Archiv der Kategorie: Allgemein

Hanns Dieter Hüsch
Zum 95. Geburtstag

Hanns Dieter Hüsch
Von Wittkowsky, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1331767

Heute vor 95 Jahren wurde Hanns Dieter Hüsch in Moers geboren und es lohnt, sich dieses Menschenfreundes zu erinnern. Er kam mit verkrüppelten Füßen zur Welt. Von seiner Mutter wurde er mit Liebe überschüttet. Seine Kindheit waren Jahre der Krankheit und der Sorge. Wegen einer vererbbaren Veranlagung zum Klumpfuß wurden seine verdrehten Füße mehrmals schmerzhaften Operationen unterzogen, was ihm den Kriegsdienst ersparte. „Mein Leben verdanke ich meinen Füßen“, kommentierte Hüsch in seinen 1990 veröffentlichten Erinnerungen.

Diese Mischung aus Schmerz und Liebe prägten seine kabarettistischen Texte: ein liebevoller und zärtlicher Blick auf das Leben der kleinen Leute. Zeit seines Lebens stand er auf ihrer Seite, auf der Seite der Ausgegrenzten. Einer meiner Lieblingstexte drückt das in vortrefflicher Art und Weise aus:
mehr…

Corona
Maske – Abstandsregel – CoronaApp

Peter Grohmann mit Maske
Venceremos!

Der Ehrenvorsitzende der Anstifter trägt sie. Er hält sich an die Abstandsregeln, auch am 1. Mai. Aber eine App auf seinem Smartphone? Eines ist sicher:
„Ohne Social Distancing, Hygieneoffensive und Maskenpflicht ist eine App ungefähr so nützlich wie das Foto eines Wagenhebers im Kofferraum, wenn man einen Platten hat“, schreibt Sascha Lobo so treffend in seiner neuesten Kolumne.

Ausstellung
Hannah Arendt im DHM Berlin

Hannah ArendtDas Deutsche Historische Museum in Berlin hat eine umfangreiche Ausstellung zu Hannah Arendt konzipiert. Man kann sie leider derzeit nicht besuchen aber ein virtueller Rundgang ist möglich. Eine Hörcollage führt den Besucher durch Arendts Urteile und Kontroversen. Einige Beispiele kann man auf der Onlinepräsentation hören. In einem aufschlussreiches Interview spricht Daniel Cohen-Bendit über Hannah Arendt, über ihre kritische Haltung gegenüber der Neuen Linken und der Studentenbewegung.

Interview mit Daniel Cohn-Bendit | Hannah Arendt und das 20. Jahrhundert

Video
15 Minuten Hegel: Der Tote im Kupfergraben

Das Jahr 2020 ist Hegel-Jahr: Vor 250 Jahren wurde der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel geboren. Zur Feier liest der Philosoph Sebastian Ostritsch, der am 26.4.2020 in unserem Philosophischen Café referiert hätte, aus seinem Buch „Hegel: der Weltphilosoph“ (Propyläen, 2020). Hier die erste Folge von „15 Minuten Hegel“:

15 Minuten Hegel – Folge 1: Der Tote im Kupfergraben

Sebastian Ostritsch promovierte 2013 an der Universität Bonn mit einer Arbeit über Hegels „Rechtsphilosophie“, er arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Stuttgart.

Kuscheln nein – soziale Kontakte ja

Social distancing

Mit Blick auf die Kontaktverbote angesichts der Corona-Pandemie hat das deutsche PEN-Zentrum an Politik und Medien appelliert, auf den Ausdruck „soziale Distanz“ zu verzichten.

Er könne durch „physische Distanz“ oder „körperlicher Abstand“ ersetzt werden, sagte PEN-Präsidentin Regula Venske. „Soziale Distanz“ klinge wie ein Begriff aus dem Wörterbuch des Neoliberalismus, führte die Schriftstellerin aus: „Wir alle aber wissen, dass jetzt soziale Nähe gefragt ist: Kooperation, Verantwortung füreinander.“ Es gebe sicherlich derzeit dringlichere Probleme, als Worte auf die Goldwaage zu legen, betonte Venske, aber Sprache präge des Denken und Verhalten der Menschen. Im Englischen bedeute das Wort „social“ heute vor allem „gesellig“ und erst in zweiter Linie das, wofür „sozial“ im Deutschen stehe, nämlich für gesellschaftliche Werte wie Gemeinsinn und Solidarität.

