Stazzema  finden dieses Jahr wegen der Corona-Pandemie in alternativer Form statt:
Statt Friedenscamps wird es Wanderungen der Erinnerung in Deutschland und Italien geben.

Unser Angebot: Eintägige, begleitete Wanderungen auf historischen Pfaden inhaltliche und methodische Auseinandersetzung, u.a. mit: mehr…

Mikis Theodorakis wird 95
Die AnStifter gratulieren von Herzen

Diese Woche feierte Mikis Theodorakis seinen 95. Geburtstag. Noch bis vor kurzem trat er auf. Hier bei einem der Auftritte dieses Giganten der griechischen Musik vor drei Jahren, als er noch einmal ein denkwürdiges Konzert gab.

Unvergessen seine Filmmusik zu „Z“ von Costa-Gavas. Der Film gilt als genrebildender Klassiker des politisch engagierten Kinos und kam 1969 in die Kinos. In dem Film werden die letzten Monate vor dem Sturz der Demokratie durch eine brutale Militärjunta lebendig. Z kommt vom neugriechischn Ζεί und heißt so viel wie “er lebt“. Das möchte man Mikis zurufen, wie er liebevoll von seinen Freunden genannt wird. mehr…

Pressemitteilung
Bundesverdienstkreuz für Massaker-Überlebende und Träger des Stuttgarter Friedenspreises

Bundesverdienstkreuz für Massaker-Überlebende und Träger des Stuttgarter Friedenspreises

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Enrico Pieri und Enio Mancini, beide Überlebende des Massakers von Sant’Anna di Stazzema (Italien), das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Bei einer Feierstunde am 21. Juli 2020 auf dem Kirchplatz von Sant’Anna wurde ihnen diese hohe Auszeichnung durch Annette Walter, Leiterin der Kulturabteilung der Deutschen Botschaft in Rom, in Vertretung des Bundespräsidenten, überreicht.
In Sant’Anna hatten am 12.8.1944 Männer der Waffen-SS über 500 Zivilisten auf bestialische Art und Weise ermordet. mehr…

Corona
Highnoon für Irrationalität

Wer glaubt, dass die „alternativen Medien“ zur Realität zurückkehren werden, der hat sich getäuscht. Es ist wenig wahrscheinlich. So hat sich für Ken Jebsen die Corona-Pandemie als Goldgrube erwiesen. Er selbst spricht davon, dass die Zugriffszahlen auf KenFM explodiert sind. Viele der von der Krise Gebeutelten sind zur leichten Beute seiner Demagogie geworden: z.B. die in ihrer Existenz bedrohten Selbständigen und Gewerbetreibenden, die von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit Betroffenen und Eltern, die von Schul- und Kitaschließungen betroffen waren. Und diese Vielen bringen Geld!

Das Geschäftsmodell von KenFM hat sich in der Krise verändert: Antiimperialistische Texte sind dort selten geworden, an ihre Stelle sind Beiträge von Libertären, Esoterikern, Anthroposophen und Impfgegnern getreten. Selbst ein Artikel über die „weibliche Ejakulation“ findet man inzwischen dort. Gebracht wird, was Klicks verspricht. Ein solcher Erfolg bringt Geld ein:
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Debatte
Für eine offene Streitkultur

Schlechte Ideen

„Schlechte Ideen können durch Entlarvung, Debatte und Überzeugung besiegt werden, nicht indem man versucht, sie zum Schweigen zu bringen oder sie sich weg wünscht“.

Wird man bestraft, wenn man unbequeme Standpunkte verteidigt? In einer Petition warnen 153 Intellektuelle – darunter Daniel Kehlmann und J.K. Rowling – vor einer Verelendung der Debattenkultur.  Hier der offene Brief im Wortlaut:

„Unsere Kulturinstitutionen stehen vor einer Prüfung. Heftige Proteste gegen Rassismus und für soziale Gerechtigkeit haben zu Forderungen nach einer Polizeireform und nach mehr gesellschaftlicher Gleichberechtigung geführt – an Hochschulen, im Journalismus, in den Künsten. Diese notwendige und überfällige Abrechnung stärkt aber auch moralische Einstellungen und politische Bekenntnisse, die jede offene Debatte und das Aushalten von Differenzen zugunsten einer ideologischen Konformität schwächen. Sosehr wir die erste Entwicklung begrüßen, so entschieden erheben wir unsere Stimme gegen die zweite. Die Kräfte des Illiberalismus nehmen weltweit Fahrt auf und haben in Donald Trump einen mächtigen Verbündeten, der die Demokratie ernsthaft bedroht. Aber Widerstand darf nicht – wie unter rechten Demagogen – zum Dogma werden. Die demokratische Inklusion, die wir wollen, kann nur erreicht werden, wenn wir uns gegen das intolerante Klima wenden, das überall entstanden ist. mehr…