Alle Beiträge von Peter Grohmann

Über Peter Grohmann

Peter Grohmann, Jahrgang 1937, Breslauer Lerge, über Dresden auf d' Alb, dann runter nach Stuttgart: Schriftsetzer und Kabarettist, Autor und AnStifter gegen Obrigkeitsstaat und Dummdünkel. Mitgründer: Vom Club Voltaire übers undogmatische Sozialistische Zentrum, vom Theaterhaus zu den AnStiftern. Motto: Unruhe ist die erste Bürgerinnenpflicht. Was ärgert Grohmann? Alle, die den Arsch nicht hochkriegen, aber dauernd meckern. Und an was erfreut er sich? An Lebensfreude und Toleranz

Eine Flugschrift der AnStifter
Newsletter vom 12.04.2017

Fröhliche Ostern, fröhliche Western –

auch wenn uns angesichts der Nachrichten fast alle Fröhlichkeit abhanden kommt: Tröstet uns da Wolf Biermann?

Du, laß dich nicht verhärten / in dieser harten Zeit. /

Die all zu hart sind, brechen, / die all zu spitz sind, stechen / und brechen ab sogleich.

Eher beunruhigend ist auch diese Meldung: In 275 Fällen wird bei der Bundeswehr wegen des Verdachts rechtsextremer Handlungen ermittelt. Viele der Beschuldigten haben immer noch Zugang zu Waffen. Na, denn mal tau!

Dr. Heribert Prantl, Mitglied im Förderkreis unseres Hannah-Arendt-Instituts für politische Gegenwartsfragen, kommentiert die momentane Gerechtigkeitslyrik.
Über Gerechtigkeit, Neo-Liberalismus, Propaganda, Prekariat und Revolution wollen wir mit Ihnen gern weiter debattieren – dazu gibt’s eine neue Reihe, die am 29.6. in der Stiftung Geißstraße beginnt.

Unerwünscht: Die Holzingers flohen vor den Nazis aus Stuttgart nach Ibiza und Mallorca wurden dort erneut in die Flucht getrieben: Das berührende Schicksal einer jüdischen Familie dokumentiert José Miguel Lopez Romero auf 160 Seiten, reich illustriert.

Momentan bereiten Die AnStifter dazu weitere Lesungen in Schulen vor – falls Sie Interesse und eine Schule haben, auch bei Ihnen. Schauen Sie sich unser neues Werk an: Unerwünscht. 170 Seiten, 13,80 €. ISBN 978-3-944137-40.

Das Wettern der Woche in der Wochenzeitung Kontext geht gewaltig gegen Gewalt, wie der Ostermarsch in Friedrichshafen am Ostermontag, 17.4.17. Wir fahren mit dem Zug ab Stgt 9:00 Uhr auf dem BW-Ticket (hin + her ca. 10/12 EU). Interesse? Dann melden Sie sich bitte. Wir nennen Ihnen dann Details.

Georg Herwegh ist da: Bet und arbeit, ruft die Welt! Das feine Buch mit 100 feinen Seiten kostet 7,90 Euro, die große Geburtstagsfeier der AnStifter zu seinem 200. Geburtstag im Stuttgarter Rathaus findet am 24.5.17, um 19 Uhr statt. Sollen wir für Sie reservieren?

Der Einsatz für Freiheit, Demokratie und Frieden ist wichtiger denn je – ebenso Ihre Unterstützung dazu. Ihr Osterei erwarten wir hierUnd dann gibt’s ja auch den alten Iban: DE31 4306 0967 7000 5827 01

Nichts wird so heiß gegessen wie’s gekocht wird, auch nicht bei Loretta. AnStifters Abendmahl in der Römerstraße 8: am Dienstag, 25. April, 19:30 Uhr. Nur mit verbindlicher Anmeldung.

Glückauf! Der Frühling ist nicht aufzuhalten. Die Populisten nur gemeinsam.

Ihr Team aus der DenkMacherei

Keine Politik bitte!

