Wettern der Woche
Die Waffen nieder

Die Waffen nieder,

schrie Bertha von Suttner vor 125 Jahren. Die Dame kam aus einem rein militaristischem Hause, sie musste es wissen. Aber wer hört schon auf die Frauen, außer, wenn sie zum Essen rufen, würde meine Omi Glimbzsch aus Zittau sagen, und die musste es auch wissen! 1905 erhielt die gute Bertha von Suttner als erste Frau von Welt den Friedensnobelpreis, aber es hat der Welt wohl nicht geholfen. 35 Staaten riefen ihre Männer früher oder später zu den Waffen – fette Jahre für den Tod und Alfred Krupp, den Kanonenkönig, der die Waffen an jeden lieferte, der gut bezahlte. Diese Lehre sitzt bis heute, und in ihrem Lichte ist ein Blick auf die Münchner Sicherheitskonferenz interessant. Gleich drei wichtige Männer – Joachim Gauck, Frank-Walter Steinmeier und Ursula von der Leyen – empfehlen sich als virtuelle Waffenbrüder und sprechen den deutschen Jungs Mut zu beim weltweiten Einsatz für die westlichen Werte. Man muss dabei, meinen sie entschuldigend, durchaus nicht immer gleich zur Knarre greifen. Doch der Terrorist, der Staatsfeind, der Diktator und schlimme Finger, gestern noch gehätschelt, getätschelt und gern beliefert, muss wissen: Die Hand ist nah am Abzug!

Nu ja ja, nu ne ne. Saudi-Arabien: Hand ab, nein danke, wie die Friedensbewegung gern sagen würde. Der Gottesstaat ist Hauptabnehmer unserer Rüstungsgüter. Dankbarer Kunde ist auch Katarrh: Haubitzen und Panzer könnten sicherstellten, dass die eisgekühlten Stadien auch wirklich rechtzeitig fertig werden. Waffen sichern den Frieden auch in den deutschen Fabriken – so lange es Arbeit gibt, mault niemand.

Auf die Idee, dem müden Frieden mit Nähmaschinen auf die Beine zu helfen, kommen Gauck, Steinmeier und von der Leyen noch nicht. Es könnten auch Fahrräder sein, Kochtöppe, Sonnenkollektoren, Brunnen, Brücken, Wellblechhäusle, ja sogar Schulhefte, Bleistifte, Ingenieurinnen oder Bücher, zweisprachig etwa Bertha von Suttners „Die Waffen nieder!“ Von mir aus auch was über die Menschenrechte, wer weiss, vielleicht versteh‘n die‘s ja?

Über Peter Grohmann

Peter Grohmann, Jahrgang 1937, Breslauer Lerge, über Dresden auf d' Alb, dann runter nach Stuttgart: Schriftsetzer und Kabarettist, Autor und AnStifter gegen Obrigkeitsstaat und Dummdünkel. Mitgründer: Vom Club Voltaire übers undogmatische Sozialistische Zentrum, vom Theaterhaus zu den AnStiftern. Motto: Unruhe ist die erste Bürgerinnenpflicht. Was ärgert Grohmann? Alle, die den Arsch nicht hochkriegen, aber dauernd meckern. Und an was erfreut er sich? An Lebensfreude und Toleranz

Ein Gedanke zu „Wettern der Woche: Die Waffen nieder

  1. Na, passt doch.
    Von Muttis christlichstem aller Abendländer zum Reich der Al-Sauds. Gleichsam von Gottesstaat zu Gottesstaat.
    In diesem Sinne: EIn kräftig‘ Grüß Gott.
    Meine2Cents

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