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Stuttgarter Friedenspreis
Tous les œufs dans le même panier

Mittlerweile sind über die Website http://www.stuttgarter-friedenspreis.de über 250 elektronische Stimmzettel eingetroffen. Das Ergebnis zwischen den Erst- und Zweitplatzierten scheint enger zu werden. Ganz sicher kann man das aber noch nicht sagen, weil die Stimmzettel, die per Post, Fax und E-Mail eingegangen sind, noch nicht ausgezählt wurden und die Zählung selbst durch das händische Prozedere etwas erschwert wird. Es ist also noch nichts entschieden. Nur ein Tipp: wenn Sie wem auch immer den Friedenspreis zusprechen möchten, dann teilen sie Ihre drei Stimmen nicht an verschiedene Kandidaten/Kandidatinnen auf, sondern geben Ihre drei Stimmen einer einzigen Person oder Einrichtung. Seien Sie mutig und werfen alles in denselben Topf. In Frankreich sagt man: mettre tous le œufs dans le même panier.

Stuttgarter Friedenspreis
Zwischenergebnis des 2. Wahlgangs

Nach der Auszählung der Stimmabgabe von etwas mehr 200 Personen ergibt sich folgendes Abstimmungsbild, das hier, um die Wahl nicht zu beeinflussen, ohne Zahlen und ohne die Namen der Kandidaten und Kandidatinnen in der Reihenfolge der gegenwärtigen Platzierung wiedergegeben wird. Wenn auch Sie AnstifterIn sind und tatsächlich noch nicht gewählt haben sollten, dann ist noch nichts entschieden. Die noch bis zum 28. Juni 2017 23:59 Uhr zur Wahl Stehenden finden Sie (einschließlich des „elektronischen Stimmzettels“) hier.

Stuttgarter FriedensPreis 2016 geht an den Rüstungsgegner Jürgen Grässlin
„Rückenwind für Engagement gegen menschen-verachtende Rüstungsexportpolitik“

Der Rüstungsgegner Jürgen Grässlin erhält den mit 5000 Euro dotierten Stuttgarter FriedensPreis 2016 der AnStifter. Dies ist das Ergebnis nach zwei Abstimmungsrunden unter den Mitgliedern der Stuttgarter AnStifter.

Auf den weiteren Plätzen folgen: Theodor Bergmann (Zeitzeuge), Seawatch (Geflüchtete in Seenot), Ärzte ohne Grenzen und Leyla Zana (kurdische Menschenrechtsaktivistin).

Verliehen wird der 14. Stuttgarter FriedensPreis im Rahmen der FriedensGala der AnStifter am 10. Dezember 2016, 17.00 Uhr, im Theaterhaus Stuttgart.

Jürgen Grässlin, geboren 1957 in Lörrach, ist Lehrer und Friedensaktivist. Im Rahmen seiner politischen Tätigkeit veröffentlichte er zahlreiche Sachbücher zu Rüstungsindustrie und Bundeswehr. Grässlin ist Sprecher der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) und anderer rüstungskritischer Organisationen. Grässlins Engagement, z.B. gegen die illegalen Waffenlieferungen des Unternehmens Heckler&Koch brachte ihm eine beachtliche mediale Aufmerksamkeit. Er ist in der gesamten Republik als „Lehrer“ und „Vorleser“ unterwegs und leistet seit 30 Jahren wagemutigen Widerstand gegen die deutsche Rüstungsindustrie.

