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Unser gemeinsamer FriedensPreis geht 2016 an…

Liebe Leut,

bis zuletzt sorgten die AnStifterinnen und AnStifter mit Ihren Stimmen für ein spannendes Rennen zwischen den Vorschlägen zum Stuttgarter FriedensPreis 2016. Das Resultat ist eine deutlich höhere Wahlbeteiligung (48%) und ein viel weniger klares Ergebnis. Am Samstag stand schließlich der Friedensaktivist Jürgen Grässlin als Gewinner unseres gemeinsamen Friedens­Preises fest.

Vor kurzem decken Jürgen Grässlin und weitere Journalisten Machenschaften der Waffen­schmiede Heckler & Koch in Mexiko auf. Statt umfangreich auch gegen Bundes­behörden zu ermitteln, stieß die Stuttgarter Staatsanwaltschaft – wir hoffen, Sie sehen keine Verbindungen zu anderen Fällen – Ende April Er­mitt­lungen gegen Jürgen Grässlin und sein Team an.

Wir sind froh, mit dem Stuttgarter FriedensPreis sowohl Jürgen Grässlin als auch der investi­ga­tiven und friedenspolitischen Arbeit insgesamt den Rücken stärken zu können.

Wenn Sie nun den ein oder anderen Cent übrig hätten, würden wir ihn, Gesetz dem Fall, er erreicht uns auf unserem Konto DE31 4306 0967 7000 5827 01 mit dem Stichwort Friedenspreis, in die Vorbereitung der FriedensGala am Samstag, den 10. Dezember 2016 im Stuttgarter Theaterhaus und in die Finanzierung von Tickets für nicht ganz so Betuchte stecken.

Herzliche Grüße

Peter Grohmann, Ebbe Kögel, Fritz Mielert & Evy Kunze

PS: Wir haben Ihnen die Abstimmungsergebnisse grafisch aufbereitet
PPS: Peter Grohmann wetterte über Flammenwerfer & Aschenputtel

Stuttgarter Friedenspreis
Erster Wahlgang schafft keine Klarheit

Nein, von Klarheit kann man wirklich nicht sprechen, wenn man sich das Ergebnis des ersten Wahlgangs zum Stuttgarter Friedenspreis 2016 ansieht an dem sich 32 Prozent der AnStifterinnen und AnStifter beteiligten. Zwar führt Jürgen Grässlin mit elf Prozent, doch kurz hinter ihm liegen Sea-Watch und Ärzte ohne Grenzen mit gut acht Prozent. Denen wiederum dicht auf den Fersen folgen Theodor Bergmann (7,5 %), der Wiederaufbau von Kobane (6,7 %) und Leyla Zana (6,4 %).

Die Vorschläge, die auf einem der ersten zehn Plätzen landeten, stehen nun beim zweiten Wahlgang wieder zur Abstimmung. Diesmal entscheidet nicht die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen, diesmal ist die relative Mehrheit. Bis zum 13. Mai 2016 sind nun die AnStifterinnen und AnStifter aufgerufen, erneut ihr Votum abzugeben.

Vorschlag Stimmen
4 Jürgen Grässlin, Rüstungskritiker 10,8%
22 Ärzte ohne Grenzen 8,3%
2 Sea-Watch, Geflüchtete in Seenot 8,3%
1 Theodor Bergmann, Zeitzeuge 7,4%
21 Wiederaufbau Kobane 6,9%
10 Leyla Zana, kurdische Menschenrechtsaktivistin 6,8%
9 Andrea Röpke, Engagement gegen Rechts 5,4%
16 Albrecht Müller und die NachDenkSeiten 4,4%
15 Grandhotel Cosmopolis, Augsburg 4,4%
19 Antonia Melo, Umweltaktivistin 4,2%
12 Seyran Ates, integrationspolitisches Engagement 3,7%
11 Henning Zierock, Friedensaktivist 3,7%
14 Erhard Eppler, Politiker 3,4%
13 Dalia Abdel Rahman, Kunstaktivistin 3,4%
20 Brandon Bryant, Whistleblower 3,2%
17 Christiane Quincke, Engagement gegen Rechts 2,7%
8 NSU-Watch – Aufklären und Einmischen 2,6%
24 Clemens Ronnefeldt, Menschenrechtler 2,3%
5 Lebenslaute, Musik- und Aktionsgruppe 1,9%
18 Jafar Panahi, iranischer Filmemacher 1,6%
25 Kristina Egbers, Ingenieure ohne Grenzen – Regionalgruppe Stuttgart – Schulgebäude für Hopley, Simbabwe 1,5%
7 Markus Kressler und das Team der
Kiron-Online-Universität für Flüchtlinge
1,4%
3 More-than-shelters, Zelte für Geflüchtete 1,2%
23 Netzwerk Friedenskooperative 0,4%
6 Ein Lied für Argyris – ein Leben für den Frieden 0,3%

Stuttgarter Friedenspreis
Wahl läuft

Liebe Leut,

25 Vorschläge stehen dieses Jahr für den Stuttgarter Friedenspreis zur Wahl. Allerdings sind nur diejenigen AnStifterinnen und AnStifter wahlberechtigt, die uns befördern und bespenden und sich das Kapital für den FriedensPreis aus den Rippen schneiden (SpenderInnen ab 50 Euro, Ehrenmitglieder und Ehrenamtliche). Vorgestern haben wir einen entsprechenden Brief zur Post gebracht. Die Vorschläge haben wir in einem PDF zusammengestellt.

