Archiv der Kategorie: Stuttgarter FriedensPreis

Stuttgarter Friedenspreis
Erste Zwischenergebnisse

2019

Als Zwischenergebnis der bisherigen Abstimmung ergibt sich folgendes, anonymisiertes Bild, aus dem die bisherige Stimmenverteilung, aber nicht ersichtlich ist, wer vorne und wer hinten liegt und wer genau bisher wieviele Stimmen bekommen hat. Das „Rennen“ ist noch nicht entschieden. Es kommt nach wie vor auf jede Stimme an und jede Stimme kann entscheiden. Also: Ärmel hochkrempeln, hinsetzen, nachdenken und wählen. Am besten über die Website des Stuttgarter Friedenspreises, wo ausschließlich AnStifter und AnStifterinnen das Privileg haben über den Stuttgarter Friedenspreis zu entscheiden. (b)

FriedensPreis-TrägerIn wählen
Jetzt!

In den nächsten Tagen erhält das Stimmvolk die Wahlunterlagen zum FriedensPreis der AnStifter 2019 (Gala am 15.12. im Theaterhaus) mit 22 exzellenten Vorschlägen. Wahlberechtigt sind alle, die uns 50 EU (als Beteiligung am Preisgeld) überwiesen haben (auch für andere AnStifter-Projekte) oder ehrenhalber bei uns oder in  einem unserer Projekte oder bei unserer Stiftung mitarbeiten. Abgestimmt werden kann bis 30. Mai 2019. Erhält kein Vorschlag mehr als 50% der Stimmen, gibt es einen zweiten Wahlgang für die 6 Erstplazierten – dann entscheidet die einfache Mehrheit. Mehr zum Prozedere und den Vorschlägen beim Maifest am 23.5. im Kunstverein. Abstimmen können Sie auch über unserer Webseite.

 

Stuttgarter Friedenspreis 2019
Redaktionelle Bearbeitung der Vorschläge


Der Schlusstermin für die Einreichung von Vorschlägen war der 31.03.2019 23:59 Uhr. Jetzt müssen wir noch sehen, ob irgendwo Schreiben in der Pipeline sind, ob in den verschiedenen E-Mail-Konten vielleicht etwas übersehen wurde, ob noch Briefe auf dem postalischen Weg mit entsprechendem Poststempel unterwegs sind. Dann wird der Kasten zugemacht und es geht an die redaktionelle Bearbeitung. mehr…

Der Stuttgarter Friedenspreis
KAMPAGNE 2019. UM VORSCHLÄGE WIRD GEBETEN

Mit dem Stuttgarter Friedenspreis zeichnet das Bürgerprojekt Die AnStifter seit 2003 Menschen und Projekte aus, die sich in besonderer Weise für “Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität” einsetzen.

Das sind nicht Hinz und Kunz, aber auch nicht die von der Gesellschaft sowieso gepamperten Großprojekte, die leichter Hand die Öffentlichkeit erreichen, wie sich gezeigt hat. Über den Stuttgarter Friedenspreis stimmen die AnStifterinnen und AnStifter demokratisch ab. Bei ihnen haben Außenseiter, die nicht besonders privilegierten Projekte, bisher die besten Chancen gehabt. mehr…

FriedensGala der AnStifter würdigt Emma Ganzález

Den Stuttgarter Friedenspreis 2018 ging an die US-amerikanische Schülerin Emma González.

Emma González
Emma González

„Emma González repräsentiert eine neue, junge Generation, die sich gegen einen staatlich tolerierten Missbrauch von Jugendlichen, als Objekte der Waffenindustrie, zur Wehr setzt“, bewertet Annette Ohme-Reinicke, die Vorsitzende der AnStifter, die Entwicklung in den USA. Emma González und ihre Mitstreiter/innen hätten Worte für die oft tödliche Verflechtung von Politikern und Waffenverkäufern gefunden und dies angegriffen. Sie repräsentierten damit das ‚andere Amerika’: Das Amerika jener starken Zivilgesellschaft, die sich jetzt verstärkt gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit oder jüngst den staatlich verordneten Missbrauch kleiner Kinder zur Abschreckung möglicher Migranten erfolgreich wehre.

