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AnStifter-Film-Tipp
Das Drama „ Das ist unser Land“

Eine Film-Tipp von Reinhard Kappes (Die AnStifter):

Wie meist in solchen Fällen fing alles ganz harmlos an.

Das Drama „ Das ist unser Land“ handelt von Demagogie in der französischen Provinz und liefert auch zu unseren deutschen Verhältnissen, vor allem zu den Wahlkämpfen, einen aufschlussreichen Diskussionsbeitrag.

Die sympathische Pauline arbeitet als Krankenschwester ( häusliche Pflege ) im strukturschwachen Norden Frankreichs. Sie hat zwei Kinder, ist alleinerziehend und steht ihre Frau. Der ehrenwerte Landarzt, eine graue Eminenz, wirbt sie als Kandidatin für die Kommunalwahl an. Bald wird sie der Spitzenkandidatin ( Le Pen ? ) vorgestellt die sie mit markigen Sprüchen und weiblichem Charme vollends in ihren Bann zieht.

In dieser Zeit trifft sie auch ihre Jugendliebe wieder, der sich früher offen zu den Neofaschisten bekannt hat und nun nach außen den Wolf im Schafspelz mimt. Eine Sequenz zeigt, wie er mit seinen Gesinnungsfreunden eine Gruppe von jugendlichen Flüchtlingen überfällt und misshandelt. Ihr und den Kindern gegenüber zeigt er sich aber als der liebevolle Familienmensch.

Gleichzeitig, um keinen Angriffspunkt zu bieten, arbeitet die Partei von Le Pen hart und mit allen Mitteln an ihrem Image. Kontakte, auch frühere, zu den Neofaschisten will man ungeschehen machen und droht nach allen Seiten mit Konsequenzen. Man hat ja schließlich eine weiße Weste.

Auch im Familien- und Freundeskreis nehmen die Schwarz/Weiß-Debatten zu und persönliche Anfeindungen spielen eine immer größere Rolle. Auch ihr Vater, ein alter Kommunist, wirft sie wegen ihrer Kandidatur aus dem Haus.

Letztendlich, auch weil sie sich von ihrem Freund nicht trennen mag, wendet sich die Partei von ihr ab. Als sie dann auch noch Bilder auf dem Handy entdeckt, wie er Flüchtlinge misshandelt trennt sie sich auch von ihm.

Der Regisseur Lucas Belvaux zeigt in seinem Film, wie sich anständige Menschen vom Populismus einnehmen lassen und legt die Arbeitsmethoden rechtsextremer Parteien offen.

Kein Film zum Genießen. Aber ein wichtiger Film in Zeiten, in denen der Populismus auch in unserem Land sich in den Köpfen unserer Mitmenschen breitmacht.

Empfehlenswert.

Und das Diskutieren nicht vergessen !!!

Reinhard Kappes
Gesehen im kommunalen Kino Pforzheim am 19. März

Wir sind die stärkste der Partei’n

Peter Grohmann

In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute,
wir sind die stärkste der Partei’n
Die Müßiggänger schiebt beiseite!
Diese Welt muss unser sein.

Liebe Sozialdemokrat/innen, willkommen in der Opposition, auch bei Kontext (und den AnStiftern). Na ja, so ganz Opposition, so ganz radikal, fundamental nun auch wieder nicht. Denn online oder geprintet agiert und diskutiert und informiert da wie dort eine gemischte Gemeinde von Andersdenkenden. Einig ist die sich über ein paar Grundsätze, die kennt ihr ja auch noch: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Demokratie und das ganze Drumrum, und echt jetzt: Mehr Gerechtigkeit! Wie bei euch ist man sich aber nicht ganz einig, wie man da hinkommt. Klar, mehr freie Presse, mehr freies Wort, mehr Mut zur Kritik. Mehr offenes Visier. Mehr Geld. Da wären wir auch schon bei Euch und den neu gewonnenen Einsichten: Dass das alles viel Zeit und Nerven und Geld kostet. Nein, Kontext braucht keinen Zehnten. Kontext braucht den Zehner, und die AnStifter auch, und mehr als ‚Zehner. Das ist ein eher bescheidener Hinweis auf fehlende Solidaritätsgroschen.
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Die Barrikaden-Ladys


Seit heute weiß man: Hätte Hillery Bernie nicht gemobbt, wäre Sanders jetzt ganz oben und Donald ganz unten. „Futschikato!“ sagte in solchen Fällen meine Omi Glimbzsch in Zittau. Aber wie es jetzt ist, hält Trump dagegen, ist es Gottes Wille, was beide auch nicht sympathischer macht.

Die Armen, die Protestwähler, die Zukurzgekommenen rund um den Erdball sehnen sich in der Regel nach einem starken Arm, einem starken Mann, der mal so richtig durchgreift und Ordnung in die Welt bringt, der Frauen auf den Arsch klatscht, Menschen mit Handicap diffamiert und den Ausgegrenzten Hoffnung vermittelt: Amerika zuerst. So wie bei uns um die Ecke Hartz IV die künftigen Stammwähler der AfD produziert, stärkt der Flegel jenseits des Atlantiks den Mut zum Ungehorsam. This land is my land!

Während die Männer ihre Tage hatten, haben die Frauen Kreuzungen blockiert, Züge gekapert, die Flugzeuge, die Fernstraßen. Während die Analysten noch nach manipulierbaren Wahlmaschinen suchten, haben von Kalifornien bis New York Island, von Seattle über Oakland, von St. Louis am Mississippi bis zu den Rocky Mountains in Denver die Frauen eines liberalen Amerikas Straßen und Plätze besetzt. Die neue Bürgerinnenbewegung, die nicht aus der Nacht kam, hat uns verblüfft und lässt uns aufatmen.

Donald ist für jede Überraschung gut. Die Frauen auch. Sie erzählen eine neue Geschichte, eine voller Empathie, eine, die wir kennen müssten, aber vergessen haben. Es ist die Geschichte des Miteinanders, der Solidarität, bitte, wenn Sie wollen, der Nächstenliebe.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Diese alte Geschichte ist verbunden mit dem genauen Blick auf gesellschaftliche Zustände: Nachdenken statt Besserwissen, mit der Fähigkeit zum Streit, zur produktiven Unruhe. Wir brauchen mehr Ausdauer und Geduld beim Unterwegssein, den Blick in die Nachbarschaften, den Blick ins Kleine nebenan – den Blick hinter die Kulissen und den Blick in die Weite, zu den Frauen Amerikas. Es ist ja nicht die Welt neu zu erfinden, aber wir können die Welt auseinandernehmen und neu zusammensetzen. Eine große Collage, wir schaffen das, mit den Barrikaden-Ladys.

*) Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter