Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Schutz der missliebigen Meinung

Eine jetzt veröffentlichte Kurzmeldung scheint dazu angetan, sich über die TAZ-Journalistin Hengameh Yaghoobifarah lustig zu machen. In vermeintlichem Widerspruch zu ihrer viel diskutierten Kolumne, hat sich die Journalistin über den Justiziar und die Chefredaktion der Tageszeitung nun an den Berliner Polizeipräsidenten mit der Bitte um Schutz gewendet. Laut Focus seien in der Redaktion der TAZ zahlreiche konkrete Bedrohungen fernmündlicher und schriftlicher Art eingegangen. Der Redaktion werden nun Beamte des Polizei-Abschnitts Checkpoint Charlie zwecks Schutz besondere Aufmerksam schenken. Gesellschaftlich ist dieser Umstand vollkommen normal, da entsprechende Maßnahmen in einer modernen Demokratie unabhängig von der Gesinnung der zu schützenden Person oder Personen erfolgen. Wie Frau Jaghoobifarah allerdings persönlich mit dem scheinbaren Widerspruch zwischen der von ihr geäußerten Meinung und der von ihr nicht zu verantwortenden Schutzbedürfigkeit umgeht, ist nicht bekannt und bedarf keines hämischen Kommentars.(b)

Künstliche Intelligenz
„I was wrongfully arrested because of facial recognition“

Federal studies have shown that facial-recognition systems misidentify Asian and black people up to 100 times more often than white people. Why is law enforcement even allowed to use such technology when it obviously doesn’t work? I get angry when I hear companies, politicians and police talk about how this technology isn’t dangerous or flawed. What’s worse is that, before this happened to me, I actually believed them. I thought, what’s so terrible if they’re not invading our privacy and all they’re doing is using this technology to narrow in on a group of suspects?

The Washington Post (leichtes Englisch)

»Der letzte Trost dahin«

Über Jahrzehnte wusste man nichts über die »Sonderkommandos« von Auschwitz, die jüdischen Häftlinge, die von den Nazis gezwungen wurden, an der Vernichtung mitzuwirken. Inzwischen wurden in zwei Bänden deren Aufzeichnungen vorgelegt. In Briefe aus der Hölle dokumentiert Pavel Polian sechs Überlebenszeugnisse von Sonderkommando-Mitgliedern. »So beseitigen sie alle Spuren.

Der Versuchung zum Suizid widersteht Salmen Lewenthal: »Wie gut wäre es gewesen, eines süßen Todes zu sterben, mit einem Schluchzen auf den Lippen.« Er appelliert an die »zukünftigen Historiker«, im Boden von Auschwitz zu suchen: »Suchet weiter! Ihr werdet noch finden.« Dann bricht Langfuß’ Text ab. Salmen Lewenthal, 1918 geboren, ist zwei Jahre lang Chronist und Ankläger der Vernichtung. Seine tagebuchartigen Texte werden 1961 am Krematorium III entdeckt – 342 kaum noch lesbare Blätter.

Jüdische Allgemeine

Film
Blue Eyed

Blue Eyed TRAILER DEUTSCH

Jane Elliot, die Protagonistin dieses Dokumentarfilms, wurde 1933 geboren. Sie ist Lehrerin. Die Lektüre eines Buches über den KZ-Arzt Mengele verändert ihr Leben und das derjenigen Personen, die an den Workshops teilnehmen, die sie mit dem Titel Blue Eyed von nun an mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durchführt. Es geht dabei darum, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen spüren zu lassen, was es bedeutet Schwarz, Frau, Schwul oder Behindert zu sein. Ja, sagt ein Teilnehmer, er habe verstanden, was es bedeutet zu einer dieser Gruppe zu gehören und es würde ihn beschämen, dass er dazu beitrage, dass die Welt so ungerecht ist. Aber als Einzelner könne er ja nichts machen. Darauf Jane Elliot: Sehen Sie mich an! Wieviele Personen sehen Sie?

 

 

Auf die Ohren
Kann man den Mann erst einmal anhören und dann urteilen?

Sony Walkman
Foto: © M. Seehoff

Eine interessante Diskussion über den wissenschaftlichen Diskurs konnte man Anfang des Monats im SWR2 Forum hören. Es ging um Antisemitismusvorwürfe, offene Briefe, Rücktrittsforderungen und dass die Debatte um den Philosophen Achille Mbembe nicht abreißt.
Unter der Leitung von Marie-Christine Werner diskutieren:
Prof. Dr. Dr. h.c. Aleida Assmann, Kulturwissenschaftlerin, Universität Konstanz, Prof. Dr. Claus Leggewie, Politikwissenschaftler, Universität Gießen und Prof. Dr. Michael Wolffsohn, Historiker und Publizist, München

Hintergrund: mehr…

Die Geschäfte mit der Gedächtniskultur

Durch kalte Länder
Der Jüdische Friedhof, Gedenkstätte Theresienstadt. (picture-alliance / dpa / Petr Svarc)

Es ist eine groteske Geschichte, die in dem zweiteiligen Hörspiel „Durch kalte Länder“ erzählt wird. Und sie regt an, auf ganz andere Art und Weise über unseren Auschwitz-Appell nachzudenken. Das Hörspiel beginnt in einer fiktiven, postsozialistischen Wirklichkeit in Theresienstadt. mehr…

Herzlichen Glückwunsch Clint Eastwood
Eine Filmlegende wird heute 90

Grand Torino von Client Eastwood

Der Sohn eines Stahlarbeiters aus San Francisco steht seit über 60 Jahren vor der Kamera. Politisch stand und steht Eastwood den Republikanern nahe, aus seiner Unterstützung für die republikanischen Präsidenten macht er keinen Hehl. Ein Phänomen, das es so wohl nur in Amerika gibt: ein strammer Rechter, dessen Herz für Minderheiten schlägt. Auf „politische Korrektheit“ legte der Ex-Bürgermeister des kalifornischen Ortes Carmel nie Wert, der sich auch für liberale Anliegen wie die Homo-Ehe einsetzte. In seinem Film „Grand Torino“ lässt er seine Filmfigur, einen alten Koreaveteranen, eine Wandlung durchleben: Von krasser Ablehnung gegenüber seinen „neuen“ Nachbarn, asiatische Immigranten, hin zu einem respektvollen, liebevollen Umgang mit ihnen. mehr…