Annette Ohme-Reinicke

 

 


Laudatio
, Annette Ohme-Reinicke, Vorsitzende der AnStifter:

 

„Welcome to the Revolution!“ – Mit diesen Worten eröffnete Cameron Kasky den weltweiten „March for our Lives“, am 24. März dieses Jahres. Allein in Washington waren über eine halbe Million Menschen auf der Straße. In 800 Städten weltweit, von Tokyo über Stockholm bis München, gab es Demonstrationen. Kasky ist, wie Emma Gonzales, ein überlebender Schüler des Massakers in Parkland, Florida.

Es ist wohl eher eine Revolte als eine Revolution, was die die Schüler aus Florida anzettelten.

Die Revolte und der Streit für Frieden haben in den USA eine lange Geschichte. Hier begann oft, was in anderen Ländern noch entstehen sollte.

Aus den USA stammt etwa der Civil Disobedience, der gewaltfreie Zivile Ungehorsam. Vor fast 200 Jahren weigerte sich etwa der Lehrer David Henry Thoreau Steuern zu zahlen. Er wollte nicht das mit „seinem“ Geld der Krieg gegen Mexiko finanziert würde. Thoreaus Schriften wurden auch für Mahatma Gandhi und Martin Luther King zum Vorbild.

Die „Industrial Workers oft the World“ bildeten eine der ersten Sparten übergreifenden unabhängigen Gewerkschaften. Sie handelten nach dem Prinzip der Direkten Aktion. Eugene Debs, Mitglied der IWW, kandidierte 1920 für das Amt den Präsidenten der USA. Er erhielt knapp eine Million Stimmen, und das, obwohl Debs im Gefängnis saß, weil er sich nämlich gegen den 1. Weltkrieg ausgesprochen hatte.

Während in Europa verschiedene Länder faschistisch waren, erlebten die USA in den 1930er und 1940er Jahren eine der größten Streikbewegungen überhaupt. Erst der New Deal machte dem später ein Ende.

Deutsche Migranten, wie Max Horkheimer, Theodor W. Adorno oder Hannah Arendt konnten im Exil-Land USA forschen, lehren und Gedanken formulieren, die für emanzipatorische Bewegungen weltweit von Bedeutung sind.

Die „Civil Rights Movement“, die Bürgerrechtsbewegung setzte sich mit ihrem gewaltfreien Widerstand, etwa des „Student Nonviolent Coordinating Commitee“ (SNCC), den „Freedom Rides“ und dem „Poor People‘s March“ erfolgreich gegen Rassismus zur Wehr.

In seinem „Letter to the New Left“ wandte sich der amerikanische Soziologe und Aktivist C. Wright Mills 1960 erstmals an eine bis dahin noch nicht benannte „Neue Linke“. Diese Neue Linke bezog sich auch auf die Friedensbewegung, die in den USA und in England gerade ihre ersten Schritte gemacht hatte.

Die internationale Bewegung gegen den Vietnam-Krieg entstand in den USA und entwickelte neue Aktionsformen wie etwa Sit-Ins und die Teach-Ins. Die Kriegsgegner forderten erfolgreich amerikanische Soldaten zum Desertieren auf und organisierten Kampagnen.

Vor wenigen Jahren thematisierte die Occupy-Wallstreet-Bewegung – „We are the 99 Percent“, „Wir sind die 99 Prozent!“ – erstmals seit langer Zeit wieder die „Soziale Frage“. Wenigstens für einige Monate dominierten im öffentlichen Diskurs nicht mehr Fragen sogenannter „Rassenunterschiede“, sondern Fragen nach Gründen und Ausmaßen steigender Armut und Verelendung.

Von Februar bis Juni dieses Jahres streikten in verschiedenen Bundesstaaten der USA Lehrer und andere Beschäftigte des öffentlichen Sektors. Die Unterstützung der Bevölkerung war enorm. In West-Virginia etwa forderten 30 000 streikende Lehrer fünf Prozent mehr Lohn. Es wurden vier Prozent geboten, sie lehnten ab. Es wurden fünf geboten, aber nur für Lehrer. Sie ließen sich nicht spalten und lehnten ab. Schließlich wurden fünf Prozent mehr Lohn für alle im öffentlichen Sektor Beschäftigten durchgesetzt.

