Archiv der Kategorie: Philosophisches Café

Aktuelle Termine des Philosophischen Cafés finden Sie in unserem Terminkalender.

Philosophisches Café im Hegelhaus – Prof. Dr. Michael Schefczyk
J.S. Mills Theorie der modernen Welt

Mit John Stuart Mill verbindet man in Deutschland vor allem den Essay „Über die Freiheit“, eine äußert einflussreiche Entfaltung und Verteidigung des klassischen Liberalismus. Wenig bekannt ist hierzulande dagegen, dass Mills Freiheitsschrift in einen weiter ausgreifenden Theoriezusammenhang gehört, der auf die Begründung der „Prinzipien der modernen Welt“ ausgelegt ist, zu denen auch Gleichheit und demokratische Selbstbestimmung gehören.

Der Vortrag wird zeigen, dass sich Mills Theorie der Moderne in puncto Gedankenreichtum und Tiefe durchaus mit derjenigen Hegels messen kann.

Michael Schefczyk ist Professor für Praktische Philosophie an der Leuphana Universität Lüneburg. –Zuletzt erschien von ihm das Buch „John Stuart Mill zur Einführung“, Hamburg 2009 (Junius); im Herbst 2011 erscheint „Verantwortung für historisches Unrecht“, Berlin (De Gruyter).

Kostenbeitrag: je 8 Euro incl. Kaffee/Brezeln oder Hefezopf

Philosophisches Café im Hegelhaus – Prof. Joachim Sommer
Naturwissenschaft – Esoterik – Religion

„Glauben heißt nicht wissen.“ – Es scheint, dass wir im 21. Jahrhundert zwischen der biblischen Schöpfungsgeschichte und der Urknalltheorie keine Wahl mehr haben. Doch so einfach ist die Sache nicht. Schon Galilei hatte bei seinem Inquisitionsprozess (1633) schmerzlich erkennen müssen, dass man die Wahrheit nicht einfach mit dem Fernrohr „sehen“ kann. Naturwissenschaftliche Theorien leisten zwar eine quantitativ befriedigende Übereinstimmung mit den beobachtbaren Fakten, aber ein letzter Beweis für die absolute Wahrheit der Erkenntnisse ist nicht möglich.

Noch problematischer zeigt sich die Lage bei den sogenannten Pseudowissenschaften (Esoterik): Astrologie, Kreationismus, Homöopathie, Erdstrahlen und Wünschelrute, Telepathie und Telekinese, Ufologie, Hohlweltlehre, Zahlenmystik usw. Wir werden an einzelnen Beispielen die Erfahrung machen, dass man „offensichtlichen Unsinn“ gar nicht so leicht widerlegen kann! – Bleibt bei der Gratwanderung zwischen Wissen und Glauben nur das Vertrauen auf den „gesunden Menschenverstand“?

Joachim Sommer ist Honorarprofessor für Wissenschaftstheorie an der Fachhochschule in Schwäbisch Hall. Er unterrichtet zudem Geschichte der Naturwissenschaften an verschiedenen Institutionen der Erwachsenenbildung.

Kostenbeitrag: je 8 Euro incl. Kaffee/Brezeln oder Hefezopf

Philosophisches Café im Hegelhaus – Adrian Zielcke
Stirbt die freie Presse?

Dem Hegelhaus gegenüber steht der Tagblatt-Turm. Der Architekt Osswald sagte bei der Einweihung des Turms (1929): „Der Tagblatt-Turm soll als sichtbares Zeichen der wachsenden Macht und Bedeutung der Presse dienen.“ Heute, 80 Jahre später,  kämpfen viele Lokalzeitungen und überregionale Blätter schlicht ums Überleben. Die Anzeigen sind ins Internet gewandert, sie hatten einst zwei Drittel der Einnahmen ausgemacht, die jungen Leser sind statistisch kaum mehr messbar. Die Auflagen schrumpfen jährlich zwischen einem und drei Prozent. Die Verleger denken daran, Gehälter zu kürzen, die Redaktionen müssen eisern sparen, die Zahl der hauptamtlich beschäftigten Journalisten ist dramatisch gesunken. Die freie Presse gilt zu Recht als vierte Gewalt, aber wie lange kann sie ihre Kontrollaufgabe noch wahrnehmen – und welche Demagogen, Populisten erobern die Lufthoheit über den Stammtischen, wenn es das unverzichtbare Informationsorgan Zeitung nicht mehr geben sollte?