Aus Anlass der Verleihung des Preises erklärte Jürgen Grässlin:
„Die Wahl zum Träger des Stuttgarter FriedensPreises 2016 freut mich wirklich sehr; ich empfinde diese als eine große Ehre! Von Herzen danke ich all denjenigen, die mir ihre Stimme gegeben haben und damit unser Engagement gegen die menschenverachtende Rüstungsexportpolitik der Bundesregierung stärken.
Mit dem Rückenwind des diesjährigen Stuttgarter FriedensPreises will ich mich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass der illegale G36-Waffendeal mit Mexiko seitens Heckler & Koch (H&K) in Zusammenarbeit mit dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) und dem Bundesausfuhramt (BAFA) vollständig aufgeklärt wird.
Daniel Harrich, Danuta Harrich-Zandberg und ich haben auf der Basis von Insiderdokumenten im Enthüllungsbuch ‚Netzwerk des Todes. Die kriminellen Verflechtungen von Rüstungsindustrie und Behörden’ die massive Mitverantwortung von Vertretern der staatlichen Rüstungsexportkontrollbehörden umfassend aufgezeigt und der Staatsanwaltschaft Stuttgart zahlreiche Dokumente zur Verfügung gestellt.
Das Vorgehen dieser Staatsanwaltschaft ist in doppeltem Sinne skandalös: Ungeachtet der vorliegenden Insiderdokumente wurden gegen die Mitverantwortlichen des BMWi und der BAFA nicht einmal Ermittlungen eingeleitet. Nach fünfeinhalb Jahren wurde einzig Anklage gegen vormalige H&K-Mitarbeiter erhoben. Nur wenige Monate nach Erscheinen des Netzwerk-des-Todes-Buches haben die Staatsanwaltschaft Stuttgart dagegen Vorermittlungen und die Staatsanwaltschaft München Ermittlungen gegen uns drei Buchautor/innen in die Wege geleitet. Der Vorwurf lautet auf Verdacht der Veröffentlichung verbotener Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen gemäß § 353d Strafgesetzbuch.
Nunmehr droht dem Träger des Stuttgarter Friedenspreises 2016 womöglich eine Haftstrafe. Ich verstehe die Preisverleihung als ein stärkendes Signal im Einsatz für die Gerechtigkeit der Opfer deutscher Waffenexporte und für die grundgesetzlich verbriefte Presse- und Meinungsfreiheit.“
 
Für den 14. Stuttgarter FriedensPreis der AnStifter waren 25 Vorschläge eingegangen. In zwei Wahlgängen wurde nun entschieden, wer die Auszeichnung in diesem Jahr erhalten soll. Bis zum 28. April hatten die Mitglieder der AnStifter zunächst Gelegenheit die drei Vorschläge mit den meisten Chancen herauszufiltern. In einem weiteren Wahlgang, der bis zum 13. Mai lief, wurde unter diesen Vorschlägen entschieden, wer den Preis erhält.

Die Forderung nach Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit, nach Gerechtigkeit, ohne die es keinen Frieden gibt: Das ist die Agenda der AnStifter, mit der sie Bürgerinnen und Bürger aufrufen, Vorschläge für den „Stuttgarter FriedensPreis“ zu machen. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, Verbände oder Initiativen, die sich im Namen der Menschenwürde für Freiheit, Recht, Gerechtigkeit einsetzen, die Machtmissbrauch aufdecken, die ermutigende, motivierende Vorbilder für die Gesellschaft sind. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

Stuttgarter FriedensPreis 2016
Die Ergebnisse des zweiten Wahlgangs

48,2 Prozent der AnStifterinnen und AnStifter haben im zweiten Wahlgang zum Stuttgarter FriedensPreis ihre Stimmen abgegeben und Jürgen Grässlin zum Träger des Friedenspreises gewählt.

Verliehen wird Jürgen Grässlin der Preis auf der FriedensGala am Samstag, den 10. Dezember im Stuttgarter Theaterhaus.

