Archiv der Kategorie: Stuttgarter Friedenspreis

Laudatio auf Aslı Erdoğan von Elisabeth Abendroth

Liebe, verehrte Aslı Erdoğan,
liebe AnStifterinnen und AnStifter, liebe Freundinnen und Freunde,
sehr geehrte Damen und Herren!

Es ist eine riesige Freude für uns alle, Aslı Erdoğan unter uns zu sehen! Als ich zugesagt habe, heute eine kurze Laudatio auf sie zu halten, war das noch völlig ungewiss. Inzwischen lebt Aslı Erdoğan schon seit einigen Wochen in Deutschland. Wir alle hoffen von Herzen, dass ihr Aufenthaltsstatus sehr bald geklärt sein wird, so dass sie endlich ein wenig zur Ruhe kommen kann, wenn dies im Exil überhaupt möglich ist.

Aslı Erdoğan ist aus der Kälte zu uns gekommen. Im Sommer 2016, am 16. August stürmten Polizisten ihre Wohnung in Istanbul. Sie schleppten sie auf die Polizeiwache. Dort und danach im Frauengefängnis Bakirköy war sie Monate lang eingesperrt. Schreckliche Haftbedingungen, Selbstmordgedanken. Aber auch das Erlebnis von Solidarität, unter den Frauen im Gefängnis – und außerhalb der Mauern, auch außerhalb der Türkei. Dass die berühmte Schriftstellerin ausreisen konnte und heute hier sein kann, beweist: Solidarität kann etwas bewirken.

Das ist eine Ermutigung, heute, am 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte. Fast sieben Jahrzehnte nach der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte durch die Vereinten Nationen sind diese von ihrer Verwirklichung meilenweit entfernt. Der Kampf für die Menschenrechte ist eine Sysiphus-Arbeit. Nicht nur in türkischen Kerkern wird die Menschenwürde täglich mit Füßen getreten. Asli Erdogan hat viele Mitstreiterinnen  im Gefängnis zurücklassen müssen. Aber dass sie heute den Stuttgarter Friedenspreis entgegen nehmen kann, ist „ein kleiner Sieg für eine neue, freie Generation“, wie es in Hersh Gliks berühmten, jiddischen Partisanenlied heißt.

Aslı Erdoğan ist eine Ermutigung für uns – der Stuttgarter Friedenspreis ist eine Ermutigung für sie, um sie in schrecklichen Zeiten … „daran zu erinnern, dass alles, was wir besitzen, zu dem wir gehören, bei dem wir dabei sein oder mittendrin sein wollen – auch wenn alle hegemonialen Mächte dieser Erde etwas anderes sagen – mit einem bestimmten Wort untrennbar verbunden ist … Frieden.“ Das sind Aslı Erdoğans eigene Worte. Ich habe sie gefunden in ihrem allerjüngsten Buch, dem Essay-Band „Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch“, der im Oktober zweisprachig, auf deutsch und türkisch erschienen ist. Sie werden gleich noch weitere Zitate aus diesem Buch hören, denn anders als die junge Frau aus Hersh Gliks Partisanenlied, die mit einer kleinen Pistole den Feind aufhält, kämpft Asli Erdogan mit einer – wenn Sie mir dieses Paradoxon verzeihen – pazifistischen, aber genauso treffgenauen Waffe gegen das Unrecht: mit ihrer kraftvollen, klugen, mitfühlenden Sprache.

Ich habe eben übrigens die drei Punkte mitgelesen, die Aslı Erdoğan vor das Wort „Frieden“ gesetzt hat. Sie, die alles Unrecht, das Menschen zugefügt wird, am eigenen Leib spürt, verteidigt auch die eigene, verletzliche Haut, wenn sie die richtigen Worte sucht. Sprache als Überlebensmittel. Sprache, die Unsagbares in Worte fasst, von denen jedes einzelne genau erspürt, erdacht, schwer erarbeitet, erkämpft werden muss. Das kostet viel Kraft. Da braucht es zuweilen Atempausen, Schweigen, … „wo die Begriffe am harten Felsen der Wahrheit abprallen“, drei kleine Punkte bis zum nächsten Wort. … „Denn ist Schreiben letztlich nicht von Anfang an ein Befreiungsversuch, die hartnäckige Suche nach der Freiheit, die sich früher oder später erschöpft?“ fragt Aslı Erdoğan – und fügt hinzu: „Krieg dagegen ist ein unwiderrufliches Urteil.“