Quelle: Pen-Pressedienst

Zeit zum Nachdenken

Peter Grohmann Foto: © M. Seehoff
Foto: © M. Seehoff

Peter Grohmann, Gründer der AnStifter, lässt uns folgende Botschaft zukommen:

Liebe Leute,

vielen Dank für die freundliche Post, für Nachfragen, Anrufe und die interessanten Ideen zur eigenen, der Volksgesundheit und der Rettung der Demokratie.

Leider sind – aus Mangel an Erkenntnis und Zeit – viele Menschen, die uns nahestehen, durch unser eher mageres Informationsraster gefallen – nicht nur jene, die keine eMail-Adresse haben. Jetzt besteht deshalb für uns alle eine gute Gelegenheit, Versäumtes nachzuholen. Kontaktsperre aufheben. mehr…

Naomi Klein
Coronavirus Capitalism — and How to Beat It

Coronavirus Capitalism — and How to Beat It

Naomi Klein, Journalistin, Autorin und Aktivistin: „I’VE SPENT TWO decades studying the transformations that take place under the cover of disaster. I’ve learned that one thing we can count on is this: During moments of cataclysmic change, the previously unthinkable suddenly becomes reality. In recent decades, that change has mainly been for the worst — but this has not always been the case. And it need not continue to be in the future. This video is about the ways the still-unfolding Covid-19 crisis is already remaking our sense of the possible […]“ Weiter zum vollständigen Text über den Videobeitrag auf The Intercept.

Weitere Informationen:

Website von Naomi Klein

Naomi Klein auf Perlentaucher.de

Info zu The Intercept „award-winning news organization dedicated to holding the powerful accountable through fearless, adversarial journalism.“

 

Trauer in der Musikerszene
Manu Dibango ist tot

Festival der Kulturen in Stuttgart, 2013 Foto: © M. Seehoff
Festival der Kulturen in Stuttgart, 2013
Foto: © M. Seehoff

Der aus Kamerun stammende Saxophonist Manu Dibango verstarb am 24. März im Alter von 86 Jahren. Auf seiner offiziellen Facebook-Seite wurde bestätigt, dass er dem Coronavirus zum Opfer gefallen ist. Manu Dibango galt als Star des Afro-Jazz. Er verband Jazz und Funk mit den musikalischen Einflüssen seiner Heimat Kamerun – unter anderem der Tanzmusik Makossa.
mehr…

In Zeiten des Coronavirus ein Zeichen der Verbundenheit setzen

L'inno d'Italia cantato da balconi e finestre in tutto il Paese

Aus der Stille der italienischen Städte steigt ein Chor, ein Konzert, ein herzerwärmendes Lebenszeichen. Alle paar Stunden, irgendwo im Land, treten Menschen aus der Isolation, die ihnen die Regierung wegen der Verbreitung des Coronavirus verordnet hat, heraus. Sie stellen sich auf ihre Balkone oder an ihre Fenster und stimmen in Lieder ein, alle miteinander, über Straßen und Piazze hinweg, manchmal begleitet von improvisierten Schlagzeugern, die sich mit Pfannen behelfen, mal von Trompetern zweifelhafter Güte, mal von richtig guten Tenören und Gitarrenspielern. Jeder mit seinem Talent.
Quelle: Süddeutsche Zeitung

Lernort Komödien
Von der Freundschaft zwischen Kommunisten und Anarchisten

Känguru-Chroniken: Freunde sein
Foto: X Verleih

Die Komödie Die Känguru-Chroniken ist gerade angelaufen. (Regie Dani Levy nach dem Buch von Marc-Uwe Kling). Darin findet sich dieser klärende Dialog:

Känguru: „Ich bin Kommunist und was sind Sie?“
Marc-Uwe: „Ich bin Anarchist“
Känguru: „Cool, dann können wir Freunde sein. Bis zur Revolution. (leiser, für sich) Danach wird es allerdings schwierig.“

Peter Grohmanns Wort zum Montag

Hand ausgestreckt

In seinem aktuellen Wort zum Montag lenkt Peter Grohmann den Blick auf den Umgang mit den Flüchtlingen, die in der Türkei gestrandet sind und die einen sicheren Zufluchtsort in Europa suchen:

Es ist Zufall, dass ich das „Wort zum Sonntag“ in der ARD von Annette Behnken gehört habe. Kirche zeichnet sich selten durch klare Worte aus und ist eher Sprachrohr der Herrschenden. Manchmal und diesmal aber war es ein mutiges Wort. Vielleicht lesen Sie es und geben es weiter. In dieser Radikalität wünsche ich mir meine bedenkentragenden Freunde aller Fraktionen.

