Das Ende der alten Bundesrepublik – eine Wahlnachlese

(Ein Kommentar von Boris Blaha, nicht anonym).
Mit einer Verspätung von knapp 30 Jahren ist die historische Zäsur von 1989 nun auch im Parteiensystem angekommen. Man dachte seinerzeit, ein paar kleinere kosmetische Korrekturen würden genügen, taufte die Bonner in Berliner Republik um und machte einfach so weiter, als wäre nichts geschehen. Das erweist sich nun als Irrtum. Die Parteien der alten Bundesrepublik lösen sich auf. Die westliche Linke, die seit 45 jede diskutierbare Antwort auf Möglichkeit und Wirklichkeit der totalitären Versuchung verweigert, ist ohnehin nur das geduldete Relikt derjenigen, denen Denken zu anstrengend ist. Die SPD ist Geschichte, seit deutlich wurde, dass Schröder Politik nur gegen, aber nicht mit seiner Partei machen kann. Die wundersame Verjüngung einer alten Tante gibt es nur im Märchen. Die SPD hat ihre Zeit gehabt und darf sich auf den würdigen Abgang vorbereiten. Die Grünen haben sich vor der näher rückenden Wirklichkeit in ihre hypermoralische Kirche geflüchtet. Ihre einzige Funktion ist seither, den dekadenten 68ern, die nur noch um ihr eigenes Selbst kreisen, die Illusion eines guten Gewissens zu geben: man würde ja bereits verantwortungsvoll handeln, wenn man brav seinen Müll trennt. Die CDU ist im Osten so vernichtend geschlagen, dass sie sich von dieser Niederlage kaum mehr erholen kann. Man sehe sich nur an, was aus König Kurts Sachsen geworden ist. Ob aus der AfD mehr als ein präpotenter Pöbelhaufen wird, ist fraglich. Einzig die FDP könnte, wenn sie klug ist, aus dem zusammenstürzenden Haufen die wenigen Reste einsammeln, die noch politikfähig sind. Deutlich ist bislang nur: es gibt ein großes Potential für eine neue konservative und ein nicht weniger großes für eine erneuernde politische Kraft. Es könnte also darauf ankommen, wie viele sich von Kennedys berühmter Frage ansprechen lassen: „Frage nicht, was dein Land für dich, frage was du für dein Land tun kannst“. Niemand hat behauptet, der private Konsum sei die letzte und finale Antwort auf die Frage nach dem Glück. Boris Blaha


„Verstehen heißt immer, verstehen was auf dem Spiel steht … “
Hannah Arendt

In den Maschinenraum der Parteien geschaut
Wahlanalyse

Eine gute Datenanalyse zur Wahl in grafischer Form
gibt es auf Spiegel.de

Rosen auf den Weg gestreut

Peter Grohmann / Grußwort zur Kundgebung gegen rechts am 22-9-17

Kurt Tucholksky
Rosen auf den Weg gestreut

Ihr müßt sie lieb und nett behandeln,
erschreckt sie nicht – sie sind so zart!
Ihr müßt mit Palmen sie umwandeln, getreulich ihrer Eigenart!
Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft –:
Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft! 
Wenn sie in ihren Sälen hetzen, sagt: »Ja und Amen – aber gern!
Hier habt ihr mich – schlagt mich in Fetzen!«
Und prügeln sie, so lobt den Herrn.
Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft!
Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft. 
Und schießen sie –: du lieber Himmel, schätzt ihr das Leben so hoch ein?
Das ist ein Pazifisten-Fimmel!
Wer möchte nicht gern Opfer sein?
Nennt sie: die süßen Schnuckerchen,
gebt ihnen Bonbons und Zuckerchen …
Und verspürt ihr auch in euerm Bauch den Hitler-Dolch, tief, bis zum Heft –:
Küßt die Faschisten, küßt die Faschisten,
küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft –!

AFD und Neonazis, Hass-Kommentatoren, Skins, Rocker und Pegida, Verfassungsschutz, Militaristen, Spitzel – und mitten drin der gute Deutsche, Martin Luther unterm Arm. Er hat keine Ahnung, wie er da plötzlch hineingeraten ist: Der Urgroßvater bei der SS, der Onkel in Auschwitz – als Aufseher. Ein bisschen Antisemit, ein bisschen Spießbürger, ein bisschen Bimbohasser und geistiger Bombenleger

Klimawandel in Deutschland.
Der Winter kommt wieder, es wird kälter.
Wir ziehen uns warm.
Danke, dass Ihr auf der Straße seid.
Danke, dass Ihr laut seid. Danke für Euren Widerstand.