Schreiben gegen den Krieg. … „Sätze aneinander reihen. Sich Mördern stellen, Opfern Sprache verleihen.“ Asli Erdogan setzt die Wahrheit der Unterdrückten gegen die Lügen der Herrschenden, die Freiheit gegen Krieg, gegen Haft und Folter. Das hat sie ins Gefängnis gebracht. Nicht nur sie. Weil sie die Wahrheit geschrieben haben, sitzen in der Türkei Jornalist_innen, Schriftsteller_innen, Wissenschaftler_innen im Gefängnis. Jeden Tag werden es mehr. Wir dürfen sie nicht vergessen. Immer wieder müssen wir laut ihre Freilassung fordern. Aslı Erdoğan, die große Autorin, ist zum Symbol für sie alle geworden. Dass sie im laufenden Gerichtsverfahren freikam und ausreisen konnte, zeigt: Es gibt eine Chance, den Eingekerkerten zu helfen, wenn wir nicht aufhören, an jede Einzelne, jeden Einzelnen von ihnen zu erinnern.

„Ich bin im Gefängnis, weil ich über die Abscheulichkeiten geschrieben habe, welche die Türkei begangen hat – es ist meine über Abscheulichkeiten zu schreiben.“ hat Aslı Erdoğan in einem Brief aus dem Gefängnis geschrieben. In ihrem Essay „Wir sind schuldig“ lesen wir, über welche Abscheulichkeiten: „Wir haben in unserem Land ein furchtbares Verbrechen begangen, von dem die Überlebenden nur verschwommen als „Große Katastrophe“ sprechen dürfen, wir haben die Wurzeln eines Volkes ausgerissen. (…) Ein unvergleichliches Verbrechen, einem Menschen sogar noch seinen Schmerz abzuerkennen und zu entreißen. Die Überlebenden der Lüge zu bezichtigen, und sie für das, was ihnen widerfahren ist, auch noch zu beschuldigen…“ Aghet, die Katastrophe, die vor mehr als hundert Jahren geschah, ist im kollektiven Gedächtnis der Armenier bis heute tief eingegraben: der Genozid, der systematische Massenmord an mehr als eineinhalb Millionen armenischen Kindern, Frauen, Männern, planvoll organisiert und durchgeführt von der Regierung des Osmanischen Reiches. Von der türkischen Regierung bis heute geleugnet.

Wir kennen das in Deutschland. Auch hierzulande hat es viele Jahre, zum Teil bis in diese Tage gedauert, bis unsere Abscheulichkeiten, bis die ungeheuerlichen Verbrechen des deutschen Faschismus öffentlich zur Sprache gebracht werden konnten. Jahre des Beschweigens der Entrechtung, Beraubung, Vertreibung, Einkerkerung, Folter, schließlich des systematischen Genozids an den europäischen Juden, an den überfallenen Völkern des Ostens und an den Sinti und Roma. Jahre des Beschweigens des Massenmords an Gehandicapten, an Anderslebenden, Andersliebenden, Andersdenkenden. Jahre der Lüge, die die überlebenden Opfer und ihre Nachkommen ein zweites Mal tief verletzt haben.

Dazu eine persönliche Bemerkung: Mein Vater Wolfgang Abendroth wurde 1937 monatelang in deutschen Gefängnissen gefoltert. Sein Leben lang war er physisch schwer krank. Er war ein heiterer, kämpferischer Mensch, aber auch er ging … „mit so vorsichtigen, unsicheren Schritten, als könnte ihm jederzeit die ganze Welt unter den Füßen wegrutschen.“ – „Man muss doch vergeben können!“ wird mir auch noch vorgehalten. … „Wem sollen sie vergeben können und wie, und vor welchem Gericht … “ Folterern kann vielleicht manchmal von manchen Leuten vergeben werden, aber der Folter selbst?“ schreiben Sie, verehrte Aslı Erdoğan. Wenn Sie nichts anderes geschrieben hätten, schon für diese Worte bin ich Ihnen sehr dankbar.