Diese 4 Minuten haben es in sich: Deutliche und scharfe Worte zur aktuellen Flüchtlingspolitik. Hier einige Auszüge: mehr…

Lesung Wolfgang Schorlau
Die trüben Wasser von Venedig

Wolfgang Schorlau und Claudio Caiolo im Hospitalhof
Wolfgang Schorlau und Claudio Caiolo im Hospitalhof
Wolfgang Schorlau hat ein festes Stammpublikum und das ist am 4. März 2020 in den großen Saal des Hospitalhofs geströmt und hat diesen bis zum letzten Platz gefüllt. An diesem Abend ist er nicht allein mit einem neuen Roman gekommen: Der freie Hund. An seiner Seite der Italiener Claudio Caiolo. Mit dem Schauspieler Claudio verbindet Wolfgang Schorlau eine 25jährige Freundschaft. Seit vielen Jahren wollten sie ein Projekt zusammen machen. Nun liegt das Ergebnis vor: Ein Kriminalroman, in Venedig angesiedelt. Weiterlesen nach Landung im Blog „Elsternest“

Songwriting
Dezember im Frühling – The Decemberists

The Decemberists - Rox in the box live

The Decemberists ist eine US-amerikanische Indie-Folk-Band aus Portland, Oregon, deren Name sich auf die Dekabristen und die Stimmung bezieht, die im Dezember herrscht. Die Dekabristen waren „adlige Revolutionäre“, vor allem Offiziere der russischen Armee, die am auf dem Platz vor Senat und Synode in Sankt Petersburg den Eid auf den neuen Zaren Nikolaus I. verweigerten. Damit bekundeten sie ihren Protest gegen das autokratische Zarenregime, gegen Leibeigenschaft, Polizeiwillkür und Zensur. In ihrem Song Rock in the Box aus dem Jahr 2011 aus dem Album The King is Dead singen sie:

Und du wirst keinen Cent machen
Auf dieser grauen Granitbergmine
Von Schmutz bist du gemacht und verschmutzt du wirst zurückkehren

Sie wissen, was sie tun

Rechte GewaltDie Erzählung von Protestwählern, die Rechtsextremisten und Nazis in die Parlamente verhelfen, erweist sich als falsch und verharmlosend. Im Rahmen der Leipziger Autoritarismus-Studien befragten die Forscher von Mai bis Juli 2018 insgesamt 2344 Personen im Alter zwischen 18 und 91 Jahren zu ihren politischen Einstellungen. Aus den Ergebnissen lasse sich ableiten, dass ein Großteil der Anhänger die AfD nicht trotz, sondern wegen ihrer antidemokratischen Positionen wähle, ergänzt die an der Studie beteiligte Wissenschaftlerin Julia Schuler. Weiterlesen hier.

Was gegen die AfD zu tun ist, beschreibt Sascha Lobo in seiner Kolumne so:
Die Zivilgesellschaft hat ein effektives Mittel gegen das Erstarken des Rechtsextremismus: Ausgrenzung.

 

 

Filmkritik
Es ist nie zu spät für Gerechtigkeit

Der schwarze Anwalt Brian Stevenson (Michael B. Jordan, rechts) übernimmt die Verteidigung des zum Tode verurteilten Walter McMillin (Jamie Foxx)
Der schwarze Anwalt Brian Stevenson (Michael B. Jordan, rechts) übernimmt die Verteidigung des zum Tode verurteilten Walter McMillin (Jamie Foxx)
© Warner Bros.

