Archiv der Kategorie: Sant’Anna di Stazzema

Kriegsverbrecher verzichtet auf Ehrenmedaille
Erleichterung in Italien

Kusterer 3

Die Meldung der Gemeinde Engelsbrand vom 15. März 2016 „Bürgermeister Rosenau erhält die Medaille …  zurück“ hat in Italien positive Reaktionen ausgelöst.

So wird in der Zeitung Il Tirreno vom 15.3.206 Paolo Grossi, der Bürgermeister von Fivizzano, einem der Orte der Massaker der Waffen-SS, an denen nach dem italienischen Gerichtsurteil von 2008 Kusterer in den Teilorten San Terenzo und Vinca beteiligt war, zitiert:
„Ich fühle mich erleichtert, glücklich und ermutigt von der Nachricht von der Rücknahme der Medaille des Kommandanten der SS; ein Akt, den wir dem Teil Deutschlands verdanken, der den Fehler begriffen hat, den man begangen hatte. …
Heute erneuere ich die Einladung an den Bürgermeister der Gemeinde Engelsbrand in Deutschland, die Gemeinde Fivizzano und die Orte der Nazi-Massaker zu besuchen, bei denen Kusterer einer der Hauptverantwortlichen war. …“

Weiter zum italienischen Originalartikel

„Ex-SS-Soldat gibt Ehrenmedaille zurück“

Am 15.3.2016 meldet der SWR:

Entscheidung in Engelsbrand: Ex-SS-Soldat gibt Ehrenmedaille zurück
„Nach internationalen Protesten gegen die Ehrung eines Kriegsverbrechers in Engelsbrand gibt der 94-Jährige die Auszeichnung zurück. Der Mann war wegen sozialer Verdienste geehrt worden. …“
  Weiter zur Nachricht des SWR

Und die Gemeinde Engelbrand teilt am selben Tag mit, die Auszeichnung habe „keinen Bestand  mehr“.
LINK zur Erklärung der Gemeinde

mehr…

Marzabotto – Engelsbrand
Die Täter sind unter uns.

Der Vorgang liegt bereits ein Jahr zurück, ein Foto dokumentiert eine alltägliche Szene aus dem Dorfleben: Ein Bürger wird vom Bürgermeister für sein ehrenamtliches Engagement geehrt. In einem kleinen Dorf im Nordschwarzwald, Engelsbrand südlich von Pforzheim. Sein Name: Wilhelm Kusterer.

Nun hat ein italienischer Anwalt aufgedeckt: Der Geehrte war – zumindest nach Auffassung eines italienischen Gerichts – an Massakern der Waffen-SS u.a. in Marzabotto beteiligt gewesen. Dies führte nun – ein Jahr später – zu großer Empörung in Italien, in den dortigen Medien und v.a. bei den Überlebenden und Angehörigen der Massakeropfer. Inzwischen auch in Deutschland, so wird er in der Stuttgarter Zeitung vom 9.3.2016 als Kriegsverbrecher tituliert. mehr…

Jugendbegegnungsprogramm mit Sant’Anna angekündigt

P1100508a

… so lautete die Meldung in der Zeitung IL TIRRENO vom 1.2.2016.
Übersetzung: „Die Deutschen werden Jugendbegegnungen mit Italien finanzieren.
SANT’ANNA. Die Unterstützung für Sant’Anna von Seiten des Bundeslandes Baden-Württemberg ist noch nicht beendet. Sie haben gerade die Restaurierung des Kirchplatzes mitfinanziert, eingeweiht mit einer feierlichen Zeremonie.“  Und weiter: „Staatsrätin Gisela Erler hat im Museum des Widerstandes tatsächlich die Absicht  verkündet, Schülerbegegnungen zwischen ihrem Land und Sant’Anna di Stazzema zu finanzieren.“

mehr…

Baden-Württemberg-Projekt ‚Kirchplatz‘ eingeweiht

Am 30. Januar 2016 wurde in Sant’Anna di Stazzema der renovierte und neu gestaltete Eingangsbereich des Kirchplatzes eingeweiht. Das Land Baden-Württemberg stellte dafür 30 000 EURO zur Verfügung. KultusministerStoch hatte am 2. Juni 2015 vor Ort die entsprechende Entscheidung der Stuttgarter Landesregierung bekanntgegeben. Nun wurde der Platz in Anwesenheit von Staatsrätin Gisela Erler seiner Bestimmung übergeben.

Zuerst wurde gemeinsam von Frau Erler, die den den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann vertrat, Bürgermeister Verona und dem Künstler Finotti, der die neuen Skulpturen des Platzes geschaffen hatte, das rote Band am Eingang durchschnitten und damit der Zugang eröffnet. Allerdings unter den ungünstigsten äußeren Umständen: beiRegen und dichtem Nebel. Anschließend enthüllte Frau Erler gemeinsam mit der italienischen Gewerkschafterin Carla Cantone eine Tafel am Kirchplatz (s.Foto*).