Es führt eine direkte Spur vom Musa Dagh nach Auschwitz. Und von dort nach Diyabakir, nach Cizre.

„An einem Verbrechen nicht Mittäter zu sein, ist mehr als ein Recht oder eine Pflicht, unser eigentlicher Daseinsgrund.“ schreibt Aslı Erdoğan. „Wir Heutigen begehen unser eigentliches Verbrechen dadurch, dass wir weghören und schweigen. Nicht nur zu den Ereignissen von 1915 und 1938, sondern auch zu dem, was heute geschieht, in dieser Stunde …“ Aslı Erdoğan will und kann nicht weghören und schweigen. Gemeinsam mit anderen fährt sie nach Cizre. Aus gesundheitlichen Gründen muss sie vor dem Ziel umkehren. Sie veröffentlicht eine Kolumne, in der kein Satz von ihr stammt: eine Montage aus Berichten über das, was geschehen ist – und überall in den Kurdengebieten täglich geschieht: Frauen werden vergewaltigt, gefoltert, Männer erschossen, Kinder verbrennen in Kellern, in denen sie Zuflucht suchen vor den Angriffen des türkischen Militärs. Ein Mädchen berichtet, wie man ihr einen Plastikbeutel mit Fleisch und Knochen in die Hand drückt: „Das ist dein Vater.“ … Die Kolumne erscheint in der kurdischen Tageszeitung Özgür Gündem. Aber die Wahrheit nicht gedruckt werden. Keiner soll darüber sprechen, keiner darüber schreiben, niemand davon lesen. Im August 2016 wird Özgür Gündem verboten. Im August 2016 wird Aslı Erdoğan verhaftet.

In jenen fürchterlichen Tagen des türkischen Terrors wurde im September 2015 in Cizre das Mädchen Cemile von türkischen Scharfschützen erschossen. Unter dem permanenten Feuer konnte lange niemand ihre Leiche bergen. Als dies der Familie endlich gelang, musste sie ihre ermordete Tochter in der Tiefkühltruhe aufbewahren. … „In jedem Gedächtnis ist nun eine Tiefkühltruhe, dort bewahren wir die Leichen auf, auch unsere eigene.“ schreibt Aslı Erdoğan. … Aus der Eiseskälte kommt Aslı Erdoğan zu uns. Zugleich kommt sie aus unerträglicher Hitze, aus einem brennenden Haus, voller Rauch, ohne Ausweg: aus der Türkei. Aus einem Land, in dem der Staat Verbrechen anordnet und begeht, aus einem Land der Willkür und der Unterdrückung. Wie es ein Land mit den Menschenrechten hält, kann man gut daran erkennen, wie es mit seinen Frauen umgeht. Ihr Wert wird von der herrschenden AKP nach der Zahl ihrer Kinder bemessen. Jede zweite Frau hat in ihrer Ehe schon massive Gewalt erlebt. Die Zahl der Femizide steigt. All dies im Namen einer reaktionären, antiaufklärerischen Variante von Religion. Klerikalfaschismus, das ist wohl der richtige Name dafür. Schon in der Vergangenheit sind deutsche Regierungen mit klerikalfaschistischen Regimen oft allzu freundlich umgegangen.

Aslı Erdoğan kommt aus der Kälte, sie kommt zugleich aus den großen Wüsten, den brennenden Wäldern, aus denen die Menschen nach Europa fliehen müssen. Sie kommt zu uns von der mörderischen Grenze, die uns von Afrika trennt, aus dem dunklen, violetten Mittelmeer, in dem … „nicht einmal Herkules gegen diese Strömung ankommen könnte“. Jeden Tag ertrinken dort Kinder, Frauen, Männer. Vielleicht auch jetzt, in dieser Stunde. …

Jeden Tag werden Frauen, Kinder, Männer versklavt in den libyschen Lagern, die Europa abschirmen sollen. Jeden Tag werden hungernde Kinder krank, in unerträglicher Kälte, in Dreck und Schmutz, im Flüchtlingslager Moria, auf Lesbos, in der malerischen, griechischen Ägäis. Vielleicht auch jetzt, in dieser Stunde. – Aber es gibt auch Hoffnung: Die griechischen Familien auf Lesbos haben selbst nicht viel, aber es gibt doch immer wieder jemanden, der an den Zaun geht und von seinem Wenigen Milch, Käse, Seife und Windeln bringt, für die Flüchtlingskinder.