 

Adrian Zielcke war von 1970 bis 2010 Mitglied der Redaktion der Stuttgarter Zeitung, davon die letzten 20 Jahre als Ressortleiter Außenpolitik. – Die Leser der Stuttgarter Zeitung haben ihn vor einigen Jahren zu ihrem angesehensten Autoren gewählt. Heute schreibt er jede Woche eine Kolumne in Sonntag Aktuell.

 

Dem Hegelhaus gegenüber steht der Tagblatt-Turm. Der Architekt Osswald sagte bei der Einweihung des Turms (1929): „Der Tagblatt-Turm soll als sichtbares Zeichen der wachsenden Macht und Bedeutung der Presse dienen.“ Heute, 80 Jahre später,  kämpfen viele Lokalzeitungen und überregionale Blätter schlicht ums Überleben. Die Anzeigen sind ins Internet gewandert, sie hatten einst zwei Drittel der Einnahmen ausgemacht, die jungen Leser sind statistisch kaum mehr messbar. Die Auflagen schrumpfen jährlich zwischen einem und drei Prozent. Die Verleger denken daran, Gehälter zu kürzen, die Redaktionen müssen eisern sparen, die Zahl der hauptamtlich beschäftigten Journalisten ist dramatisch gesunken. Die freie Presse gilt zu Recht als vierte Gewalt, aber wie lange kann sie ihre Kontrollaufgabe noch wahrnehmen – und welche Demagogen, Populisten erobern die Lufthoheit über den Stammtischen, wenn es das unverzichtbare Informationsorgan Zeitung nicht mehr geben sollte?

 

Adrian Zielcke war von 1970 bis 2010 Mitglied der Redaktion der Stuttgarter Zeitung, davon die letzten 20 Jahre als Ressortleiter Außenpolitik. – Die Leser der Stuttgarter Zeitung haben ihn vor einigen Jahren zu ihrem angesehensten Autoren gewählt. Heute schreibt er jede Woche eine Kolumne in Sonntag Aktuell.

 

Kostenbeitrag: je 8 Euro incl. Kaffee/Brezeln oder Hefezopf

Philosophisches Café im Hegelhaus – Adrian Zielcke
10 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 – Versuch einer Bilanz

Vor zwanzig Jahren schrieb Francis Fukuyama über „das Ende der Geschichte“. Amerika schien nach dem Fall der Mauer, dem Zerfall der Sowjetunion auf dem Höhepunkt seiner Macht zu sein: Wir, die Guten, hatten auf der ganzen Linie gesiegt.
Der 11. September schien wiederum ein Jahrhundertereignis zu sein, welches das Saeculum prägen würde. Aber die Weltfinanz-, die Weltwirtschaftskrise hatten ihren Ursprung in dem ungezügelten Kapitalismus der USA, das Land fällt technologisch weit zurück, es kommt nicht aus der Krise hoch. Der eindeutige Gewinner heißt heute China, das auf zwei Billionen Dollars an Devisenreserven sitzt, sich in der ganzen Welt Bodenschätze und Wissen einkauft (Afrika, Volvo!). Die USA dagegen sind genauso überschuldet wie Griechenland: 14 Billionen Schulden. Die notwendigen öffentlichen Investitionen unterbleiben, die Universitäten können nicht mehr wie bisher Wissenschaftler und Know-how aus der ganzen Welt zusammenkaufen. Amerika ist im Niedergang, ein selbstverschuldeter Abstieg. Europa hangelt sich durch.

Adrian Zielcke (siehe auch 17. September) war von 1970 bis 2010 Mitglied der Redaktion der Stuttgarter Zeitung. Heute schreibt er jede Woche eine Kolumne in Sonntag Aktuell.