Im November dieses Jahres stimmten 78 Prozent der Wähler ihres Bezirks für die ehemalige Barkeeperin Alexandria Ocasio-Cortez aus der New Yorker Bronx und wählten sie in den US-amerikanischen Senat. Cortez bezeichnet sich selbst als Sozialistin.

All das ist ebenfalls die USA, das „andere Amerika“.

Auch das Aufbegehren der Jugendlichen aus Florida, „For Our Lives“, für unser Leben, lässt hoffen. Aber warum eigentlich? Was die Waffengesetzte angeht, sind die Verhältnisse in den USA und in Deutschland deutlich verschieden. Etwa 30 000 Menschen sterben jährlich in den USA durch Schießereien. Im Durchschnitt wird jede Woche ein Erwachsener von einem Kind angeschossen oder getötet. Seit 1968 sind in den USA mehr Menschen durch Schusswaffen gestorben, als in Kriegseinsätzen außerhalb der USA, nämlich anderthalb Millionen. (NYT 2015) Schusswaffen sind in den USA frei käuflich und nach fast jedem Massaker steigen die Aktien der Waffenverkäufer. Dreißig Millionen Dollar hatte der amerikanische Präsident von der Waffenlobby erhalten. Gemessen an der Anzahl der Opfer von Schussverletzungen in den USA in den anderthalb Monaten im Jahr 2018 beläuft sich dies auf 5.800 Dollar pro Person „5800 Dollar pro Kopf“, fragte Emma Gonzales in ihrer berühmten Rede, „ist es das, was dir die Leute wert sind, Trump?“ In Deutschland dagegen muss man eine Schusswaffe nicht nur anmelden, sondern auch nachweisen, dass sie sicher in einem speziellen Waffenschrank aus Stahl aufbewahrt wird.  Das wird tatsächlich überprüft und das ist gut so. Aber es ist eben auch so, dass mit Waffen aus deutscher Produktion eher nicht zuhause geschossen wird. Deutschland ist einer der weltweit größten Waffenexporteure.

Die schlechten Waffengesetzte sind es jedenfalls nicht, die die große Sympathie mit den jungen Leuten in den USA begründet und wegen der Emma Gonzeles zur Friedenspreisträgerin gewählt wurde. Auch nicht die Furcht, dass man selbst oder seine Kinder in der Schule erschossen wird. Schießereien an Schulen kommen hier vergleichsweise selten vor. Was ist es dann?

Eine Forderung der Schüler aus Florida lautet: „Wir wollen nicht eure Gebete, wir wollen Taten!“ Sie lehnen es ab, sich vertrösten zu lassen, mit dem Hinweis, irgendwelche höheren Mächte würden es schon richten. Stattdessen fordern sie zu einem kompromisslosen Handeln auf, hier und jetzt. Für ein Leben ohne Angst, hier und jetzt. Diese kompromisslose Forderung nach einem Leben ohne Angst, ohne Existenzangst, vorgetragen von einer jungen, neuen Generation, ist es, das über Grenzen hinweg begeistert und bewegt. Ich bin sicher, dass Emma Gonzales wegen dieser Botschaft zur Friedenspreisträgerin gewählt wurde. Kinder haben ja immer etwas mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu tun. Und wenn sie das auch noch selbst in die Hand nehmen wollen – „Wir werden die Kinder sein, von denen du in den Schulbüchern lesen wirst!“, sagte Emma – dann kann man sie natürlich nur dabei unterstützen.

Nebenbei bemerkt: Dass diese jungen Leute in der Lage sind, vor einem Millionenpublikum aufzutreten und ihre Argumente vorzutragen, das ist auch ein Ausdruck gelungener Bildung. Und das freut mich als Dozentin natürlich besonders.

