Archiv der Kategorie: Stuttgarter Friedenspreis

Aslı Erdoğan erhält Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2017

© Gürcan Öztürk

Am Freitag, 22. September, erhielt Aslı Erdoğan den mit 25.000 Euro dotierten Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2017 verliehen. Während einer Feierstunde im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses überreichte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert den Preis, der nach dem weltbekannten, in Osnabrück geborenen Schriftsteller Erich Maria Remarque benannt ist. Damit hat die türkische Journalistin und Schriftstellerin neben dem Friedenspreis der Anstifter einen weiteren wichtigen Preis für ihre Arbeit erhalten. Sie nahm an der Verleihung des Preises teil. Das lässt hoffen, dass sie auch am 10. Dezember zur Verleihung des Friedenspreises der Anstifter ins Theaterhaus kommen wird.

In ihrer Dankesrede erzählt Aslı Erdoğan von einem Erlebnis aus dem Frauengefängnis von Istanbul, in dem sie 132 Tage in Haft saß. Sie hatte Frauen in ihrer Zelle beobachtet, die heimlich eine Pflanze aufgezogen hatten. Dabei gab es keine Erde für das zarte Gewächs, nur ein Provisorium aus Eierschalen und Teebeuteln: „Sie haben versucht, diese kleine Pflanze zu verbergen und am Leben zu erhalten. Sie haben ihr die Sonne und den Regen gezeigt als wäre sie ihr kleiner Prinz. Und natürlich wurde diese kleine Pflanze entdeckt – und die Wächter haben sie den Frauen mit Freude aus den Händen gerissen. Das hätten Sie sehen sollen: Frauen, einige seit zehn Jahren und länger in Haft, die um diese kleine Pflanze weinen!“

Quelle: Deutschlandfunk Kultur

Türkische Künstler vorgestellt
Cemil Qocgiri

Cemîl Qoçgirî singt Porê. Er wird von der kurdischen Harfenspielerin und Sängerin Tara Jaff, 1958 in Bagdad geboren, begleitet.

Cemîl Qoçgirî wurde 1980 in Duisburg geboren. Er stammt aus einer kurisch-alvitischen Familie aus der Qoçgiri-Region im Norden Dersims.

Dersim (kurdisch Dêrsim, osmanisch درسم, İA Dersim, armenisch Տէրսիմ/Դերսիմ Tersim, zazaisch Dêsım) ist der heute inoffizielle Name eines Gebiets in der Türkei und entspricht im Kern der heutigen Provinz Tunceli. Trotz des Tunceli-Gesetzes von 1937 und der Umbenennung in Tunceli, ist der Name Dersim unter der Bevölkerung gängig und politisiert. Es ist die Region mit dem höchsten Anteil an Personen alevitischen Glaubens in der Türkei, zudem sind die Mehrheit der Einwohner Zazas; vor dem Völkermord an den Armeniern lebten hier zahlreiche Armenier. Viele Armenier fanden hier während des Völkermordes Zuflucht. Quelle: Wikipedia

Türkische Künstler vorgestellt
Zülfü Livaneli

Zülfü Livaneli singt Sevdalı Başım

Zülfü Livaneli (* 20. Juni 1946 in Ilgın) ist ein türkischer Komponist, Sänger, Schriftsteller und Filmregisseur. Eine langjährige Zusammenarbeit und Freundschaft verbindet Livaneli mit dem griechischen Komponisten Mikis Theodorakis. Mit ihm gründete er 1986 das Komitee für türkisch-griechische Freundschaft, um die gegenseitige Verständigung und das friedliche Miteinander des griechischen und des türkischen Volkes zu fördern. Gemeinsam mit Mikis Theodorakis und Maria Farantouri gab er in vielen Konzerten mit türkischen und griechischen Liedern immer wieder Signale für ein friedliches Zusammenleben. Oft wurde er auch mit Theodorakis verglichen und als der türkische Theodorakis bezeichnet.
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Eine Übersicht seiner „Albümler“ findet man hier.

Friedenspreis der AnStifter
Wie geht es unserer Friedenspreisträgerin?

© Gürcan Öztürk

Aslı Erdoğan wurde im August 2016 festgenommen und saß 132 Tage in Haft. Seit einem halben Jahr ist sie draußen. Auf die Frage, wie es ihr geht, antwortet sie:

„Nicht so gut – es fühlt sich an, als wäre ich zusammengeschlagen worden und im Krankenhaus aufgewacht. Im ersten Moment versuchst du nur zu überleben, wenn du ein bisschen heilst, beginnt es wehzutun, du heilst weiter, es beginnt dich wütend zu machen: Warum haben sie dich geschlagen? In dieser Phase bin ich gerade.“

Warum sie in Haft gekommen ist, was sie dort erlebt hat, erzählt sie in einem feinsinnig, schonungslos, tief bohrenden Ton im Interview mit Sonja Hartwig in der Zeit.

