Alle Beiträge von Julia von Staden

Wir unterstützen das Bündnis für mehr Personal in unseren Krankenhäusern!

Die AnStifter unterstützen das Bündnis für mehr Personal in unseren Krankenhäusern

Was ist das BÜNDNIS FÜR MEHR PERSONAL IN UNSEREN KRANKENHÄUSERN?

Wir sind Gruppen und Personen, die sich gegen den Personalnotstand in den Krankenhäusern der Region Stuttgart einsetzen. Wir tun dies auch in dem Wissen, dass wir selbst Leidtragende von Personalmangel und Pflegenotstand sein können. Es ist unser Anliegen, eine gute Gesundheitsversorgung für alle zu erreichen. Wir wenden uns daher gegen die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens. Kontakt: Monika Münch-Steinbuch und Guido Lorenz (BündnissprecherInnen), mmuench-st@online.de/0711-46906266

Nächstes Bündnistreffen: Donnerstag, den 24.1.2018, um 18:00 im DGB-Haus, Willi-Bleicher-Str. 20 (offen für alle Interessierte!)

Friedensfinder* gesucht!

Suche Frieden… 

… und jage ihm nach!

… und halte ihn fest!

… und gestalte ihn!

Ausschreibung Manfred-Müller-Preis

Mit dem Manfred-Müller-Preis zeichnet der Verein zur Förderung ev. Schüler_innenarbeit politische Jugendbildungsarbeit aus.

Überall auf der Welt werden Konflikte im Großen wie im Kleinen mit Gewalt gelöst. Zwischen Staaten und zwischen Menschen herrscht oft Unfrieden. Dabei sehnen wir uns nach Frieden und einer gerechten Welt. Es geht um einen Frieden, der auch Konflikte aushält. Wir suchen Jugendliche und junge Erwachsene, die sich auf die Suche nach Frieden machen, die um Frieden streiten und Räume des Friedens schaffen:

Wir suchen Friedensfinder*! 

Ihr seid jung, engagiert und setzt Jugendprojekte um, die die Welt ein kleines oder großes bisschen friedlicher machen? Dann freuen wir uns auf Eure Bewerbung für den Manfred-Müller-Preis 2019!  Der Verein zur Förderung evangelischer Schüler_innenarbeit in Württemberg zeichnet mit dem Manfred-Müller-Preis Initiativen und Projekte aus, in denen junge Menschen ihre Träume und Ideen umsetzen und sich für eine bessere Welt einsetzen.

Hier gibts Infos zur Bewerbung

Zum Download:

Flyer fürs Netz:
Plakat zum Ausdrucken bis A3
Grafik von Lucylibre

Termine:

  • Bewerbungsschluss: 10. Februar 2019
  • Jurysitzung: 26. Februar 2019 in Stuttgart
  • Preisverleihung: 23. März 2019 im Ludwig-Raiser-Haus in Bad Cannstatt.

Die PreisträgerInnen werden von einer fachkundigen Jury ausgewählt:

  • Pfarrerin Gabriele Wulz, Prälatin in der Prälatur Ulm
  • Berthold Frieß, Direktor des Landtages Baden Württemberg
  • Pfarrer Steffen Kaltenbach, Vorsitzender des Vereins zur Förderung ev. SchülerInnenarbeit
  • Pfarrerin Petra Dais
  • Kirchenrat Hans-Joachim Janus, Referatsleiter Werke und Dienste
  • Prof. Dr. Jörg Dinkelaker, Prof. für Erziehungswissenschaften und stellv. Vorsitzender
  • eine ehemalige Preisträgerin (m/w/d)

Aktionszeitraum 0711 für Menschenrechte
Stuttgart setzt ein Zeichen für Vielfalt

30 Artikel der Menschenrechtskonvention – 30 Tage 0711 für Menschenrechte

An den 30 Tagen zwischen dem 11. November bis 10. Dezember 2018 laden wir ein, durch Veranstaltungen, Vorträge, Debatten, durch künstlerische Interventionen unsere Menschenpflicht zur Stärkung der Menschenrechte wahrzunehmen.

Mehr als 220 Gruppen und Initiativen der Zivilgesellschaft, Medien, Theater, Galerien und Kinos, öffentliche Einrichtungen unterschiedlichster Art tragen dieses vielfältige Gemeinschaftsprojekt. Sie alle werden die Bedeutung von Menschenrechten aus ihrer Sicht thematisieren.

Wir wollen die Stuttgarter Stadtgesellschaft ermuntern, selbstbewusst sich ihrer Rechte zu erinnern. Und sich gleichermaßen für die Rechte anderer zu engagieren. Dazu laden wir weitere Kooperationspartner gerne ein.

Vielfalt-Eröffnungsveranstaltung: Die Gedanken sind frei – aber wann hat der Mensch das Recht auf Menschenrechte? Mi, 14. November 2018, 19:00 Uhr – 22:00 Uhr

>Direkt zu allen Vielfalt-Terminen.

Ab sofort ist auch die Vielfalt-Zeitungen erhältlich mit allen Vielfalt-Terminen und Portraits der teilnehmenden Initiativen.

Hintergrund:

Am 10. Dezember 1948, vor 70 Jahren, verkündete die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

„als das von allen Völkern und Nationen zu erreichende gemeinsame Ideal, damit jeder einzelne und alle Organe der Gesellschaft sich diese Erklärung stets gegenwärtig halten“.

Das war die bedeutendste internationale Übereinkunft seit dem zweiten Weltkrieg.

Für Freiheit und Gerechtigkeit kämpfen schon im 16. Jahrhundert im Südwesten die Bauern. Und auch das Bürgertum forderte Meinungs- und Pressefreiheit, Religions- und Versammlungsfreiheit. Ohne Grund- und Menschenrechte kann es keine freie Republik und keine Demokratie geben.

Gegenwärtig werden in der Welt und in Europa Menschenrechte verstärkt missachtet oder abgeschafft.

Wir halten es für unsere Menschenpflicht, uns für die Achtung der Menschenrechte in allen Bereichen des privaten und öffentlichen Lebens verstärkt einzusetzen.

Denn nur auf der Grundlage der Respektierung der Rechte anderer, der Vielfalt, kann sich das gesellschaftliche und das Zusammenleben der Staaten entwickeln und Bestand haben.

Spenden:

Wenn Sie das Projekt 0711menschenrechte unterstützen möchten, freuen wir uns über eine Spende auf das Konto:

Kontoinhaber: DieAnstifter e. V.
IBAN: DE74 4306 0967 7000 5827 03
Bank: GLS Bank
Stichwort: Vielfalt

Vielen Dank fir Ihre Unterstützung!

Weitere Informationen + Kontakt:

Kontakt: 0711menschenrechte.de

Mail: 0711menschenrechte@gmail.com

Aktionsseite: http://0711menschenrechte.de/

Eine Initiative des Bürgerprojekts
Die AnStifter und der Stiftung Geißstraße 7

Ab sofort erhältlich
Vielfalt-Zeitung – Kultur und Politik zum Thema Menschenrechte


Das auf Initiative der AnStifter entstandene Netzwerk Vielfalt – 0711 für Menschenrechte legt in diesen Tagen seine 24-seitige Programmzeitung vor. Die im Zeitungsformat gedruckte Publikation erscheint aus Anlass des 70jährinen Jubiläums der Erklärung der Menschenrechte 1948.

Ab sofort auch in der Denkmacherei und bei den teilnehmenden Initiativen erhältlich!

Der umfangreiche Kalender der Zeitung begleitet die Aktion im Zeitraum 10.11. bis 10.12.2018, dem Tag der Menschenrechte. Die Zeitung enthält neben dem Veranstaltungsangebot von Theatern über Konzerte, Vorträge, Führungen und Ausstellungen kurze Porträts der rund 220 Stuttgarter Initiativen und Einrichtungen, die das Vielfalt-Projekt tragen.

Die Vielfalt-Eröffnungsveranstaltung findet am 14. November 2018 im Stuttgarter Rathaus statt.

Jetzt als pdf herunterladen:  Leseprobe der Vielfalt-Zeitung

stuttgartnacht 2018
Lange Lesenacht verwandelt die Denkmacherei

Am Samstag, 20. Oktober 2018 öffnete die Denkmacherei zum allerersten Mal ihre Pforten zur stuttgartnacht des Stadtmagazins LIFT

Seit einigen Wochen schon liefen die Vorbereitungen für unseren AnStifter-Beitrag zur stuttgartnacht: Mitwirkende wurden angefragt, das Programm für insgesamt 5 Stunden zusammengestellt, ein Musiker gefunden, der auch so lange spielen will, Flyer gedruckt und verteilt… Unsere Büroräume in der Werastraße, die wir uns mit der DFG-VK teilen, wurden mit Hilfe von fleißigen AnStifter-Aktiven schon einige Tage vorher richtig verwandelt.

Letzten Samstag war es dann endlich soweit: Zwischen 19 und 24 Uhr hieß es „Bühne frei!“ für ganz besondere Poet*innen und Schriftsteller aus dem AnStifter-Netzwerk: Sarah Bies, Ruben Zacharias und Götz Schubert mit ihren Texten und Gedichten zu Heimat und Heimatlosigkeit aus Vergangenheit und Gegenwart. Jamshid Nasseri sorgte mit seiner Gitarre für die musikalische Umrahmung.

