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Internationale Wochen gegen Rassismus
Film: Hotel Auschwitz

Die AnStifter in Kooperation mit dem Lernort Geschichte / Stuttgarter Jugendhaus, dem Haus der Geschichte, dem Stadtjugendring und der Jüdischen Gemeinde (IRWG) zeigen in einer Sonderveranstaltung den Film Hotel Auschwitz am Do, 21. März 2019, 20 h im Cinema, Königstraße 22

Inhaltsangabe:

Martin, karrierebesessener Theaterregisseur, inszeniert “Die Ermittlung” von Peter Weiss. Er unternimmt mit seinen Darstellern und dem Regieassistenten eine Recherchereise nach Auschwitz. Doch neben dem großen Thema verfolgen alle ihre eigenen, privaten Ziele. Als die polnisch-jüdische Trashikone Goska ins Geschehen einsteigt, eskaliert die Situation. „Hotel Auschwitz“ desavouiert eine Theatergruppe, die im Angesicht des ehemals größten Vernichtungslagers der Welt an sich selbst scheitert. Eine sehr schwarze Komödie.

Im Anschluss an die Filmvorstellung gibt es Gelegenheit ins Gespräch zu kommen: Mit der Landtagspräsidentin Muhterem Aras, Susanne Jakubowski (im Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg), Friedemann Rincke (Haus der Geschichte, Kurator der Ausstellung Geschichte der Polizei und Gestapo im Hotel Silber), Cornelius Schwalm (Regisseur des Films), moderiert von Patrick von Blume (Schauspieler) und Peter Grohmann (Die AnStifter)

AnStifter-Film-Tipp
Das Drama „ Das ist unser Land“

Eine Film-Tipp von Reinhard Kappes (Die AnStifter):

Wie meist in solchen Fällen fing alles ganz harmlos an.

Das Drama „ Das ist unser Land“ handelt von Demagogie in der französischen Provinz und liefert auch zu unseren deutschen Verhältnissen, vor allem zu den Wahlkämpfen, einen aufschlussreichen Diskussionsbeitrag.

Die sympathische Pauline arbeitet als Krankenschwester ( häusliche Pflege ) im strukturschwachen Norden Frankreichs. Sie hat zwei Kinder, ist alleinerziehend und steht ihre Frau. Der ehrenwerte Landarzt, eine graue Eminenz, wirbt sie als Kandidatin für die Kommunalwahl an. Bald wird sie der Spitzenkandidatin ( Le Pen ? ) vorgestellt die sie mit markigen Sprüchen und weiblichem Charme vollends in ihren Bann zieht.

In dieser Zeit trifft sie auch ihre Jugendliebe wieder, der sich früher offen zu den Neofaschisten bekannt hat und nun nach außen den Wolf im Schafspelz mimt. Eine Sequenz zeigt, wie er mit seinen Gesinnungsfreunden eine Gruppe von jugendlichen Flüchtlingen überfällt und misshandelt. Ihr und den Kindern gegenüber zeigt er sich aber als der liebevolle Familienmensch.

Gleichzeitig, um keinen Angriffspunkt zu bieten, arbeitet die Partei von Le Pen hart und mit allen Mitteln an ihrem Image. Kontakte, auch frühere, zu den Neofaschisten will man ungeschehen machen und droht nach allen Seiten mit Konsequenzen. Man hat ja schließlich eine weiße Weste.

Auch im Familien- und Freundeskreis nehmen die Schwarz/Weiß-Debatten zu und persönliche Anfeindungen spielen eine immer größere Rolle. Auch ihr Vater, ein alter Kommunist, wirft sie wegen ihrer Kandidatur aus dem Haus.

Letztendlich, auch weil sie sich von ihrem Freund nicht trennen mag, wendet sich die Partei von ihr ab. Als sie dann auch noch Bilder auf dem Handy entdeckt, wie er Flüchtlinge misshandelt trennt sie sich auch von ihm.

Der Regisseur Lucas Belvaux zeigt in seinem Film, wie sich anständige Menschen vom Populismus einnehmen lassen und legt die Arbeitsmethoden rechtsextremer Parteien offen.

Kein Film zum Genießen. Aber ein wichtiger Film in Zeiten, in denen der Populismus auch in unserem Land sich in den Köpfen unserer Mitmenschen breitmacht.

Empfehlenswert.

Und das Diskutieren nicht vergessen !!!

Reinhard Kappes
Gesehen im kommunalen Kino Pforzheim am 19. März