Wer in den Jahren der Präsidentschaft von Donald Trump über Amerika den Kopf schüttelt, der wie kaum ein anderer Präsident vor ihm in jüngster Zeit das Land spaltet, sollte sich den Justizthriller „Just Mercy“ anschauen. Hier wird gezeigt, wie gespalten dieses Land schon immer war und wie Menschen, die an die amerikanische Verfassung glauben, den Kampf für Gerechtigkeit aufnehmen. Die daran scheitern können, aber auch Gerechtigkeit mit Hilfe der Gesetze wieder herstellen können. Der Film „Just Mercy“ konzentriert sich ganz auf seine beiden Protagonisten, den schwarzen Anwalt Brian Stevenson (hervorragend: Michael B. Jordan) und den zum Tode verurteilten Schwarzen Walter McMillian, alias „Johnny D.“, (Jamie Foxx). Er sitzt als Todeskandidat im Gefängnis und ringt um seine Würde.

JUST MERCY Trailer German Deutsch (2020)

mehr…

Ernesto Cardenal gestorben
Lyriker, Revolutionär und Mystiker

Ernesto Cardenal
Bildquelle Wikipedia CC BY-SA 3.0

Der nicaraguanische Dichter und Priester Ernesto Cardenal starb am 1. März 2020 in Managua im Alter von 95 Jahren an Nieren- und Herzschäden. Als Theologe war er einer der prominentesten Vertreter der Befreiungstheologie. Sein politisches Engagement veranlasste ihn, den bewaffneten Kampf gegen die Somoza-Diktatur zu unterstützen. Als Dichter war er hoch geehrt, er bekam unter anderem den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1980).

Gott
braucht den Menschen nicht,
um glücklich zu sein,
und doch liebt er ihn so,
als ob er ohne ihn
ewig unglücklich wäre.

Ernesto Cardenal

mehr…

Frauen im Rock XII
Susan Tedeschi

Tedeschi Trucks Band - "Made Up Mind" - Mountain Jam 2014

Die US-amerikanische Blues-Gitarristin, Sängerin und Songschreiberin Susan Tedeschi kommt aus einer musikalischen Familie. Geboren am 9. November 1970 in Boston, Massachusetts gründete sie mit 15 Jahren ihre erste Band „The Smoking Section“. Sie interessierte sich früh für die Blues-Szene, machte einen Abschluss des Berklee College of Music.

Tedeschis Stimme kann man als eine Mischung aus Bonnie Raitt und Janis Joplin beschreiben, die sie beide als ihre Vorbilder nennt. Ihr Gitarrenspiel wurde von Buddy Guy, Johnny „Guitar“ Watson, Stevie Ray Vaughan und Freddie King beeinflusst. mehr…

Buchvorstellung
Pressestimmen zum neuen Buch von Albrecht Müller

Nach dem großen Echo auf die Veranstaltung der AnStifter mit Albrecht Müller zu seinem neuen Buch „Glaube wenig, hinterfrage alles, Denke selbst – Wie man Manipulationen durchschaut“, Westend-Verlag, 2019, machen wir gern auf einige Pressestimmen aufmerksam:

„Albrecht Müllers großes Verdienst ist es, das System der meist unsichtbaren, oft sehr leisen, aber sehr wirkungsvollen politisch-medialen Manipulationen, die uns tagtäglich erreichen, sichtbar gemacht zu haben. Sein neuestes Buch ist daher ein wichtiger weiterer Beitrag, um diesen Manipulationen, die immer perfider und ausgeklügelter werden, nicht zu erliegen, sondern sie zu identifizieren als das, was sie sind: Herrschaftstechniken. Ein sehr wichtiges Kompendium für alle, die noch selber denken.“
Rainer Mausfeld

„Er schildert in diesem Buch gängige Methoden der Manipulation sowie Fälle gelungener oder versuchter Meinungsmache und analysiert die dahinter stehenden Strategien.“
Sahra Wagenknecht mehr…

Songwriting
Digger Barnes – Ein Leben on the road

Digger Barnes “TRAVELIN´ MAN” Music Video

Seit fünfzehn Jahren dokumentiert der Musiker Kay Buchheim unter seinem Künstlernamen und Alter Ego Digger Barnes sein Leben on the road. Vielmehr noch: Er macht die Entwurzelung eines melancholischen Reisenden zum Gegenstand seiner Musik. „Der Beruf des Cowboys ist ein verdammter Scheißberuf“, sagte er einmal in einem Interview. mehr…