Doch auch die Nicht-Wahlberechtigten sind uns natürlich wichtig und teuer. Wir haben Ihnen wieder einige Termine zusammengestellt und wollen ein paar Themen hervorheben. Das Hannah Arendt Institut für politische Gegenwartsfragen, das momentan noch an die AnStifter angegliedert ist, hat letzten Donnerstag mit einer Veranstaltungsreihe begonnen. Unter dem Titel “Weiterdenken mit Hannah Arendt” finden monatlich Vorträge und Diskussionen im Württembergischen Kunstverein statt. Sie finden alle Termine unter https://www.die-anstifter.de/termine/schlagworte/hannah-arendt-institut/.

Ans Herz legen wollen wir Ihnen den vom kürzlich verstorbenen Peter Conradi ins Leben gerufenen Neuen Montagskreis. Zur 50. Veranstaltung spricht am 25. April ab 19 Uhr der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte zum Thema Politik ohne Parteien im Theaterhaus.

Herzliche Grüße

Peter Grohmann, Ebbe Kögel, Fritz Mielert & Evy Kunze

PS: Falls Sie AnStifterin oder AnStifter sind und in den nächsten Tagen keine Wahlunterlagen von uns bekommen bzw. schon bekommen haben, bitten wir Sie, sich kurz bei uns zu melden.
PPS: Peter Grohmann wetterte über Böllermann & Ergohahn und Störfälle
PPPS: Falls Sie beim nächsten Mal abstimmen wollen, freuen wir uns natürlich über Spenden

Neue Nachricht von der Trägerin des Stuttgarter FriedensPreises Fatuma Abdulkadir

Am 1. März ist bei Ebbe Kögel folgende Nachricht der Trägerin des Stuttgarter FriedensPreises 2011, Fatuma Abdulkadir, eingegangen:

Dear Ebbe,

Receive greetings from sunny Kenya. I wanted to take this opportunity to say a big thank you to you in particular and to all those who contributed to the award. We have grown immensely since then and we were recently awarded the Beyond Sports Award in London UK. This was followed with a recognition in the national TV under the Strength of A woman….The Acacia tree of Peace.

Lieber Ebbe,

hier kommen Grüße aus dem sonnigen Kenia. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um insbesondere dir und allen, die für den Preis verantwortlich sind, ein großes Dankeschön zu sagen. Wir sind seitdem immens gewachsen und wir sind vor kurzem mit dem „Beyond Sports Award“ in London ausgezeichnet worden, gefolgt von der Anerkennung im nationalen Fernsehen unter dem Titel „Die Stärke einer Frau… der Akazien-Baum des Friedens“.

Zur Erinnerung: Fatuma Abdulkadir setzt sich seit vielen Jahren für die Verständigung zwischen den verfeindeten Volksstämmen in Kenia ein und trainiert mit Jungen und Mädchen Fußball. Sie möchte benachteiligten Kindern und Jugendlichen die Chance geben, anders zu leben und den Teufelskreis aus Gewalt und Rache zu durchbrechen- mit den Mitteln des Sports.

Hier die Links zu den Fernsehberichten über die Arbeit von Fatuma Abdulkadir: https://www.youtube.com/watch?v=1BhSXp-KAMY

https://hodiafrica.org/fatuma-abdulkadir-adan-the-story-of-hodis-founder/#.VtV8jvl95D8

Die 2011 zur Pressekonferenz für den Stuttgarter FriedensPreis ebenfalls anwesende Aktivistin für die Rechte der Kinder und Jugendlichen in ihrem Heimatland Kenia und Freundin Fatumas, Dr. Auma Obama, ist am 11. März anlässlich einer Benefizgala wieder in Stuttgart zu Gast. http://www.sautikuufoundation.org/sautikuufoundation.org/index.html

Giusi Nicolini, die „Löwin von Lampedusa“ erhält den Simone de Beauvoir Preis 2016

Nach dem Stuttgarter Friedenspreis der AnStifter im November 2015 erhielt Giusi Nicolini, die Bürgermeisterin der Mittelmeerinsel Lampedusa, am 14. Januar 2016 in Paris den mit 15.000 Euro dotierten Simon de Beauvoir Preis 2016. Er wird jedes Jahr am Geburtstag der bekannten französischen Philosophin für Fortschritte im Kampf für die Rechte der Frauen verliehen.