Aslı Erdoğan kommt aus dem Gefängnis in Istanbul, in dem viele Frauen willkürlich eingekerkert sind, manche schon länger als zehn Jahre. Und sie haben es doch geschafft, in Teebeuteln und Eierschalen eine kleine Pflanze zu ziehen.

„Wir fühlten alle, wie tief und furchtbar die äußeren Mächte in den Menschen hineingreifen können, bis in sein Innerstes, aber wir fühlten auch, dass es im Innersten etwas gab, was unangreifbar war und verletzbar.“ schrieb Ende der dreißiger, Anfang der vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts eine Kollegin von Asli Erdogan, Anna Seghers, in ihrem Roman „Das siebte Kreuz“. – Das Innerste, das unverletzbar ist, verleiht den Menschen Mut. Den Mut zur Flucht aus dem Konzentrationslager und den Mut, dem Flüchtenden zu helfen.

Aslı Erdoğan beschreibt genau und mit großer Sprachkunst,wie tief und furchtbar die äußeren Mächte in den Menschen hineingreifen können. Gerade dadurch zeigt sie uns den unangreifbaren, unverletzbaren Schatz, den wir alle in unserem Inneren tragen. Den Schatz, der uns den Mut gibt, Nein zu sagen zum Unrecht – und … „den Glauben in uns lebendig (zu) halten, dass man die Welt verändern kann, wenigstens die Welt in uns selbst.“ – Dafür, für Ihren großen Mut, für Ihre wunderbare Sprachkunst, ganz einfach für Ihre Menschlichkeit danke ich Ihnen von ganzem Herzen, liebe verehrte Asli Erdogan.

Ich gratuliere den Anstifter_innen zu ihrer Entscheidung, ich gratuliere uns allen dazu, dass wir die große Autorin heute hier begrüßen können – und vor allem gratuliere ich Aslı Erdoğan zum Stuttgarter Friedenspreis.

*) Elisabeth Abendroth, 1947 geboren, Sozialwissenschaftlerin, lebt in Frankfurt am Main, arbeitet seit Jahrzehnten für die Erinnerung an den Holocaust und den antifaschistischen Widerstand und engagiert sich für die Menschenrechte.

FriedensGala 2017 mit viel Prominenz

Der Vorverkauf hat bereits begonnen

Der Vorverkauf für die FriedensGala 2017 der AnStifter hat begonnen. Die Gala findet am Sonntag, den 10.Dezember 2017 im Theaterhaus Stuttgart statt und beginnt um 17 Uhr.

Die diesjährige Preisträgerin, die Autorin Aslı Erdoğan aus Istanbul, hat ihre Teilnahme zugesagt. Die Laudatio hält die Sozialwissenschaftlerin Elisabeth Abendroth aus Frankfurt. Den musikalischen Rahmen bieten Cemîl Qoçgîrî und sein Ensemble. Qoçgîrî ist ein virtuoser Tenbûr-Spieler und Sänger, zudem ein viel beachteter Komponist, Arrangeur und Brückenbauer. Sidar Çarman von der Föderation demokratischer Arbeitervereine moderiert.

Tickets gibt es ab sofort im Theaterhaus Stuttgart (0711-40207 -20-23, www.theaterhaus.de, über Reservix – und weitere Informationen über www.die-anstifter.de

Aslı Erdoğan erhält Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2017

© Gürcan Öztürk

Am Freitag, 22. September, erhielt Aslı Erdoğan den mit 25.000 Euro dotierten Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2017 verliehen. Während einer Feierstunde im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses überreichte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert den Preis, der nach dem weltbekannten, in Osnabrück geborenen Schriftsteller Erich Maria Remarque benannt ist. Damit hat die türkische Journalistin und Schriftstellerin neben dem Friedenspreis der Anstifter einen weiteren wichtigen Preis für ihre Arbeit erhalten. Sie nahm an der Verleihung des Preises teil. Das lässt hoffen, dass sie auch am 10. Dezember zur Verleihung des Friedenspreises der Anstifter ins Theaterhaus kommen wird.