Damit aber nicht genug, auch einige AnStifter-Überraschungsgäste gaben ihre Gedichte, Essays, Kurzgeschichten über Heimat und Hoffnung, Fremdheit und Hoffnungslosigkeit und Anspruch und Wirklichkeit zum Besten: Peter Grohmann, Michael Seehoff, Hans-Martin Thill, Bruno Schollenbruch. Leckere Bio-Erfrischungen gab es von der VerbraucherInneninitiative Plattsalat. Teilweise war unser Lesesaal komplett besetzt – nur zur letzten Vorstellung waren wir fast nur noch unter uns. Über das schöne Feedback und die vielen Gäste und neuen Kontakte, die wir so knüpfen konnten, haben wir uns sehr gefreut. Ganz vielen herzlichen Dank allen Mitwirkenden, Helfer*innen, Fotograf*innen, Programmkoordinator*innen und Gästen! Was für ein wunderbarer Abend!

Foto-Impressionen von Julian Rettig:

Ein paar Live-Mitschnitte der einzelnen Programm-Durchläufe:
Erster Programm-Durchlauf mit Sarah Bies, Ruben Zacharias, Überraschungsgast: Peter Grohmann, Musik: Jamshid Nasseri, Moderation: Ingrid von Staden
Einleitung von Ingrid von Staden zum zweiten Programm-Durchgang der Langen Lesenacht und anschließend Gitarrenmusik von Jamshid Nasseri
Sarah Bies knüpft ein Menschennetz in der Denkmacherei beim zweiten Programm-Durchlauf der langen Lesenacht.
Der zweite Programm-Durchlauf mit Götz Schubert
Dritter Programm-Durchlauf mit Sarah Bies, Götz Schuber, Gitarrenmusik von Jamshid Nasseri, Moderation: Ingrid von Staden, Überraschungsgast: Hans-Martin Thill
Letzter Programm-Durchgang der langen Lesenacht in der Denkmacherei. Mit Ruben Zacharias, Überraschungsgast: Bruno Schollenbruch, Gitarrenmusik von Jamshid Nasseri, Moderation: Ingrid von Staden

Neues vom Betty-Rosenfeld-Projekt
Spurensuche vor Ort – eine Reportage

Betty Rosenfeld war die einzige Frau aus Stuttgart, die bei den Internationalen Brigaden kämpfte. Die Krankenschwester wurde deportiert und in Auschwitz ermordet. Michael Uhl hat dazu intensive Forschungen gemacht, Zeitzeugen und neues Archivmaterial gefunden – ein spannendes Geschichtsprojekt, das die AnStifter mit Ihrer Hilfe realisieren.

Verschafft Zugang zu den Quellen

Seit April befindet sich der Historiker Michael Uhl auf Forschungsreise in Spanien. 1994 war er im Bürgerkriegsarchiv des Archivo Histórico Nacional von Salamanca zum ersten Mal auf Betty Rosenfeld aufmerksam geworden. Per Zufall stieß er damals auf ein Dokument mit einem kleinen Foto der mutigen Frau aus Stuttgart. Nach langer Suche gelingt ihm an diesem Ort, der sich hinter der alten Kathedrale befindet und inzwischen Centro Documental de la Memoria Histórica heißt, wieder ein wichtiger Fund. In einer Akte flattert ihm ein Brief von Betty entgegen, höchstwahrscheinlich der einzige von ihr, der aus dem Spanischen Bürgerkrieg überliefert ist.

Das Bürgerkriegsarchiv Salamanca

Im Mai geht es weiter. Die nächste Etappe führt ihn – mit der Eisenbahn, wie es sich für einen zivilisierten Europäer gehört – von der zentralspanischen Region Castilla y León Richtung Südosten nach Murcia. Hier hatte Betty einst als Krankenschwester der Internationalen Brigaden verwundete Freiwillige gepflegt, die sich wie sie für die Verteidigung der demokratisch legitimierten Spanischen Republik einsetzten. Im Archivo Municipal von Murcia zeigt man dem Besucher aus Stuttgart alte Stadtkarten, Fotos und Zeitungen. Dann wieder raus in die Hitze, bis alle biographisch und historisch relevanten Orte lokalisiert sind. Vom Militärkrankenhaus, in dem Betty die meiste ihrer Zeit in Murcia arbeitete, ist heute nichts mehr übrig. An der Stelle, wo einst das Gebäude stand, befindet sich heute eine blanke Sandfläche, dahinter der alte Botanische Garten, durch den schon Betty wandelte. Immerhin steht noch ein anderes Gebäude, das ebenfalls provisorisch in ein Militärspital umgewandelt worden war. Ein junger Concierge mit Dreitagebart öffnet unserem Forscher die Tür, führt ihn durch das Treppenhaus. Nur die Dachterrasse, auf der sich Betty mit spanischen Kameradinnen hatte fotografisch ablichten lassen, sieht aus wie früher. In den Etagen darunter sind jetzt schicke Mietwohnungen untergebracht. Carlos, der Hausmeister, drückt Michael Uhl zum Abschied auf einem Zettel seine private Adresse in die Hand. Er möchte später auch ein Exemplar der Betty-Rosenfeld-Biographie. Niemand in Murcia, nicht einmal eine ausgewiesene Bürgerkriegsexpertin der Universität, ahnt, was sich in diesem Gebäude mitten in einer Flaniermeile Murcias während des Bürgerkriegs abgespielt hat. Die Sieger des Spanischen Bürgerkriegs haben seine Geschichte diktiert. Nach dem Tod des Diktators herrschte Schweigen, Verdrängen und Vergessen.

Denkmal auf dem Friedhof Gurs

Carmen, die Professorin, nimmt unseren Spurensucher mit in die Provinz zu einer Konferenz im Ort Alhama. Dort dreht sich alles um das Schicksal spanischer Republikaner aus Murcia, die im KZ Mauthausen ermordet wurden. Den einen oder anderen von ihnen dürfte Betty in Murcia gekannt haben. Unter den Besuchern sind Angehörige von Opfern. Der Bürgermeister von Alhama eröffnet die Konferenz. Er freut sich, dass auch aus Deutschland jemand gekommen sei.

Zurück in Salamanca. Der Marktplatz ist gesperrt. Über dem alten Rathaus weht die rot-gelb-violette Fahne der Republik. Man drehe gerade eine Szene für einen Spielfilm über den Spanischen Bürgerkrieg, erklärt ein Polizist. Das Thema ist auf einmal wieder im Gespräch. Anfang Juni kam infolge eines geglückten Misstrauensvotums in Madrid die sozialistische Partei wieder an die Regierung. Der junge Ministerpräsident Pedro Sánchez, dessen Parteigenossen (Partido Socialista Obrero Español) im Gegensatz zu den deutschen Sozialdemokraten mit erhobener Faust noch die Internationale singen, nimmt das 2007 von seiner Partei eingeführte Gesetz Ley de la Memoria Histórica wieder in Angriff. Das Gesetz verfolgt das Ziel, das Franco-Regime zu verurteilen und alle Opfer des Bürgerkriegs und der Diktatur zu rehabilitieren. Man hatte damals damit begonnen, franquistische Symbole aus öffentlichen Plätzen zu entfernen. Massengräber wurden freigelegt, die exhumierten Opfer per DNAAnalyse identifiziert, die Überreste von ihren Familienangehörigen würdevoll bestattet. Die Umsetzung geriet 2011 ins Stocken. Nach einem Regierungswechsel drehte der neue Regierungschef Mariano Rajoy den Geldhahn zu. Seine konservative Volkspartei (Partido Popular) ist zu sehr in Francos Erbe verstrickt, als dass ihr die Entfernung von Reliquien des Franco-Regimes am Herzen liegen könnte. Doch jetzt gerät der PP ins Schwitzen: Sánchez kündigte an, dass auch die Gebeine des Diktators Franco endlich aus dem Valle de los Caídos (Tal der Gefallenen) nördlich von Madrid verschwinden und das monumentale Gelände, das von republikanischen Zwangsarbeitern aus Stein gehauen worden war und bist heute im Zeichen eines überdimensional-gespenstischen Kreuzes unter der Obhut eines katholischen Abtes steht, neue Formen annehmen müsse. Auch die rechtslastige Stiftung Franciso Franco, die noch immer vom spanischen Staat Zuwendungen erhält, soll illegalisiert werden. Gegen die geplanten Maßnahmen demonstrierten vor kurzem 1.500 Altfranquisten im Valle de los Caídos. Einige von ihnen erhoben den Arm zum faschistischen Gruß. Australische Touristen, die sich eigentlich ein anderes Bild von Spanien machen wollten, reagierten irritiert.

Friedhof Gurs – Grabsteine

Im Juni führt die Spurensuche über die Pyrenäengrenze. In Südfrankreich verbrachte Betty als staatenloser Flüchtling einige Wochen in der Ortschaft Oloron Sainte Marie. Zum Schluss musste sie dort im Camp Gurs hinter Stacheldraht auf ihre Deportation nach Auschwitz warten. Zwischenstopp in San Sebastián. Vor dem Bahnhof stehen dutzende afrikanische Flüchtlinge, die mit dem Boot Aquarius nach Europa gelangt sind. Die neue spanische Regierung hat sie aufgenommen, die Regionalregierungen der autonomen Regionen Baskenland und Katalonien logistische Hilfe angeboten. Verloren stehen die Flüchtlinge mit ihren Rot-Kreuz-Bändchen am Handgelenk im Regen. Niemand war gekommen, um sie abzuholen. Aber sie wollen eh nicht bleiben. Wie weit es denn bis nach Paris sei, fragt einer von ihnen auf Französisch.