In ihrer Dankesrede sparte die „Löwin von Lampedusa“, wie sie in der Presseverlautbarung genannt wird, nicht mit harscher Kritik an der gegenwärtigen Flüchtlingspolitik der EU. Während die PolitikerInnen an den Särgen der 366 Ertrunkenen des Bootsunglückes vor Lampedusa vom 3.10.2013 geschworen hatten, dass niemand mehr im Mittelmeer ertrinken solle, bewirkt die Scheinheiligkeit der Politik und die Einstellung des humanitären Programms „Mare Nostrum“, dass weiterhin Hunderte die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer nicht überleben.

Das Publikum bedankte sich mit stehenden Ovationen für ihre Rede.

Das Preisgeld wird für den Aufbau eines Zentrums für die Betreuung traumatisierter Frauen verwendet werden.

Weitere Infos auf der Webseite – Université Paris Diderot-Paris 7 (leider nur in Französisch). Vielen Dank an Heidrun Friese für den Hinweis auf die Preisvergabe.

-ebbe-

Stuttgarter Friedenspreis: Rede von Peter Grohmann
Der geräuschlose Krieg: Blitzschnell

Rede von Peter Grohmann bei der FriedensGala der AnStifter am 6.12.2015 im Theaterhaus Stuttgart

Dieser Abend ist eine Demonstration für das Menschenrecht auf Leben, auf Frieden! So geräuschlos ist Deutschland noch nie in einen Krieg geglitten. Und dennoch dürfen wir uns nicht daran gewöhnen! Ich will mich nicht daran gewöhnen, dass Deutschland Teil einer Kriegsmaschinerie ist. Ich will mich nicht daran gewöhnen, dass der mühsame Frieden zerstört und zerfressen wird.

Ich will mich nicht daran gewöhnen, dass das alles normal ist,
– dass es normal ist, in den Krieg zu ziehen,
– dass es normal ist, mit Waffen zu handeln,
– dass es normal ist, ohne langes Gerede JA zum Krieg zu sagen,
frohgemut in die Katastrophe: Denn sie wissen nicht, was sie tun!

Ich kann es nicht glauben, dass dieses Schweigen ist im Land, dieses Zuschauen und diese Verharmlosung des Krieges!

Wir dürfen uns nie daran gewöhnen, dass das Recht des Stärkeren gilt – wo auch immer! Wir dürfen uns nie daran gewöhnen, dass das Recht auf Asyl noch weiter ausgehöhlt wird, dass die Charta der Menschenrechte nichts ist als das Versprechen für übermorgen.
Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, dass täglich 30 000 Kinder verhungern, 30 000 und mehr, dass Ernten im Meer versenkt werden, um den Getreidepreis stabil zu halten. Ich will ich nicht daran gewöhnen, dass Hunderttausende im eigenen Land nicht satt werden, dass Hunderttausenden im eignen Land der Zugang zu Gesundheit, Bildung und einem würdevollen Leben verwehrt wird.

Wir dürfen uns nie daran gewöhnen, dass der Satz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ zu einer leeren Floskel verkommt.

Ja: Wir sind gegen Gewalt und Vergessen, gegen Terror und Krieg, wo auch immer. Oft haben wir keine schnellen Antworten auf hundert Zweifel, auf tausend Fragen.
Aber Krieg ist immer die falsche Antwort.

Wir dürfen uns nicht an die Barbarei einer globalisierten Welt gewöhnen:
An die Ausplünderung armer Länder, die Waffenlieferungen, an die Unterstützung von Despoten und Diktatoren, Tyrannen und Sklavenhaltern.
Wir dürfen uns nicht an das Aushebeln elementarer Grundrechte gewöhnen,
nicht in Ungarn, nicht in der Türkei, nicht in Polen. Wir dürfen uns nie an den Triumph des Front National gewöhnen. In Solidarität und Geschwisterlichkeit sagen wir:

Non! Nein! Njet! No! Nie! Hayır! Neniu! nincs! Babu! Sin! Óchi! Nein zu Populismus, nationaler Engstirnigkeit, Rassismus und Gewalt.

Ich möchte nicht, dass die Deutungshoheit über die Moral die bekommen, die keine haben. Es gibt die Unschuld des Nicht-Wissens nicht mehr. Wir wissen, dass der Wohlstand auf Unrecht aufgebaut ist. Wir wissen, dass wir die Erde zerstören.
Und wir können auch längst nicht mehr ignorieren, dass andere arm sind, weil wir reich sind. Wir werden uns nicht herausreden können mit dem immer gleichen Worten: „Davon haben wir nichts gewusst“.

Nein, wir werden es gewusst haben.

Aber ich will mich daran gewöhnen, mit Menschen gelebt und gekämpft zu haben,
die aufstehen, wenn es notwendig ist! Heute, jetzt!
Mit Menschen, die Nein sagen!

Ich will mich daran gewöhnen, an Eurer Seite zu sein:
Mit Menschen, die Herz und Verstand besitzen, die mit Fantasie und Solidarität für Gerechtigkeit und Frieden eintreten:

Mit Menschen wie Euch.