Kostenbeitrag: je 8 Euro incl. Kaffee/Brezeln oder Hefezopf

Hegelhaus
Stadtspaziergang – Auf den Spuren von Hegel, Hölderlin und Schelling

Donnerstag, 9. Juni, 16.30h, Hegelhaus, Eberhardstr. 53

Stadtspaziergang – Auf den Spuren von Hegel, Hölderlin und Schelling

Es ist bekannt, dass Hegel, der berühmteste Sohn Stuttgarts, bis zu seinem Studium am Tübinger Stift in seiner Geburtsstadt lebte. Weniger bekannt ist, dass auch seine Jugend- und Studienfreunde Schelling und Hölderlin häufig in Stuttgart waren. So wohnte Schelling eine Zeitlang direkt hinter dem Hegelhaus, wo Hölderlin ihn besuchte, der dann später längere Zeit in der heutigen Königstraße wohnte und hier seine dichterisch fruchtbarste Periode erlebte.
Wir beginnen am Hegelhaus diesen Stadtspaziergang und kommen dabei auch den Orten vorbei, wo einstmals Schiller und Goethe wohnten, am Sterbehaus Schubarts und am Geburtshaus von Gustav Schwab.
Zum Abschluss gibt es im Gewölbekeller des Hegelhauses für jeden Teilnehmer ein Glas Hegel-Wein.

Frank Ackermann, der diesen historischen Rundgang leitet und konzipiert hat, studierte Philosophie und Germanistik, organisiert das „Philosophische Café der AnStifter im Hegelhaus“ und initiierte die Reihe „Hölderlin zu Besuch bei Hegel“.

Dauer des Rundgangs: etwa 1,5 Stunden, Teilnahmegebühr: 10 Euro

Für diese Veranstaltung ist eine verbindliche Anmeldung erforderlich im Hegelhaus: Tel. 0711-216 6733.

Akademie für gesprochenes Wort
Glückliches Stuttgart, nimm freundlich den Fremdling mir auf! – Ein Hölderlin-Abend

Freitag, 27. Mai 2011 19h; Akademie für gesprochenes Wort, Richard-Wagner-Str. 16

Glückliches Stuttgart, nimm freundlich den Fremdling mir auf!
Ein Hölderlin-Abend

Peter Härtling war begeistert von der Art und Weise, in der Marie Koellner, Andreas Bühler und Stefan Charisius im Stuttgarter Theaterhaus Hölderlin-Gedichte vortrugen. Und insbesondere hatte es sich als wunderbar passend und stimmig erwiesen, die Hölderlin-Gedichte auf der Kora zu begleiten: Das ist ein Harfeninstrument, das in Afrika die Sagen- und Geschichtenerzähler spielen, ähnlich wie es die frühgriechischen Lyriker und Rhapsoden taten, die Hölderlin zum Vorbild sich wählte.
Härtlings Aufforderung, diese Art des Hölderlin-Vortrags auszubauen und fortzusetzen, findet an diesem Abend ihre Einlösung: Neben dem Hyperion und Briefen von Hölderlin und Susette Gontard bilden die Stuttgarter Gedichte den Schwerpunkt dieser Veranstaltung – angefangen von „Rückkehr in die Heimat“ und dem „Neckar“ bis hin zur Elegie „Stuttgart“, in welcher der berühmte Vers steht:
Glückliches Stuttgart, nimm freundlich den Fremdling mir auf!

Eintritt: 10 Euro. – Eine Kooperationsveranstaltung der AnStifter und der Akademie für gesprochenes Wort.

Hegelhaus – Frank Ackermann
Hegel, Hölderlin und das „Reich Gottes“

Samstag, 14. Mai 10.30h; Hegelhaus, Eberhardstr. 53

Frank Ackermann: Hegel, Hölderlin und das „Reich Gottes“

Reich Gottes! – das war die Losung, mit der Hölderlin und Hegel voneinander schieden, nachdem sie ihr theologisches Studium im Tübinger Stift beendet hatten: „An dieser Losung werden wir uns“, schreibt Hölderlin an Hegel (10. Juli 1794) nach jeder Metamorphose wiedererkennen.“
Was verstanden nun die beiden unter dem „Reich Gottes“? – Ich versuche zu zeigen, dass sie es im Sinne Kants auffassten: „Kant ist der Moses unserer Nation“, heißt es bei Hölderlin. Hegel an Schelling: „Vom Kantischen System und dessen höchster Vollendung erwarte ich eine Revolution in Deutschland.“ Und ganz im Geiste Kants hat dann der junge Hegel die Evangelien zu seinem radikalen „Leben Jesu“ umgeschrieben, in dem sich sehr bestimmte Gedanken zum „Reich Gottes“ finden.