In Oloron sucht unser Geschichtsdetektiv die Orte auf, wo Betty als Flüchtling hauste, jede andere Bezeichnung ginge an der Realität vorbei. Dann hurtig weiter zum Gelände des ehemaligen Internierungslagers im abgelegenen Ort Gurs. Kein Bus weit und breit. Eine aus Marokko stammende Taxifahrerin bietet ihre Dienste an. Auf ihrem schwarzen Mercedes steht in Schreibschrift „Myriam-Taxi“. Was ihren Fahrgast denn herführe, erkundigt sie sich. Sie zeigt sich sichtlich bewegt über die Antwort. Während der Fahrt erinnert sie sich, dass in Gurs eine alte Frau lebe, die noch einiges über das Lager wisse. Sie sucht in ihrem Handy, findet aber keine Telefon-Nummer. Myriam gibt nicht auf, ruft im Taxi zuhause den Bürgermeister an. Monsieur le maire muss passen, kennt aber eine Organisation, die weiterhelfen könne. Während der Forscher das Gelände begeht, wartet Myriam außen mit ihrer kleinen Tochter. Das Freiluftmuseum besteht in erster Linie aus frei zugänglichen Wiesenflächen mit Hinweisschildern. Die alten Holzbaracken des Lagers sind verschwunden, nur eine originalgetreue Nachbildung dient als Modell zur Orientierung auf dem inzwischen von Sträuchern und Bäumen zugewachsenen Terrain.

Hinter den Mauern des Friedhofs des ehemaligen Lagers entdeckt unser Forscher das Grab einer Tante Bettys. Die Tante war 1940 zusammen mit anderen Juden aus Baden hierher deportiert worden. Die alte Frau hatte ihre Deportierung nicht überlebt. Es regnet in Strömen. Der Schlamm hatte den Internierten im Lager sehr zu schaffen gemacht. Myriam spendiert einen Papp-Becher Kaffee in einem rustikalen Reithof gegenüber. Am nächsten Morgen dann ein Treffen mit dem Vorsitzenden der Organisation Terres de Mémoire(s) et de Luttes. Er nennt sich Raymond, spricht fließend Spanisch. Seine Eltern waren Republikaner aus Asturien, Nordspanien. Sie hatten sich nach dem Spanischen Bürgerkrieg im KZ Gurs unter wenig romantischen Bedingungen kennengelernt. Seine Organisation versuche, diese Menschen dem Vergessen zu entreißen, erklärt er. Seine Zigarette glüht auf, als ihm Michael Uhl einen alten Brief von Betty aus Oloron vorlegt. Er nimmt den Mann aus Stuttgart in seinem Auto mit zum Stadtarchiv im Rathaus, erzählt, dass er jahrelang im Stadtrat saß. Kein Thema, man werde sich dort für das Betty-Rosenfeld-Projekt einsetzen.

Die Rückreise nach San Sebastián verzögert sich. Die französische Bahn streikt, der kleine Bahnhof von Oloron ist verschlossen. Wie in alten Zeiten, begeistert sich Raymond über den Elan der Gewerkschaft. Unser Forscher reagiert verhaltener, malt sich aus, im Stadtpark die Nacht zu verbringen. Aber wenigstens mit der Pension hat er Glück. In seinem Zimmer tippt er auf seinem Laptop eine E-Mail an Bettys Nichten in den USA, berichtet von der Spurensuche in Spanien und Frankreich. Sie antworten sofort, nehmen wie immer Anteil am Geschehen. Er telefoniert über Skype mit einer Kollegin in Israel, schaut sich per Download aus Berlin und Moskau eingetroffene digitalisierte Dokumente an. Zwischendurch eine E-Mail von einem Verwandten von Betty aus Südamerika. Heinz Rosenfeld, der Sohn ihres Cousins aus Stuttgart, habe sich vor einigen Jahren in Argentinien das Leben genommen. Das tragische Schicksal von Betty Rosenfeld und ihrer Familie verdichtet sich wie ein Puzzle. Es bleiben Lücken, die niemand mehr wird schließen können.

Dennoch: Unser Forscher leistet ganze Arbeit. Er hat mit der Niederschrift begonnen, auf sein Ergebnis darf man gespannt sein. Die Forschungsreisen und Materialien (Ein einzelner Scan kostet je nach Archiv zwischen 30 Cent und 10 Euro) sind mit hohen Unkosten verbunden, die Michael Uhl freiberuflich aus eigenem Beutel begleicht.

Wir rufen alle Menschen, die mit dem Betty-Rosenfeld-Projekt sympathisieren, zur Spende auf. Betty Rosenfeld riskierte und verlor für unsere Freiheit damals ihr Leben. Ihre Würdigung hätte heute Unterstützung verdient. Kleckert nicht, klotzt!

Spendenkonto
GLS-Bank
IBAN: DE31 4306 0967 7000 5827 01
BIC: GENODEM1GLS
Kennwort: Betty Rosenfeld

Die Reportage als pdf-Datei herunterladen: BRP Anstifter Reportage

Vortragsreihe
Vom Scheitern unserer Hoffnungen und vom Mut eines neuen Anfangs

Über die Vortragsreihe:

Geschichtswissen für unser Handeln in der Gegenwart: Wir greifen in den Vorträgen aktuelle Enttäuschungen – und vielleicht auch Ohnmachtsgefühle – auf, die uns gerade in Stuttgart bewegen.  Gemeinsam stellen wir Fragen an die Geschichte, ob und vorallem wie sie uns zum Weitermachen ermutigen kann. Dabei hilft ein Blick zur sozialistischen Bewegung in Stuttgart – denn Stuttgart bzw. Württemberg hat viel zu bieten: Clara Zetkin, Fritz Rück, Fritz Lamm, August Thalheimer, Georg Elser, Eugen Eberle, Theodor Bergmann, Willi Hoss, Peter Grohmann …

Spenden und Eintritt:

Der Eintritt ist frei. Spenden (Stichwort „Vortragsreihe Geschichte“) sehr erwünscht, steuerlich absetzbar über die Konten von:

SÖS Stuttgart Ökologisch Sozial IBAN: DE95 4306 0967068 9987 00

Die AnStifter IBAN: DE31 4306 0967 7000 5827 01

Die Referenten:

Dr. Axel Kuhn, früher apl. Prof. für neuere Geschichte an der Uni Stuttgart, seit 2008 im Ruhestand
Dr. Annette Ohme-Reinicke ist Soziologin, Lehrbeauftragte der Universität Stuttgart, Mitgründerin des Hannah-Arendt-Institut für politische Gegenwartsfragen, Stuttgart (HAIS) und Vorsitzende der AnStifter

Literatur:

Axel Kuhn: Die deutsche Arbeiterbewegung. Stuttgart (Reclam-Taschenbuch) 2004.

Die Veranstaltungen im Einzelnen:

Mi, 26. September 2018, 19:00 Uhr
Dr. Axel Kuhn: 100 Jahre Novemberrevolution in Deutschland

Mi, 24. Oktober 2018, 19:00 Uhr
Dr. Axel Kuhn: Die Machtübernahme der NSDAP 1933

Mi, 21. November 2018, 19:00 Uhr
Dr. Axel Kuhn: Über Parteitreue, Links- und Rechtsabweichler

Mi, 12. Dezember 2018, 19:00 Uhr
Zeitzeugenbericht: 1968 in Stuttgart- Kurz-Geschichten

Mi, 23. Januar 2019, 19:00 Uhr
Dr. Axel Kuhn: Der Zusammenbruch der DDR und der Mythos von der ersten erfolgreichen Revolution in Deutschland

Mi, 27. Februar 2019, 19:00 Uhr
Dr. Annette Ohme-Reinicke: Der Kampf gegen »Stuttgart 21« im Kontext weltweiten Aufbegehrens

Veranstaltungsflyer zum Herunterladen: Hoffnung light

 

Video der Manifestation contre le GCO – Stuttgarter Solidaritätserklärung an die Protestbewegung GCO non merci

Manifestation contre le GCO – Stuttgarter Solidaritätserklärung an die Protestbewegung GCO non merci

Video: Grit Berenz
Die große Westumgehung Straßburgs (auch GCO, COS oder A355) ist ein 24 km langes Maut-Autobahn Projekt zur westlichen Umgehung Straßburgs (über Kochersberg/Ried de la Bruche) von Vendenheim (nördlich) bis Innenheim (südlich). Betroffen sind 24 Gemeinden. Trotz 7 negativer Gutachten der Untersuchungskommissionen, des Nationalrats für Naturschutz, der Umweltbehörde und anderer Experten, droht das Projekt mit Vollgas wieder aufgenommen zu werden. Am Samstag, 8.9.2018, fand eine große Demonstration gegen die Große West-Umgehung – Grand Contournement Ouest (GCO) statt. Einige S21-Gegner*innen und AnStifter unterstützten die Demonstration vor Ort, hier unser gemeinsames Grußwort, vorgetragen von Maggie vom Arbeitskreis Stuttgart 21 ist überall.