Stuttgarter Friedenspreis: Rede von Rosa Maria Maggiore
Il premio della pace a Stoccarda: Manifesto di Rosa Maria Maggiore, Lampedusa

Stuttgart, 6. Dezember 2015

Rede von Rosa Maria Maggiore, genannt „Mamma Rosa“
Vorgetragen auf der Pressekonferenz vor der FriedensGala der AnStifter

Die Insel, auf der ich lebe, hat mich einige Dinge gelehrt, die ich mit euch teilen möchte.

1. Seit nunmehr 20 Jahren ist die Insel ein sicherer Landeplatz für diejenigen, die Europa erreichen wollen. Hunderttausende sind auf dieser Insel angekommen. Und das Zusammenleben mit den Einheimischen hat nie Probleme bereitet, solange den Migranten Rechte und Würde garantiert wurden. Erst als entschieden wurde, sie einzuschließen, sie als Verbrecher zu behandeln, gab es gewalttätige Ereignisse. Aber ausschließlich gegen Sachen, nie gegen Personen. So wurde in den Jahren 2009 und 2011 das Willkommenszentrum angezündet, das aufgrund absurder politischer Entscheidungen in einen Knast verwandelt worden war. Lampedusa hat mich also gelehrt, dass die Pforten der Gewalt sich öffnen, wenn den Menschen Rechte und Würde verweigert wird.

2. Die zweite Sache, die ich gelernt habe ist, dass die Schiffe, mit denen die Migranten in See stechen, letzten Endes alle dazu bestimmt sind, unterzugehen. Kein Wasserfahrzeug, das zu diesem Zweck konstruiert wurde, dann aber mit so vielen Menschen beladen ist, in Anbetracht dieses gefährlichen und langen Meeresabschnittes, war je dazu gedacht, am Bestimmungsort anzukommen. Alle Personen, die sich einschiffen, sind „natürlicherweise“ dazu verdammt unterzugehen. Es sind die Männer der Finanzpolizei, der Küstenwache, der Marine, die Besatzungen der Schiffe, die seit Jahren auf dem Meer sind, um die Migranten zu retten, die Matrosen auf den Handelsschiffen und den Fischerbooten, die Fischer von Lampedusa und Mazara und so weiter, die jedesmal ein „Wunder“ vollbringen, wenn sie Menschen retten. Das ist eine Wahrheit, die jeder kennt, der auf Lampedusa lebt, aber die niemand – weder Politiker noch Journalisten – der Öffentlichkeit mitteilt.

3. Eine andere Sache, die Lampedusa allen lehrt, die es begreifen wollen: es sind unsere Gesetze, die diese Menschen ins Meer werfen. Es ist nicht das Meer, es sind nicht die Stürme, es ist nicht das Pech. Noch sind es die Schleuser, die diese Menschen umbringen. Es sind wir, mit unseren Gesetzen, die wir die Menschenhändler „bewaffnen“. (Jene, die an Land bleiben, um ihr Geld zu zählen und das Geschäft zu organisieren). Mit diesen Gesetzen blockieren wir jeden legalen, sicheren und gerechten Zugangsweg.
Seit Jahren verlangen deshalb alle, die auf Lampedusa leben, die sofortige Öffnung von humanitären Zugangswegen, die denjenigen Personen, die Europa erreichen wollen, dies ermöglichen, ohne dass sie ihr Leben riskieren müssen.

4. Eine letzte Sache, die ich gelernt habe, möchte ich mit euch teilen: die Menschen, die auf Lampedusa anlanden, haben uns gewählt, haben den Westen gewählt. Und nicht allein und nie ausschließlich wegen unseres Wirtschaftsmodells oder wegen den Möglichkeiten eines besseren Lebens, die unser Kontinent ihnen eröffnet (zumindest theoretisch). Sie wählen uns, weil sie auf der Suche nach ihren Rechten sind. Das Recht, frei zu leben, der Zugang zu Bildung, seine Ideen äußern zu können, in Frieden zu leben. Der Frieden. In Wirklichkeit kommen sie, um Frieden zu suchen. Diese Personen abzuweisen, sie in ihre Länder zurückzuschicken, ist ein Sieg für die Feinde des Westens. Lampedusa hat mich gelehrt, dass es der Frieden ist, die Liebe und der Respekt, mit denen die Schlacht gegen das Böse gewonnen werden kann. Es ist, wie Erasmus von Rotterdam sagt: Alles, was wir mit Gewalt erreichen, werden wir auf dieselbe Weise wieder verlieren.

*****

Stoccarda, 6 dicembre 2015

Manifesto di Rosa Maria Maggiore, Lampedusa
Presentato alla conferenza stampa, Premio per la Pace degli AnStifter

L’isola in cui vivo mi ha insegnato alcune cose, che vorrei condividere con voi.

1. Sono ormai 25 anni che l’isola è approdo sicuro per chi vuole raggiungere l’Europa. Centinaia di miglaia di persone sono passate da questa isola. E la convivenza con chi vive a Lampedusa non ha mai creato problemi fin quando ai migranti sono stati garantiti diritti e dignità. Solo quando si è deciso di rinchiuderli, di trattarli come delinquenti, sull’isola si sono verificati episodi di violenza. Ma esclusivamente contro le cose, mai contro le persone. E cosi nel 2009 e nel 2011, il centro di accoglienza – che per decisioni assurde venne trasformato in carcere – fu dato alle fiamme.
Ecco cosa mi ha insegnato Lampedusa: che quando si violano i diritti e la dignità delle persone si aprono le porte alla violenza.