 Vorschlag Stimmen
4 Jürgen Grässlin, Rüstungskritiker 17,3%
1 Theodor Bergmann, Zeitzeuge 12,9%
2 Sea-Watch, Geflüchtete in Seenot 12,4%
22 Ärzte ohne Grenzen 12%
10 Leyla Zana, kurdische Menschenrechtsaktivistin 11,8%
9 Andrea Röpke, Engagement gegen Rechts 9,1%
21 Wiederaufbau Kobane 8,5%
15 Grandhotel Cosmopolis, Augsburg 5,9%
16 Albrecht Müller und die NachDenkSeiten 5,3%
19 Antonia Melo, Umweltaktivistin 4,9%

Unser gemeinsamer FriedensPreis geht 2016 an…

Liebe Leut,

bis zuletzt sorgten die AnStifterinnen und AnStifter mit Ihren Stimmen für ein spannendes Rennen zwischen den Vorschlägen zum Stuttgarter FriedensPreis 2016. Das Resultat ist eine deutlich höhere Wahlbeteiligung (48%) und ein viel weniger klares Ergebnis. Am Samstag stand schließlich der Friedensaktivist Jürgen Grässlin als Gewinner unseres gemeinsamen Friedens­Preises fest.

Vor kurzem decken Jürgen Grässlin und weitere Journalisten Machenschaften der Waffen­schmiede Heckler & Koch in Mexiko auf. Statt umfangreich auch gegen Bundes­behörden zu ermitteln, stieß die Stuttgarter Staatsanwaltschaft – wir hoffen, Sie sehen keine Verbindungen zu anderen Fällen – Ende April Er­mitt­lungen gegen Jürgen Grässlin und sein Team an.

Wir sind froh, mit dem Stuttgarter FriedensPreis sowohl Jürgen Grässlin als auch der investi­ga­tiven und friedenspolitischen Arbeit insgesamt den Rücken stärken zu können.

Wenn Sie nun den ein oder anderen Cent übrig hätten, würden wir ihn, Gesetz dem Fall, er erreicht uns auf unserem Konto DE31 4306 0967 7000 5827 01 mit dem Stichwort Friedenspreis, in die Vorbereitung der FriedensGala am Samstag, den 10. Dezember 2016 im Stuttgarter Theaterhaus und in die Finanzierung von Tickets für nicht ganz so Betuchte stecken.

Herzliche Grüße

Peter Grohmann, Ebbe Kögel, Fritz Mielert & Evy Kunze

PS: Wir haben Ihnen die Abstimmungsergebnisse grafisch aufbereitet
PPS: Peter Grohmann wetterte über Flammenwerfer & Aschenputtel

Stuttgarter Friedenspreis
Erster Wahlgang schafft keine Klarheit

Nein, von Klarheit kann man wirklich nicht sprechen, wenn man sich das Ergebnis des ersten Wahlgangs zum Stuttgarter Friedenspreis 2016 ansieht an dem sich 32 Prozent der AnStifterinnen und AnStifter beteiligten. Zwar führt Jürgen Grässlin mit elf Prozent, doch kurz hinter ihm liegen Sea-Watch und Ärzte ohne Grenzen mit gut acht Prozent. Denen wiederum dicht auf den Fersen folgen Theodor Bergmann (7,5 %), der Wiederaufbau von Kobane (6,7 %) und Leyla Zana (6,4 %).

Die Vorschläge, die auf einem der ersten zehn Plätzen landeten, stehen nun beim zweiten Wahlgang wieder zur Abstimmung. Diesmal entscheidet nicht die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen, diesmal ist die relative Mehrheit. Bis zum 13. Mai 2016 sind nun die AnStifterinnen und AnStifter aufgerufen, erneut ihr Votum abzugeben.

