Peter Grohmanns Wettern der Woche
Hosen runter!

Bei uns ist’s ja gottlob nicht wie in Nordkorea, wo immer nur ein Kim gewinnen kann. Bei uns können meistens zwei gewinnen, genauer gesagt: Entweder – oder. Also Donald oder Hillery, Andrea oder Annegret. Derart demokratische Alternativen sind zur Zeit kaum durchsetzbar und kein Trost für die Nordkoreaner. Hinzu kommt: Zwischen den Wahlen gibt hier ja noch die Zivilgesellschaft, die praktisch alles darf, was nicht wehtut. Davon erzählt eine wahre Geschichte des nach Mexiko emigrierten Autors B. Traven (u.a. Die Rebellion der Gehenkten). Bei der Inthronisation ihrer Häuptlinge verlangten deren Wähler, dass der künftige Herrscher, bevor’s zum Herrschen kam, die Hosen runterlassen und mit nacktem Hintern auf einem Schemel Platz nehmen musste. Unter dem entfachte das versammelte und vergnügte Urwald-Fußvolk sodann ein Feuerchen. Der Schemel hatte allerdings in der Mitte ein Loch. Je länger es der Häuptling auf dem Schemel aushielt, umso länger konnte er dann regieren. Das Ritual war sehr erinnerungsstark – es nannte sich „Feuer unterm Arsch“. Der Herrscher wusste: Es konnte jederzeit neu entfacht werden.

Ein Fake? Ein Fake ist eine Attrappe, z.B. die Erklärung zu einem demokratischen Euroa, zur Pressefreiheit oder gar den Menschenrechten, wie sie in der Türkiye Büyük Millet Meclis in Ankara ausliegt – eine Fälschung, eine Täuschung vielleicht. Wäre es etwa ein Fake, wenn mir eine vertrauenswürdige Person überzeugend anvertrauen würde, dass die deutschen Geheimdienste 2018 den türkischen Geheimdiensten Namenslisten von politischen Gefährdern übergeben hätten? Also von Landsleuten, Biodeutschen gar? Das wären die Klarnamen und Fakten von Menschen, die bei uns immer wieder mal unangenehm auffallen, sei es beim Hamburger G-20-Gipfel, einer Hausbesetzung in der Forststraße, in Stockach oder im Hambacher Forst. Halt! Nichts ohne Gegenleistung! Her mit den Namen türkisch-stämmiger Menschen, die in Untertürkheim Urlaub machen wollen, den News über Leute mit zwei oder mehr Pässen, die am Bosporus ihre Feuerchen für Demokratie entfachen und dann unsere Republik (mit zwei Pässen) heimsuchen und am liebsten SPD wählen würden. Glaubwürdig? Meine Omi Glimbzsch in Zittau würde sagen: Nu. Entscheiden Sie! Und holen Sie sich schon mal den Schemel mit dem Loch.

Über Peter Grohmann

Peter Grohmann, Jahrgang 1937, Breslauer Lerge, über Dresden auf d' Alb, dann runter nach Stuttgart: Schriftsetzer und Kabarettist, Autor und AnStifter gegen Obrigkeitsstaat und Dummdünkel. Mitgründer: Vom Club Voltaire übers undogmatische Sozialistische Zentrum, vom Theaterhaus zu den AnStiftern. Motto: Unruhe ist die erste Bürgerinnenpflicht. Was ärgert Grohmann? Alle, die den Arsch nicht hochkriegen, aber dauernd meckern. Und an was erfreut er sich? An Lebensfreude und Toleranz