Es folgte ein umfangreiches Programm im Museo della Resistenza. Frau Erler sagte u.a. in ihrer Ansprache:
„Wir wollen mit der Einweihung des neuen Kirchplatzes symbolisch den Boden und die feste Grundlage bereiten für künftige freundschaftliche Begegnungen. So kann es uns gelingen, vor dem schwarzen Hintergrund dieser Gräueltaten in Sant‘ Anna die Geltung der Menschenrechte in aller Welt deutlich hervortreten zu lassen.“

Darüber hinaus nahm sie Bezug auf das Versagen der Justiz in Deutschland und unterstrich mehrfach die Bedeutung  zivilgesellschaftlichen Engagements für die Gedenkstätten- und Versöhnungsarbeit.

Weiter zum vollen Wortlaut der Rede Gisela Erlers und zum Bericht des Staatsministerums

Gunther Leibbrand sprach für die AnStifter-Initiative Sant’Anna und wandte sich direkt an die Menschen von Sant’Anna: „Ihr habt uns als Freundinnen und Freunde empfangen. Ihr habt wiederholt auf Eure Vision von einem wirklich gemeinschaftlichen, wirklich friedlichen und von einem wirklichen sozialen Miteinander geprägten Europa hingewiesen. Ihr habt uns diese Botschaft anvertraut, die Ihr so furchtbar gelitten habt und durch die zweite Schuld der De facto-Verweigerung einer deutschen gerichtlichen Verurteilung des Massakers an Euch erneut ins Leid gestürzt worden seid! Dass wir Euch kennengelernt haben und seit dem Herbst 2012  einige gemeinsame  Schritte an Eurer Seite tun durften, Ihr uns begegnet seid, auch in einem Arbeitseinsatz und in gemeinsam angepackten Projekten,  lässt uns Euch danken und danken und nochmals danken.“

Weiter zum vollen Wortlaut der Rede Gunther Leibbrands

Beide betonten die Bedeutung des Projekts „Jugendbegegnungen in Sant’Anna“ (s. Extra-Beitrag)

* Übersetzung des Gedenktafeltextes: „Die Restaurierung wurde finanziert mit einem Beitrag des Landes Baden-Württemberg, der Gewerkschaft Spi Cgil, der Opfervereinigung Sant’Anna di Stazzema und [des Vereins] Die AnStifter – Sant’Anna di Stazzema, 30. Januar 2016“

Foto: Eberhard Frasch

Benefiz
Über 1000 EURO für die Friedensorgel

Die Benefizveranstaltung „Lesung und Musik“ am 27.1.2016 fand großen Anklang und erbrachte einen Ertrag von ca. 1000 EURO  (Überweisungen nicht eingerechnet). Sie kommen der Erweiterung der Friedensorgel in der Kirche von Sant’Anna zugute, die vom Verein der Freunde der Friedensorgel initiiert worden ist. Die alte Orgel war wie der gesamte Innenraum der Kirche von den Männern der Waffen-SS vollkommen zerstört worden.

2016-01-27 Kirche Gaisburg3
Carolin Kaiser und Jonathan Ferber

Ziele der Vereinsarbeit sind unter anderem:
Durch Konzerte und andere Veranstaltungen die Erinnerung an die Opfer des SS-Massakers vom 12. August 1944 wachzuhalten und gleichzeitig an die Opfer aller Massaker und Kriege, vereint durch die Geschichte und die Werte, die die Basis unserer Demokratien und der Europäischen Union sind.

Die Musik zu fördern in all ihren Erscheinungs-formen, als Universalsprache, die fähig ist, Völker und Kulturen anzunähern und den Dialog und die Auseinandersetzung zu fördern und so ein breites Publikum für die Thematik der Friedenskultur zu sensibilisieren.
(Auszug aus der Satzung des Vereins)

mehr…

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus
Benefizveranstaltung für Sant’Anna

Mancini        „Enio Mancini: Erinnerungen“
Benefizveranstaltung für Sant’Anna mit Lesung und Musik

Wann?    Mittwoch, 27. Januar 2016, 19:00 Uhr
WO?        Gaisburger Kirche, Stuttgart, Faberstraße 17
WER?      Michael Seehoff (Rezitation), Carolin Kaiser und Jonathan Ferber (Orgel)

Wir laden herzlich ein. Der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten.
mehr…

Carla Kurz – ihr Tod bleibt ungesühnt

Carla Kurz Quelle Archiv Dr.Landi

Carmen Sylva Kurz, genannt Carla – eines von Hunderten zivilen Opfern des Massakers von Sant’Anna di Stazzema. Mit dem Ende der strafrechtlichen Möglichkeiten, die Täter in Deutschland vor Gericht zu bringen, wird auch ihr gewaltsamer Tod ungesühnt bleiben.

