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StolperKunst
Künstler setze neue Akzente der Erinnerungskultur

Mehr als 900 Stolpersteine erinnern in Stuttgart an Opfer des NS-Unrechts. Diese Erinnerung will StolperKunst mit frischen Impulsen beleben, indem sie „Geschichten hinter den Stolpersteinen“ mit Mitteln der Kunst erzählt: in Bildern, Szenen oder Konzerten. Ihr Publikum findet StolperKunst, wo Menschen zusammenkommen: in Jugendhäusern, Altenheimen, Schulen und Gemeindezentren, auf Straßen und Plätzen. Ihr Ziel ist es, Fragen aufzuwerfen, Gespräche anzuregen, eigenständiges Denken zu fördern. Hier können Sie das Projekt unterstützen:

Stuttgarter Stolpersteininitiativen schreiben Landgericht

Frau
Präsidentin des Landgerichts
Cornelia Horz

Sehr geehrte Frau Präsidentin Horz,

wir wenden uns an Sie als Mitglieder der Stuttgarter Stolperstein Initiativen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Erinnerung an die vom NS-Regime Ermordeten wach zu halten. Auch für Opfer der NS-Strafjustiz haben wir Stolpersteine verlegt, so etwa für Adolf Gerst, dessen Gerichtsverfahren in unserem 2006 erschienen Buch „Stuttgarter Stolpersteine – Spuren vergessener Nachbarn“ ausführlich dokumentiert wurde. Viele von uns haben am 19. Juni 2013 an der Gedenkveranstaltung für den im Hof des Landgerichtes hingerichteten Viktor Kunz teilgenommen, den Urgroßvater der Filmemacherin Carmen Eckhardt.

Sehr befremdet waren wir über die Haltung des Landgerichts zu dieser Veranstaltung. Denn das Landgericht Stuttgart hat gegenüber der Landeshauptstadt Stuttgart – Versammlungsbehörde – die Zustimmung zu einer Veranstaltung der AnStifter am 19.Juni 2013 zwischen 17.30 und 18.30 Uhr auf dem Platz an der Verfassungssäule (Vorplatz des Landgerichts) verweigert.
Zur Begründung wurden Bedenken hinsichtlich der Wirkung der Veranstaltung auf Prozessbeteiligte und hinsichtlich der Sicherheit des Gerichts geltend gemacht.
Die Versammlungsbehörde sah sich daraufhin veranlasst, die Versammlung auf dem genannten Platz nicht zuzulassen.
Wir können die Haltung des Landgerichts und die dafür angegebenen Gründe nicht nachvollziehen.
Die Veranstaltung diente dem Gedenken an die mindestens 423 Opfer der Hinrichtungsstätte der Justiz in der NS-Zeit,. die sich in einem Lichthof des 1944 zerstörten früheren Justizgebäudes befand.
Stellvertretend für diese Opfer sollte das Schicksal eines Hingerichteten von einer Familienangehörigen dargestellt werden.

Seit 1994 befindet sich an der niedrigen Mauer zur Urbanstrasse folgende Inschrift:

Den Opfern der Justiz im Nationalsozialismus zum Gedenken
Hunderte wurden hier im Innenhof hingerichtet
Den Lebenden zur Mahnung

Die Veranstalter hatten nichts anderes im Sinn, als dieser Mahnung zum Gedenken Folge zu leisten, allerdings an einem sowohl authentischen wie symbolträchtigen Ort: auf dem Justizgelände und unter der Verfassungssäule.
Derartige Veranstaltungen zur Auseinandersetzung mit der schrecklichen Altlast der deutschen Justiz sollten daher von der Justizverwaltung nicht nur nicht behindert, sondern gefördert werden.
Die geltend gemachten Bedenken dürfen nicht zu einer Art Bannmeile für Gerichtsgebäude führen. Bei gutem Willen auf beiden Seiten lassen sie sich ausräumen oder doch auf ein aus Ihrer Sicht unschädliches Maß minimieren.
Im Hinblick auf allfällige künftige Gedenkveranstaltungen an diesem Ort bitten wir um Ihre Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen

Die Stuttgarter Stolpersteininitiativen

Am 22. und 23. November 2011
Gunter Demnig verlegt weitere Stolpersteine in Stuttgart

„Hier wohnte“ steht auf den meisten der mehr als 600 Stolpersteine in Stuttgart, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern, dort wo diese ihren letzten selbst gewählten langjährigen Lebensmittelpunkt hatten. Dann folgen Name und Geburtsjahr, denn: „Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ Und schließlich werden in aller Kürze Daten zu der Verfolgung angegeben, die dieser Mensch ertragen musste. Stolpersteine erinnern an Menschen und klagen die Verbrechen des NS-Regimes an. Selbst wenn deshalb „Flucht in den Tod“ für Selbstmord auf einem Stolperstein steht, heißt dies nicht, dass Bewohner oder Eigentümer des Hauses dafür verantwortlich sind, denn in der Regel geschah dies angesichts der bevorstehenden Deportation. Wer auf öffentlichen Gehwegen in Stuttgart einen Stolperstein sieht und mehr darüber erfahren will, findet hier Biografien zu den meisten Opfern. mehr…

Zum ersten Mal in Stuttgart
Stolpersteine für homosexuelle Opfer in der NS-Zeit !

Diese Orte des Gedenkens, über die man stolpern und innehalten kann, gehen auf ein Konzept des Kölner Künstlers Gunter Demnig zurück. Die 10x10x10 cm großen, mit Messingschildern versehenen Steine werden in die Gehwege vor der letzten Wohnung eines von den NS-Schergen Verfolgten eingelassen. Sie tragen Namen, Lebensdaten und Schicksal der Opfer. Ihnen soll ihr Name, ihre Individualität zurückgegeben werden. Es soll deutlich werden, dass es sich um Menschen aus der Mitte von Gemeinden, aus der Nachbarschaft handelt, die auf Grund ihrer erlittenen Diskriminierung, Unterdrückung und Vernichtung die Kollektivgeschichte, in diesem Fall der Homosexuellen geprägt haben. Für uns als Nachgeborene hat Th. W. Adorno das Ziel von Erinnerungskultur derart formuliert: „Die Ermordeten sollen nicht noch um das einzige betrogen werden, was unsere Ohnmacht ihnen schenken kann, das Gedächtnis“. mehr…

Stolpersteine
Sigmund Wolf, Otto Hirsch, Martha Hirsch, Franz Karpe, Frieda Karpe

Am 5. und 6. Oktober verlegt der Künstler Gunter Demnig in Stuttgart wieder Stolpersteine.

Unser Initiativkreis betreut dieses Mal 3 Verlegungen im Stuttgarter Norden am Dienstag, dem 6. Oktober:

10:40 Schottstr. 103 1 Stein für Sigmund Wolf
11:00 Gähkopf 33 2 Steine für Otto und Martha Hirsch
11:20 Seestr. 64 2 Steine für Franz und Frieda Karpe

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