Vorschlag Stimmen
4 Jürgen Grässlin, Rüstungskritiker 10,8%
22 Ärzte ohne Grenzen 8,3%
2 Sea-Watch, Geflüchtete in Seenot 8,3%
1 Theodor Bergmann, Zeitzeuge 7,4%
21 Wiederaufbau Kobane 6,9%
10 Leyla Zana, kurdische Menschenrechtsaktivistin 6,8%
9 Andrea Röpke, Engagement gegen Rechts 5,4%
16 Albrecht Müller und die NachDenkSeiten 4,4%
15 Grandhotel Cosmopolis, Augsburg 4,4%
19 Antonia Melo, Umweltaktivistin 4,2%
12 Seyran Ates, integrationspolitisches Engagement 3,7%
11 Henning Zierock, Friedensaktivist 3,7%
14 Erhard Eppler, Politiker 3,4%
13 Dalia Abdel Rahman, Kunstaktivistin 3,4%
20 Brandon Bryant, Whistleblower 3,2%
17 Christiane Quincke, Engagement gegen Rechts 2,7%
8 NSU-Watch – Aufklären und Einmischen 2,6%
24 Clemens Ronnefeldt, Menschenrechtler 2,3%
5 Lebenslaute, Musik- und Aktionsgruppe 1,9%
18 Jafar Panahi, iranischer Filmemacher 1,6%
25 Kristina Egbers, Ingenieure ohne Grenzen – Regionalgruppe Stuttgart – Schulgebäude für Hopley, Simbabwe 1,5%
7 Markus Kressler und das Team der
Kiron-Online-Universität für Flüchtlinge
1,4%
3 More-than-shelters, Zelte für Geflüchtete 1,2%
23 Netzwerk Friedenskooperative 0,4%
6 Ein Lied für Argyris – ein Leben für den Frieden 0,3%

Stuttgarter Friedenspreis
Wahl läuft

Liebe Leut,

25 Vorschläge stehen dieses Jahr für den Stuttgarter Friedenspreis zur Wahl. Allerdings sind nur diejenigen AnStifterinnen und AnStifter wahlberechtigt, die uns befördern und bespenden und sich das Kapital für den FriedensPreis aus den Rippen schneiden (SpenderInnen ab 50 Euro, Ehrenmitglieder und Ehrenamtliche). Vorgestern haben wir einen entsprechenden Brief zur Post gebracht. Die Vorschläge haben wir in einem PDF zusammengestellt.

Doch auch die Nicht-Wahlberechtigten sind uns natürlich wichtig und teuer. Wir haben Ihnen wieder einige Termine zusammengestellt und wollen ein paar Themen hervorheben. Das Hannah Arendt Institut für politische Gegenwartsfragen, das momentan noch an die AnStifter angegliedert ist, hat letzten Donnerstag mit einer Veranstaltungsreihe begonnen. Unter dem Titel “Weiterdenken mit Hannah Arendt” finden monatlich Vorträge und Diskussionen im Württembergischen Kunstverein statt. Sie finden alle Termine unter https://www.die-anstifter.de/termine/schlagworte/hannah-arendt-institut/.

Ans Herz legen wollen wir Ihnen den vom kürzlich verstorbenen Peter Conradi ins Leben gerufenen Neuen Montagskreis. Zur 50. Veranstaltung spricht am 25. April ab 19 Uhr der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte zum Thema Politik ohne Parteien im Theaterhaus.

Herzliche Grüße

Peter Grohmann, Ebbe Kögel, Fritz Mielert & Evy Kunze

PS: Falls Sie AnStifterin oder AnStifter sind und in den nächsten Tagen keine Wahlunterlagen von uns bekommen bzw. schon bekommen haben, bitten wir Sie, sich kurz bei uns zu melden.
PPS: Peter Grohmann wetterte über Böllermann & Ergohahn und Störfälle
PPPS: Falls Sie beim nächsten Mal abstimmen wollen, freuen wir uns natürlich über Spenden

Stuttgarter Friedenspreis: Rede von Peter Grohmann
Der geräuschlose Krieg: Blitzschnell

Rede von Peter Grohmann bei der FriedensGala der AnStifter am 6.12.2015 im Theaterhaus Stuttgart

Dieser Abend ist eine Demonstration für das Menschenrecht auf Leben, auf Frieden! So geräuschlos ist Deutschland noch nie in einen Krieg geglitten. Und dennoch dürfen wir uns nicht daran gewöhnen! Ich will mich nicht daran gewöhnen, dass Deutschland Teil einer Kriegsmaschinerie ist. Ich will mich nicht daran gewöhnen, dass der mühsame Frieden zerstört und zerfressen wird.