Ihre familiären Wurzeln reichen zurück bis nach Süddeutschland, auch nach Stuttgart, wo ihr Urgroßvater, der schwäbische Schriftsteller Hermann Kurz, viele Jahre gelebt und gearbeitet hat. Seine Kinder hatten eine enge Beziehung zu Italien und übersiedelten zum Teil dorthin, so auch Carlas Großvater Alfred – seine Nachkommen ließen sich in Forte dei Marmi nieder. Dort leben auch heute noch die Kinder von Carla Kurz, die schon früh ihre Mutter verloren haben. Sie war vom Evakuierungsort Valdicastello auf dem Weg zu Verwandten, um Lebensmittel zu besorgen – dabei geriet sie in Sant’Anna tragischerweise an jenem 12. August 1944 in die Gewaltaktion der Waffen-SS und wurde ermordet.

Ausgerechnet in Stuttgart, dem langjährigen Wohnort von Hermann Kurz,  wurde letztlich verhindert, dass die Mörder seiner Urenkelin vor Gericht mussten, verantwortlich: die Staatsanwaltschaft (Bernhard Häußler), die Generalstaatsanwaltschaft (Klaus Pflieger) und die Justizminister (Ulrich Goll, Rainer Stickelberger).

mehr…

„Justizschande“ – Das Echo in den Medien

Die Nachricht Kein Prozess in Deutschland gegen die Täter von Sant‘Anna
hat ein lebhaftes Echo in den Medien hervorgerufen.

Justizschande von Hermann G. Abmayr (KONTEXT 7.10.2015)

„Von dieser Schande kann sich die Justiz in Baden-Württemberg nicht mehr befreien: Das SS-Massaker von Sant’Anna di Stazzema bleibt endgültig ungesühnt. Denn jetzt ist auch für den letzten Beschuldigten die Frist für ein Klageerzwingungsverfahren abgelaufen. Er ist ‚dauerhaft verhandlungsunfähig‘. …“
Weiter zum Artikel

NS-Massaker bleibt ungesühnt von Andreas Müller (Stuttgarter Zeitung online 7.10.2015)

„Wegen der Ermordung von mehr als 500 Menschen im italienischen Sant Anna wird endgültig keine Anklage erhoben. Grund: der heute 94-jährige Kompaniechef ist dement. Die Überlebenden üben scharfe Kritik an der Stuttgarter Justiz, die die Ermittlungen verschleppt habe.  … „
Weiter zum Artikel

mehr…

Pressemitteilung „Kein Prozess in Deutschland gegen die Täter von Sant‘Anna“

Pressemitteilung

Häußler siegt – Justitia hat verloren
Kein Prozess in Deutschland gegen die Täter von Sant‘Anna

Die Nachricht war verfrüht „Massaker von Sant‘ Anna bleibt ungesühnt“ (n-tv 28.5.2015). Am 26.5.2015 hatte die Staatsanwaltschaft Hamburg die Ermittlungen gegen den früheren Untersturmführer der Waffen-SS Gerhard Sommer eingestellt. Unbeachtet blieb, dass zu diesem Zeitpunkt die Rechtsmittel, die der Nebenklage zustanden, noch nicht ausgeschöpft waren. Dementsprechend hat Rechtsanwältin Heinecke (Hamburg) Anfang Juni im Auftrag des Überlebenden Enrico Pieri Beschwerde eingelegt, um die Staatsanwaltschaft mit Hilfe der Aussage eines Zeugen zu weiteren Ermittlungen über das tägliche Verhalten des Herrn Sommer zu bewegen. Da sich der Zeuge zurückzog und ein Gutachten vorlag, in dem der Beschuldigte als dauerhaft verhandlungsunfähig beurteilt worden war, hielt die Staatsanwaltschaft an der Verfahrenseinstellung fest und die Generalstaatsanwaltschaft wies Anfang August die Beschwerde zurück. Ein Klageerzwingungsantrag mit dem Ziel, gegen einen Verhandlungsunfähigen die Erhebung der Anklage zu fordern, machte daher keinen Sinn mehr, Anfang September ist die Frist verstrichen. Damit steht –wenn nicht gravierende neue Tatsachen zutage kommen – fest, dass es eine strafrechtliche Aufarbeitung des Massakers von Sant’Anna di Stazzema vor einem deutschen Gericht nicht geben wird. Am 12.8.1944 waren dort ca. 560 Zivilisten von der Waffen-SS grausam umgebracht worden.

mehr…