Alle Beiträge von Peter Grohmann

Über Peter Grohmann

Peter Grohmann, Jahrgang 1937, Breslauer Lerge, über Dresden auf d' Alb, dann runter nach Stuttgart: Schriftsetzer und Kabarettist, Autor und AnStifter gegen Obrigkeitsstaat und Dummdünkel. Mitgründer: Vom Club Voltaire übers undogmatische Sozialistische Zentrum, vom Theaterhaus zu den AnStiftern. Motto: Unruhe ist die erste Bürgerinnenpflicht. Was ärgert Grohmann? Alle, die den Arsch nicht hochkriegen, aber dauernd meckern. Und an was erfreut er sich? An Lebensfreude und Toleranz

Schlechtes Klima, politisch

Hört auf, den Bürgern vorzuschreiben, was sie sehen oder was sie verstehen sollen, malt, schreibt, spielt und lasst die Zuschauer entscheiden, wie sie es empfinden und welche Schlüsse sie daraus ziehen. Jedes künstlerische Werk ist jedem Rezipienten zuzumuten, und es ist nur an künstlerischen und nicht an den ideologischen Kriterien eines sich totalisierenden Dekonstruktivismus zu messen.

https://www.nzz.ch/feuilleton/in-deutschland-herrscht-ein-zunehmend-repressives-klima-ld.1487259?reduced=true

lesenswwert, andersrum

Gedenken an SS-Massaker in Oradour-sur-Glan

Im französischen Oradour-sur-Glane wird heute des SS-Massakers mit mehr als 600 Toten vor 75 Jahren gedacht. Zu der Gedenkzeremonie werden mehrere Dutzend Gäste erwartet. Sie wollen Kränze niederlegen und mit einer Schweigeminute an die Opfer erinnern.
Das zerstörte Dorf nahe Limoges im Zentrum Frankreichs ist heute eine nationale Gedenkstätte, die jährlich bis zu 300.000 Menschen besuchen. Unweit ist eine neue Ansiedlung entstanden. In der Dorfkirche hatte die Waffen-SS-Einheit „Das Reich“ am 10. Juni 1944 die Frauen und Kinder des Dorfes eingepfercht und das Gotteshaus angezündet. Die Menschen verbrannten bei lebendigem Leib. Die Männer des Ortes wurden größtenteils mit Maschinengewehren erschossen. Insgesamt starben bei dem Massaker 642 Menschen.
(red, ORF.at/Agenturen)

Prima Klima in Syrien

Wie in Dänemark: Ausländer raus. Das bringt Stimmen.  Auf der Innenministerkonferenz in Kiel (12.-14.6) wird über den Abschiebungstopp nach Syrien entschieden. Bei Konferenzbeginn machen SyrerInnen mit einer Aktion darauf aufmerksam, was Geflüchteten bei Rückkehr nach Syrien droht. Wenn’s sein muss, Folter, gern auch Tod. Aktion am 12.6.19 in Kiel, Platz der Matrosen (!)

Träger: Visions4Syria, Netzwerk junger SyrerInnen, Adopt a Revolution, medico international. Mehr: www.medico.de

D-Day
Ives Montand

Gegen Hitlers, Mussolinis und Francos Diktaturen und ihren Versuch, ein faschistisches Europa zu schaffen, leisteten Millionen Männer und Frauen im Untergrund Widerstand – mit und ohne Waffen. Ihre dramatische Geschichte – von Paris bis Athen, von den Bergen Norditaliens bis zu den Wäldern Russlands – spiegelt sich in unzähligen Liedern.

https://www.deutschlandfunkkultur.de/eine-lange-nacht-der-lieder-aus-europaeischen.1024.de.html?dram:article_id=315347

auschwitz.org/en/more/german/

 

Die AnStifter veranstalten eine offene Studienreise zur KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau (3.-6.10.2019). Bei Interesse bitte Infos anfordern

 

Begleiter

Wenn du Schulter an Schulter mit mir gehst
überzeuge dich gründlich
von dem Dasein des gemeinsamen Weges
Wenn du dieselbe Sprache sprichst
überzeuge dich gründlich
von der übereinstimmenden Deutung der Worte
Sei ein wacher Beschreiter
der die Wege mit mir bestreitet

Afsane Bahar (Iran)

Bis zum Endsieg!