Weitere Infos und Text der Rede: https://www.die-anstifter.de/2018/09/manifestation-contre-le-gco-stuttgarter-solidaritaetserklaerung-an-die-protestbewegung-gco-non-merci/

Manifestation contre le GCO – Stuttgarter Solidaritätserklärung an die Protestbewegung GCO non merci

Die große Westumgehung Straßburgs (auch GCO, COS oder A355) ist ein 24 km langes Maut-Autobahn Projekt zur westlichen Umgehung Straßburgs (über Kochersberg/Ried de la Bruche) von Vendenheim (nördlich) bis Innenheim (südlich). Betroffen sind 24 Gemeinden. Trotz 7 negativer Gutachten der Untersuchungskommissionen, des Nationalrats für Naturschutz, der Umweltbehörde und anderer Experten, droht das Projekt mit Vollgas wieder aufgenommen zu werden. Am Samstag, 8.9.2018, findet eine große Demonstration gegen die Große West-Umgehung – Grand Contournement Ouest (GCO) statt. Einige S21-Gegner*innen und AnStifter unterstützen die Demonstration vor Ort, hier unser gemeinsames Grußwort:

Chers amis,

Un grand bonjour de Stuttgart à cette manifestation. Nous venons du mouvement contre le projet de gare souterraine « Stuttgart 21 »avec une partie de notre groupe de tambours, la « Lokomotive Stuttgart », pour vous encourager et pour vous faire plaisir. Nous sommes accompagnés d’un représentant des „AnStifter Stuttgart“ – InterCulturelle Initiativen e.V., qui vous saluent aussi.

 Votre résistance contre ce projet GCO nous impressionne beaucoup et nous tenons à vous montrer notre solidarité.

Les responsables – politiques et économiques – parlent de protection du climat – et  font construire des grands projets très nuisibles au climat.

Chez vous

  • ils coupent la tranchée malsaine pour une autoroute, qui entraînera énormément de poids lourds. Ils abattent des forêts, détériorent des réserves naturelles, dament les champs et empestent l’air.                                                                        

Et chez nous

  • Ils vont liquider les voies ferrées, font rage dans les tunnels. Ils consomment des quantités démesurées d’énergie, abattent des arbres, détruisent des parcs et polluent l’air.
    Ils réalisent ce projet illégitime depuis des années. Nous en réclamons l’arrêt immédiat. Et nous opposons à ce projet inutile et imposé notre propre projet concret : celui de transformer tous ces chantiers pour créer une infrastructure utile.

Que ce soit à Stuttgart, à Strasbourg ou ailleurs, c’est l’industrie automobile et la mafia du génie civil qui profitent de ces projets.

Quand il s’agit de faire de l’argent rapidement, ils ne se soucient pas des gens. En fait, ils se moquent de la catastrophe climatique imminente et de ses conséquences dévastatrices pour le monde entier.

Nous ne luttons pas seulement contre une autoroute ou contre une gare ferroviaire, mais pour un monde humain. Et nous nous battrons ensemble.

Nous de Stuttgart promettons

– de dénoncer partout la folie du projet ici en Alsace,

– tout comme nous racontons partout quel vilain projet ils mènent à Stuttgart.

Nos salutations à Strasbourg, aux bishnoï et à tout le mouvement contre le Grand Contournement Ouest.

Stop à la gare souterraine de Stuttgart, restons en haut !

GCO non merci!

Weitere Informationen im Blog des AK „Stuttgart 21 ist überall“: https://stuttgart21ueberall.wordpress.com/

GCO non merci auf Twitter: https://twitter.com/gcononmerci

Website von GCO non merci: https://gcononmerci.org/

Eine AnStifterin berichtet
Wie unsere Erfahrungen mit Stuttgart 21 uns in der südafrikanischen Karoo geholfen haben

In der südafrikanischen Karoo plante die australische Bergbaufirma PENINSULA ENERGY den Uranbergbau mit russischem Kapital voranzubringen. Doch bevor der erste Tagebau gegraben ist, wird das Großvorhaben gestoppt – dank strenger Umweltgesetze und gut organisiertem Protest.

Die AnStifterin Erika hat die Aktivitäten vor Ort begleitet und berichtet uns von ihren Erfahrungen in Südafrika – und darüber, was das alles mit S21 zu tun hat:

Als es uns nach unserer Rückkehr aus Südafrika im Frühjahr 2017 nach Stuttgart zu unseren ehemaligen Mitstreitenden im S21-Widerstand zog, berichteten wir im Globalen Klassenzimmer im Eine Welt Haus Stuttgart vor etwa 40 Parkschützer*innen über unsere Arbeit in der südafrikanischen Karoo. Uns hat dieses große Interesse an unserem Engagement gegen den geplanten Uranabbau in der südafrikanischen Karoo sehr bewegt, sind wir doch bereits im Okt. 2012 aus Stuttgart weggezogen.

Während unseres Vortrags im Frühjahr 2017 konnten wir bereits einen großen Erfolg vorweisen: Die australische Bergbaufirma PENINSULA ENERGY, die mit russischem Oligarchen-Kapital die Prospektionen zum Uran-Abbau durchführte, sah sich gezwungen, sich aus 88% der insgesamt 750.000 Hektar umfassenden Konzessionsfläche zurückzuziehen. Ende März 2018 hat die Firma ihr Vorhaben in der Karoo gänzlich eingestellt. Zu teuer, zu langwierig, zu viel Widerstand in der Bevölkerung. Jetzt konzentriert sich PENINSULA einzig auf den Uran-Abbau in Wyoming (USA), wo die Regierung industriefreundlicher ist und die Bevölkerung kaum beteiligt wird. Für meinen Mann Stefan und mich war dies Anlass genug, im März/April d.J. noch einmal in die Karoo zu reisen und diesen Sieg gebührend mit Farmern, lokalen Gruppen und Initiativen zu feiern.

Doch was hat das alles mit Stuttgart, der S-21-Bewegung sowie den AnStiftern zu tun? Als wir im Januar 2009 nach acht Jahren entwicklungspolitischer Tätigkeit nach Stuttgart übersiedelten, hatte ich zunächst Schwierigkeiten, in der schwäbischen Metropole Fuß zu fassen, bis ich auf all´ diese interessanten und engagierten Menschen stieß. Trug bspw. mensch in öffentlichen Verkehrsmitteln seinen/ihren Button „Oben bleiben“ (schade, dass dieses „Erkennungsmerkmal“ aus dem Stadtbild verschwunden ist!), kam man schnell in lockerer Atmosphäre ins Gespräch. Viele Veranstaltungen in der Stadt sorgten zudem für Bürgernähe, ja für eine Politisierung der Bewohner*innen. S21 polarisierte? Ich habe dies nicht so empfunden, wurde doch die Spreu der ewig Gestrigen vom Weizen der nach vorne blickenden, auf das Gemeinwohl schauenden Menschen getrennt.

Während dieser Zeit in Stuttgart beteiligte ich mich an einem Widerstand, der sich durch seine politische Aufklärungsarbeit, seine Professionalität und Kreativität auszeichnete. Na ja, nach vielen Jahren entwicklungspolitischer Tätigkeit im Ausland sowie als aktives Mitglied der Blockadegruppe hätte ich mir etwas mehr internationalen Weitblick sowie couragierteren Widerstand mit mehr Biss gewünscht. Trotz alledem: Abgesehen von den vielen zwischenmenschlichen, herzlichen Beziehungen vermittelte mir mein Engagement in Stuttgart wichtige Erfahrungen, die bei unserem Einsatz in der südafrikanischen Karoo zum Tragen kamen. Hier einige Beispiele:

  • Der S-21-Widerstand spielt(e) sich auf verschiedenen Ebenen ab: politische Bildungsarbeit, einschließlich Mobilisierung; verschiedene Aktionsformen; legaler Aspekt. Genauso haben wir es in Südafrika gehalten, nicht nur mit einer Zielgruppe zu arbeiten, sondern „Brücken zu bauen“.
  • Kaum verging eine Montagsdemo, auf der nicht mit einladender Stimme der „Bürgerbrief“ feilgeboten wurde. Für mich verkörpert Peter jenen Typ von Mensch, der sich bei seinem politischen Engagement den so notwendigen langen Atem bewahrt, der lokal verankert, bodenständig und sich selbst treu geblieben ist – alles so wichtige Voraussetzungen in der entwicklungspolitischen Tätigkeit.
  • Die große Professionalität des Widerstands, einschließlich ihrer verschiedenen Fachgruppen, sei es Ingenieure, Architekten, Juristen… In Südafrika haben wir sehr erfolgreich interdisziplinär gearbeitet, unsere Wissenschaftler*innen waren einfach besser und unabhängiger.
  • Nicht nur gegen etwas sein, sondern auch Alternativen anbieten können (K21): Vor allem Klaus hat sich so beispielhaft in unser Gedächtnis geprägt. Wir haben statt Fracking und Uran-Abbau den Einsatz Erneuerbarer Energien in der Karoo propagiert. Leider ist es uns (noch) nicht gelungen, den Gemeinderat „unserer“ 40.000 Einwohner zählenden Gemeinde Graaff-Reinet von dieser Notwendigkeit zu überzeugen.
  • Die große Kreativität der Stuttgarter, die sich u.a. in ihren Button, Sticker, Flyern und diversen Veröffentlichungen ausdrückt(e). Gleich kommt mir Uli mit seinen vielen kreativen Abbildungen in den Sinn, der das – inzwischen viel kopierte – Symbol „Stuttgart 21“ bundesweit bekannt machte und sich aufgrund seiner Bescheidenheit dieses nicht einmal hat patentieren lassen. Oder aber die so beherzt-kreative Esky, die mit ihrer aktiv-Kunst dem Widerstand zusätzliche Farbtupfer verlieh. Dafür haben wir z. B. in der Karoo eine Button-Maschine eingesetzt, mit „durchschlagendem“ Erfolg. Oder eine von Ureinwohnern (San) abstammende Künstlergruppe beauftragt, einen Quilt mit einer politischen Botschaft zu erstellen.
  • Die Bedeutung von Symbolen haben wir bei Stuttgart 21 erlebt. In der Karoo haben wir von den Kernkraft-Gegner*innen aus dem Wendland die gelben „X“ (x-tausendmal quer) übernommen, die viele Farmer an ihren Weidezäunen befestigten.
  • Die Wichtigkeit Sozialer Medien vermittelte uns Fritz. In unserem Arbeitsgebiet mit 1 Pers./qkm waren eine zentrale Facebook-Seite und die WhatsApp Gruppe unter den Farmern zum Informationsaustausch ausgesprochen hilfreich.
  • Der Artenschutz ist weltweit gesetzlich verankert. Auch wir hatten unseren „Juchtenkäfer“, nämlich die kleine Sukkulente Nananthus, die sich nur nach längerem Regen in der Halbwüste der Karoo zeigt und zu blühen beginnt. Da es sich hierbei sogar um eine der Wissenschaft neue Spezies handelt, die ein Farmer auf seiner Weide am Rande der Uranbergbaugebiete entdeckte, verzögerte sich die Fortführung der Prospektionen um Monate. Dies gab uns genügend Zeit, eine Gruppe von 21 Wissenschaftler*innen zusammen zu bringen, die in ihren jeweiligen Fachgebieten ihre Eingaben gegen den Uranbergbau in einer Umweltverträglichkeitsprüfung gemeinsam einzureichten.
  • Gerichtsprozesse haben wir bei S21 oft öffentlichkeitswirksam genutzt. In Südafrika sollte auch uns der Prozess gemacht werden, da wir zur Vermessung der radioaktiven Strahlung von Abraumhalden zweier Uran-Testbergwerke über Zäune kletterten und somit „Hausfriedensbruch“ begingen. Als wir jedoch offensiv mit diesem angedrohten Gerichtsprozess umgingen, zogen die Landbesitzer ihre Klagen zurück, um zu viel öffentliche Aufmerksamkeit zu vermeiden. Als aktives Mitglied der S21-Blockadegruppe haben wir hingegen unter Staatsanwalt Häussler so manchen politisch motivierten, unfairen Prozess über uns ergehen lassen müssen.
  • Bei Stuttgart 21 haben wir die Macht der Bilder in den Medien kennen gelernt. Das haben wir in Südafrika wiederholen können. Unsere Visualisierungen oder Dramatisierungen von komplexen Zusammenhängen hat stets die Berichterstattung in den Medien in unserem Sinne beeinflusst. Im Gegensatz zu „Stuttgart 21“ mit seinem facettenreichen Widerstand hatten wir das Glück, großes Medien-Interesse zu wecken. In der Abgeschiedenheit der Karoo besuchten uns immer wieder Journalist*innen regionaler, nationaler, sogar internationaler Medien, drei TV-Dokumentationen wurden gedreht. Die Medien waren uns wohlgesonnen, sie berichteten engagiert und in unserem Interesse – was der Stuttgart-21-Bewegung leider verwehrt blieb. D.h. auch wir führten einen Widerstand „David gegen Goliath“ – gegen eine australische Bergbaufirma, russisches Oligarchen-Kapital sowie gegen die Interessen der südafrikanischen Regierung. Aufgrund des großen Medieninteresses wurde dieser Widerstand jedoch nicht totgeschwiegen, sondern wurde einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dem hatte die Betreiberfirma keine effektive PR entgegenzusetzen.

Wir haben aus unserem Engagement bei K21 (gegen S21) wichtige Anregungen und Anstöße ziehen können und fühlen uns nicht zuletzt deshalb weiterhin mit den Leuten in Stuttgart sehr verbunden.

Solidarität mit Jens!

Jens aus Stuttgart ist Erzieher. Die CDU fordert seinen Rausschmiss. Sie knüpft damit an eine Veröffentlichung der AfD an, die etwas „enthüllt“, was Jens nie verborgen hielt: Jens ist seit Jahren linker und antifaschistischer Aktivist. Wir erklären unsere Solidarität mit Jens:

Jens ist bekannt als guter Kollege, engagierter Erzieher und verlässlicher Mitstreiter. Jens ist Mitarbeitervertreter, aktiv in der Gewerkschaft, im Bündnis „Stuttgart gegen Rechts“ und Mitbegründer des Linken Zentrums in Stuttgart-Heslach. Jens ist einer, der in vielen Lebensbereichen engagiert für eine bessere Gesellschaft streitet. Einer, der nicht nur redet, sondern macht. Gerade darum gerät er jetzt ins Fadenkreuz jener, die eben das nicht möchten.

Seit geraumer Zeit versucht die rechtspopulistische AfD, Jens öffentlich zu diskreditieren und um seinen Job zu bringen (Hintergrund). Verwunderlich ist das nicht. Das Ziel der AfD-Hetzkampagne ist ein Klima der Angst unter all denjenigen zu schaffen, die gegen die Hetze von Rechts aktiv sind. Einer wird herausgegriffen um andere mundtot zu machen.

Die AfD will dabei etwas skandalisieren, was gar kein Aufreger ist, sondern vielmehr selbstverständlich sein sollte: Solidarität und Antirassismus sind wichtige Bestandteile einer Erziehung zum mündigen Menschen. Es ist nur konsequent dafür auch außerhalb der Kita einzustehen.

So ist nicht das Engagement von Jens der Skandal, sondern die Tatsache, dass und vor allem wie die Inszenierung der AfD aufgegriffen wird. Für die Stuttgarter Nachrichten scheint Jens‘ politisches Engagement, das nie ein Geheimnis war, gefundenes Fressen. In einem reißerischen Artikel macht sich so ein Redakteur mit fragwürdigen journalistischen Methoden zum Handlanger der AfD. Auch die CDU-Landtagsfraktion mischt mit, indem sie den Rauswurf von Jens aus der Kita fordert. Der Fall macht im Kleinen deutlich, was auch im Großen Alltag geworden zu sein scheint: Die AfD fordert, die CDU zieht nach.

Für uns ist klar: Rassisten und Antisemiten entscheiden nicht darüber wer in pädagogischen Berufen arbeitet und wer nicht. Und: In einer Zeit in der Unterkünfte für Geflüchtete angezündet werden und in Regierungskreisen über Lager für Menschen diskutiert wird, ist das Engagement für ein solidarisches Miteinander notwendiger und aktueller denn je.

Wir erklären uns daher solidarisch mit Jens. Das Problem sind nicht diejenigen, die gegen die Hetze von Rechts aktiv sind, sondern die, die eben jene verbreiten.

Jens bleibt Erzieher! Nein zur Hetze von Rechts!

Solidaritätserklärung unterzeichnen + weitere Informationen: https://solidaritaetmitjens.wordpress.com/

Asche statt Ernte – Hilfe für die Pois-Bauern an der Algarve

Matthias Kästner von POIS sammelt für die Opfer der Brände in Portugal – und wir helfen mit. Hier der Spendenaufruf von POIS:

„Man schaut aus dem Fenster, und es sieht aus wie Hiroshima“ – so beschrieb mein Freund und POIS-Bauer José António die Situation, als wir unmittelbar nach den Bränden miteinander telefonierten … Die gewaltigen Feuer an der Algarve Anfang August haben mehr als 27.000 ha Wald- und Agrarfläche sowie über 50 Häuser vernichtet.

Unter den Geschädigten sind allein drei Erzeuger, die mit uns zusammenarbeiten. Am schlimmsten hat es José António getroffen – einen der ersten Bauern bei POIS. Er wollte vor vier Jahren schon mit dem Anbau von Zitrusfrüchten aufhören, da der Aufwand in keinem Verhältnis mehr zum wirtschaftlichen Ertrag stand. Durch die Geschäftsbeziehung zu POIS wurde der Anbau wieder rentabel, sodass er bei 100 % gesicherter Abnahme nach und nach mehr Zitrusfrüchtebäumchen pflanzte. Nun sind nicht nur ca. 3 ha Anbaufläche zerstört, sondern auch Maschinen, Bewässerungssystem und Wohnhaus. Kaum vorstellbar, denn noch letzten Oktober besuchte ich ihn mit Freunden aus Esslingen in seinem grünen Paradies, und wir waren begeistert von den herrlichen Orangen und Clementinen, die wir direkt pflückten und aßen.

Auch bei seinem Nachbarn, dem Zitronen- und Kiwibauern José aus Alferce, machte das Feuer nicht halt und zerstörte mehr als 70 % der Anbaufläche. Kaum besser steht Nebenerwerbsbauer Juri da, der jährlich zirka 700 kg Kiwis an uns verkauft. Und Robert, der bei der ersten POIS-Erzeugerreise im Frühjahr 2017 eine wundervolle Eselwanderung mit uns unternahm, hat bis auf fünf Tiere seine Lebensgrundlage ebenfalls komplett verloren. Es wird Jahre dauern, bis in den Gärten wieder Früchte wachsen. Mehr noch: Für den Wiederaufbau der Infrastruktur und um den wirtschaftlichen Verlust der nächsten drei Jahre aufzufangen, werden ca. 50.000 € benötigt.

