Archiv der Kategorie: Themen & Thesen

Europäische Mobilitätswoche
Klimaziele einhalten – Verkehrswende jetzt!

Demo Stadt für Menschen statt für Autos

Im Rahmen der EUROPÄISCHEN MOBILITÄTSWOCHE, die jährlich vom 16. Bis 22. September stattfin­det, fordert ein breites Bündnis für Stuttgart und die Region eine nachhaltige Mobilität. Das Bündnis wird unterstützt von:
KUS • FUSS e.V. • VCD Stuttgart • ADFC Stgt. • Critical Mass Stgt. • Naturfreunde Stgt. • Naturfreunde Radgruppe Stgt. • Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 • PRO BAHN Stgt. • Die AnStifter • F4F • attac Stgt. • Greenpeace Stgt. • Robin Wood Stgt. • Verkehrswende-Jetzt!

Der Hintergrund:

Der Kfz-Verkehr verursacht Lärm, Feinstaub, Stickoxid, Mikroplastik, Unfälle mit Toten und Verletzten. Für ihn werden Flächen versiegelt, öffentliche Räume entzogen, Lebensräume vernichtet. Und: Der Verkehr ist in Baden-Württemberg für 28 % der CO2-Emissionen verantwortlich. Im Gegen­satz zu allen anderen bedeutenden CO2-emittierenden Sektoren sind hier die CO2-Emissionen in den letzten Jahren nicht gesunken, sondern sogar an gestiegen. mehr…

Cancel culture
So neu ist das gar nicht

Der Stalin ermordet auch den letzten Widersacher

Cancel culture ist alles andere als eine neue Erscheinung, auch in der Geschichte der Linken war sie immer präsent. Ihr unangefochtener Meister war Stalin, der unzählige Fotos und Dokumente fälschen ließ, um Leo Trotzkis führende Rolle in der Oktoberrevolution aus der Geschichtsschreibung zu tilgen, und Mordkommandos entsandte, bis es vor 80 Jahren einem Attentäter gelang, Trotzki mit einem Eispickel zu töten. Es versteht sich, dass Stalins cancel culture sich einer Rhetorik befleißigte, in der »tollwütige Hunde« noch zu den freundlicheren Bezeichnungen für seine linken Gegner gehörte.
Dass physische Gewalt in Konflikten innerhalb der Linken sehr selten geworden ist, liegt an deren Randständigkeit – es geht meist nur noch um die Meinungshoheit in einer Blase. Weiterhin aber dürften Intoleranz, Intrigen, Mobbing und andere unzivilisierte Umgangsformen der Hauptgrund dafür sein, dass es kaum jemand länger als zehn Jahre in der linken Basisarbeit aushält.

Quelle: Jungle World

Frauen im Rock XX
Billie Holiday and the Story behind Strange Fruit

Billie Holiday: Strange Fruit (Live 1959)

Vor kurzem wurde an dieser Stelle „The Story behind Strange Fruit“ veröffentlicht. In dem Video erzählt die amerikanische Jazz-Sängerin Eva Schubert den Hintergrund zu dem Song „Strange Fruit“. Das von Abel Meeropol komponierte und getextete Lied gilt als eine der stärksten künstlerischen Aussagen gegen Lynchmorde in den Südstaaten der USA und als ein früher Ausdruck der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Der Ausdruck „Strange Fruit“ hat sich als Symbol für Lynchmorde etabliert.

Die Sängerin Billie Holiday machte das Lied mit ihrem Auftritt 1939 im Café Society in New York weltweit bekannt. Fortan sang sie es wie einen bitteren Schlussakkord am Ende ihrer Shows. Hier die deutsche Übersetzung: mehr…

8. Mai
Tag der Befreiung

Befreiung vom Faschismus

Der 8. Mai wird heute von vielen Deutschen „Tag der Befreiung“ genannt. Früher war es das Datum, das das Kriegsende markierte. Hat sich die Vorstellung der Befreiung von Faschismus und Diktatur wirklich in den Köpfen der Deutschen verankert, seit die Rote Fahne am 8. Mai 1945 in Berlin gehisst wurde? Heute wissen wir, das Bild wurde geschickt inszeniert. Es wurde nicht spontan aufgenommen. Ganz im Gegensatz zu dem Bild des Matrosen, der während der Siegesfeier zur Kapitulation Japans auf dem Times Square in New York eine Krankenschwester überschwänglich küsste. Dieser Kuss – drei Monate später – war Ausdruck der puren Lebensfreude. mehr…

