In den Maschinenraum der Parteien geschaut
Wirtschaft im Fokus der Parteien

Wahlplakat FDPVerwundert reibt man sich die Augen, geht man am Wahlkampfplakat der FDP mit dem Slogan: „Jetzt wieder verfügbar: Wirtschaftspolitik“ vorbei.

Es scheint, als sei die FDP in die Rolle eines Kaufhauses geschlüpft, das eine Ware anbietet, die es lange nicht gegeben hat und die sie uns Wählern verkaufen will. Oder will Herr Lindner damit andeuten, dass die Wirtschaft in den letzten vier Jahren im Bundestag nicht zu Hause war und er wirtschaftspolitische Themen wieder zurück in das hohe Haus bringen will? Was, so fragt sich der erstaunte Leser, haben dann die vielen Lobbyvertreter an den Schaltstellen der Demokratie die letzten vier Jahre gemacht? Und hat unser Herr Schäuble nur Kaffee getrunken? Die FDP wirft Fragen auf.

Optisch kommen die Plakate der FDP frisch daher. Die Berliner Agentur „Heimat“ hat den Berliner Fotograf Olaf Heine engagiert, den Spitzenkandidat Christian Lindner komplett anders zu inszenieren als seine politischen Gegner. Heine ist bekannt für seine ausdrucksstarken Schwarz-Weiß-Fotos von Bands und Künstlern wie Rammstein, Iggy Pop und Die Ärzte. Außerdem drehte er mehrere Musikvideos und Werbefilme für Marken Adidas, BMW, Mini, Sony und Hugo Boss. Dieser Hintergrund darf getrost als Statement der Partei verstanden werden.

Man muss die Schwarz-Weiß-Bilder nicht mögen, kann sie als Fortsetzung der Boss-Werbung verspotten. Die FDP versucht damit ihr Image als Klientelverein abzustreifen, die Hoteliers Steuergeschenke macht und präsentiert sich als jüngere, ambitioniertere Alternative zu den großen Parteien. Sie versucht mit Werbung ihr Image umzuparken.

Wahlplakat mlpdPräsentiert sich die FDP als liberale Wirtschaftspartei, hat man bei der kleinen aber revolutionär unwahrscheinlich wuchtigen MLPD den Eindruck, sie verstehe nichts von Wirtschaft und Preisberechnung. Oder wie sollte die Forderung verstanden werden, Erzeugerpreise zu steigern bei sinkenden Verbraucherpreisen? Das versteht nur ein Ochse, der gleich mit auf dem Plakat abgebildet ist.

Russische Badehosen & Merkels Schatten

Dass der türkische Geheimdienst bei uns nicht so viel Einfluss hat wie die drei reichsten deutschen Frauen der Republik, gehört zu meinen Fake-News der Woche. Und soviel verdient ein Altkanzler auch wieder nicht, dass er ein Angebot des sowjetischen Merkelverstehers ausschlagen könnte. Die CSU bezeichnet Gerhard Schröder jetzt gar als russischen Söldner. Falls Sie es noch nicht gemerkt haben: Es ist Wahlkampf – da wird alles heißer gegessen, häufig sogar ungekocht.
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In den Maschinenraum der Parteien geschaut
Diesmal in die Abgründe der AfD

AFD Wahlplakat

So plakatiert die AfD in diesem Wahlkampf. Heftig wurde innerhalb der AfD über die Plakatmotive gestritten. Den einen gingen sie nicht weit genug, den anderen waren sie zu frech. Bei diesem Plakat fragt man sich allerdings, für was es wirbt: für eine Partei oder für ein Saufgelage auf dem Wasen bzw. dem Oktoberfest. In Stuttgart kommen diese Trachten nur zum Einsatz, wenn sich junge Frauen hoffnungslos betrinken wollen. Dann trauen sie sich was. Vielleicht ist das auch die dahinter stehende Botschaft: Nur mit hohem Alkoholanteil im Blut ist diese Partei zu ertragen.