In ihrer Dankesrede erzählt Aslı Erdoğan von einem Erlebnis aus dem Frauengefängnis von Istanbul, in dem sie 132 Tage in Haft saß. Sie hatte Frauen in ihrer Zelle beobachtet, die heimlich eine Pflanze aufgezogen hatten. Dabei gab es keine Erde für das zarte Gewächs, nur ein Provisorium aus Eierschalen und Teebeuteln: „Sie haben versucht, diese kleine Pflanze zu verbergen und am Leben zu erhalten. Sie haben ihr die Sonne und den Regen gezeigt als wäre sie ihr kleiner Prinz. Und natürlich wurde diese kleine Pflanze entdeckt – und die Wächter haben sie den Frauen mit Freude aus den Händen gerissen. Das hätten Sie sehen sollen: Frauen, einige seit zehn Jahren und länger in Haft, die um diese kleine Pflanze weinen!“

Quelle: Deutschlandfunk Kultur

Türkische Künstler vorgestellt
Cemil Qocgiri

Cemîl Qoçgirî singt Porê. Er wird von der kurdischen Harfenspielerin und Sängerin Tara Jaff, 1958 in Bagdad geboren, begleitet.

Cemîl Qoçgirî wurde 1980 in Duisburg geboren. Er stammt aus einer kurisch-alvitischen Familie aus der Qoçgiri-Region im Norden Dersims.

Dersim (kurdisch Dêrsim, osmanisch درسم, İA Dersim, armenisch Տէրսիմ/Դերսիմ Tersim, zazaisch Dêsım) ist der heute inoffizielle Name eines Gebiets in der Türkei und entspricht im Kern der heutigen Provinz Tunceli. Trotz des Tunceli-Gesetzes von 1937 und der Umbenennung in Tunceli, ist der Name Dersim unter der Bevölkerung gängig und politisiert. Es ist die Region mit dem höchsten Anteil an Personen alevitischen Glaubens in der Türkei, zudem sind die Mehrheit der Einwohner Zazas; vor dem Völkermord an den Armeniern lebten hier zahlreiche Armenier. Viele Armenier fanden hier während des Völkermordes Zuflucht. Quelle: Wikipedia

Türkische Künstler vorgestellt
Zülfü Livaneli

Zülfü Livaneli singt Sevdalı Başım

Zülfü Livaneli (* 20. Juni 1946 in Ilgın) ist ein türkischer Komponist, Sänger, Schriftsteller und Filmregisseur. Eine langjährige Zusammenarbeit und Freundschaft verbindet Livaneli mit dem griechischen Komponisten Mikis Theodorakis. Mit ihm gründete er 1986 das Komitee für türkisch-griechische Freundschaft, um die gegenseitige Verständigung und das friedliche Miteinander des griechischen und des türkischen Volkes zu fördern. Gemeinsam mit Mikis Theodorakis und Maria Farantouri gab er in vielen Konzerten mit türkischen und griechischen Liedern immer wieder Signale für ein friedliches Zusammenleben. Oft wurde er auch mit Theodorakis verglichen und als der türkische Theodorakis bezeichnet.
Ganzen Artikel lesen …

Eine Übersicht seiner „Albümler“ findet man hier.

Friedenspreis der AnStifter
Wie geht es unserer Friedenspreisträgerin?

© Gürcan Öztürk

Aslı Erdoğan wurde im August 2016 festgenommen und saß 132 Tage in Haft. Seit einem halben Jahr ist sie draußen. Auf die Frage, wie es ihr geht, antwortet sie:

„Nicht so gut – es fühlt sich an, als wäre ich zusammengeschlagen worden und im Krankenhaus aufgewacht. Im ersten Moment versuchst du nur zu überleben, wenn du ein bisschen heilst, beginnt es wehzutun, du heilst weiter, es beginnt dich wütend zu machen: Warum haben sie dich geschlagen? In dieser Phase bin ich gerade.“

Warum sie in Haft gekommen ist, was sie dort erlebt hat, erzählt sie in einem feinsinnig, schonungslos, tief bohrenden Ton im Interview mit Sonja Hartwig in der Zeit.