Rassismus
Nicht nur Corona tötet

Diskriminierung

Michel Abdollahi schreibt:
Rassismus ist auch ein Virus, das sich in der Gesellschaft festgesetzt hat. Dieses Virus befällt Menschen und tötet. Aber eben nicht alle. Es genießt aktuell immer noch eine zweifelhafte Exklusivität. Würde es alle befallen, wir wären schon längst anders gegen es vorgegangen. Solange wir aber glauben, gegen Rassismus immun zu sein, reicht es meist nicht zu mehr als zu kurzfristiger Betroffenheit. Aber der Hass gegenüber Haltung, wie sie etwa Walter Lübcke zeigte, wird sich weiter ausbreiten. Dann wird auch Herkunft kein Privileg mehr sein. Dann kann es jeden treffen.
Quelle: Spiegel
Ein ausführliches Interview mit ihm kann man hier lesen/hören

Filmkritik
Es ist nie zu spät für Gerechtigkeit

Der schwarze Anwalt Brian Stevenson (Michael B. Jordan, rechts) übernimmt die Verteidigung des zum Tode verurteilten Walter McMillin (Jamie Foxx)
Der schwarze Anwalt Brian Stevenson (Michael B. Jordan, rechts) übernimmt die Verteidigung des zum Tode verurteilten Walter McMillin (Jamie Foxx)
© Warner Bros.

Wer in den Jahren der Präsidentschaft von Donald Trump über Amerika den Kopf schüttelt, der wie kaum ein anderer Präsident vor ihm in jüngster Zeit das Land spaltet, sollte sich den Justizthriller „Just Mercy“ anschauen. Hier wird gezeigt, wie gespalten dieses Land schon immer war und wie Menschen, die an die amerikanische Verfassung glauben, den Kampf für Gerechtigkeit aufnehmen. Die daran scheitern können, aber auch Gerechtigkeit mit Hilfe der Gesetze wieder herstellen können. Der Film „Just Mercy“ konzentriert sich ganz auf seine beiden Protagonisten, den schwarzen Anwalt Brian Stevenson (hervorragend: Michael B. Jordan) und den zum Tode verurteilten Schwarzen Walter McMillian, alias „Johnny D.“, (Jamie Foxx). Er sitzt als Todeskandidat im Gefängnis und ringt um seine Würde.

JUST MERCY Trailer German Deutsch (2020)

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Offener Brief
VVN-BdA und Auschwitzkomitee: Aberkennung der Gemeinnützigkeit

Auschwitz KomiteeFolgender Brief erreichte uns von Esther Bejarano, den sie an Finanzminister Scholz schrieb. In Berlin wurde der gemeinnützigen Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes der Status der Gemeinnützigkeit aberkannt.

Sehr geehrter Herr Minister Scholz,

seit 2008 bin ich die Ehrenvorsitzende der VVN–BdA, der gemeinnützigen Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, gegründet 1947 von Überlebenden der Konzentrationslager und NS-Verfolgten. Die Arbeit der Antifa, die Arbeit antifaschistischer Vereinigungen ist heute – immer noch – bitter nötig. Für uns Überlebende ist es unerträglich, wenn heute wieder Naziparolen gebrüllt, wenn jüdische Menschen und Synagogen angegriffen werden, wenn Menschen durch die Straßen gejagt und bedroht werden, wenn Todeslisten kursieren und extreme Rechte nicht mal mehr vor Angriffen gegen Vertreter des Staates zurückschrecken.

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Literaturnobelpreisträgerin
Olga Tokarczuk stemmt sich gegen den politischen Trend in ihrem Land

Olga Tokarczuk in Stuttgart Foto: © M. Seehoff
Olga Tokarczuk in Stuttgart
Foto: © M. Seehoff

Gerade hat die rechtskonservative PiS-Partei die Parlamentswahlen in Polen gewonnen (44,6 %, +18,6%). Da wirkte der Auftritt der frisch gekürten Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk in Stuttgart wie ein Leuchtfeuer in finsteren Zeiten.
Zum ausführlichen Bericht über diese bemerkenswerte Veranstaltung siehe hier.

Wir sollten in den Blick nehmen, dass rechtskonservative, nationalistische Vorstellungen eine breite Basis gerade unter den jungen Menschen in Polen haben. Rechnet man die Stimmen für die ultrarechte Partei „Konföderation“ (7 %) zusammen kommt das rechte Lager auf über 50%. Diesem Lager gaben zwei Drittel der jungen Menschen ihre Stimme. Auch bei Frauen ziehen die konservativen Positionen. Das hat vor allem damit zu tun, dass die PiS sich als „Kümmerer“ versteht und viele Vorhaben auf den Weg gebracht hat, die die kleinen Leute deutlich entlasten. So hat die PiS das Renteneintrittsalter wieder gesenkt und eine 13. Monatsrente eingeführt. Das alles war möglich, weil die Wirtschaft schnell wuchs und die Regierung Steuerschlupflöcher stopfte. Eine sehr ausführliche Analyse dazu hier zu lesen und zu hören.