Kaum zu ertragen sind die rassistischen Botschaften, die sie mit ihren Plakatmotiven verbreitet, sei es, die deutsche Frau solle neue Deutsche hervorbringen (blonde Frau mit Schwangerschaftsbau) oder die Deutschen lieben Bikinis und keine Burkas.

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Es ist Zeit für mehr Gerechtigkeit

Den Stadtflaneur beschleicht ein gewisses Déjà-vu-Erlebnis, schaut er auf die Plakate der SPD. Er sieht eine junge Frau, die im Blaumann an einer Maschine lehnt, eine ältere Dame, Seite an Seite mit ihrer Tochter, dazu jede Menge Kinder und Slogans wie „Damit die Rente nicht klein ist, wenn die Kinder groß sind“. Warum, so fragt er sich, hat man nicht einfach die Kampagne von vor vier Jahren recycelt? Damals hieß es: „Für ein Alter ohne Armut“, „Für mehr Kitaplätze“

Seit Jahren ist die Rede davon, dass Parteien sich professioneller vermarkten müssten. Dass sie sich ein Beispiel an den Konsumgüterherstellern nehmen sollten, die akribisch ihre Markenkerne und Zielgruppen analysieren und daraufhin ihre Kampagnen abstellen. Doch der Politikbetrieb scheint davon wenig anzunehmen. Ob Flüchtlinge, innere Sicherheit oder die Zukunft des Diesels: Die Bedürfnisse und Sorgen der Wähler bleiben in der Kommunikation weitgehend außen vor.

Die SPD fordert auf ihrem Plakat mit dem Kanzlerkandidaten Martin Schulz: „Die Zukunft braucht neue Ideen und einer der sie durchsetzt“. Allerdings wagt sie in ihrer Kampagne selbst kein Risiko. Sie hat die Hamburger Werbeagentur KNSK beauftrag, ihre Werbekampagne zu gestalten. Einige Plakate scheinen auf einen anderen Auftraggeber hinzudeuten: Die Vereinigung der Zahnärzte.

SPD Wahlkampfplakat Familienpolitik

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Songwirting
„Hey Kid“

… ruft uns die Band Family of the Year zu und damit kann man wunderbar in die neue Woche starten, die für den Autor die erste Urlaubswoche ist.

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Maximal schwammig

Wahlplakat GrüneDie Grünen haben 2016 eine eigene Werbeagentur für den Wahlkampf gegründet: „Ziemlich beste Antworten“. Zugegeben, ein witziger Titel. Aber ist es wirklich geschickt, sich Werbefachleute aus den eigenen Reihen zu holen? Was ist mit Betriebsblindheit?
Zwei Beispiele aus dem Bereich Umwelt, für die sich diese Partei besonders kompetent erklärt, seien exemplarisch herausgegriffen:
Ein abgewandelter Spruch: „x ist nicht alles aber ohne x ist alles nichts“. Nicht sehr originell, mit einer beliebigen Aussagekraft.

Wahlplakat GrüneNoch schwammiger ist die Aussage, die „Ziemlich beste Antworten“ der Spitzenkandidatin Karin Göring-Eckardt untergeschoben haben: Hier wird „Handeln“ als Klimaziel definiert. Die Autoindustrie handelt auch. Die chemische Industrie handelt auch …
Kann’s auch ein bisschen konkreter sein, Frau Göring-Eckardt, mag man ihr da zurufen.

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Trump und die Sprache von Twitter

Donald Trump
Quelle: Wikipedia

Eine lesenswerte Analyse der Öffentlichkeitsarbeit von Donald Trump schreibt Sascha Lobo auf Spiegel Online. Er stellt die These auf, dass nach dem Attentat in Charlottesville sich Donald Trump der gängigen Diskussionstricks der Neonazis bediene. Und seine beachtenswerte These:

So, wie der amerikanische Präsident in seiner Pressekonferenz sprach, wird im Internet schon lange argumentiert.

