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Die Barrikaden-Ladys


Seit heute weiß man: Hätte Hillery Bernie nicht gemobbt, wäre Sanders jetzt ganz oben und Donald ganz unten. „Futschikato!“ sagte in solchen Fällen meine Omi Glimbzsch in Zittau. Aber wie es jetzt ist, hält Trump dagegen, ist es Gottes Wille, was beide auch nicht sympathischer macht.

Die Armen, die Protestwähler, die Zukurzgekommenen rund um den Erdball sehnen sich in der Regel nach einem starken Arm, einem starken Mann, der mal so richtig durchgreift und Ordnung in die Welt bringt, der Frauen auf den Arsch klatscht, Menschen mit Handicap diffamiert und den Ausgegrenzten Hoffnung vermittelt: Amerika zuerst. So wie bei uns um die Ecke Hartz IV die künftigen Stammwähler der AfD produziert, stärkt der Flegel jenseits des Atlantiks den Mut zum Ungehorsam. This land is my land!

Während die Männer ihre Tage hatten, haben die Frauen Kreuzungen blockiert, Züge gekapert, die Flugzeuge, die Fernstraßen. Während die Analysten noch nach manipulierbaren Wahlmaschinen suchten, haben von Kalifornien bis New York Island, von Seattle über Oakland, von St. Louis am Mississippi bis zu den Rocky Mountains in Denver die Frauen eines liberalen Amerikas Straßen und Plätze besetzt. Die neue Bürgerinnenbewegung, die nicht aus der Nacht kam, hat uns verblüfft und lässt uns aufatmen.

Donald ist für jede Überraschung gut. Die Frauen auch. Sie erzählen eine neue Geschichte, eine voller Empathie, eine, die wir kennen müssten, aber vergessen haben. Es ist die Geschichte des Miteinanders, der Solidarität, bitte, wenn Sie wollen, der Nächstenliebe.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Diese alte Geschichte ist verbunden mit dem genauen Blick auf gesellschaftliche Zustände: Nachdenken statt Besserwissen, mit der Fähigkeit zum Streit, zur produktiven Unruhe. Wir brauchen mehr Ausdauer und Geduld beim Unterwegssein, den Blick in die Nachbarschaften, den Blick ins Kleine nebenan – den Blick hinter die Kulissen und den Blick in die Weite, zu den Frauen Amerikas. Es ist ja nicht die Welt neu zu erfinden, aber wir können die Welt auseinandernehmen und neu zusammensetzen. Eine große Collage, wir schaffen das, mit den Barrikaden-Ladys.

*) Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter

Burka! Jetzt!

Peter G.
Peter Grohmann – ohne Burka, mit Hut

Mal so gesagt: Die Sturmhauben unserer Sondereinheiten sind ja irgendwie auch Burkas. Oder nehmen wir den gewöhnlichen Mopedfahrer – ohne Burka, unter der Helmpflicht geht da gar nix – aber mit, wird jeder Einsatz zum Vergnügen. Wenn meine Omi Glimbzsch aus Zittau seinerzeit ein Kopftuch tragen musste als Tabakarbeiterin in der Dresdner Yenidze, wusste sie: Das Tuch bewahrt das Haar vor Tabakdreck und verhindert, dass sich der schöne Zopf in der Maschine verheddert.
Klar, die echte Burka ist nochmal eine andere Nummer: Sie läutet den Wahlkampf ein und wird uns noch sehr lange begleiten. Momentan geht nur die CSU auf echten Abstand zum Burka-Verbot. Nein, nicht wegen Rechtsstaat, sondern wege’m Kommerz. Denn ob in den bayerischen Alpen, auf Neuschwanstein, im Tierpark Hellabrunn, in der BMW-Arena oder in Dachau (…sie wissen schon): Mehr und mehr Vermummte erschrecken Mensch und Tier, den zivilen Wachschutz und Leute aus dem deutschen Osten. Ob im schnieke Schuhladen, beim Barbier von Sevilla oder in der Kebabberie: Es schleiert. Was unsereins, urlaubend in Zell am See, in der ersten Schrecksekunde für verkappte Asylbewerberinnen hält, was Neu-Touristen mit offenem Maul stehen lässt, sind keine unwillkommenen Flüchtlinge, sondern Touris aus Saudisch-Arabien in den besten Einkaufszonen – samt begleitenden Familien. Sie fahren per Taxis erster Klasse in noble Berg-Ressorts, dort gibt’s Halal und geschultes Personal, das die Neugierigen verscheucht. Echt wahr. „Und im Vertrauen“, sagte mir der Taxidriver, „seit die kommen, brummt’s wieder so richtig, überall! Die lassen mehr Kohle in zwei, drei Tagen hier als 100 Vollzeit-Urlauber.“
Bei unserem Verbündeten und Waffenkunden in Saudi-Arabien ist die Verkleidung und Vermummung der Frauen vom Gesetzgeber verpflichtend festgelegt. Todesstrafe gibt’s u.a. für falschen Sex, Hexerei, Ehebruch und Gotteslästerung. Im Schnitt alle zwei Tage wird dort unten ein Mensch geköpft, meist mit dem Schwert. Das tut nicht so weh wie bei Giftspritzen oder auf den elektrischen Stühlen in anderen zivilisierten Ländern. Fast jeder zweite Hingerichtete ist allerdings ein Gastarbeiter. All dies aber interessiert die Menschen hier oben einen feuchten Dreck. Aber die Burka.

NB: Durch den Seh-Schlitz ist der Blick der geschundenen Frau geschärft. Sie erkennt in den Augen des Gegenübers meist offenen Hass, kaum Nach-Sicht und selten Mitleid. Vielleicht weiß sie ja: Die wenigsten Betrachter haben vermutlich nie Rückgrat oder gar Gesicht gezeigt.

*) Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts „Die AnStifter“

Filmtipp
Wie Frauen im US-Militär vergewaltigt werden

Seit gestern steht die Dokumentation Der niederträchtige Krieg – Wie Frauen im US-Militär vergewaltigt werden als Video in der WDR-Mediathek. Die Sendung bietet erschreckende Einblicke in die Schicksale der Soldatinnen, die zu Tausenden jedes Jahr Opfer werden. Allein für 2010 sprechen offizielle Stellen von 20.000 Vergewaltigungen.

Die aktuellsten Zahlen aus der Bundeswehr sprechen von 2-4 Vergewaltigungen im Jahr 2012 bei einem leicht geringeren Frauenanteil von 10%. Gleichzeitig berichten knapp die Hälfte der Soldatinnen in der Bundeswehr von sexuellen Übergriffen.

Germany's next Barbiepuppe

Report - Germany's next Barbiepuppe
Gestern beschäftigte sich das TV-Magazin Report mit dem Frauenbild in den Medien und den physischen und psychischen Folgen für junge Mädchen.

Modezeitschriften, Modelshows und Bekleidungsketten: Sie alle werben mit unnatürlich dünnen Frauen. Doch Wissenschaftler haben erforscht, dass dieses Schönheitsideal junge Frauen belasten und sogar seelisch krank machen kann. Eine deutsch-schweizerische Studie zeigt: Das Anschauen von Modeblättern erhöht die Ausschüttung von Stresshormonen bei jungen Frauen, ihr Selbstwertgefühl sinkt.
Nach diesen Erkenntnissen können Bilder von dünnen Frauen sogar Essstörungen verstärken. Magersüchtige Frauen berichten, dünne Models und Castingshows wie „Germany’s Next Topmodel“, seien für sie Vorbild. Kritiker werben deshalb dafür, häufiger normalgewichtige Frauen zu zeigen, und fordern mehr Medienkompetenz für Jugendliche.

Bewerbung 2009
GenderCC – Klima-Netzwerk von Frauen

Gerechtigkeit zwischen Nord und Süd, Industrie- und Entwicklungsländern war in der Klimadebatte immer ein heißes Thema, sind doch die Industrieländer Hauptverursacher der Klimgase, wäh- rend vor allem Entwicklungsländer darunter leiden. Klimawandel hat auch unterschiedliche Auswirkungen auf Männer und Frauen. Zum Beispiel sind Frauen meist für die Versorgung mir Nahrungsmitteln, Wasser und Feuer- holz zuständig. Klimawandel aber ver- kappt diese natürlichen Ressourcen in den unterentwickelt gehaltenen Län- dern und geht dort daher vor allem zu Lasten der Frauen. Frauen haben au- ßerdem geringere Einkommen als Män- ner, sind abhängiger und sind häufig allein erziehend. GenderCC geht es darum, diese Perspektiven in die Klima- debatte einzubringen und Veränderun- gen zu verlnagen. GenderCC wurde als informelles Netzwerk von engagierten Frauen ins Leben gerufen, ist als ge- meinnütziger Verein eingetragen und hat inzwischen weltweit Mitglieder, die lokale und nationale Umweltoganisa- tionen vertreten und darüberhinaus in die Öffentlichkeit hinzuwirken. Gender- CC geht es einerseits darum, Politik und Wirtschaft (und Männer) zum Umden- ken zu bewegen, andererseits und v.a. um praktische Schritte vor Ort, um Frau- en stärker einzubeziehen und zu ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Teilhabe beizutragen. Vorschlag: Isolde Alber (AnStifterin) Mehr: Women for CilimateJustice, Anklamer Str. 38, D 10115 Berlin, info@gendercc.net, www.gendercc.net

Bewerbung 2009
Frauen wagen Frieden

Wie so oft sind es Frauen, die eher zwi- schen 40 undo 80 Jahre alt sind. Frau- en mit viel Mut und Mumm, die gegen den Strom schwimmen! Seit 1981 hal- ten die aufrechten ProTestantinnen den Gedanken von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung wach. Sie schreiben Briefe, gehen in die Schu- len, protestieren auf der Straße, setzen ihre Kirchenleitungen unter Druck, ge- ben Anregungen und Anstöße. Sie fah- ren nach Büchel, um für eine atomwaf- fenfreie Welt zu demonstrieren, seit Jahren. Beirren oder entmutigen lassen sich die Friedensfrauen nicht: „Unsere Aktionen wie z. B. in Fischbach am Gift- gaslager – die haben Bewusstsein ver- ändert, sagt Waltraud Bischoff. Die „buntgemischte“ Frauengruppe ist auf vielfältige Weise tätig, gibt ihre Mei- nung unerschrocken weiter, zwingt die Kirche und die Öffentlichkeit, sich mit der Apartheid in Südafrika zu beschäf- tigen, mit Waffenlagern in der Pfalz, mit Frieden und Gewalt heute. Dazu gehö- ren interkulturelle Arbeit, Versöhnung, Aufklärung – von Gentechnik bis zum Oikocredit. Die Frauen haben Wider- stand, Ablehnung, Zweifel, Kritik erfah- ren. Mit Unterschriftensammlungen, Flugblättern, Petitionen, Leserbriefen, Eingaben, Synodenbeschlüssen haben sie Bewußtsein geweckt, Ausdauer be- wiesen, Handeln ermöglicht und Mut gezeigt.
Mehr: Die Gruppe: T 0 63 94 / 3 53, webischoff@web.de