Unser Nato-Partner Donald Trump will den Iran jetzt schnell und endgültig auslöschen – also noch vor seiner Wiederwahl und eventuell sogar noch vor der Sommerpause. Ein drohender Krieg, und sei er noch so niedlich, überschattet für gewöhnlich alle anderen Nachrichten. Kein Mensch würde sich mehr über’s multifunktionale EUCOM oder fallende Daimler-Aktien aufregen. Das Offene Treffen gegen Militarisierung und Krieg, ja selbst die Klimakatastrophe oder Manipulationen der Deutschen Bank wären den Leuten relativ egal. Anders gesagt: Wenn Trump wie gewohnt weiter wütet, kämen wir ganz schön in die Bredrouille mit unseren Themen. Es sei denn, das ist gar kein Bündnisfall. Dann wären wir fein raus und könnten uns wieder um die Festung Europa kümmern: Wie verhindern wir dieses Strache-Modell? mehr…

Ach ja, Menschenrechte…

A

Keine Zensur nicht. Am 18.5.2019 zeigten Studierende der Stuttgarter Kunstakademie (Klasse Prof. Güdemann) Plakate zu den 32 Artikeln der Menschenrechte. Ein Einzelplakat zu diesem Thema hatte schon die Landesbibliothek Stuttgart verbannt: Wer zeigt schon gern gleich alle Menschenrechtsartikel auf einem Plakat? Da kann man sich nie sicher sein, was draufsteht. Das dachte sich auch die Stadt Stuttgart, die die Vorlage der Plakatentwürfe verlangte, sonst würde es nix mit einer öffentlichen Schaustellung. Es wurde doch: Die AnStifter meldeten eine Kundgebung für die Menschenrechte an, und ein paar Tausend PassantInnen, vorwiegend auf Einkaufstour, konnten einen Blick auf die Missachtung von Rechten werfen, auf kritische Fotomontage, Grafik, Texte. Ein Wort gab das andere. Demokratie in Praxis kann ganz schön kompliziert sein

Ein Wort gibt das andere. Demokratie in Praxis kann ganz schön kompliziert sein. Mehr dazu beim Maifest am 23.5. im Kunstverein und am 24.5. in der Stadtbücherei Untertürheim bei Grohmanns Kabarett.

Wiglaf Droste ./. Joe Bauer

Joe Bauer: „Der Dichter, Satiriker, Sänger, Entertainer Wiglaf Droste ist im Alter von 57 Jahren in Franken, wo er zuletzt mit seiner Partnerin gelebt hat, an Organversagen gestorben. Einige Dinge haben wir zusammen gemacht, noch 2015 ist er im Flaneursalon am Fluss im Hafen aufgetreten. Wir haben oft über seine Alkoholkrankheit gesprochen. Leider war nichts zu machen. Keine Chance. Wir haben einen guten Mann, einen ungewöhnlich scharfen Denker, brillanten Schreiber und phänomenal präsenten Unterhalter verloren. Vor einigen Jahren saßen Wiglaf und unsereiner, wie öfter mal, bei Sauerbraten und Spätzle im Brunnenwirt am Stuttgarter Leonhardsplatz. Tags darauf schickte er mir dieses Gedicht…“:

RICHTIG SPACHTELN GEGEN NAZIS  / Von Wiglaf Droste
Hitler vegetierte arisch
lebte vulgo vegetarisch.
Fleisch? Niemals, nicht einen Happs!
Auch kein Bier und keinen Schnaps,
und auch niemals Zigaretten,
denn es galt, die Welt zu retten:
Vor den Bolschewiken, Juden,
allem Schönen, Wahren, Guden
also vor den Großgenüssen.
Deshalb schrieb der Mann „Mein Kampf“. mehr…