Lange vor der US-Wahl entdeckte Sascha Lobo einen damals noch witzigen Tweet. Er lautete: „Trump ist, als würde sich die Kommentarspalte im Internet in einen Menschen verwandeln und als Präsident kandidieren.“ Inzwischen ist die Dimension dieses Vergleichs erkennbar.

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Die CDU denkt an Opa

Frech kommt die Werbung der CDU zum Thema Briefwahl daher. Sie hat einen großen Anteil alter Menschen als Symphatisanten und will verhindern, dass Opa am Wahltag nicht kann, weil er gefesselt, krank oder vergesslich ist. Soll er doch ganz in Ruhe Briefwahl machen.

Die CDU hat für ihre Wahlkampagne eine der ganz großen, erfolgreichen Werbeagenturen verplichtet: Jung von Matt. Den Plakaten sieht’s man an.

Fortsetzung folgt

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Aussagen der Parteien – Plakatwerbung

Es ist Wahlkampf und eine Zeit, zu der man in hohem Maße belustigt durch die Straßen gehen kann. Die Absurditäten, die von den Wahlplakaten der Parteien ausgehen, sind kaum zu überbieten.

Z. B. eine Minipartei – nennen wir sie MLPD – will nicht mehr, als die „Proletarier“ zusammen schweißen. Und bitteschön die aus allen Ländern. Darunter macht es die MLPD nicht. Wie sie das machen will, bleibt ihr Geheimnis. Und da sie es offensichtlich selber nicht so ganz glaubt, machen die Oberlehrer der MLPD  mal eben einen Befehl daraus, mit einem dicken Ausrufezeichen. „Ey, Ey, Sir!“, kann man da nur sagen.

Herr Lindner schaut nicht – wie bei vielen Kandidatenbildern – dem potentiellen Wähler ins Gesicht. Er hat sich perfekt dem heute so häufig in unseren Straßen anzutreffenden „Geisterfußgänger“ angepasst und schaut auf seinen Smartphone-Bildschirm. Um auch nicht akustisch Kontakt mit den Menschen aufnehmen zu müssen, hat er sich Kopfhörer ins Ohr gesteckt. Den Slogan hat die FDP ein wenig  von Donald Trump geklaut. In der Kombination mit „Bedenken“ macht er den dahinter liegenden Geisteshorizont deutlich: dem Digitalen eine Bresche schlagen, das Nachdenken (Bedenken) hinten anstellen. Das ist übrigens das einzig ansprechende an diesem Plakat: das Spiel mit dem Wort „Bedenken“ und seiner Doppeldeutigkeit.

Und was bitte soll „NEU DENKEN“ sein? So wird das nichts mit der Wissensgesellschaft, mag man Christian Linder hinterherrufen, der aber hört ja nichts: wegen seiner Kopfhörer.

Fortsetzung folgt

Nicht wählen gehen – keine gute Entscheidung

Haben Sie Vertrauen in die Parteien? Am 24. September haben wir jedenfalls mal wieder Gelegenheit, unsere Stimmungslage mit zwei Kreuzchen zu Papier zu bringen. Aber es gibt nicht wenige Bürgerinnen und Bürger, die meinen, dass das doch alles nichts bringt, dass man den Politiker*innen eh nicht trauen kann – und man deshalb am besten zu Hause bleibt, um auf diese Weise wenigstens seine Verachtung zu zeigen. Diese Haltung kann man menschlich verstehen, aber die Konsequenz daraus, Wahlverzicht zu üben, bewirkt genau das Gegenteil von dem, was man eigentlich erreichen möchte – vereinfacht gesagt: die nicht abgegebene Stimme schlägt sich auf dem Konto gerade jener Parteien nieder, die man bestrafen möchte.
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