Frank Ackermann leitet das „Philosophische Café im Hegelhaus“ und die Veranstaltungsreihe „Hölderlin zu Besuch bei Hegel“. – Letzte Buchveröffentlichungen: „Schiller als Schüler“ (2009), „Schwabenstreiche (2010), „Hegel: 100 Gedanken und Aussprüche“ (2011).

Eintritt: 8 Euro. – Kostenbeitrag: je 8 Euro incl. Kaffee/Brezeln oder Hefezopf

Eine Veranstaltung der AnStifter in Kooperation mit dem Planungsstab Stadtmuseum

Hegelhaus – Edgar Harwardt
Besuche und Versuche mit Hölderlin, wo und wie man sie nicht vermutet

Dienstag, 3. Mai 19.30h; Hegelhaus, Eberhardstr. 53

Edgar Harwardt: Besuche und Versuche mit Hölderlin, wo und wie man sie
nicht vermutet

Zum Beispiel im Stadtplanungsamt der Stadt Stuttgart, oder auf dem
zugefrorenen Neckar-Ursprung im Schwenninger Moos, oder bei der
Stocherkahn-Anlegestelle in Tübingen und anderen Orten. Harwardt
berichtet über seine leise-radikalen Besuche und Versuche mit Hölderlin
in unserem Alltag und zeigt Fotos, Collagen sowie lyrische Montagen, von
denen er einige vortragen wird.

Edgar Harwardt ist Buchantiquar und Künstler. 2007 erhielt er den
Förderpreis der Stiftung Kulturpreis Baden-Württemberg in der Sparte
Literatur. – Letzte Veröffentlichung: „Gebet-Trümmer-Schimmer zum
Hoffnungsgebrauch“ – 8 lyrische Montagen; Verlag Ulrich Keicher (2010).

Eintritt: 8 Euro. – Im Veranstaltungspreis ist je Person ein Glas (0,1l) Hegel-Wein enthalten.

Eine Veranstaltung der AnStifter in Kooperation mit dem Planungsstab Stadtmuseum

Stadtspaziergang – Auf den Spuren von Hegel, Hölderlin und Schelling

Donnerstag, 28. April, 16.30h, Hegelhaus, Eberhardstr. 53

Stadtspaziergang – Auf den Spuren von Hegel, Hölderlin und Schelling

Es ist bekannt, dass Hegel, der berühmteste Sohn Stuttgarts, bis zu seinem Studium am Tübinger Stift in seiner Geburtsstadt lebte. Weniger bekannt ist, dass auch seine Jugend- und Studienfreunde Schelling und Hölderlin häufig in Stuttgart waren. So wohnte Schelling eine Zeitlang direkt hinter dem Hegelhaus, wo Hölderlin ihn besuchte, der dann später längere Zeit in der heutigen Königstraße wohnte und hier seine dichterisch fruchtbarste Periode erlebte.
Wir beginnen am Hegelhaus diesen Stadtspaziergang und kommen dabei auch den Orten vorbei, wo einstmals Schiller und Goethe wohnten, am Sterbehaus Schubarts und am Geburtshaus von Gustav Schwab.
Zum Abschluss gibt es im Gewölbekeller des Hegelhauses für jeden Teilnehmer ein Glas Hegel-Wein.

Frank Ackermann, der diesen historischen Rundgang leitet und konzipiert hat, studierte Philosophie und Germanistik, organisiert das „Philosophische Café der AnStifter im Hegelhaus“ und initiierte die Reihe „Hölderlin zu Besuch bei Hegel“.

Dauer des Rundgangs: etwa 1,5 Stunden, Teilnahmegebühr: 10 Euro

Für diese Veranstaltung ist eine verbindliche Anmeldung erforderlich im Hegelhaus: Tel. 0711-216 6733.