Treuhandkonto von POIS: „FEUEROPFER POIS BAUERN“, IBAN: DE 7060 2500 1010 0183 7886

Weitere Informationen: https://pois-portugal.de/jetzt-mut-machen-und-perspektiven-schenken/

Schön war’s beim Sommerfest der AnStifter + Attac Stuttgart!

Unser erstes gemeinsames Sommerfest mit Attac Stuttgart war ein voller Erfolg: gut gelaunt im schönen Biergarten auf der Kulturinsel haben AnStifter*innen und Attacis letzten Samstag gemeinsam gefeiert. Da durfte natürlich auch ein politisches Zeichen nicht fehlen! Und so stand das Fest ganz im Zeichen der Solidarität mit allen Gemaßregelten der Kunst und Kultur im Ungarn von Orbán. Mit dabei waren: die wunderbare Band Lakvar, Karin Eizenhöfer vom neuen Stuttgarter Mietshäuser-Syndikat-Projekt Kesselhof stellt ihr Wohnprojekt vor, dann gab es noch ein spannendes Ungarn-Podium zur aktuellen Lage, außerdem ungarische Erzählungen mit Kinga v. Gyökössy-Rudersdorf und Hannes Eimert vom WORTKINO. Anschließende präsentierte Cécilia Marchat ihren Film „Ungarische Wunden“ (Wir werden uns in den nächsten Wochen auch um einen Kinotermin bemühen!). Zum Abschluss durfte natürlich das Abendschmankerl nicht fehlen: Odalys (Birgit van Straelen + Claudio la Vega) und Nonsens, Satire und das »Wettern der Woche« mit Peter Grohmann.

 

Verkehrswende jetzt! Presseschau zur Jubelparade für Kretschmann am 20.7.18

Einige Artikel und Berichte über unsere Aktion am 20.7. vor der Villa Reitzenstein:

https://www.esslinger-zeitung.de/region/stuttgart_artikel,-aktivisten-kretschmann-liebt-porsche-mehr-als-seine-buerger-_arid,2207398.html#

https://www.google.de/amp/s/amp.welt.de/regionales/baden-wuerttemberg/article179693692/Aktivisten-Kretschmann-liebt-Porsche-mehr-als-Buerger.html

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/Kretschmann-trifft-Chefs-der-Autobranche-zum-Strategiedialog,vorab-strategiedialog-autobranche-100.html 

https://www.regio-tv.de/video_video,-20-07-2018-journal-stuttgart-regio-tv-_vidid,148311.html (nicht von Ralf Möller täuschen lassen)

https://www.zdf.de/nachrichten/heute-in-deutschland/strategiedialog-der-automobilbranche-100.html

Weitere Infos zum Bündnis: Verkehrswende jetzt!

AnStifter sammeln für notleidende Menschen in Syrien – bisher 800 Euro

Mit einer Spendenaktion haben die Stuttgarter AnStifter Geld für die notleidenden Menschen in Syrien gesammelt. Die bisher eingegangenen 800 Euro haben Annette Ohme-Reinicke, Vorsitzende der AnStifter, und Julia von Staden, Geschäftsführerin der AnStifter, am Samstag, den 21. Juli an den Arzt Michael Wilk für direkte Hilfe in Syrien übergeben.

Zuletzt hat Michael Wilk vor Ort Kriegsflüchtlinge aus Afrin unter schwersten Bedingungen versorgt. Er berichtet von Zehntausenden, die unter freiem Himmel kampieren – es fehlt an allem: Unterbringung, Nahrung, medizinischer Versorgung.

„Jeder Euro zählt und fließt direkt in das syrische Gesundheitssystem,“ erklärt Michael Wilk bei der Spendenübergabe. Er reist seit 2014 regelmäßig nach Syrien, um dort medizinische Hilfe zu leisten. Er arbeitet eng zusammen mit dem kurdischen Roten Halbmond, der eine entscheidende Rolle beim Aufbau einer gesundheitlichen Selbstorganisierung der Bevölkerung spielt. Zudem bildet Michael Wilk vor Ort Helferinnen und Helfer in Notfallmedizin und Psychotherapie aus, um ihnen so eine unabhängige Gesundheitsversorgung zu erleichtern.

Scharf kritisiert Michael Wilk die Bundesregierung und die EU, die einerseits als militärischer Bündnispartner im Kampf gegen den IS die Unterstützung der kurdischen Bodentruppen gerne annehmen, andererseits auf eine so dringend notwendige Unterstützung für den zivilen Wiederaufbau verzichten. Im Gegenteil werden in Deutschland dafür solidarische Kräfte darüber hinaus noch verfolgt.

„Mit unserem Spendenaufruf wollen wir die Zivilgesellschaft in Rojava darin unterstützen, bei ihrem Aufbau einer sich auf der Grundlage größtmöglicher demokratischer Partizipation selbst zu organisieren,“ betont Annette Ohme-Reinicke. Deshalb haben die AnStifter zu Spenden aufgerufen, um gemeinsam mit Dr. Michael Wilk den Flüchtlingen und Leidtragenden des Krieges direkt in Syrien zu helfen.

Auf die Frage, welche Unterstützungsmöglichkeiten es neben Spenden und Solidaritätserklärungen gibt, sagt Michael Wilk mit Blick auf die ebenfalls am Samstag stattfindende Seebrücke-Demonstration „Seenotrettung ist kein Verbrechen“, auf der er auch eine Rede hält: „Es ist wichtig, sich auch für die Verhältnisse hier und den solidarischen Umgang mit Flüchtlingen einzusetzen. Die heutige Demo kann dabei nur ein Anfang sein. Wir müssen hier, in der Bundesrepublik, unser Engagement erweitern.“

Spenden für Syrien sind weiterhin erwünscht!

JETZT SPENDEN!

 

Stuttgarter Friedenspreis 2018 für Emma González

Emma GonzálezDer Stuttgarter FriedensPreis der AnStifter 2018 geht an die US-amerikanische Schülerin Emma González. Mit einem Stimmanteil von 33,5 Prozent, landet sie eindeutig auf dem ersten Platz der Abstimmung zum zweiten Wahlgang.

English version: Stuttgarter Peace Prize 2018 – press release (.pdf)

„Emma González repräsentiert eine neue, junge Generation, die sich gegen einen staatlich tolerierten Missbrauch von Jugendlichen, als Objekte der Waffenindustrie, zur Wehr setzt“, bewertet Annette Ohme-Reinicke, die Vorsitzende der AnStifter, die Entwicklung in den USA. „Emma González und ihre Mitstreiter/innen haben Worte für die oft tödliche Verflechtung von Politikern und Waffenverkäufern gefunden und dies angegriffen. Diese Jugendlichen haben nicht nur ihre eigenen TodesÄngste zum öffentlichen Thema gemacht, sondern auch den Vielen eine Stimme gegeben, die unter Waffengewalt leiden. Mit ihren Aktionen des zivilen Ungehorsams kündigten sie an, dass jetzt eine Generation die öffentliche Bühne betreten hat, die der Propaganda ‚mehr Sicherheit durch Waffen’ nicht mehr folgt, sondern widerspricht und politische Veränderungen fordert. Das lässt hoffen.
Emma González repräsentiert damit auch das ‚andere Amerika’: Das Amerika jener starken Zivilgesellschaft, die sich jetzt verstärkt gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit oder jüngst den staatlich verordneten Missbrauch kleiner Kinder zur Abschreckung möglicher Migranten erfolgreich wehrt.“

Wahlstatistik Stuttgarter Friedenspreis 2018

Über Emma González

Emma González überlebte das Schulmassaker von Parkland am 14. Februar 2018 in der Marjory Stoneman Douglas High School (MSD). Als Reaktion auf die Schießerei gründete sie mit anderen Mitschülern die Organisation Never Again MSD, die für eine stärkere Kontrolle des Schusswaffenbesitzes mit verschärften Waffengesetzen und gegen den politischen Einfluss der NRA in den USA eintritt. Emma González wird inzwischen als „das Gesicht der Schülerproteste“ bezeichnet. Beifall erhält sie dafür, dass sie daran erinnert, dass die National Rifle Association (NRA) mehr als 30 Millionen Dollar für die Wahl Trumps zum Präsidenten gespendet hat. „Shame on you“ – Schande über euch, ruft sie an die Adresse von Trump und allen anderen Politikern, die regelmäßig Geld von der Schusswaffenlobby bekommen. Emma González will, dass das ganze Land die Videos von den Schüssen, den Schreien und dem Sterben im Klassenzimmer sieht: „Falls ihr das braucht, um zu verstehen, was wir durchgemacht haben.“

Beim March for our Lives, einem von Never Again MSD angeführten und organisierten weltweiten Massenprotest gegen Waffengewalt, trat Gonzáles am 24. März 2018 während der Hauptveranstaltung am 24. März auf und hielt eine beeindruckende Rede.

Der Stuttgarter Friedenspreis

Seit 15 Jahren zeichnen die AnStifter Menschen und Projekte aus, die sich in besonderer Weise für „Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität“ einsetzen. Der Preis ist mit 5000 € dotiert. Der diesjährige FriedensPreis wird am 2. Dezember 2018 im Rahmen einer FriedensGala im Theaterhaus überreicht.