Karl Huober
Ein Freund hat uns verlassen

Bestürzt haben wir vom Tod unseres Freundes Karl Huober aus Erdmannhausen erfahren. Wir trauern um einen AnStifter der ersten Stunde, den Mitbergünder der TAZ und großen Freund der Zivilgesellschaft. Das Schaffen und Wirken von Karl Huober war für viele eine große Bereicherung und Anstoß für eigenes Engagement. Karl Huober trat er stets als großzügiger und engagierter Unterstützer einzelner Projekte auf, z.B. die Initiative von BürgerInnen der Gemeinde Erdmannhausen für den „Bau einer Trinkwassernutzungsanlage für ein Dorf in Amazonien“. Er stand wie kaum ein anderer für ein naturverbundenes und sozialgerechtes Wirtschaften und verkörperte und lebte das, was BürgerInnen einer demokratischen gerechten Gesellschaft auszeichnet: Engagement für Vielfalt, Courage im Alltag und Offensein für Neues. Mit Respekt und Wertschätzung behalten wir ihn in Erinnerung.

Küsst die Faschisten, wo ihr sie trefft

Ihr müßt sie lieb und nett behandeln,
erschreckt sie nicht – sie sind so zart!
Ihr müßt mit Palmen sie umwandeln,
getreulich ihrer Eigenart!
Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft –:
Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft!
Kurt Tucholsky (1931).

Gegenwärtig warnen sie vor Israel und drohen: „Wir hängen nicht nur Plakate!“ Alle sind erschrocken und rufen nach Polizei und Staatsanwalt, prangern Volksverhetzung und Antisemitismus an, statt selbst Hand anzulegen. Aber die Staatsanwälte wissen: So schnell gehen deutsche Leitkultur und Rechtsstaat nicht vor die Hunde. Bei zwei anderen Rechtsstaaten sieht es dagegen eher düster aus: Tayyip Erdogan hat sich jede Kritik an der für Istanbul angesetzten Wiederholung verbeten – ganz so, als hätte er selbst für diese Fälschung… Sorry, Wiederholung gesorgt. Richtig ist: Die Unsrigen, also die Politischen, hatten tatsächlich ganz schön draufgehauen auf ihren Natopartner. Das hätten sie sich bei Donald Trump nie getraut. Der Cowboy ist fest entschlossen, dem Regime in Teheran den Garaus zu machen, behauptet jetzt Reinhard Baumgarten, Journalist wie ich. Krieg hin oder her: Trump pfeife auf internationale Abmachungen, Verbündete, Freunde – das zähle nur, wenn’s ins Weltbild jener pathologischen Narzissten und notorischen Lügner passe, die derzeit in den USA das Sagen haben. Mein lieber Herr Gesangsverein! Vorsichtshalber bleiben die höheren Chargen in der Berliner Regierung in Deckung wie die berühmten drei Affen. Denn Trump bringt’s fertig und zieht seine Atomraketen aus Büchel ab – und dann wird die Eifel Freiwild für die Kommunisten!

Sei’s drum: Bei den Europawahlen am 26.5. kann man’s allen mal so richtig besorgen. Es soll, so meine Omi Glimbzsch in Zittau, nicht die letzte Wahl gewesen sein. Aber mit Europa tut sich die Linke halt sauschwer. Klar, den Sitz im Euro-Parlament will jeder, aber für Europa auf die Barrikaden will niemand. Das ist wie mit dem Muttertag letzten Sonntag: Um den Rechten zuvorzukommen, hat die baden-württembergische Landesregierung termingerecht eine hochschwangere Frau nach Albanien abgeschoben – samt Tochter. Natürlich nicht persönlich, für so was hat eine Regierung ja ihre Leute.

Doch um hier auch mal was Positives zu bringen: Biennale in Venedig! Wahnsinnig toller Beitrag Deutschlands! Thema Migration, Integration, Ein- und Abgrenzung, Zusammenleben und der ganze Scheiß. Kunst eben. Aber dennoch gut.