Stuttgarter Friedenspreis
Aslı Erdoğan

Foto:Gürcan Öztürk

Die türkische Autorin und Physikerin Aslı Erdoğan (* 8. März 1967 in Istanbul) erhält den mit 5000 EU dotierten Stuttgarter Friedenspreis 2017 der AnStifter. Mit dem Preis zeichnen die AnStifter seit 2003 jedes Jahr Menschen aus, die sich in besonderer Weise für „Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität“ einsetzen. „Der Friedenspreis an Aslı Erdoğan setzt auch ein Zeichen gegen jegliche Angriffe auf öffentliche Meinungsäußerungen und auf Pressefreiheit. Das betrifft nicht ‚nur’ die Türkei. Weltweit werden Journalisten zunehmend diskriminiert, eingesperrt oder gar ermordet, um unabhängige öffentliche Meinungsbildung zu unterdrücken. Diesen Journalisten und allen anderen, die wegen öffentlicher Meinungsäußerung gegen autoritäre Regierungen schikaniert werden, gilt unsere Unterstützung“, so Dr. Annette Ohme-Reinicke, Vorsitzende des Stuttgarter Bürgerprojekts.
Aslı Erdoğan, die große türkische Romanautorin und Oppositionelle, ist zur Symbolfigur für die Meinungsfreiheit und das Ausmaß der türkischen Willkürherrschaft geworden. Wegen ihrer Kolumnen in der pro-kurdischen Zeitung Özgür Gündem wurde Aslı Erdoğan nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei im August 2016 inhaftiert und viereinhalb Monate im Istanbuler Frauengefängnis Bakırköy festgehalten. Ihre Waffe ist die Sprache, mutig und verzweifelt nennt sie die Dinge beim Namen: Willkür und Unterdrückung, Gewalt, Folter, Schuld. Erdoğans poetische Sprache ist politisch und unmissverständlich.
„Man muss den Glauben immer in sich lebendig halten, dass man die Welt verändern kann, wenigstens die Welt in uns selbst. Denn warum sollen wir sonst leben, warum sollen wir dann schreiben?“, sagt sie. Ihr Appell an die deutsche Öffentlichkeit, die vom Regime von Präsident Recep Tayyip Erdoğan ins Gefängnis geworfenen Schriftsteller nicht zu vergessen, sollte auch beim G-20-Gipfel in Hamburg gehört werden.

Stuttgarter Friedenspreis
Tous les œufs dans le même panier

Mittlerweile sind über die Website http://www.stuttgarter-friedenspreis.de über 250 elektronische Stimmzettel eingetroffen. Das Ergebnis zwischen den Erst- und Zweitplatzierten scheint enger zu werden. Ganz sicher kann man das aber noch nicht sagen, weil die Stimmzettel, die per Post, Fax und E-Mail eingegangen sind, noch nicht ausgezählt wurden und die Zählung selbst durch das händische Prozedere etwas erschwert wird. Es ist also noch nichts entschieden. Nur ein Tipp: wenn Sie wem auch immer den Friedenspreis zusprechen möchten, dann teilen sie Ihre drei Stimmen nicht an verschiedene Kandidaten/Kandidatinnen auf, sondern geben Ihre drei Stimmen einer einzigen Person oder Einrichtung. Seien Sie mutig und werfen alles in denselben Topf. In Frankreich sagt man: mettre tous le œufs dans le même panier.

Stuttgarter Friedenspreis
Zwischenergebnis des 2. Wahlgangs

Nach der Auszählung der Stimmabgabe von etwas mehr 200 Personen ergibt sich folgendes Abstimmungsbild, das hier, um die Wahl nicht zu beeinflussen, ohne Zahlen und ohne die Namen der Kandidaten und Kandidatinnen in der Reihenfolge der gegenwärtigen Platzierung wiedergegeben wird. Wenn auch Sie AnstifterIn sind und tatsächlich noch nicht gewählt haben sollten, dann ist noch nichts entschieden. Die noch bis zum 28. Juni 2017 23:59 Uhr zur Wahl Stehenden finden Sie (einschließlich des „elektronischen Stimmzettels“) hier.