2. La seconda cosa che ho imparato è che le barche sulle quali i migranti vengono fatti partire sono TUTTE destinate ad affondare. Nessuna imbarcazione, costruita a quello scopo, carica di persone in quel modo, di fronte a quel tratto di mare, lungo e pericoloso, potrebbe mai arrivare a destinazione. Tutte le persone che si imbarcano sarebbero “naturalmente” destinate a naufragare. Sono gli uomini della Guardia Costiera, della Guardia di Finanza, della Marina Militare, gli equipaggi delle navi che da anni sono in mare per salvare i migranti, i marinai delle navi commerciali e dei pescherecci, i pescatori di Lampedusa, di Mazara e non solo, che ogni volta compiono un “miracolo” salvando le persone.
Questa è una verità che chi vive a Lampedasa conosce, ma che nessuno – politico o giornalista – dice all’opinione pubblica.

3. Un’altra cosa Lampedusa insegna a chiunque voglia capire: sone le nostre leggi che buttano in mare quelle persone. Non è il mare, non sono le tempeste, non è la sfortuna, né gli scafisti a uccidere questo persone. Siamo noi, con le nostre leggi, che “armiamo” i trafficanti di uomini (quelli che restano a terra a contare i soldi ed a organizzare il business) e che chiudiamo qualsiasi via legale di ingresso, sicura e giusta.
Ed è per questo che da anni chi vive a Lampedusa chiede l’immediata apertura di corridoi umanitari che diano la possibilità alle persone che vogliono raggiungere l’Europa di farlo senza rischiare la vita.

4. Infine, un’ultima cosa che ho imparato vorrei condividere con voi stasera: le persone che approdono a Lampedusa hanno scelto noi, hanno scelto l’occidente. E non solo è mai esclusivamente per il nostro modello economico o per le opportunità di benessere che il nostro continente offre (almeno teoricamente). Scelgono noi perché cercano i diritti. Il diritto a vivere liberi, ad accedere all’istruzione, a esprimere le proprie idée, a vivere in pace. La pace. In realtà è proprio la pace che vengono a cercare. E respingere queste persone, rimandandole nei loro paesi, è una vittoria per i nemici dell’occidente.
Lampedusa mi ha insegnato che è con la pace, con l’amore e con il rispetto che si vince la battaglia contro il male e che – come dice Erasmo da Rotterdam: “Ciò che si conquista con la violenza, lo si perde nello stesso modo.”

Stuttgarter Friedenspreis
Laudatio von Heidrun Friese für Giusi Nicolini

Stuttgart, 6. Dezember 2015

Laudatio von Heidrun Friese für Giusi Nicolini

Lampedusa isola di accoglienza. Lampedusa isola di frontiera.

In Zivilisationen ohne Schiffe versiegen die Träume, so der Philosoph Michel Foucault.

