Alle Beiträge von Peter Grohmann

Über Peter Grohmann

Peter Grohmann, Jahrgang 1937, Breslauer Lerge, über Dresden auf d' Alb, dann runter nach Stuttgart: Schriftsetzer und Kabarettist, Autor und AnStifter gegen Obrigkeitsstaat und Dummdünkel. Mitgründer: Vom Club Voltaire übers undogmatische Sozialistische Zentrum, vom Theaterhaus zu den AnStiftern. Motto: Unruhe ist die erste Bürgerinnenpflicht. Was ärgert Grohmann? Alle, die den Arsch nicht hochkriegen, aber dauernd meckern. Und an was erfreut er sich? An Lebensfreude und Toleranz

Albert Sánchez Piñol
Spanien ist tot

Referendum in Katalonien (Süddeutsche, 1.10.2017)

Katalonien ist nicht einfach eine spanische Region. Das war es nie. Auch deshalb müssen wir wählen dürfen. Was gerade in Katalonien passiert, ist schrecklich, eine demokratische Verkümmerung, wie es sie im modernen Europa nie zuvor gegeben hat.
Am 20. September übernahm die nationale Polizei alle katalanischen Institutionen und verhaftete rund zwanzig Führungsmitglieder der katalanischen Regierung, was bedeutet, dass für Katalonien und dessen Bevölkerung der Ausnahmezustand gilt. Das demokratische Referendum über die Unabhängigkeit Kataloniens soll unter allen Umständen verhindert werden. Wie konnte es soweit kommen?
Katalonien ist nicht einfach eine spanische Region. Das war es nie. Es hatte schon im zehnten Jahrhundert eigene Landesfürsten und Institutionen. Was wir heute als Spanien kennen, war bis ins 18. Jahrhundert nur ein Zusammenschluss verschiedener Nationen, deren einzige Gemeinsamkeit der König und die Religion waren. An der Conquista oder an den flandrischen Kriegen des 16. Jahrhunderts haben keine Katalanen teilgenommen.
Die Einheit Spaniens wurde nur mithilfe militärischen Terrors erzwungen. Am 11. September 1714, nach einem langen und verheerenden Krieg, fiel Barcelona den kastilischen Truppen in die Hände. Die Katalanen haben die neue Herrschaft nie akzeptiert. Wie drückte es doch ein spanischer General im 19. Jahrhundert aus: „Barcelona muss alle 50 Jahre zerbombt werden.“ (In Wahrheit haben sie die Stadt in noch kürzeren Abständen bombardiert.)
Die Generäle, die 1936 den Bürgerkrieg begannen, führten dafür drei Gründe an: die katholische Kirche verteidigen, den Kommunismus und den Separatismus bekämpfen. Der Kommunismus liegt auf dem Müllhaufen der Geschichte, die Kirche hat ihre einstige Macht verloren. Die katalanische Einmaligkeit aber bleibt trotz aller Angriffe und Repressionen bestehen. mehr…

Wer weiss? Pablo Neruda

Im Oktober 2017 soll in Chile Aufschluss darüber gegeben werden, wie Pablo Neruda, der Nobelpreisträger, linke Chilene und Freund von Präsident Allende, zu Tode gekommen ist. Ob er an einer Krankheit gestorben ist oder von Pinochets Militär ermordet wurde, soll dann offenkundig werden.
Dr. Vargas Salazar hatte Prostata-Krebs diagnositiert, was vielfach bezweifelt wurde, zumal die von den USA unterstützten Putschisten in ihrer Zeitung El Mercurio meldeten, Neruda sei an einem Herzversagen infolge einer Spritze gestroben.
2011 kam „der Stein des Zweifelns“ ins Rollen, als eine mexikanische Wochenzeitung und die spanische El País öffentlich fragten: Wurde Neruda umgebracht?

Thema Zensur
Sieg der Meinungsfreiheit

Massive Kritik von J. Grässlin am Versagen der Stuttgarter Justiz beim Vorgehen gegen illegalen Waffenhandel:
Am 27. September wurden vor dem Verwaltungsgericht Freiburg die Klagen des Friedensaktivisten Hermann Theisen verhandelt. Dabei feierte Theisen einen juristischen Sieg in entscheidenden Punkten. Einer der Hautprotagonisten des Themas Waffenhandel ist Jürgen Grässlin, der für sein Engagemenrt den Stuttgarter Friedenspreis 2016 erhielt.

Das Gericht hat sich erfreulicherweise intensiv mit den Fragen der Meinungsfreiheit auseinandergesetzt und eben gleichzeitig mit der Problematik der Waffenexporte. Auf diesen Aspekten wurden im Grunde die Gerichtsentscheidungen aufgebaut. In zwei Verfahren wurde dem Kläger vollumfänglich Recht gegeben. Sowohl das Durchsuchen von Taschen als auch die Beschlagnahme von Flugblättern war illegal.

Juristisch ein erfreulicher Ausgang eines an sich völlig absurden Verfahrens. Hermann Theisen hat zu Recht zum Whistleblowing in Sachen illegaler Waffenhandel von Heckler&Koch aufgerufen. Der Versuch, dies seitens des Landratsamts Rottweil zu behindern, ist juristisch als widerrechtlich abgeurteilt worden – und da ist gut so!“ mehr…

Hamburger Datenschlacht
Der Gipfel

Eine EU-„Extremistendatei“ müsse her – das war eine der Forderungen, mit der die etablierte Politik auf die Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg reagierte. Seit dem EU-Gipfel von Göteborg 2001 und dem der G8 in Genua später ist die Einrichtung einer solchen Datenbank über „troublemakers“ regelmäßig Gegenstand der einschlägigen EU-Gremien. Die Forderung – vor allem vorgetragen von deutschen Politiker*innen – ist aber ebenso regelmäßig gescheitert – an technischen und an rechtlichen Problemen.Aber auch ohne eine solche europäische Datei tauschen die „Sicherheitsbehörden“ anlässlich von Gipfeltreffen Daten aus – so auch beim Hamburger G20-Treffen. Was den Verfassungsschutz anbetrifft, verweigert die Bundesregierung wie üblich die Auskunft – Staatswohl.

Das Bundeskriminalamt (BKA) erhielt Daten vor allem über die 1979 gegründete Police Working Group on Terrorism (PWGT), der die Staatsschutzabtei­lungen der Kripo-Zentralen der EU-Staaten sowie Nor­wegens, Islands und der Schweiz angehören. Seit dem Jahr 2000 be­schäf­tigt sich die PWGT auch mit „politischen gewalttätigen Aktivitäten“. Die Working Group gehört nicht zur EU, sie schwebt letzten Endes im rechts- und kontrollfreien Raum. mehr…

Widerstand gegen Rassisten

Seit kurzem wächst der Widerstand schwarzer und weißer Spitzensportler gegen den Rassismus in den USA. Statt aufrecht zu stehen, während die Hymne gespielt wird, gehen viele in die Knie und ballen die Faust, landesweit – ähnlich wie die beiden Schwarzen 1968. Sehr couragiert und beeindruckend:

https://www.democracynow.org/2017/9/25/take_the_knee_us_athletes_unite

Wir sind die stärkste der Partei’n

Peter Grohmann

In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute,
wir sind die stärkste der Partei’n
Die Müßiggänger schiebt beiseite!
Diese Welt muss unser sein.

Liebe Sozialdemokrat/innen, willkommen in der Opposition, auch bei Kontext (und den AnStiftern). Na ja, so ganz Opposition, so ganz radikal, fundamental nun auch wieder nicht. Denn online oder geprintet agiert und diskutiert und informiert da wie dort eine gemischte Gemeinde von Andersdenkenden. Einig ist die sich über ein paar Grundsätze, die kennt ihr ja auch noch: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Demokratie und das ganze Drumrum, und echt jetzt: Mehr Gerechtigkeit! Wie bei euch ist man sich aber nicht ganz einig, wie man da hinkommt. Klar, mehr freie Presse, mehr freies Wort, mehr Mut zur Kritik. Mehr offenes Visier. Mehr Geld. Da wären wir auch schon bei Euch und den neu gewonnenen Einsichten: Dass das alles viel Zeit und Nerven und Geld kostet. Nein, Kontext braucht keinen Zehnten. Kontext braucht den Zehner, und die AnStifter auch, und mehr als ‚Zehner. Das ist ein eher bescheidener Hinweis auf fehlende Solidaritätsgroschen.
mehr…