Es ist noch keine zwei Wochen her, da sah ich mit einigen meiner Schüler an einer Stuttgarter Berufsschule die Rede von Emma Gonzales im Internet an. Meine Schüler kommen aus den verschiedensten Teilen der Welt. Einer – nennen wir ihn hier Said – ist erst vor kurzem nach Deutschland geflohen. Er stammt aus Syrien, viele seiner Freunde sind tot, erschossen. Von Emma Gonzales hatte er noch nie etwas gehört. Said sagt selten etwas. Aber nachdem er die Rede von Emma gehört und einiges zu den Hintergründen erfahren hatte, meldete er sich: „In Syrien, wo ich herkomme“, sagte er, „werden jeden Tag Kinder erschossen. Warum protestieren die amerikanischen Jugendlichen nicht dagegen?“ Diese Frage war überhaupt nicht als Vorwurf oder in irgendeiner Weise moralisierend gemeint. Said hat einfach nachgedacht.

Das Recht auf ein Leben in Sicherheit, ohne Angst um die eigene Existenz ist schon in der amerikanischen Bill of Rights von 1789 und später in der internationalen Erklärung der Menschenrechte festgeschrieben. In Artikel drei heißt es: „Jeder hat ein Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.“ Das meint selbstverständlich Emma und Said. Aber Rechte müssen zur Geltung gebracht und durchgesetzt werden. Und zwar von uns allen.

Heute bedeutet das Recht auf ein „Leben in Sicherheit“ auch:

Sicherheit vor den skrupellosen Profitinteressen der Waffen- und Rüstungsindustrie,

Sicherheit vor einer Politik der Verarmung, zugunsten obszönen Reichtums,

Sicherheit vor Hasspredigern und homophoben Ideologen, egal ob in weißen Gewändern oder in dunklen Anzügen,

Sicherheit vor einer Politik, die gezielt Unsicherheit erzeugt, etwa durch die Errichtung von Schuldverhältnisse oder mittels Zeitverträgen die Angst um den Arbeitsplatz, also um das Auskommen überhaupt,

Sicherheit vor den Profitinteressen der Industrien, die die natürlichen Ressourcen der Erde ausplündern und dafür sogar eine Klimakatastrophe in Kauf nehmen.

Eine Gesellschaft zu gründen, in der das Leben weder Zweck noch Mittel ist, in der alle prekären Verhältnisse und damit Existenzängste abgeschafft sind – „For our Lives!“ – dafür lohnt es sich zu streiten und das wäre wahrlich: revolutionär.

Sidar Carman

Einfühlsam moderiert wurde die Gala von Cidar Carman. Ein Novum war in diesem Jahr die Preisverleihung des Minimalfilmwettbewerbs, der vom Jugendhaus Mitte im Rahmen der Aktion Vielfalt ins Leben gerufen worden ist.

Eröffnungsworte kamen vom Vorsitzenden der AnStifter, Ebbe Kögel.

Die jugendlichen Preisträger

 

Ebbe Kögel
Weltmusik von Lakvar

 

 

 

 

Musikalisch begleitete die interrnationale Gruppe Lakvar durch den Abend, mit Hajnalka Péter – Gesang, Zura Dzagnitze – Gitarre, Florian Vogel – Geige, Péter Papesch – Bass, Tayfun Ate, Perc, und Santino Scavelli – Schlagzeug .

Dank an unser Publikum

 

 

 

FriedensGala der AnStifter am 2.12.2018 im Theaterhaus
Das letzte Wort

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Geschwisterlichkeit begegnen“, so der Artikel 1 der Erklärung der Menschenrechte, wie er auf dem Papier steht.
Utopien, Träume, Hoffnungen und bittere Realität: Was für Begegnungen! Was für ein Nachdenken, Ausweichen, Resignieren. Aber auch: Was für ein Aufbruch, beim dem Hunderttausende auf den Straßen sind, was für eine Vielfalt der Zivilgesellschaft.