Stuttgarter Friedenspreis
Aslı Erdoğan

Foto:Gürcan Öztürk

Die türkische Autorin und Physikerin Aslı Erdoğan (* 8. März 1967 in Istanbul) erhält den mit 5000 EU dotierten Stuttgarter Friedenspreis 2017 der AnStifter. Mit dem Preis zeichnen die AnStifter seit 2003 jedes Jahr Menschen aus, die sich in besonderer Weise für „Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität“ einsetzen. „Der Friedenspreis an Aslı Erdoğan setzt auch ein Zeichen gegen jegliche Angriffe auf öffentliche Meinungsäußerungen und auf Pressefreiheit. Das betrifft nicht ‚nur’ die Türkei. Weltweit werden Journalisten zunehmend diskriminiert, eingesperrt oder gar ermordet, um unabhängige öffentliche Meinungsbildung zu unterdrücken. Diesen Journalisten und allen anderen, die wegen öffentlicher Meinungsäußerung gegen autoritäre Regierungen schikaniert werden, gilt unsere Unterstützung“, so Dr. Annette Ohme-Reinicke, Vorsitzende des Stuttgarter Bürgerprojekts.
Aslı Erdoğan, die große türkische Romanautorin und Oppositionelle, ist zur Symbolfigur für die Meinungsfreiheit und das Ausmaß der türkischen Willkürherrschaft geworden. Wegen ihrer Kolumnen in der pro-kurdischen Zeitung Özgür Gündem wurde Aslı Erdoğan nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei im August 2016 inhaftiert und viereinhalb Monate im Istanbuler Frauengefängnis Bakırköy festgehalten. Ihre Waffe ist die Sprache, mutig und verzweifelt nennt sie die Dinge beim Namen: Willkür und Unterdrückung, Gewalt, Folter, Schuld. Erdoğans poetische Sprache ist politisch und unmissverständlich.
„Man muss den Glauben immer in sich lebendig halten, dass man die Welt verändern kann, wenigstens die Welt in uns selbst. Denn warum sollen wir sonst leben, warum sollen wir dann schreiben?“, sagt sie. Ihr Appell an die deutsche Öffentlichkeit, die vom Regime von Präsident Recep Tayyip Erdoğan ins Gefängnis geworfenen Schriftsteller nicht zu vergessen, sollte auch beim G-20-Gipfel in Hamburg gehört werden.

Stuttgarter Friedenspreis
Tous les œufs dans le même panier

Mittlerweile sind über die Website http://www.stuttgarter-friedenspreis.de über 250 elektronische Stimmzettel eingetroffen. Das Ergebnis zwischen den Erst- und Zweitplatzierten scheint enger zu werden. Ganz sicher kann man das aber noch nicht sagen, weil die Stimmzettel, die per Post, Fax und E-Mail eingegangen sind, noch nicht ausgezählt wurden und die Zählung selbst durch das händische Prozedere etwas erschwert wird. Es ist also noch nichts entschieden. Nur ein Tipp: wenn Sie wem auch immer den Friedenspreis zusprechen möchten, dann teilen sie Ihre drei Stimmen nicht an verschiedene Kandidaten/Kandidatinnen auf, sondern geben Ihre drei Stimmen einer einzigen Person oder Einrichtung. Seien Sie mutig und werfen alles in denselben Topf. In Frankreich sagt man: mettre tous le œufs dans le même panier.

Stuttgarter Friedenspreis
Zwischenergebnis des 2. Wahlgangs

Nach der Auszählung der Stimmabgabe von etwas mehr 200 Personen ergibt sich folgendes Abstimmungsbild, das hier, um die Wahl nicht zu beeinflussen, ohne Zahlen und ohne die Namen der Kandidaten und Kandidatinnen in der Reihenfolge der gegenwärtigen Platzierung wiedergegeben wird. Wenn auch Sie AnstifterIn sind und tatsächlich noch nicht gewählt haben sollten, dann ist noch nichts entschieden. Die noch bis zum 28. Juni 2017 23:59 Uhr zur Wahl Stehenden finden Sie (einschließlich des „elektronischen Stimmzettels“) hier.

Stuttgarter FriedensPreis 2016 geht an den Rüstungsgegner Jürgen Grässlin
„Rückenwind für Engagement gegen menschen-verachtende Rüstungsexportpolitik“

Der Rüstungsgegner Jürgen Grässlin erhält den mit 5000 Euro dotierten Stuttgarter FriedensPreis 2016 der AnStifter. Dies ist das Ergebnis nach zwei Abstimmungsrunden unter den Mitgliedern der Stuttgarter AnStifter.

Auf den weiteren Plätzen folgen: Theodor Bergmann (Zeitzeuge), Seawatch (Geflüchtete in Seenot), Ärzte ohne Grenzen und Leyla Zana (kurdische Menschenrechtsaktivistin).

Verliehen wird der 14. Stuttgarter FriedensPreis im Rahmen der FriedensGala der AnStifter am 10. Dezember 2016, 17.00 Uhr, im Theaterhaus Stuttgart.