Ich will mich nicht daran gewöhnen, dass das alles normal ist,
– dass es normal ist, in den Krieg zu ziehen,
– dass es normal ist, mit Waffen zu handeln,
– dass es normal ist, ohne langes Gerede JA zum Krieg zu sagen,
frohgemut in die Katastrophe: Denn sie wissen nicht, was sie tun!

Ich kann es nicht glauben, dass dieses Schweigen ist im Land, dieses Zuschauen und diese Verharmlosung des Krieges!

Wir dürfen uns nie daran gewöhnen, dass das Recht des Stärkeren gilt – wo auch immer! Wir dürfen uns nie daran gewöhnen, dass das Recht auf Asyl noch weiter ausgehöhlt wird, dass die Charta der Menschenrechte nichts ist als das Versprechen für übermorgen.
Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass täglich 30 000 Kinder verhungern, 30 000 und mehr, dass Ernten im Meer versenkt werden, um den Getreidepreis stabil zu halten. Ich will ich nicht daran gewöhnen, dass Hunderttausende im eigenen Land nicht satt werden, dass Hunderttausenden im eignen Land der Zugang zu Gesundheit, Bildung und einem würdevollen Leben verwehrt wird.

Wir dürfen uns nie daran gewöhnen, dass der Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ zu einer leeren Floskel verkommt.

Ja: Wir sind gegen Gewalt und Vergessen, gegen Terror und Krieg, wo auch immer. Oft haben wir keine schnellen Antworten auf hundert Zweifel, auf tausend Fragen.
Aber Krieg ist immer die falsche Antwort.

Wir dürfen uns nicht an die Barbarei einer globalisierten Welt gewöhnen:
An die Ausplünderung armer Länder, die Waffenlieferungen, an die Unterstützung von Despoten und Diktatoren, Tyrannen und Sklavenhaltern.
Wir dürfen uns nicht an das Aushebeln elementarer Grundrechte gewöhnen,
nicht in Ungarn, nicht in der Türkei, nicht in Polen. Wir dürfen uns nie an den Triumph des Front National gewöhnen. In Solidarität und Geschwisterlichkeit sagen wir:

Non! Nein! Njet! No! Nie! Hayır! Neniu! nincs! Babu! Sin! Óchi! Nein zu Populismus, nationaler Engstirnigkeit, Rassismus und Gewalt.

Ich möchte nicht, dass die Deutungshoheit über die Moral die bekommen, die keine haben. Es gibt die Unschuld des Nicht-Wissens nicht mehr. Wir wissen, dass der Wohlstand auf Unrecht aufgebaut ist. Wir wissen, dass wir die Erde zerstören.
Und wir können auch längst nicht mehr ignorieren, dass andere arm sind, weil wir reich sind. Wir werden uns nicht herausreden können mit dem immer gleichen Worten: „Davon haben wir nichts gewusst“.

Nein, wir werden es gewusst haben.

Aber ich will mich daran gewöhnen, mit Menschen gelebt und gekämpft zu haben,
die aufstehen, wenn es notwendig ist! Heute, jetzt!
Mit Menschen, die Nein sagen!

Ich will mich daran gewöhnen, an Eurer Seite zu sein:
Mit Menschen, die Herz und Verstand besitzen, die mit Fantasie und Solidarität für Gerechtigkeit und Frieden eintreten:

Mit Menschen wie Euch.