Stuttgarter Friedenspreis 2018
Die 10 Nominierten für den 2. Wahlgang stehen fest

Vor wenigen Tagen wurde die erste Runde der Abstimmung für den Stuttgarter FriedensPreis 2018 der AnStifter abgeschlossen. 33 Vorschläge standen zur Wahl. Keiner der Vorschläge erreichte mehr als die Hälfte der Stimmen. Deshalb steht nun eine weitere Abstimmungsrunde an, in der die zehn Vorschläge mit den meisten Stimmen zur Auswahl stehen. Diese Abstimmung endet am 25. Juni. Hier reicht dann die einfache Mehrheit. Die Bekanntgabe dieses Wahlergebnisses ist für Donnerstag, den 25. Juni vorgesehen.

Seit 15 Jahren zeichnen die AnStifter Menschen und Projekte aus, die sich in besonderer Weise für „Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität“ einsetzen. Der diesjährige FriedensPreis wird am 2. Dezember 2018 im Rahmen einer FriedensGala im Theaterhaus überreicht.

Unter diesen zehn Vorschlägen fällt nun die Entscheidung –
aufgeführt in alphabetischer Reihenfolge:

Esther Bejarano. Musik gegen Nazis

Esther Bejarano engagiert sich als Musikerin und Sängerin gegen den wachsenden Nazismus. Sie stammt aus einer saarländischen jüdischen Familie. 1943 wurde sie nach Auschwitz verschleppt, wo sie gezwungen wurde, im Mädchenorchester der Tötungsanstalt als Akkordeonistin mitzuspielen. Nach ihrer Befreiung wanderte sie zuerst nach Palästina aus und kehrte 1960 mit ihrer Familie nach Hamburg zurück. Nachdem Neonazis in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnung einen Infostand aufbauten, begann sie sich öffentlich gegen die neuen Rechten zu stellen. Mit anderen Antifaschist*innen gründet sie das Auschwitz-Komitee in der BRD, wird Mitglied in der VVN und kämpft gegen das Vergessen und für eine Welt ohne Nazis. Sie tritt in verschiedenen Musikformationen mit internationalem Repertoire an Widerstands- und Friedensliedern auf. Ihr Mut und ihre Lebensfreude stecken an. In Schulen berichtet Esther Bejarano über ihre Erlebnisse und die Methoden der Nazis. Mit 94 Jahren singt sie heute immer noch auf Internationalen Festivals . „Ich singe so lange, bis es keine Nazis mehr gibt”, sagt sie über sich.
https://de.wikipedia.org/wiki/ Esther_Bejarano

Emma González. Schülerin gegen US-Waffenlobby

Emma González überlebt den Amoklauf an der Parklandschule in Florida. Vier Tage später demonstriert die 18-Jährige gemeinsam mit vielen anderen Mitschüler*innen in Fort Lauderdale. In ihrer Rede klagt sie die politisch Verantwortlichen an, die nichts unternehmen, um den Handel mit und den Zugang zu Schusswaffen stärker zu reglementieren. Beifall erhält sie dafür, dass sie daran erinnert, dass die National Rifle Association (NRA) mehr als 30 Millionen Dollar für die Wahl Trumps zum Präsidenten gespendet hat. „Shame on you“ – Schande über euch, ruft sie an die Adresse von Trump und allen anderen Politikern, die regelmäßig Geld von der Schusswaffenlobby bekommen. Sie will, dass das ganze Land die Videos von den Schüssen, den Schreien und dem Sterben im Klassenzimmer sieht: „Falls ihr das braucht, um zu verstehen, was wir durchgemacht haben.“ Zusammen mit den anderen neuen Aktivist*innen ihrer Schule ist sie in der gerade gegründeten Kampagne #NeverAgain aktiv.
https://de.wikipedia.org/wiki/ Emma_González

Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges

In der IPPNW engagieren sich Ärzt*innen, Psychotherapeut*innen sowie Medizinstudierende für eine menschenwürdige Welt frei von atomarer Bedrohung: für die Ächtung jeglichen Krieges, für gewaltfreie, zivile Formen der Konfliktbearbeitung, für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen und die gerechte Verteilung der Ressourcen sowie für ein soziales und humanes Gesundheitswesen. Die Bedrohung durch Atomwaffen ist nach Ende des Kalten Krieges nicht geringer geworden. Für die Abschaffung und internationale Ächtung aller Atomwaffen! Militärische und zivile Nutzung der Atomenergie sind eng miteinander verbunden. Die IPPNW fordert den Ausstieg aus der Atomenergie. Die neoliberale Globalisierung vertieft die Spaltung der Welt in Reich und Arm, zwischen Nord und Süd. Die IPPNW analysiert und benennt die Ursachen von Konflikten und Kriegen. Frieden ist eine wesentliche Voraussetzung für den wirksamen Schutz der Menschenrechte.
https://www.ippnw.de/

Jan Ilhan Kizilhan. Trauma-Arbeit mit Kriegsopfern als Friedensengagement

1966 in der Türkei geboren, emigrierte Kizilhan mit seiner Familie 1973 nach Deutschland. Er ist seit 2010 Leiter des Studiengangs Psychische Gesundheit und Sucht an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg und leitet das Sonderprojekt für besonders schutzbedürftige Frauen und Kinder aus dem Irak. Kizilhan arbeitet seit 20 Jahren mit kriegstraumatisierten Menschen im In- und Ausland und bildet Fachkräfte in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten aus. Das Institut für Psychotherapie und Psychotraumatologie an der Universität Duhok im Nordirak wurde im März 2017 gegründet, um den Irak beim Aufbau der psychosozialen Versorgung zu unterstützen. Die Arbeit mit schwer traumatisierten Menschen im Irak und Deutschland ist zugleich Friedensarbeit, Dialog, Versöhnung, Gleichberechtigung aller Menschen und Toleranz ist eine wichtige Grundlage. Mit dem Preisgeld soll die Arbeit mit traumatisierten Menschen aufgrund von Kriegsfolgen und Terror wie z.B. Geiselhaft, Folter, Vergewaltigung im Irak unterstützt werden.
stuttgarter-zeitung.de https://bit. ly/2DTmE4V

Lebenshaus Schwäbische Alb.
Gemeinschaft für Frieden und Ökologie

Das Lebenshaus Schwäbische Alb feiert 2018 sein 25-jähriges Bestehen. Es versteht sich als “Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie” und setzt diese Ideale im täglichen Leben und Wirken um. In Gammertingen haben schon viele von Haus und Heimat Vertriebene Zuflucht, menschliche Wärme und Lebensmut gefunden. Initiator Michael Schmid und Katrin Warnatzsch tragen hauptamtlich die vielfältige Last, wobei ihnen Gandhis und Martin Luther Kings Leben und Werte als Vorbilder dienen. „Diese historischen Beispiele bestärken uns in dem Anliegen, dass nur der Einsatz gewaltfreier Mittel die Gesellschaft gestalten soll.“ Der Sensbachtaler Friedensaktivist Klaus Vack schreibt über das Haus: „Trotz gegenläufiger und zerstörerischer gesellschaftlicher Entwicklungen wird im Lebenshaus praktisch gegen den herrschenden Strom geschwommen. Im Sinne von Ernst Blochs ‚Prinzip Hoffnung’. Human gesehen brauchen wir solche Anfänge, Nischen der Menschlichkeit, überall – auch auf der Schwäbischen Alb.”
http://www.lebenshaus-alb.de/

Saúl Luciano Lliuya. Ein Kleinbauer gegen ein Großunternehmen

Saúl Luciano Lliuya ist Bauer und Bergführer in Peru. Mit Unterstützung der NGO Germanwatch hat er jetzt gegen den Energiekonzern RWE geklagt. Er fürchtet um seine von einer möglichen Flutwelle bedrohte Heimatstadt Huaraz. Der Konzern, so die Argumentation, sei maßgeblich mitverantwortlich für das Abschmelzen der Andengletscher und die dadurch entstehende Bedrohungslage für sein im Gebirgstal gelegenes Haus. RWE solle sich an der Finanzierung von Schutzmaßnahmen an dem durch die Gletscherschmelze wachsenden Gebirgssee oberhalb der Stadt beteiligen – und zwar in einer Größenordnung, die dem Anteil des Energiekonzerns an der Verursachung des globalen Klimawandels entspricht. Die Folgen des Klimawandels sind weltweit Grund für Flucht und Konflikte. Eine erste erfolgreich genommene Hürde des Präzedenzfalls ist die Zulassung der Klage vor Gericht. Bereits jetzt hat Saúl Luciano Lliuyas Engagement eine Signalwirkung entwickelt, um Konzerne stärker in die Verantwortung für ihre klimaschädlichen Machenschaften zu nehmen.
https://germanwatch.org/de/11284

Ruben Neugebauer, Seawatch. Seenotrettung

Ruben Neugebauer, 28 Jahre, fliegt mit einer einmotorigen „Moonbird“ über das Mittelmeer, um in Seenot geratende Flüchtlingsboote ausfindig zu machen. Er riskiert bei dieser Tätigkeit, die er ehrenamtlich ausführt, oft selbst sein Leben. Ruben Neugebauer ist Mitbegründer von Seawatch und Sprecher, Koordinator und Krisenmanager dieser NGO, die mit zwei Schiffen der ein- motorigen „Moonbird“ mit haupt- und ehrenamtlich Tätigen versucht, Flüchtende zu retten. Mit Seawatch verbringt Neugebauer soviel Zeit wie andere für einen Vollzeitjob. Er arbeitet als Film- und Fotojournalist und recherchiert Kampagnen für NGOs. Die Arbeit ist mit Risiken für Leib und Seele verbunden, sie ist anstrengend, zermürbend, aber auch dankbar, denn Ruben Neu- gebauer und die fest angestellten und freiwilligen Helfer*innen von Seawatch, unter ihnen viele Ärzt*innen und Sanitäter*innen, waren in den vergangenen Jahren an der Rettung von mehr als 50.000 Menschen beteiligt.
https://sea-watch.org