Hegelhaus – Buchvorstellung
„Hegel – 100 Gedanken und Aussprüche. Ausgewählt und eingeleitet von Frank Ackermann“

Dienstag, 19. April, 19.30h, Hegelhaus, Eberhardstr. 53

Buchvorstellung: „Hegel – 100 Gedanken und Aussprüche. Ausgewählt und eingeleitet von Frank Ackermann“

Hegel war der Überzeugung, dass das Wahre nur als Ganzes, nur im System dargestellt und begriffen werden könne. Konsequenterweise sprach er sich deshalb gegen ein Philosophieren aus, das sich in Aphorismen und geistreichen Gedankenblitzen bewegt. Aber andrerseits hat Hegel selber in seine Notizbücher Aphorismen eingetragen, wie er denn auch seine ganze Philosophie der Weltgeschichte in einen Satz gepackt hat. „Die Weltgeschichte ist der Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit.“
Ich habe in einer Art Blütenlese „100 Gedanken und Aussprüche“ Hegels zusammengestellt und eingeleitet. Die Auswahl zeigt, dass Hegel durchaus klar und scharf, kernig, glänzend und sogar witzig formulieren konnte. Manchen Ausspruch hätte man eher Schopenhauer oder Nietzsche als dem angeblich so hölzernen Hegel zugetraut…

Frank Ackermann studierte Philosophie und Germanistik, leitet das „Philosophische Café im Hegelhaus“ und initiierte die Reihe „Hölderlin zu Besuch bei Hegel“.

Eintritt: 8 Euro. – Im Veranstaltungspreis ist je Person ein Glas (0,1l) Hegel-Wein enthalten.

Eine Veranstaltung der AnStifter in Kooperation mit dem Planungsstab Stadtmuseum

Hegelhaus – Prof. Dr. Michael Franz
„damit die Verzweiflung der Vernunft nicht vorgreife…“ Hölderlins Freunde im politischen Konflikt Württembergs um 1800

Dienstag, 12. April, 19.00h, Hegelhaus, Eberhardstr. 53

Prof. Dr. Michael Franz: „damit die Verzweiflung der Vernunft nicht vorgreife…“ Hölderlins Freunde im politischen Konflikt Württembergs um 1800

Das despotische Regime des württembergischen Herzogs Friedrich II. traf um 1800 auf den Widerstand zweier unterschiedlicher Gruppen: einerseits der parlamentarischen Opposition, die im württembergischen Landtag auf eine Verfassungsreform im Sinne einer konstitutionellen Monarchie hinarbeitete, andererseits der ungeduldigen revolutionären Geheimbünde, die sich aus dem Kleinunternehmertum und jüngeren Offizieren rekrutierten und einen gewaltsamen Umsturz planten. Zu beiden Gruppen unterhielt Hölderlin persönliche Beziehungen, die ihn beinahe in den Stuttgarter „Hochverratsprozeß“ von 1805 verwickelt hätten.

Michael Franz ist außerplanmäßiger Professor am Philosophischen Seminar der Universität Tübingen; seine Veröffentlichungen beschäftigen sich mit der Entstehungsgeschichte des Deutschen Idealismus.

Eintritt: 8 Euro. – Im Veranstaltungspreis ist je Person ein Glas (0,1l) Hegel-Wein enthalten.

Eine Veranstaltung der AnStifter in Kooperation mit dem Planungsstab Stadtmuseum

Hegelhaus – Frank Ackermann
Hegel, Hölderlin, Schelling und das „Älteste Systemprogramm des Deutschen Idealismus“

Samstag, 9. April 10.30h; Hegelhaus, Eberhardstr. 53

Frank Ackermann: Hegel, Hölderlin, Schelling und das „Älteste Systemprogramm des Deutschen Idealismus“

Schelling wohnte eine Zeitlang (1795) direkt hinter dem Hegelhaus, wo Hölderlin ihn besuchte. Möglicherweise entstand bei diesem Besuch das sogenannte Älteste Systemprogramm des Deutschen Idealismus: Ein ungeheurer Text, in dem die Gedanken sich jagen und überschlagen, übermütig, halsbrecherisch, himmelstürmend, – ein Pamphlet, ein gleichsam an die Himmelspforte geschlagener Thesenzettel.
Indessen gibt es in der Forschung auch die Ansicht, dass nicht Schelling und Hölderlin, sondern Hegel und Hölderlin dieses Systemprogramm zusammen in Frankfurt geschrieben haben. Da es sich insgesamt als unmöglich erweist, die einzelnen Anteile zu sondern, darf man den Text wohl als eine Art Gemeinschaftsarbeit von Hegel, Hölderlin und Schelling bezeichnen.
Ich werde den (kurzen) Text austeilen und erläutern.

Frank Ackermann studierte Philosophie und Germanistik, leitet das „Philosophische Café im Hegelhaus“ und initiierte die Reihe „Hölderlin zu Besuch bei Hegel“.