Stuttgarter Friedenspreis: Rede von Rosa Maria Maggiore
Il premio della pace a Stoccarda: Manifesto di Rosa Maria Maggiore, Lampedusa

Stuttgart, 6. Dezember 2015

Rede von Rosa Maria Maggiore, genannt „Mamma Rosa“
Vorgetragen auf der Pressekonferenz vor der FriedensGala der AnStifter

Die Insel, auf der ich lebe, hat mich einige Dinge gelehrt, die ich mit euch teilen möchte.

1. Seit nunmehr 20 Jahren ist die Insel ein sicherer Landeplatz für diejenigen, die Europa erreichen wollen. Hunderttausende sind auf dieser Insel angekommen. Und das Zusammenleben mit den Einheimischen hat nie Probleme bereitet, solange den Migranten Rechte und Würde garantiert wurden. Erst als entschieden wurde, sie einzuschließen, sie als Verbrecher zu behandeln, gab es gewalttätige Ereignisse. Aber ausschließlich gegen Sachen, nie gegen Personen. So wurde in den Jahren 2009 und 2011 das Willkommenszentrum angezündet, das aufgrund absurder politischer Entscheidungen in einen Knast verwandelt worden war. Lampedusa hat mich also gelehrt, dass die Pforten der Gewalt sich öffnen, wenn den Menschen Rechte und Würde verweigert wird.

2. Die zweite Sache, die ich gelernt habe ist, dass die Schiffe, mit denen die Migranten in See stechen, letzten Endes alle dazu bestimmt sind, unterzugehen. Kein Wasserfahrzeug, das zu diesem Zweck konstruiert wurde, dann aber mit so vielen Menschen beladen ist, in Anbetracht dieses gefährlichen und langen Meeresabschnittes, war je dazu gedacht, am Bestimmungsort anzukommen. Alle Personen, die sich einschiffen, sind „natürlicherweise“ dazu verdammt unterzugehen. Es sind die Männer der Finanzpolizei, der Küstenwache, der Marine, die Besatzungen der Schiffe, die seit Jahren auf dem Meer sind, um die Migranten zu retten, die Matrosen auf den Handelsschiffen und den Fischerbooten, die Fischer von Lampedusa und Mazara und so weiter, die jedesmal ein „Wunder“ vollbringen, wenn sie Menschen retten. Das ist eine Wahrheit, die jeder kennt, der auf Lampedusa lebt, aber die niemand – weder Politiker noch Journalisten – der Öffentlichkeit mitteilt.

3. Eine andere Sache, die Lampedusa allen lehrt, die es begreifen wollen: es sind unsere Gesetze, die diese Menschen ins Meer werfen. Es ist nicht das Meer, es sind nicht die Stürme, es ist nicht das Pech. Noch sind es die Schleuser, die diese Menschen umbringen. Es sind wir, mit unseren Gesetzen, die wir die Menschenhändler „bewaffnen“. (Jene, die an Land bleiben, um ihr Geld zu zählen und das Geschäft zu organisieren). Mit diesen Gesetzen blockieren wir jeden legalen, sicheren und gerechten Zugangsweg.
Seit Jahren verlangen deshalb alle, die auf Lampedusa leben, die sofortige Öffnung von humanitären Zugangswegen, die denjenigen Personen, die Europa erreichen wollen, dies ermöglichen, ohne dass sie ihr Leben riskieren müssen.

4. Eine letzte Sache, die ich gelernt habe, möchte ich mit euch teilen: die Menschen, die auf Lampedusa anlanden, haben uns gewählt, haben den Westen gewählt. Und nicht allein und nie ausschließlich wegen unseres Wirtschaftsmodells oder wegen den Möglichkeiten eines besseren Lebens, die unser Kontinent ihnen eröffnet (zumindest theoretisch). Sie wählen uns, weil sie auf der Suche nach ihren Rechten sind. Das Recht, frei zu leben, der Zugang zu Bildung, seine Ideen äußern zu können, in Frieden zu leben. Der Frieden. In Wirklichkeit kommen sie, um Frieden zu suchen. Diese Personen abzuweisen, sie in ihre Länder zurückzuschicken, ist ein Sieg für die Feinde des Westens. Lampedusa hat mich gelehrt, dass es der Frieden ist, die Liebe und der Respekt, mit denen die Schlacht gegen das Böse gewonnen werden kann. Es ist, wie Erasmus von Rotterdam sagt: Alles, was wir mit Gewalt erreichen, werden wir auf dieselbe Weise wieder verlieren.