Es müssen neue Bündnisse geschlossen werden. Aber machen wir uns nichts vor: Es wird nicht leicht. Denn auch wenn wir sagen: „Wir sind mehr“ – so genau wissen wir das nicht. Und wenn wir uns trösten und sagen: „Wir sind die Vielen“, müssen wir wissen: Aber noch zu wenige. Momentan ist eine große Fluchtbewegung im Gange. Die Menschen flüchten ins Milaneo oder in die Betten, sie flüchten in den Black Friday, sie flüchten vor den Flüchtlingsströmen, sie flüchten vor der SPD, und den Grünen und den Linken, sie flüchten..

Und wir? Wir sind etwas irritiert. Darüber, wie stark die Waage sich neigt nach rechts. Wie willfährig die Argumente der Populisten in allen Reihen aufgenommen werden, hier bei uns und weltweit. Wie empfindlich in der eigenen Reihe auf Kritik reagiert wird.

Wir fürchten uns jeden Tag vor den grausamen Nachrichten über vergewaltigte Frauen und über die Bilder von den Mittelmeeren. Krim, Giftgas, Aleppo, Trump, Putin. Ein verkorkster Aufruf der AfD im Landtag zum Aufstand. Aber wie einfach wir es uns oft machen: Die Guten und die Bösen. Die Waffenproduzenten misstrauen den Friedenstruppen. Wir misstrauen den neuen Veteranen und den alten Helden.

Sozialpakt, Bankenkrise, Wetterleuchten.

Wir wollen keine weinenden Kinder in der Adventszeit sehen, keine niedergebrannten Häuser, keine Barrikaden, keine Feuer. Wir, die wir fern der Schlachtfelder leben im sicheren Gewahrsam der Demokratie, beobachten ihren Abbau.

Wir fürchten uns vor der Anarchie, die vor den Haustüren wartet, vor Ressourcenknappheit und Umweltzerstörung, wachsenden Bevölkerungszahlen und neuen Krankheiten, schlechten Hüftgelenken, Krebs, Entwaldung, Bodenerosion, Wassermangel und teurem Diesel, vor Fahrverboten und steigenden Meeresspiegeln. Der Feinstaub ist uns egal. Es gibt Wichtigeres. Wir wohnen woanders.

Wir sind am Leben, aber der Krieg schleicht in der Welt herum. Wir sind im Wohlstand, und das Sterben ist das Sterben der Anderen.Die Sehnsucht der Anderen nach Herrschaft, nationaler Ehre, nach Autoritäten. Sprech- und Saalverbote statt Redefreiheit. Draufhauen statt Verhandeln. Und alle 5 Jahre wählen. Die Grünen sind unser Ablassbrief.

Die Verteilung der Unbeschwertheit ist unfair und hat keine Zukunft, denn sie macht, dass die Schmetterlinge und die Fische sterben. Doch Tote Fische schwimmen mit dem Strom. Lebende dagegen. Muss man denn immer noch dagegen schwimmen wir? Und mit wem? Wo sind unsere Rettungsringe, die Schwimmwesten? Haben wir denn nicht unser Hotel Silber, in dem selbst Kommunisten zu Wort kommen, heute? Haben wir denn nicht die vielen Bücher und die vielen Philosophen und Goethe und den Guten Tag der deutschen Einheit? Haben wir nicht schon immer mehr Recht als Macht gehabt? Und jetzt wieder schwimmen? Im hohen Alter?

Werdet Rettungsschwimmer für die Demokratie. Denn weder Sara Wagenknecht noch der Aufbruch oder das Aufstehn werden uns helfen. Wir müssen selber ran.

Wir müssen selber ran. Wir in den zivilgesellschaftlichen Initiativen, wir in den Mieterinitiativen und der Kirche von unten, wir im Theaterhaus und bei den AnStiftern und bei Kontext, in den Gewerkschaften und bei attac. Wir, die Akteur*Innen der Straßen und Plätze, der offenen Räume, die den Vielen gehören.

Wir. Weil wir wissen: Demokratie muss täglich neu verhandelt werden. Weil wir sehen: Der rechte Populismus greift die Vielfalt an, die Kultureinrichtungen als Akteure gesellschaftlicher Visionen. Die Polemik kommt längst auch aus der Mitte der Gesellschaft. Der verächtlicher Umgang mit Menschen auf der Flucht, mit engagierten Künstler*innen, mit allen Andersdenkenden verrät, wie man mit der Gesellschaft umzugehen gedenkt, wenn sich die Machtverhältnisse ändern.