Kostenbeitrag: je 8 Euro incl. Kaffee/Brezeln oder Hefezopf

Eine Veranstaltung der AnStifter in Kooperation mit dem Planungsstab Stadtmuseum

Hegelhaus – Prof. Dr. Ulrich Gaier
Höhere Aufklärung

Dienstag, 5. April 19.30h; Hegelhaus, Eberhardstr. 53

Die Dialektik der Frühaufklärung liegt im Besserwissen der aufgeklärten Machthaber, die im Bewusstsein ihrer Wahrheiten die weitere Suche nach Wahrheit und Aufklärung verhinderten – Friedrich II. erzwang bei der Berliner Akademie der Wissenschaften die Ausschreibung der Preisfrage, ob es nützlich sei, das Volk dumm zu halten. Protest gegen diese Bevormundung erhob vor allem Johann Georg Hamann: Johann Gottfried Herder stimmte bei, während Kant als bestallter Professor unter Friedrich II. zwar den „Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“ forderte, aber freie Meinungsäußerung nur im Gelehrtengespräch zuließ. Hölderlin forderte „höhere Aufklärung“ statt der „eisernen Begriffe“ und „arroganten Moral“ und begründete die „Welt für ein moralisches Wesen“ genauer als Hegels Ältestes Systemprogramm des Deutschen Idealismus.

Ulrich Gaier (geb. 1935 in Stuttgart) war bis zu seiner Emeritierung von 1968-2000 o. Prof. für Deutsche Literatur und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz. – Zahlreiche Gastprofessuren (u.a. in Houston/Texas, Gainesville/Florida, Pisa, Zürich). – Buchveröffentlichungen u.a. über Sebastian Brant, Herder, Goethe, Hölderlin, Novalis, Droste-Hülshoff. – Von 2006-2010 Präsident der Hölderlin Gesellschaft.

Eintritt: 8 Euro. – Im Veranstaltungspreis ist je Person ein Glas (0,1l) Hegel-Wein enthalten.

Eine Veranstaltung der AnStifter in Kooperation mit dem Planungsstab Stadtmuseum

Hölderlin zu Besuch bei Hegel
Peter Härtling über Hölderlin

Mittwoch 23.3. 2011 19.30h, Theaterhaus T3, Siemensstr. 11

„Ich schreibe keine Biographie. Ich schreibe vielleicht eine Annäherung“ – Dies sind die ersten Sätze von Peter Härtlings Hölderlin-Buch, durch das viele (ungezählt viele!) dankbar einen Zugang zu dem großen Dichter gewannen. Und in der Tat machte Härtlings Buch, im Jahr 1976 erschienen, Epoche; es schrieb Literaturgeschichte – und ist doch noch immer jung und jugendfrisch. mehr…

Philosophisches Café
Prof. Petra von Morstein: Drei Erkenntnisarten und intellektuelle Liebe – Nachdenken mit Spinoza

Sa. 12. März 2011, 10.30 – 12h, Hegelhaus

Spinoza hatte einen ungeheuren Einfluss auf das Denken von Lessing und Goethe, Hölderlin und Hegel, um nur diese zu nennen. In seinem Hauptwerk „Die Ethik in geometrischer Ordnung dargestellt“ folgt er rigoros den Mustern Euklidischen Denkens. In diesem Rahmen entwickelt er Einsichten zu den Möglichkeiten menschlicher Erkenntnis, die uns unmittelbar angehen: Wie hängen sinnliche Wahrnehmung, wissenschaftliches Verstehen und Einsicht zusammen? Die adäquate Erkenntnis eines Dinges wie einer Person überschreitet die Grenzen von Identität und Begriffen und setzt diese zugleich voraus. Es ist Erkenntnis des Einzelnen im Zusammenhang der gesamten Wirklichkeit, die Spinoza mit Gott gleich setzt. Es ist Erkenntnis durch intellektuelle Liebe zur Gesamtwirklichkeit. Was bedeutet das für unser moralisches und politisches Bewusstsein? Wie kann Spinozas Denken in unserer Lebenswelt wirksam werden?

Petra von Morstein hat viele Jahre an der Universität von Calgary (Kanada) Philosophie gelehrt. 1987 gründete sie in Calgary die Apeiron Society for the Practice of Philosophy. Sie lebt jetzt in Berlin und lehrt dort an der Freien Universität Philosophie und Lebenspraxis.