Doch an Europas Grenzen erstickt man. An seinen Grenzen ertrinkt man, erfriert, verbrennt die Haut, an seinen Grenzen steht das Herz still. An seinen Grenzen werden Menschen zurückgewiesen, festgehalten, eingesperrt, gehen Träume unter.
Lampedusa, winzige Insel vor der Küste Nordafrikas, Europas Peripherie, und einst ein Ort, an dem die Regionen und Religionen des Mittelmeeres sich trafen und austauschten, ist zu einem dieser Grenzorte geworden, an dem Menschen aussortiert werden und der Zufall der Geburt und Staatsangehörigkeit bestimmen, wie Lebensentwürfe sich gestalten dürfen.
Lampedusa ist zu einem der Symbole für Europas verfehlte Asyl- und Einwanderungspolitiken geworden.
Lampedusa, das ist jetzt auch Ort globaler Berichterstattung, der Medienhype und der Ökonomie der Aufmerksamkeit und so steht Lampedusa in unserer Imagination sowohl für die Furcht vor schwarzen Massen, Invasionen, Unkontrollierbarkeit, vor dem Verlust vermeintlich nationaler Identität, als auch für Anteilnahme, Mitgefühl, Verletzlichkeit, Hilfe, spontane Solidarität. Der Ort versammelt sowohl die medialen Ikonen humanitären Engagements, wie die Schauspielerin Angelina Jolie, Botschafterin des Flüchtlingshilfswerks UNHCR als auch die umstrittene Politikerin der französischen Front National, Marine Le Pen; hier war Silvio Berlusconi ebenso wie Papst Franziskus.
Lampedusa mobilisiert die politische Öffentlichkeit und macht die europäischen Grenzen offenbar, Lampedusa ist aber auch ein Ort fragloser, unbedingter Gastfreundschaft. Die community hat eine lange Tradition der Aufnahme von Flüchtlingen und Gestrandeten. Auch können die Fischer auf eine dramatische Chronik der Rettung Schiffbrüchiger zurückblicken, das Ethos von Fischern fragt nicht nach Herkunft, Name und Nationalität der Verunglückten und nimmt die Unglücklichen ohne zu zögern gastfreundlich bei sich auf.
Das Gesetz der Gastfreundschaft und das Gesetz des Meeres sind älter als jegliche Konvention. „Siamo gente di mare“, wir sind Seeleute, so sagt man auf der Insel. „Wenn es etwas gibt, was Lampedusa beibringen kann, dann ist es das Einfachste der Welt: Ein Mensch in Schwierigkeiten ist ein Bruder ohne Farbe oder Religion. Und um zu helfen oder um Hilfe zu bitten, muss man nicht dieselbe Sprache sprechen. Wenn wir hier auf Lampedusa Hilfe leisten, fragen wir nicht ‚Woher kommst du?’ oder ‚Welchen Glauben hast du?’ Wir fragen: ‚Was ist dir passiert?’“
Im Jahr 2011, dem Jahr der tunesischen Revolution, hat die Insel – sie zählt knapp 6000 Einwohner -, über 100.000 Menschen aufgenommen. „Lampedusa hat keine Angst vor den Ankommenden. Für uns sind das keine Nummern, sondern Personen. Wir sehen sie, wenn sie ankommen, wir haben Kontakt mit ihnen, ihren Sorgen und ihren Hoffnungen,“ so Giusi Nicolini in einem Gespräch.
Im Frühjahr 2012 wurde Giusi Nicolini zur Bürgermeisterin gewählt. Sie ist immer schon eine streitbare Frau und ein kämpferischer, kritischer Geist gewesen. Aktiv in der linken Jugendorganisation FGCI (1970/1980er), als Vizebürgermeisterin und als Aktivistin der Umweltorganisation Lega Ambiente hat sie, auch gegen Interessen und zähe Widerstände am Ort (hier wie da betoniert man gerne die Zukunft zu), gegen Klientelismus, Korruption, den Verkauf von Gemeindeland gekämpft. Sie hat La riserva, ein Naturschutzgebiet, durchgesetzt – Tripadvisor hat letzthin, das ist ein politischer Triumph, die l’isola dei conigli zu einem der schönsten Strände des Mittelmeeres erkoren und damit auch die Grundlagen für das Auskommen der Einheimischen im Tourismussektor gelegt.
Doch Giusi Nicolini lässt sich nicht darauf ein, Tourismus (also erwünschte Mobilität) gegen unerwünschte Mobilität, humanitäre Hilfe gegen politische Veränderung auszuspielen.
Kaum im Amt, hat die „sindaco gentile che accoglie l’umanità“, die „menschliche“ Bürgermeisterin, die die Menschheit willkommen heißt, einen dringlichen Appell an die EU gerichtet:
Ich bin über die Gleichgültigkeit entrüstet, die alle angesteckt zu haben scheint. Ich bin entrüstet über das Schweigen Europas, das gerade den Friedensnobelpreis erhalten hat, und nichts sagt, obwohl hier die Zahl der Toten daran glauben lässt, es wäre Krieg. Ich bin mehr und mehr davon überzeugt, dass die europäische Einwanderungspolitik den Tod dieser Menschen billigend in Kauf nimmt, um die Migration einzudämmen. Vielleicht betrachtet sie sie sogar als Abschreckung. Aber wenn für diese Menschen die Reise auf den Kähnen der letzte Funken Hoffnung ist, dann meine ich, dass ihr Tod für Europa eine Schande ist.
Seither gehört sie zu den eindringlichen Stimmen, die unermüdlich das europäische Grenzregime anprangern und europäische Politiker zum Umdenken auffordern, die nach Schiffbruch und Untergang auf die Insel eilen und sich an den Särgen der Ertrunkenen versammeln:
“Dass das Dublin-Verfahren in den Papierkorb gehört, war auf Lampedusa schon lange klar erkennbar, da damit eine schmerzlose Verteilung der Flüchtlinge nicht durchzuführen ist. Als Anlaufstelle für Migranten haben wir seit Jahren die Stimmen derer gehört, die Furchtbares erlebt haben … Leider blieb unser Appell so lange unerhört, bis die europäischen Nordstaaten die Migranten vor der eigenen Tür hatten. Als würde das Problem exklusiv das abgelegene Lampedusa betreffen und unser Hilferuf ausschließlich der Beseitigung unseres Unbehagens dienen. Nun erkennt Europa, was es jahrelang verdrängte. Allerdings bleibt seine Antwort darauf enttäuschend.”
Gut drei Jahre nach ihrem Brief an die Europäische Union richtet sie in diesem Jahr erneut einen Appell an das europäische Gewissen und fordert entschieden ein neues europäisches Asyl- und Einwanderungsrecht.
“Wir unterscheiden weiterhin Flüchtlinge erster und zweiter Klasse. Es ist schlicht absurd, dass ein Mensch, der das eigene Haus verlassen muss, aufgenommen wird, wenn er vor einem Krieg flieht, und abgelehnt, wenn ihn ein Bürgerkrieg, Terrorismus oder Hunger zur Flucht zwingen. Zwischen Flüchtlingen und ökonomischen Migranten zu unterscheiden, ist grotesk. Denn in beiden Fällen bedeutet die Rückkehr in die Heimat oft den Tod…. Europa beharrt darauf, Flüchtlinge wie Ware zu behandeln, die man von Lager zu Lager schiebt. Das hilft weder den Migranten noch den Länder, die sie aufnehmen … Auch in dieser Hinsicht wären legale Einreisemöglichkeiten die humane und logische Wahl.”
Was an den Grenzen Europas geschieht, das zeichnet Europa, verweigerte Gastfreundschaft ist auch verweigertes Zusammenleben.
“Lassen Sie Lampedusa nicht allein. Ändern wir das Dublin-Verfahren nicht, sterben nicht nur die Menschen im Meer, sondern auch die Idee Europa”, so ihre eindringliche Mahnung an uns alle.
Giusi Nicolini ist für ihr humanitäres und ihr politisches Engagement vielfach ausgezeichnet worden.
Bei aller internationaler Aufmerksamkeit ist sie immer auch eines geblieben: Eine engagierte Bürgermeisterin, die sich für die Belange der Insel und der Lampedusani einsetzt.