noch ohne

Aslı Erdoğan erhält Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2017

© Gürcan Öztürk

Am Freitag, 22. September, erhielt Aslı Erdoğan den mit 25.000 Euro dotierten Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2017 verliehen. Während einer Feierstunde im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses überreichte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert den Preis, der nach dem weltbekannten, in Osnabrück geborenen Schriftsteller Erich Maria Remarque benannt ist. Damit hat die türkische Journalistin und Schriftstellerin neben dem Friedenspreis der Anstifter einen weiteren wichtigen Preis für ihre Arbeit erhalten. Sie nahm an der Verleihung des Preises teil. Das lässt hoffen, dass sie auch am 10. Dezember zur Verleihung des Friedenspreises der Anstifter ins Theaterhaus kommen wird.

In ihrer Dankesrede erzählt Aslı Erdoğan von einem Erlebnis aus dem Frauengefängnis von Istanbul, in dem sie 132 Tage in Haft saß. Sie hatte Frauen in ihrer Zelle beobachtet, die heimlich eine Pflanze aufgezogen hatten. Dabei gab es keine Erde für das zarte Gewächs, nur ein Provisorium aus Eierschalen und Teebeuteln: „Sie haben versucht, diese kleine Pflanze zu verbergen und am Leben zu erhalten. Sie haben ihr die Sonne und den Regen gezeigt als wäre sie ihr kleiner Prinz. Und natürlich wurde diese kleine Pflanze entdeckt – und die Wächter haben sie den Frauen mit Freude aus den Händen gerissen. Das hätten Sie sehen sollen: Frauen, einige seit zehn Jahren und länger in Haft, die um diese kleine Pflanze weinen!“

Quelle: Deutschlandfunk Kultur

Standpunkt
„Keinen Milimeter!“

Zwischen sprachlos und wütend. Das Wahlergebnis der Bundestagswahl 2017. Zuerst ein Blick auf die Zahlen: Die Union (also CDU/CSU) kommt auf 33,0%, die SPD auf 20,5%, DIE LINKE auf 9,2%, die Grünen auf 8,9%, die FDP auf 10,7% und die AfD auf 12,6%. In absoluten Zahlen heißt das: 5.877.094 Menschen haben die AfD gewählt. Damit haben sich fast 6 Millionen Menschen für eine offen rechtsxtreme, teils faschistische Partei entschieden, deren Ziel eine homogene, völkische und antipluralistische Gesellschaft ist.

weiterlesen bei Halina Wawzyniak

Das Wahlorakel #4

Gewinn - Verlust

Am Wahlabend um 19:30 Uhr wird klar: Die beiden Parteien in der großen Koalition haben gegenüber allen anderen deutlich verloren. Martin Schulz will die große Koalition nicht fortsetzen. Dann gibt es realistisch nur eine Jamaika-Koalition.

Das Wahlorakel #3
Was macht der denn da?

CDU vor den Kameras

Die Kanzlerin tritt kurz nach den ersten Hochrechnungen vor die Kameras. Man fragt sich, warum macht der Herr an ihrer Seite sich an die Kanzlerin ran?

Das Wahlorakel #2
Jamaika wird kommen

Wenn man die Aussagen der SPD und die Statistik vergleicht, kann nur eine „Jamaika-Koalition“ erwarten. Es sei denn …

Nur eine Möglichkeit
Nur eine Möglichkeit

Kommt es so, wird die SPD die Opposition anführen. Man kann ihr nur zurufen: „Glückauf!“

Das Wahlorakel #1
„Wir werden sie jagen!“

AfD zweistellig im Bundestag
AfD zweistellig im Bundestag

Das sagt der Spitzenkandidat der AfD, Gauland, der drittstärksten Kraft im neuen Bundestag. Es lässt erahnen, wie die neue Rechte in den nächsten vier Jahren agieren wird. Ein bitteres Ergebnis für alle demokratische Parteien im Bundestag, dass eine rechtspopulistische Partei drittstärkste Partei im neuen Bundestag wird.

Was die Anstifter im Chor mit den Kräften der Zivilgesellschaft seit Wochen befürchteten, ist eingetreten: die rechten Kräfte in der Gesellschaft werden stärker.

Die ersten Aussagen von Anton Hofreiter lässt erahnen, was auf uns zu kommt, nachdem die SPD sich für die Opposition ausgesprochen hat: Es wird eine Koalition zwischen CDU, Grünen und FDP geben.

Deutschland hat gewählt - erste Hochrechnungen
Deutschland hat gewählt – erste Hochrechnungen