Stuttgart liest ein Buch
Eine Theologin diskutiert mit ihren zwei Kollegen den Roman von Arno Geiger

Theologen in lebhafter Diskussion über „Unter der Drachenwand“: Monika Renninger, Matthias Vosseler, Eberhard Schwarz (v.r.n.l.)
Foto: © M. Seehoff

Gleich zu Anfang der gut besuchten Veranstaltung am 25.09.19 in der Kirche des Hospitalhofs wurden die beiden Begriffe „Mondsee“ und „Drachenwand“ in den Blick gerückt. Der weit entfernte Mondsee und die bedrohliche Drachenwand.

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Stuttgart liest ein Buch
Literaturbegeisterte Rohracker wandern durch den Roman von Arno Geiger

Ein Bauernehepaar vor dem Welschkorn (Mais), das zum Trocknen an ihrer Scheune hängt Foto: privat
Ein Bauernehepaar vor dem Welschkorn (Mais), das zum Trocknen an ihrer Scheune hängt
Foto: privat

Eine Drachenwand hat Rohracker nicht zu bieten, aber Literaturbegeisterte, die sich am 22. Sept. 2019 im Bürgerhaus Alte Schule des Ortes versammelten, um mental unter die Drachenwand zu wandern. Der Raum war bis zum letzten Platz besetzt, die letzten Gäste mussten auf Stühlen vor dem Raum Platz nehmen.

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Stuttgart liest ein Buch
Bedrückende Lesung im Tiefbunker Feuerbach

Noch ist es nur ein Spiel Foto: © M. Seehoff
Noch ist es nur ein Spiel
Foto: © M. Seehoff

Es ist ein klaustrophobisches Gefühl, das sich meiner bemächtigt, als ich die Stufen des Tiefbunkers hinunter steige. Es ist der 22. September 2019 und draußen scheint die Sonne. Hierher kommen sie nicht, der Bunker ist tief ins Erdreich gegraben, seine Wände sind 1,6m dick. Was mögen die Menschen vor 75 Jahren gefühlt haben, als die Deutschen im letzten Kriegsjahr vor den Bomben diese Räumlichkeiten aufsuchten? 2.000 – 2.500 Personen fanden während der Bombenangriffe der Alliierten in diesen Räumen Schutz, für mehrere Stunden mussten sie hier ausharren, bevor sie wieder ans Licht des Tages gehen konnten und ihnen die Auswirkungen der Bomben zu Gesicht kamen. mehr…

Stuttgart liest ein Buch
„Unter der Drachenwand“: Viva Brasil im Dorotheeenquartier

Die Gruppe Ipanema Beach Hotel: Jörn Bahr, Jürgen Braun und Jeschi Paul (v.l.n.r.) Foto: © M. Seehoff
Die Gruppe Ipanema Beach Hotel: Jörn Bahr, Jürgen Braun und Jeschi Paul (v.l.n.r.)
Foto: © M. Seehoff

Lilian Wilfart und Wolfgang Tischer hatten am 29.09.2019 Glück: die letzten Sonnenstrahlen erwärmten die in Liegestühlen sitzenden Zuhörer. So konnten sie einem völlig entspannten Publikum eine „Nebenfigur“ aus Arno Geigers Roman Unter der Drachenwand vorstellen: Den Brasilianer. Ihn hatte es, genau wie die Hauptfigur Veit Kolbe, an den Mondsee unter der Drachenwand verschlagen. Hier züchtet der Brasilianer Orchideen und Tomaten in seinem Gewächshaus. Veit ist zur Rekonvaleszenz von der Ostfront hierher gekommen, er hat ein Zimmer bei der Schwester des Brasilianers bekommen und es entspannt sich eine zarte Liebesbeziehung zu seiner Zimmernachbarin Margot, eine junge Frau, die es aus Darmstadt hierher verschlagen hat, Sicherheit vor dem Krieg suchend, für sich und ihr Baby. mehr…

Stuttgart liest ein Buch
Arno Geiger öffnet die Räume der Erinnerung

Arno Geiger, Moderatorin Barbara Staudinger, Historikerin Katrin Hammerstein und der Generalsekretär des Comité International de Mauthausen (v.l.n.r.) Foto: © M. Seehoff
Arno Geiger, Moderatorin Barbara Staudinger, Historikerin Katrin Hammerstein und der Generalsekretär des Comité International de Mauthausen (v.l.n.r.)
Foto: © M. Seehoff

Am 18.09.2019 kam Arno Geiger darüber ins Gespräch mit Andreas Baumgartner vom Comité International de Mauthausen, ein in Österreich gelegenen KZ und mit der Historikerin Katrin Hammerstein. Der Ort der Diskussion der Diskussion war vom Schriftstellerhaus gut gewählt: Das Hotel Silber, im Faschismus die Gestapozentrale der Reichsteile Württemberg und Hohenzollern. Jahrelang hatten verschiedene Gruppen der Zivilgesellschaft darum gekämpft, hier ein Erinnungs- und Dokumentationszentrum zu gründen. Im Dezember 2018 wurde es endlich feierlich der Öffentlichkeit übergeben. mehr…