*****

Gala della pace di ‚Die AnStifter‘ 2015
Stoccarda, 6 Dicembre 2015

Laudatio per Giusi Nicolini della Prof.ssa Dott.ssa Heidrun Friese
Docente della ‚Technische Universität‘ di Chemniz

Lampedusa isola di accoglienza, Lampedusa, isola di frontiera.

Nelle civiltà senza navi, i sogni si inaridiscono, svaniscono… (Michael Foucault, “Eterotopia”)

Ma alle frontiere d’Europa si soffoca. A queste frontiere si annega, ci si congela, ci si brucia la pelle, alle frontiere d’Europa il cuore cessa di battere. Alle frontiere d’Europa esseri umani vengono respinti, trattenuti, imprigionati…. i sogni svaniscono.

Lampedusa, minuscola isola davanti alle coste dell’Africa del Nord, periferia europea e, in passato, luogo di incontri e scambi fra le regioni e le religioni del Mediterraneo, è diventata ora una di quelle zone di confine in cui si selezionano esseri umani e solamente il caso, il loro luogo di nascita e la nazionalità, decide come sarà il loro futuro.

„Lampedusa è divenuta ora uno dei simboli dell‘ errata politica europea per l‘ asilo e l’immigrazione.

Lampedusa adesso è un luogo di globale reportage, di promozione mediatica alla grande e di ‚attenzione‘ come forza economica e così, nella nostra immaginazione, Lampedusa rappresenta da una parte la paura di masse nere, di invasioni, di incontrollabilità, di perdita della presunta identità nazionale, dall’altra partecipazione, compassione, vulnerabilità, aiuto, solidarietà spontanea.
L’isola riunisce non solo famose icone mediatiche impegnate nell‘ umanitario, come l’attrice Angelina Jolie, ambasciatrice dell‘ UNHCR, ma anche politici discutibili come Marie Le Pen del Front National francese; qui è venuto Silvio Berlusconi come pure Papa Francesco.

Lampedusa mobilita l’opinione pubblica politica e rende evidenti i limiti europei; Lampedusa però è anche un luogo di indubbia, incondizionata ospitalità. La sua comunità ha una grande tradizione di accoglienza data a profughi e naufraghi. C’è anche una lunga cronologia di drammatiche azioni di salvataggio sul mare da parte dei pescatori lampedusani; la loro etica non pone domande su provenienza, nome o nazionalità delle vittime ma le accoglie sull’isola senza esitazioni.“
(dallo scritto della Prof.Friese del 2014: „Die Grenzen der Gastfreundschaft. Die Bootsflüchtlinge von Lampedusa und die europäische Frage“. Bielefeld)

La legge dell’ospitalità e quella del mare sono leggi più antiche di ogni possibile convenzione.
„Siamo gente di mare“, così si dice sull’isola. In un’intervista del 2015 con un giornale tedesco di Lüneburg Giusi Nicolini afferma che quello che Lampedusa può insegnare è proprio la cosa più semplice del mondo: che un essere umano in difficoltà è un fratello, non contano la sua razza o religione. Per aiutare o per chiedere aiuto non è necessario parlare la stessa lingua. A Lampedusa si offre aiuto senza chiedere „Da dove vieni?“ o “ Di che religione sei?“ Si chiede semplicemente: „Cosa ti è successo“?
(„Landeszeitung Lüneburg“ del 3.12.2015, articolo „Lampedusa può insegnare qualcosa“ Giusi Nicolini intervistata da Fanny Pigliapoco).