Christoph Nix, Intendant. „Haltung geht vor Karriere“

Christoph Nix, Jahrgang 1954 ist Jurist und Theaterintendant. Seit der Spielzeit 2006/2007 ist er als Intendant am Stadttheater Konstanz tätig. Christoph Nix begreift die politische Einmischung als Grundaufgabe des Künstlers. Sein Theaterkonzept beschreibt er so: „Sie können linkes Theater machen, solange Sie alle in der Stadt in Ruhe lassen. Das ist dann okay. Aber wenn Sie die Frage stellen, wem welche Immobilien gehören, dann haben Sie ein Problem. Die Wahrheit ist konkret, die großen Dinge wollte ich immer herunterbrechen.” Unter anderem brachte er ein Stück über das Verbrechen des türkischen Staates an den Armeniern auf die Bühne und nannte es beim Namen: Völkermord. Seitdem steht er unter massivem Druck der Türkei. Seine stadtpolitischen Aktionen führten dazu, dass sein Vertrag über 2020 hinaus nicht verlängert wurde, worauf er die Durchführung der Baden-Württem-bergischen Theatertage absagte. „Im Zweifel geht Haltung vor Karriere”, so sein Credo.
Kontextwochenzeitung: https://bit.ly/2DSNFps

Henrik Paulitz. Friedens- und Konfliktforscher

Henrik Paulitz bietet mit seinen Büchern „Anleitung gegen den Krieg“ und „Kriegsmacht Deutschland?“ der Friedensbewegung völlig neue Denk- und Handlungsansätze an. Mit der Entwicklung einer „deskriptiven, ökonomisch orientierten Friedens- und Konfliktforschung“ dechiffrierte er die universellen Zwecke von Kriegen: „Ressourcenkontrolle“ zugunsten der Profite der Ölmultis, Abbau industrieller Überkapazitäten, Geschäfte mit dem Wiederaufbau, das gezielte Töten und Vertreiben von Zivilisten, sowie die gezielte Zerstörung ziviler Einrichtungen wie Krankenhäuser und Schulen. Anstelle des ewigen Streits um „gute und böse Staaten“ schlägt Paulitz vor, den erpresserischen Druck transnationaler Konzerne an den Pranger zu stellen, der seiner Meinung nach dazu führe, dass Staaten als „Getriebene“ in globaler Arbeitsteilung als Ordnungsmächte fungieren. Die Ideen von Henrik Paulitz sind wichtige Impulse für die aktuellen Debatten um Krieg und Frieden.
https://www.akademie-bergstrasse.de

Gerhard Trabert. Armut macht krank, Krankheit macht arm

Am Zusammenhang von Krankheit und Armut orientiert Prof. Gerhard Trabert sein soziales Engagement. „Ein demokratisch-humanistischer Staat muss sich daran messen lassen, wie er mit seinen Schwachen umgeht“, sagt er. In Mainz startete er eine medizinische Versorgung von Obdachlosen, aus dem das „Mainzer Modell“ entstand. Das Arzt-Mobil ist europaweit auf Achse. 1997 gründete Trabert den Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland“ und ist auch weltweit unterwegs. So behandelt er Gefängnisinsassen in Äthiopien und syrische Flüchtlinge im Libanon, derzeit versucht er im Norden Syriens die medizinische Versorgung der Bevölkerung zu verbessern. Nicht zuletzt nimmt er auch öffentlich Stellung zu den Problemen, gleich ob in Mainz, Bozen oder Syrien. So kritisiert er, dass in Deutschland zwölf Millionen Menschen in Armut leben. Armut bedeute nicht „nur“ geringere gesellschaftliche Teilhabe, Armut bedeute in einem der reichsten Länder der Erde auch, früher sterben zu müssen.
http://www.armut-gesundheit.de/

StolperKunst
Künstler setze neue Akzente der Erinnerungskultur

Mehr als 900 Stolpersteine erinnern in Stuttgart an Opfer des NS-Unrechts. Diese Erinnerung will StolperKunst mit frischen Impulsen beleben, indem sie „Geschichten hinter den Stolpersteinen“ mit Mitteln der Kunst erzählt: in Bildern, Szenen oder Konzerten. Ihr Publikum findet StolperKunst, wo Menschen zusammenkommen: in Jugendhäusern, Altenheimen, Schulen und Gemeindezentren, auf Straßen und Plätzen. Ihr Ziel ist es, Fragen aufzuwerfen, Gespräche anzuregen, eigenständiges Denken zu fördern. Hier können Sie das Projekt unterstützen:

Recht auf Wohnen! Wohnungsbesetzung in Stuttgart-Heslach

<Übrigens gibt es dieses Wimmelbild von Markus Wende bei uns in der Denkmacherei zum Abholen gegen eine kleine Spende.>

Seit vergangenem Samstag sind zwei leerstehende Wohnungen in der Wilhelm-Raabe-Str. 4, Stuttgart-Heslach besetzt. Eine alleinerziehende Mutter will nun zusammen mit ihrem Sohn und einer weiteren jungen Familie in den besetzten Wohnungen bleiben. Sie haben unsere volle Solidarität. Es kann doch nicht sein, dass in dieser Stadt tausende Wohnungen leerstehen, während viele Menschen verzweifelt nach Wohnungen suchen.

In Heslach stehen ganze Wohnhäuser und viele Wohnungen teils seit über zehn Jahren leer Gleichzeitig wird der Stadtteil mit Luxussanierungen “aufgewertet”. Viele BewohnerInnen werden aus ihren Wohnungen und ihrem sozialen Umfeld verdrängt. Auch die leerstehenden Häuser auf dem ehemaligen Hofbräu-Areal in der Böblinger Straße sollen abgerissen werden. Doch statt Wohnungen mit bezahlbaren Mieten, werden dort 50 teure Luxus-Eigentumswohnungen und nur vier Sozialwohnungen gebaut.

Mehr als 11.000 Wohnungen stehen in Stuttgart leer – viele davon aus spekulativen Gründen. Gleichzeitig gibt es so viele Menschen, die in Stuttgart auf der Suche nach bezahlbaren Wohnraum sind. In der städtischen Vormerkkartei sind über 4.000 Wohnungssuchende registriert, diese Zahl steigt von Jahr zu Jahr. Immobilienfirmen und Spekulanten erwirtschaften Unsummen mit Wohnraum. Die Stadt Stuttgart und die Mehrheit im Gemeinderat tragen zu keiner Lösung der Probleme bei. Sie verschärfen sie. Solange die Stadt weiterhin den Schulterschluss mit renditeorientierten Wohnungsbauunternehmen praktiziert, das Zweckentfremdungsverbot nicht umsetzt und nicht selbst preisgünstige städtische Wohnungen baut, wird sich nichts ändern.

Dass es anders gehen könnte, zeigen aktuelle Berechnungen: Wenn alleine die Hälfte der in Stuttgart leerstehenden Wohnungen wieder vermietet werden würde, könnten dort mindestens 15.000 Menschen wohnen.

Es ist allerhöchste Zeit, dass die Spekulation mit Wohnraum beendet wird. Wir wollen nicht einfach zuschauen, wie die Mietpreise weiter explodieren, Häuser leer stehen oder für Luxuswohnungen abgerissen werden.

Weitere Informationen: https://www.facebook.com/RechtaufWohnen/ und https://recht-auf-wohnen.de/

AnStifter-Buch-Tipp
Der große Plan von Wolfgang Schorlau

Ein Buch-Tipp von Konstantin Karras (AnStifter und Vereinigung Griechischer Wissenschaftler und Intellektueller B-W e.V. ):

Das Buch „Der große Plan“ ist eine Muss-Lektüre für jeden Griechen. Aber nur die Griechen. Das reicht nicht. Dieser Krimiroman mit den vielen historischen und aktuellen Fakten muss auch von unseren deutschen Freunden und vor allem von den uns bekannten Griechenland-Skeptikern gelesen werden. Viele Autoren haben sich mit dem Zweiten Weltkrieg und dessen Folgen befasst. Genauso viele mit der Wirtschaftskrise. Wolfgang Schorlau hat beides verknüpft. Diese Themen gehören zusammen. Das Buch soll der Anfang einer neuen deutsch-griechischen Orientierung werden. Und die Chance, dass der Name Griechenland in der deutschen Öffentlichkeit wieder positiv besetzt wird, wie dies in den 60er und 70er Jahren der Fall war, ist groß. Ja, Georg Dengler sei Dank, sogar sehr groß.

Die ausführliche Besprechung gibt es als PDF zum Herunterladen:

Buchbesprechung Schorlau Der große Plan – deutsche Version

Buchbesprechung Schorlau Der große Plan – griechische Version

Auf der Homepage von Wolfgang Schorlau finden sich weitere Informationen zu seinem Buch Der große Plan.