Kostenbeitrag: je 8 Euro incl. Kaffee/Brezeln oder Hefezopf

Philosophisches Café
Abendveranstaltung im Hegelhaus – Prof. Dr. Robert Spaemann: Menschliche Würde und menschliche Natur

Di. 1. März 2011, 19.30 – 21h, Hegelhaus

Es ist eine herrschende Vorstellung, dass die Reklamation menschlicher Würde ausschließlich begründet sei in dem Charakter des Menschen als eines Freiheitssubjekts, und dass die Würde auch nur verletzt werden kann durch Handlungen, die gegen den Willen des Betroffenen ausgeführt werden. Die Natur des Menschen steht dabei zur unbegrenzten Disposition des Freiheitssubjekts. Dieser Auffassung wird widersprochen. Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen der Natur des Menschen und seiner Würde.

Dr. Dr. h.c. mult Robert Spaemann, Prof. emerit. für Philosophie an der Ludwig-Maximilian-Universität München, zuvor an der Technischen Hochschule Stuttgart und an der Universität Heidelberg. Geboren 1927.

Für diese Veranstaltung ist eine verbindliche Anmeldung erforderlich im Hegelhaus: Tel. 0711-216 6733.

Philosophisches Café
Dr. Angelika Kreß und Frank Ackermann: „Was vernünftig ist, das ist wirklich.“ – Über einige Aphorismen und Aussprüche Hegels

Sa. 26. Februar 2011, 10.30 – 12h, Hegelhaus

Hegel war der Überzeugung, dass das Wahre nur als Ganzes, nur im System dargestellt und begriffen werden könne. Konsequenterweise sprach er sich deshalb gegen ein Philosophieren aus, das sich in Aphorismen und geistreichen Gedankenblitzen bewegt. Aber in seine Notizbücher trug Hegel selber Aphorismen ein, die klar und scharf, glänzend und bisweilen sogar witzig sind. Auch gelang es ihm, seine ganze Philosophie der Weltgeschichte in einem einzigen Satz auszudrücken: „Die Weltgeschichte ist der Fortschritt im Bewußtsein der Freiheit.“
Wir werden einige dieser Aphorismen vorstellen und kommentieren, interpretieren und diskutieren.

Angelika Kreß wurde mit einer Arbeit über Hegels Begriff der Subjektivität promoviert. Nach beruflichen Stationen am baden-württembergischen Wissenschaftsministerium und an der Akademie für Technikfolgenabschätzung lehrt sie heute Philosophie an der Universität Tübingen. – Frank Ackermann leitet das „Philosophische Café im Hegelhaus“.

Kostenbeitrag: je 8 Euro incl. Kaffee/Brezeln oder Hefezopf

Philosophisches Café
Dr. Annette Ohme-Reinicke und Prof. Dr. Michael Weingarten: Fortschritt als Katastrophe – zum Streit um technische Großprojekte

Sa. 19. Februar 2011, 10.30 – 12h, Hegelhaus

„Aufstand der Schwaben“, „Massenproteste in Stuttgart“, „Stuttgart steht Kopf“ – die Erwartungen an die Protestbewegung gegen „Stuttgart 21“ sind hoch. Worin aber liegt das gesellschaftsverändernde Potential der Bewegung? Werden tatsächlich grundlegende Strukturen der modernen Wirtschaftsform tangiert oder handelt es sich vor allem um eine Bewegung, die den Status Quo sichern möchte? Diesen Fragen geht der Vortrag nach. Dazu wird die Geschichte der Protestbewegungen gegen technische Großprojekte seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert beleuchtet und deren konservative sowie sozialkritische Protestmotive rekonstruiert.
Es zeigen sich spannende Analogien, die ein neues Licht auf die aktuelle Protestbewegung werfen können.

Annette Ohme-Reinicke, promovierte Soziologin, forschte über den Technikbegriff sozialer Bewegungen und ist derzeit Lehrbeauftragte und Dozentin an der Universität Stuttgart. – Michael Weingarten (siehe auch Abendveranstaltung vom 11.1.) lehrt Philosophie an den Universitäten Stuttgart und Marburg.

Kostenbeitrag: je 8 Euro incl. Kaffee/Brezeln oder Hefezopf