Das Ende der alten Bundesrepublik – eine Wahlnachlese

(Ein Kommentar von Boris Blaha, nicht anonym).
Mit einer Verspätung von knapp 30 Jahren ist die historische Zäsur von 1989 nun auch im Parteiensystem angekommen. Man dachte seinerzeit, ein paar kleinere kosmetische Korrekturen würden genügen, taufte die Bonner in Berliner Republik um und machte einfach so weiter, als wäre nichts geschehen. Das erweist sich nun als Irrtum. Die Parteien der alten Bundesrepublik lösen sich auf. Die westliche Linke, die seit 45 jede diskutierbare Antwort auf Möglichkeit und Wirklichkeit der totalitären Versuchung verweigert, ist ohnehin nur das geduldete Relikt derjenigen, denen Denken zu anstrengend ist. Die SPD ist Geschichte, seit deutlich wurde, dass Schröder Politik nur gegen, aber nicht mit seiner Partei machen kann. Die wundersame Verjüngung einer alten Tante gibt es nur im Märchen. Die SPD hat ihre Zeit gehabt und darf sich auf den würdigen Abgang vorbereiten. Die Grünen haben sich vor der näher rückenden Wirklichkeit in ihre hypermoralische Kirche geflüchtet. Ihre einzige Funktion ist seither, den dekadenten 68ern, die nur noch um ihr eigenes Selbst kreisen, die Illusion eines guten Gewissens zu geben: man würde ja bereits verantwortungsvoll handeln, wenn man brav seinen Müll trennt. Die CDU ist im Osten so vernichtend geschlagen, dass sie sich von dieser Niederlage kaum mehr erholen kann. Man sehe sich nur an, was aus König Kurts Sachsen geworden ist. Ob aus der AfD mehr als ein präpotenter Pöbelhaufen wird, ist fraglich. Einzig die FDP könnte, wenn sie klug ist, aus dem zusammenstürzenden Haufen die wenigen Reste einsammeln, die noch politikfähig sind. Deutlich ist bislang nur: es gibt ein großes Potential für eine neue konservative und ein nicht weniger großes für eine erneuernde politische Kraft. Es könnte also darauf ankommen, wie viele sich von Kennedys berühmter Frage ansprechen lassen: „Frage nicht, was dein Land für dich, frage was du für dein Land tun kannst“. Niemand hat behauptet, der private Konsum sei die letzte und finale Antwort auf die Frage nach dem Glück. Boris Blaha


„Verstehen heißt immer, verstehen was auf dem Spiel steht … “
Hannah Arendt

Rosen auf den Weg gestreut

Peter Grohmann / Grußwort zur Kundgebung gegen rechts am 22-9-17

Kurt Tucholksky
Rosen auf den Weg gestreut

Ihr müßt sie lieb und nett behandeln,
erschreckt sie nicht – sie sind so zart!
Ihr müßt mit Palmen sie umwandeln, getreulich ihrer Eigenart!
Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft –:
Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft! 
Wenn sie in ihren Sälen hetzen, sagt: »Ja und Amen – aber gern!
Hier habt ihr mich – schlagt mich in Fetzen!«
Und prügeln sie, so lobt den Herrn.
Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft!
Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft. 
Und schießen sie –: du lieber Himmel, schätzt ihr das Leben so hoch ein?
Das ist ein Pazifisten-Fimmel!
Wer möchte nicht gern Opfer sein?
Nennt sie: die süßen Schnuckerchen,
gebt ihnen Bonbons und Zuckerchen …
Und verspürt ihr auch in euerm Bauch den Hitler-Dolch, tief, bis zum Heft –:
Küßt die Faschisten, küßt die Faschisten,
küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft –!

AFD und Neonazis, Hass-Kommentatoren, Skins, Rocker und Pegida, Verfassungsschutz, Militaristen, Spitzel – und mitten drin der gute Deutsche, Martin Luther unterm Arm. Er hat keine Ahnung, wie er da plötzlch hineingeraten ist: Der Urgroßvater bei der SS, der Onkel in Auschwitz – als Aufseher. Ein bisschen Antisemit, ein bisschen Spießbürger, ein bisschen Bimbohasser und geistiger Bombenleger

Klimawandel in Deutschland.
Der Winter kommt wieder, es wird kälter.
Wir ziehen uns warm.
Danke, dass Ihr auf der Straße seid.
Danke, dass Ihr laut seid. Danke für Euren Widerstand.

noch ohne

Das freie Wort – gegen Antisemitismus, rechte Hetze und Populismus

Am 23.9.2917 trafen sich am Mahnmal gegen Krieg und Faschismus auf dem Karlsplatz Stuttgart rund 1500 vorwiegend jügenre Menschen, um ein Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus und Populismus zu setzen. Von den AnStiftern sprach Peter Grohmann ein Grußwort bei der Abschlußkundgebung.
Im Aufruf zu der Veranstaltung hieß es z.a.: „…Zu befürchten ist: Im neuen Parlament wird mit der selbsternannten „Alternative für Deutschland“ das erste Mal eine explizit rechtspopulistische Kraft vertreten sein. Den Sprung über die 5-Prozent-Hürde verdankt die Partei ihrer Rolle als Sprachrohr des gesellschaftlichen Rechtsrucks der vergangenen Jahre.
Statt echte Lösungen für berechtigte Ängste und Sorgen der Menschen anzubieten, kanalisieren AfD und Co. diese in Wut gegen Menschen, die selbst nur Verlierer*innen der gesellschaftlichen Verhältnisse sind: Geflüchtete, wirtschaftlich Schwache, ohnehin Unterdrückte und Minderheiten. So wird ein gesellschaftliches Klima geschaffen, in dem rechte Denkweisen wieder Konjunktur haben.
Die offen rassistische Hetze der AfD ist dabei nur die reaktionäre Spitze eines Eisbergs, der bis in weite Teile der Gesellschaft hineinreicht und auch vor Parteigrenzen keinen Halt macht….“.