Jürgen Grässlin, geboren 1957 in Lörrach, ist Lehrer und Friedensaktivist. Im Rahmen seiner politischen Tätigkeit veröffentlichte er zahlreiche Sachbücher zu Rüstungsindustrie und Bundeswehr. Grässlin ist Sprecher der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) und anderer rüstungskritischer Organisationen. Grässlins Engagement, z.B. gegen die illegalen Waffenlieferungen des Unternehmens Heckler&Koch brachte ihm eine beachtliche mediale Aufmerksamkeit. Er ist in der gesamten Republik als „Lehrer“ und „Vorleser“ unterwegs und leistet seit 30 Jahren wagemutigen Widerstand gegen die deutsche Rüstungsindustrie.

Aus Anlass der Verleihung des Preises erklärte Jürgen Grässlin:
„Die Wahl zum Träger des Stuttgarter FriedensPreises 2016 freut mich wirklich sehr; ich empfinde diese als eine große Ehre! Von Herzen danke ich all denjenigen, die mir ihre Stimme gegeben haben und damit unser Engagement gegen die menschenverachtende Rüstungsexportpolitik der Bundesregierung stärken.
Mit dem Rückenwind des diesjährigen Stuttgarter FriedensPreises will ich mich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass der illegale G36-Waffendeal mit Mexiko seitens Heckler & Koch (H&K) in Zusammenarbeit mit dem Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) und dem Bundesausfuhramt (BAFA) vollständig aufgeklärt wird.
Daniel Harrich, Danuta Harrich-Zandberg und ich haben auf der Basis von Insiderdokumenten im Enthüllungsbuch ‚Netzwerk des Todes. Die kriminellen Verflechtungen von Rüstungsindustrie und Behörden’ die massive Mitverantwortung von Vertretern der staatlichen Rüstungsexportkontrollbehörden umfassend aufgezeigt und der Staatsanwaltschaft Stuttgart zahlreiche Dokumente zur Verfügung gestellt.
Das Vorgehen dieser Staatsanwaltschaft ist in doppeltem Sinne skandalös: Ungeachtet der vorliegenden Insiderdokumente wurden gegen die Mitverantwortlichen des BMWi und der BAFA nicht einmal Ermittlungen eingeleitet. Nach fünfeinhalb Jahren wurde einzig Anklage gegen vormalige H&K-Mitarbeiter erhoben. Nur wenige Monate nach Erscheinen des Netzwerk-des-Todes-Buches haben die Staatsanwaltschaft Stuttgart dagegen Vorermittlungen und die Staatsanwaltschaft München Ermittlungen gegen uns drei Buchautor/innen in die Wege geleitet. Der Vorwurf lautet auf Verdacht der Veröffentlichung verbotener Mitteilungen über Gerichtsverhandlungen gemäß § 353d Strafgesetzbuch.
Nunmehr droht dem Träger des Stuttgarter Friedenspreises 2016 womöglich eine Haftstrafe. Ich verstehe die Preisverleihung als ein stärkendes Signal im Einsatz für die Gerechtigkeit der Opfer deutscher Waffenexporte und für die grundgesetzlich verbriefte Presse- und Meinungsfreiheit.“
 
Für den 14. Stuttgarter FriedensPreis der AnStifter waren 25 Vorschläge eingegangen. In zwei Wahlgängen wurde nun entschieden, wer die Auszeichnung in diesem Jahr erhalten soll. Bis zum 28. April hatten die Mitglieder der AnStifter zunächst Gelegenheit die drei Vorschläge mit den meisten Chancen herauszufiltern. In einem weiteren Wahlgang, der bis zum 13. Mai lief, wurde unter diesen Vorschlägen entschieden, wer den Preis erhält.

Die Forderung nach Freiheit, Gleichheit, Geschwisterlichkeit, nach Gerechtigkeit, ohne die es keinen Frieden gibt: Das ist die Agenda der AnStifter, mit der sie Bürgerinnen und Bürger aufrufen, Vorschläge für den „Stuttgarter FriedensPreis“ zu machen. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, Verbände oder Initiativen, die sich im Namen der Menschenwürde für Freiheit, Recht, Gerechtigkeit einsetzen, die Machtmissbrauch aufdecken, die ermutigende, motivierende Vorbilder für die Gesellschaft sind. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

Stuttgarter FriedensPreis 2016
Die Ergebnisse des zweiten Wahlgangs

48,2 Prozent der AnStifterinnen und AnStifter haben im zweiten Wahlgang zum Stuttgarter FriedensPreis ihre Stimmen abgegeben und Jürgen Grässlin zum Träger des Friedenspreises gewählt.

Verliehen wird Jürgen Grässlin der Preis auf der FriedensGala am Samstag, den 10. Dezember im Stuttgarter Theaterhaus.

 Vorschlag Stimmen
4 Jürgen Grässlin, Rüstungskritiker 17,3%
1 Theodor Bergmann, Zeitzeuge 12,9%
2 Sea-Watch, Geflüchtete in Seenot 12,4%
22 Ärzte ohne Grenzen 12%
10 Leyla Zana, kurdische Menschenrechtsaktivistin 11,8%
9 Andrea Röpke, Engagement gegen Rechts 9,1%
21 Wiederaufbau Kobane 8,5%
15 Grandhotel Cosmopolis, Augsburg 5,9%
16 Albrecht Müller und die NachDenkSeiten 5,3%
19 Antonia Melo, Umweltaktivistin 4,9%