Und das ist nicht zu weit hergeholt. Im Gegenteil, es ist ganz nah. Und was heisst das? Streit aushalten! Die alten Ideen der Menschheit anders denken. Ermutigung für die Müden. Solidarität mit den Anderen.

Fantasie an die Macht.

Die AnStifter stärker machen.

Stuttgarter Friedenspreis 2018 für Emma González

Emma GonzálezDer Stuttgarter FriedensPreis der AnStifter 2018 geht an die US-amerikanische Schülerin Emma González. Mit einem Stimmanteil von 33,5 Prozent, landet sie eindeutig auf dem ersten Platz der Abstimmung zum zweiten Wahlgang.

English version: Stuttgarter Peace Prize 2018 – press release (.pdf)

„Emma González repräsentiert eine neue, junge Generation, die sich gegen einen staatlich tolerierten Missbrauch von Jugendlichen, als Objekte der Waffenindustrie, zur Wehr setzt“, bewertet Annette Ohme-Reinicke, die Vorsitzende der AnStifter, die Entwicklung in den USA. „Emma González und ihre Mitstreiter/innen haben Worte für die oft tödliche Verflechtung von Politikern und Waffenverkäufern gefunden und dies angegriffen. Diese Jugendlichen haben nicht nur ihre eigenen TodesÄngste zum öffentlichen Thema gemacht, sondern auch den Vielen eine Stimme gegeben, die unter Waffengewalt leiden. Mit ihren Aktionen des zivilen Ungehorsams kündigten sie an, dass jetzt eine Generation die öffentliche Bühne betreten hat, die der Propaganda ‚mehr Sicherheit durch Waffen’ nicht mehr folgt, sondern widerspricht und politische Veränderungen fordert. Das lässt hoffen.
Emma González repräsentiert damit auch das ‚andere Amerika’: Das Amerika jener starken Zivilgesellschaft, die sich jetzt verstärkt gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit oder jüngst den staatlich verordneten Missbrauch kleiner Kinder zur Abschreckung möglicher Migranten erfolgreich wehrt.“

Wahlstatistik Stuttgarter Friedenspreis 2018
Über Emma González

Emma González überlebte das Schulmassaker von Parkland am 14. Februar 2018 in der Marjory Stoneman Douglas High School (MSD). Als Reaktion auf die Schießerei gründete sie mit anderen Mitschülern die Organisation Never Again MSD, die für eine stärkere Kontrolle des Schusswaffenbesitzes mit verschärften Waffengesetzen und gegen den politischen Einfluss der NRA in den USA eintritt. Emma González wird inzwischen als „das Gesicht der Schülerproteste“ bezeichnet. Beifall erhält sie dafür, dass sie daran erinnert, dass die National Rifle Association (NRA) mehr als 30 Millionen Dollar für die Wahl Trumps zum Präsidenten gespendet hat. „Shame on you“ – Schande über euch, ruft sie an die Adresse von Trump und allen anderen Politikern, die regelmäßig Geld von der Schusswaffenlobby bekommen. Emma González will, dass das ganze Land die Videos von den Schüssen, den Schreien und dem Sterben im Klassenzimmer sieht: „Falls ihr das braucht, um zu verstehen, was wir durchgemacht haben.“

Beim March for our Lives, einem von Never Again MSD angeführten und organisierten weltweiten Massenprotest gegen Waffengewalt, trat Gonzáles am 24. März 2018 während der Hauptveranstaltung am 24. März auf und hielt eine beeindruckende Rede.

Der Stuttgarter Friedenspreis

Seit 15 Jahren zeichnen die AnStifter Menschen und Projekte aus, die sich in besonderer Weise für „Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität“ einsetzen. Der Preis ist mit 5000 € dotiert. Der diesjährige FriedensPreis wird am 2. Dezember 2018 im Rahmen einer FriedensGala im Theaterhaus überreicht.