Nur einmal im Jahr bitte keine Politik, wenigstens zu Ostern, dem Fest des Friedens, uns, ja Ihnen, nicht irgendwas reindrücken wollen! Es muss doch bitte sehr auch beim Wettern der Woche möglich sein, auf diese impertinenten Moralduschen zu verzichten! Einmal, nur ein einziges Mal nur nichts von der Domina Germania oder Giftgas, Assad, Bo-Russen, Donald Trump, dem Hunger nach Gerechtigkeit. Diesmal nichts von Schulz, Merkel, Gabriel und dieser Frau von den Grünen, nichts zu Kapitalismus, Kannibalismus und Krise, Doping oder Dollars im Sport. Einmal im Jahr nichts zu Asylbetrügern, Flüchtenden aus dem Wartegau, Elend, Verfolgung, Mord und Totschlag, Kindersterben. Kein Wort diesmal über den Untergang des Abendlands, das Bienensterben, Monsanto & Co., Fessenheim, Nietzsche, das bedingungslose Grundeinkommen, Korruption, Ämterhäufung, Fake News oder Lügen-Presse! Schweigen über Maduro, Wölfe, Wölfle und Weihrauch zu Ostern! Schnauze bei Obdachlosen, Hungerleidern, Populisten, Pietisten, Parasiten, Paradiesvögeln. Klappe bei Erdogan, Orban, Jarosław Kaczyński, Osterhasen, Lastwagen, NSU, Antisemiten, besetzten Gebieten, Völkermord, Völkerball, Volksverdummung, Volksaufstand, Volksverhetzung, Volksfürsorge, Volksliedern, Volksempfinden oder Völlerei. Ohren zu bei Völker, hört die Signale! Stummes Schweigen über Diesel, Kretschmann, VW, Porsche, Daimler und die Ittacker, Null Wort zu Abgaswerten, Meinungsmanipulationen, Niedriglohn, Obergrenzen, Hartz IV, Hackerangriffen, Hühnerfleisch, Hannover 96, Brexit, Braunschiss, Bombenteppiche, Nervensägen und Nervengiften! Heute mal nichts zu Todesstrafe, Klimakrise, Mittelmeer. Und bitte auch nix zu Luther, würde meine Omi Glimbzsch in Zittau hinzufügen.

Fröhliche Ostern. Und falls Sie nichts anderes vorhaben, empfehle ich Ihnen die Teilnahme am Ostermarsch. Gut für die Osterbraten-Verdauung, kritische Debatten, neue Nachrichten, die zwischenmenschlichen Beziehungen und den Frieden.

Zum Kotzen, Herr Major!

Meine Achillesferse ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Am Sonntag erregten mich öffentlich-rechtliche Filmszenen, bei denen einem Opfer mittels Gartenschere die Finger abgeschnitten wurden. Nicht besser war ein Tatort mit höchsten Quoten, bei dem der geistig benachteilige Mörder zuerst ausgewählte Opfer mit seinem Auto zweimal überfuhr und ihnen dann gewisse Körperteile herausschnitt: Auge um Auge, Zahn um Zahn, die Welt en gros und en détail, ganz wie sie ist. Keine Frage, dass auch ARD und ZDF zum Fest der Auferstehung von den Toten mit jeder Menge Mord und Totschlag locken – das ist verständlich, denn wer schaut sich schon eine plumpe Osterandacht an? Soweit zum Film.
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Schmähgesänge

Sieg oder Massenschlägerei“: Das ist ein beliebter Schmähgesang auf den unteren Rängen in den Stadien: Eine ganz klare Ansage, bei der große oder kleine Koationen nicht mithalten können. First we take Saarbrücken? Hat nicht geklappt. Die unteren und die oberen Ränge lieben Annegret Kramp-Karrenbauer – quer durch alle politischen Farben. Mist. Mit den Arbeitslosen allein, die zu 30 % dunkelrot wählten, ist ja auch kaum Staat zu machen. Aber auch wenn selbst die Gebildeten mehr gut finden als Oskar oder Martin, bleibt then we take Berlin natürlich eine Option. Aber wie bei den Schmähgesängen braucht es klare Fronten – „Hoch die internationale Solidarität“ ist eben einfach zu wenig. In den letzten Tagen gingen, von den Leitmedien wenig beachtet, Türken und Kurden gemeinsam auf die Gass‘. Viele waren es nicht (aber das bleibt unter uns!). Wie in Saarbrücken waren die Hochrechnungen der Nein-Gemeinde utopisch und lassen ahnen: Erstes kommt es anders, zweitens als man denkt. Mit der Solidarität der biodeutschen Genossen war’s auch nicht weit her, und so blieben die Trommeln für’s Hayır, für’s Nein, eher leise. Öffentlich sichtbar waren am letzten Wochenende in Stuttgart vor allem die Kohorten der Polizei – Äffle und Pferdle, Tränengas und Knüppel als Drohkulisse: Haltet Euch fern von den Rettern der Demokratie, war die Botschaft.