*****

Stoccarda, 6 dicembre 2015

Manifesto di Rosa Maria Maggiore, Lampedusa
Presentato alla conferenza stampa, Premio per la Pace degli AnStifter

L’isola in cui vivo mi ha insegnato alcune cose, che vorrei condividere con voi.

1. Sono ormai 25 anni che l’isola è approdo sicuro per chi vuole raggiungere l’Europa. Centinaia di miglaia di persone sono passate da questa isola. E la convivenza con chi vive a Lampedusa non ha mai creato problemi fin quando ai migranti sono stati garantiti diritti e dignità. Solo quando si è deciso di rinchiuderli, di trattarli come delinquenti, sull’isola si sono verificati episodi di violenza. Ma esclusivamente contro le cose, mai contro le persone. E cosi nel 2009 e nel 2011, il centro di accoglienza – che per decisioni assurde venne trasformato in carcere – fu dato alle fiamme.
Ecco cosa mi ha insegnato Lampedusa: che quando si violano i diritti e la dignità delle persone si aprono le porte alla violenza.

2. La seconda cosa che ho imparato è che le barche sulle quali i migranti vengono fatti partire sono TUTTE destinate ad affondare. Nessuna imbarcazione, costruita a quello scopo, carica di persone in quel modo, di fronte a quel tratto di mare, lungo e pericoloso, potrebbe mai arrivare a destinazione. Tutte le persone che si imbarcano sarebbero “naturalmente” destinate a naufragare. Sono gli uomini della Guardia Costiera, della Guardia di Finanza, della Marina Militare, gli equipaggi delle navi che da anni sono in mare per salvare i migranti, i marinai delle navi commerciali e dei pescherecci, i pescatori di Lampedusa, di Mazara e non solo, che ogni volta compiono un “miracolo” salvando le persone.
Questa è una verità che chi vive a Lampedasa conosce, ma che nessuno – politico o giornalista – dice all’opinione pubblica.

3. Un’altra cosa Lampedusa insegna a chiunque voglia capire: sone le nostre leggi che buttano in mare quelle persone. Non è il mare, non sono le tempeste, non è la sfortuna, né gli scafisti a uccidere questo persone. Siamo noi, con le nostre leggi, che “armiamo” i trafficanti di uomini (quelli che restano a terra a contare i soldi ed a organizzare il business) e che chiudiamo qualsiasi via legale di ingresso, sicura e giusta.
Ed è per questo che da anni chi vive a Lampedusa chiede l’immediata apertura di corridoi umanitari che diano la possibilità alle persone che vogliono raggiungere l’Europa di farlo senza rischiare la vita.

4. Infine, un’ultima cosa che ho imparato vorrei condividere con voi stasera: le persone che approdono a Lampedusa hanno scelto noi, hanno scelto l’occidente. E non solo è mai esclusivamente per il nostro modello economico o per le opportunità di benessere che il nostro continente offre (almeno teoricamente). Scelgono noi perché cercano i diritti. Il diritto a vivere liberi, ad accedere all’istruzione, a esprimere le proprie idée, a vivere in pace. La pace. In realtà è proprio la pace che vengono a cercare. E respingere queste persone, rimandandole nei loro paesi, è una vittoria per i nemici dell’occidente.
Lampedusa mi ha insegnato che è con la pace, con l’amore e con il rispetto che si vince la battaglia contro il male e che – come dice Erasmo da Rotterdam: “Ciò che si conquista con la violenza, lo si perde nello stesso modo.”