Nell’anno 2011, l’anno della rivoluzione tunisina, l’isola, che conta poco meno di 6.000 abitanti, ha accolto più di 100.000 persone. “Lampedusa non ha paura degli sbarchi […] Per noi non si tratta di numeri, ma di persone. Li vediamo quando arrivano, entriamo in contatto con loro, con le loro speranze e le loro paure” afferma il sindaco. (Lampedusa, la sindaco gentile che accoglie l’umanità – Il Fatto Quotidiano, http://www.ilfattoquotidiano.it/2012/09/10/lampedusa-sindaco-gentile-che-accoglie-lumanita/348142/)

Nel 2012 Giusi Nicolini è stata eletta sindaco. È sempre stata una personalità combattiva con uno spirito critico e battagliero. Era nella FGCI negli anni 1970/80; poi come vicesindaco e militante di Lega Ambiente si è sempre opposta a clientelismo, corruzione, vendita di terreni comunali, pur avendo contro interessi e forti resistenze locali in quanto anche lì, come altrove, „si cementa“ volentieri il futuro. „La riserva“, una zona protetta, è merito suo e recentemente Tripadvisor ha definito ‚l’isola dei conigli‘ ,non a caso, una delle più belle spiagge del Mediterraneo. Questo non è solo un trionfo politico ma crea anche i presupposti per entrate economiche degli isolani nel settore turistico.
Per Giusi Nicolini il turismo (visto come mobilità desiderata, auspicabile) e l’altra mobilità, quella non esattamente gradita, non sono contrapposti, non c’è antagonismo fra aiuto umanitario e cambiamenti politici. Appena eletta, ‚il sindaco gentile che accoglie l’umanità‘, il sindaco ‚umano‘ che dà il benvenuto all’umanità, ha indirizzato un urgente appello alla Comunità Europea.
‚Sono indignata dall’assuefazione che sembra avere contagiato tutti, sono scandalizzata dal silenzio dell’Europa che ha appena ricevuto il Nobel della Pace e che tace di fronte ad una strage che ha i numeri di una vera e propria guerra.
Sono sempre più convinta che la politica europea sull’immigrazione consideri questo tributo di vite umane un modo per calmierare i flussi, se non un deterrente. Ma se per queste persone il viaggio sui barconi è tuttora l’unica possibilità di sperare, io credo che la loro morte in mare debba essere perl’Europa motivo di vergogna e disonore. (da“L’appello di Giusi Nicolini, https://ildisobbedienteweb.wordpress.com/2012/11/11/lappello-di-giusi-nicolini-sindaco-di-lampedusa)
Da allora la sua è una di quelle voci che instancabilmente condannano apertamente il „regime di confine“ europeo, esortando con forza i politici dell’Unione Europea a cambiare ottica, proprio quei politici che dopo ogni tragedia accorrono a Lampedusa a radunarsi davanti alle bare degli annegati,
Nell’intervista al giornale di Lüneburg del 3.12.2015 Giusi Nicolini sostiene inoltre che l’accordo di Dublino è da cestinare. Questo a Lampedusa lo si sapeva fin dall’inizio, perché non esiste una ripartizione indolore dei migranti. Al centro di accoglienza di Lampedusa i profughi hanno raccontato storie terribili, ma l’appello dell’isola purtroppo è rimasto inascoltato fino al momento in cui gli Stati dell’Europa del Nord hanno visto i migranti arrivare alle loro porte. Come se fino allora il problema riguardasse solo la remota Lampedusa e la richiesta d‘ aiuto servisse solo a dare sfogo a una situazione di disagio! Improvvisamente l’Europa si rende conto di aver ignorato per anni il problema, ma la sua risposta è deludente.
Dopo più tre anni dal suo appello all’Unione Europea Giusi Nicolini invia quest’anno un altro messaggio alle coscienze europee e richiede fermamente un nuovo diritto d’asilo e una nuova politica sull’immigrazione. Sempre nella già citata intervista del 3.12.2015 sostiene che continuiamo a distinguere profughi di prima e seconda classe, che è assurdo che chi deve abbandonare la propria patria venga accettato solo se fugge da una guerra e invece venga respinto se scappa da una guerra civile, dal terrorismo o se costretto dalla fame. È grottesco fare una distinzione fra profughi e migranti „economici“, in quanto in ambedue i casi un rientro in patria significa spesso la morte (…) L’Europa si ostina a trattare profughi come merce da spostare da un deposito all’altro. Questo non aiuta nè i profughi, nè i Paesi di accoglienza.(…) Anche in questo senso la possibilità di accesso legale in un Paese non sarebbe altro che un’offerta umana e logica.
Quello che accade alle frontiere europee contrassegna l’Europa: rifiutare di dare ospitalità significa anche negare convivenza.
„Non lasciate sola Lampedusa. Se non cambiamo l’accordo di Dublino, non solo muoiono esseri umani in mare, ma muore anche l’idea d’Europa.“ Questo è il suo accorato ammonimento a noi tutti.

Giusi Nicolini ha ricevuto molti riconoscimenti per il suo impegno umanitario e anche per quello politico, ma nonostante la sua notorietà a livello internazionale è rimasta sempre un sindaco impegnato, che si dà da fare assiduamente per il bene della sua isola e dei suoi Lampedusani.