Die Neffen des Sultans, Freiwillige aus Konsulaten, AKP und türkischem Verfassungsschutz, waren umso eifriger, Kopf und Kragen der Demo-Teilnehmer im Bild festzuhalten: Das wird man alles noch brauchen können. Mit von der unangenehmen Partie natürlich auch die Polizei: Sie sei beauftragt, die Hassgesänge zu dokumentieren, sagten die Videofilmer. „Erdogan – Terrorist“ und „Bei jeder Schweinerei ist die BRD dabei“ war das Schärfste aller Lieder – da hätte selbszt meine Omi Glimbzsch aus Zittau mitgesungen, von mir ganz zu schweigen.

„Wir ziehen los, mit Messern und mit Ketten! – Wir machen aus den Haien Fischkroketten“ oder „Lasst uns schlachten einen Sachsen – weil die Viecher so schnell wachsen“ oder „Wen wollen wir lynchen? Bayern München!“ gehören übrigens zu beliebtesten Schmähgesängen bei großen Sportereignissen. Die sind aber so wenig ernst gemeint wie die internationale Solidarität.

*) Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter.

hayır heißt nein! Der Demokratie den Rücken stärken!

Kundgebung Sa, 25.3. 16 h Hauptbahnhof Stuttgart

Die AnStifter rufen auf

 

Meckerärsche, die Augen rechts!

Wahlen sind nicht immer schön. Nehmen wir Schulz. Das Überspringen der 100-Prozent-Hürde zeigt, dass Martin selbst von sich selbst überzeugt ist. Das ist viel in Zeiten des Zweifels. In den Nederlanden hingegen hat dieser Geert Wilder haushoch verloren – und 5 Sitze dazu gewonnen. Wunder gibt es immer wieder, erst recht im Land der flachen Hierarchien, wo sich die rechte Elite weiter konsolidiert hat. Hetze und Rassismus haben das politische System längst durchdrungen. Der umjubelte Wahlgewinner Mark Rutte (VVD) meint ja seit jeher, dass MigrantInnen nach Hause gehen sollten, ohne Tschüs und ohne Wenn und Aber, wenn sie sich nicht normal verhalten könnten. Was ist schon normal in diesen Zeiten, und was ist zu Hause? Sind’s die Hunger-Regionen Afrikas?
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Lug & Trug & Hayır!


Einer der ganz Großen der Autohersteller hat zugegeben – nein, nicht bei uns, sondern jenseits der großen Wasser – was fast alle längst wussten: Lug & Trug. Gelesen liest’s sich denn doch saftiger: Die Diesel-Skandal-Firma hat sich in den USA in allen drei Anklagepunkten schuldig bekannt: der Verschwörung zum Betrug, der Behinderung der Justiz und dem Verkauf von Waren unter falschen Angaben. Na gut, das ist hierzulande weitgehend handelsüblich. Dass ein paar Verschwörer, Betrüger und Lügner, verfolgt von der Gerechtigkeit, erwischt worden sind, lässt hoffen. Und wer ist bei uns schneller. Alles Peanuts, würde da die Deutsche Bank sagen – der Steuerzahler steckt die 4,3 Milliarden Dollar doch mit links weg, samt der ganzen Gerechtigkeit. mehr…

Rübe runter!


Der Türke an sich gilt als sauber, menschlich und ist zudem als angenehmer Gastgeber beliebt. Er ist belesen, fleißig und kinderfreundlich, heimatlieb, humorvoll und häufig weltoffen – nehmen wir als positives Beispiel nur Deniz Yücel. All diese Attribute kann man dem Deutschen an sich auch zubilligen – ich nenne nur Deniz Yücel. Türken und Deutsche haben aber noch mehr Gemeinsamkeiten. Fast jeder dritte Deutsche wünscht sich einen starken Führer – in der Türkei ist es jeder zweite, und rund ein Viertel der Deutschen würde gern ein Zuwanderungsverbot für Muslime festschreiben. Auch jeder dritte Türke will keine christlichen Nachbar haben, nicht einmal atheistische oder jüdische. Letzteres deckt sich mit den Erkenntnissen über die Wünsche von uns Deutschen.   mehr…

http://www.spiegel.de/politik/ausland/fall-deniz-yuecel-geisel-der-tuerkischen-regierung-a-1136750.html

Gequirlte Scheiße

Ja, ich weiß, das ist eine primitive Überschrift, aber erstens ist sie hipp und zweitens dem Echo auf das „Wettern“ geschuldet. Viele Menschen haben leider nur mich zum Abkotzen: Für die einen bin ich das ZK der SED, für andere „bestenfalls ein Blindgänger“, für Dritte nur ein Arschgesicht – was ich am ehesten nachvollziehen kann, wenn ich aus dem Feinstaubloch nach Hause komme und mich im Spiegel sehe. „Das Böse ist verdammt gut drauf“, würde mich meine Omi Glimbzsch in Zittau trösten. mehr…