Sex in Höhlen, ungedopt

Jetzt isses raus: Unsere guten Verwandten, die Neandertaler, hatten schon vor mehr als 40.000 Jahren nicht nur Sex, mit dessen Hilfe sie ihr Dasein fristeten, sondern auch tiefgelegene Höhlen. Wenn es nichts zu diskutieren gab (Schutz der Elefanten ja – aber wie, Auswanderung, Klimawandel) und auch nichts zu jagen, gingen die Neandertaler gern mal in den Untergrund, erholten sich vom Stress des Tages und bemalten die Höhlenwände mit Graffitis. Ja, das ist jetzt erwiesen – und nein, es waren nicht bloße Kritzeleien, wie wir es von Ergodan-Anhängern im Essener Norden kennen oder von Harald Naegeli, dem Sprayer von Zürich! Es waren richtig schöne Zeichnungen, die uns heute noch Freude und Mut machen zum Weiterkämpfen für ein Leben nach der GroKo.

Was nun den Essener Norden angeht: Essen gibt’s bei der dortigen „Tafel“ nur für hungernde Deutsche. Weil der gewöhnliche Ausländer eh‘ etwas schleckig ist (Gemüse und Früchte nur ganz frisch), bekommt der deutsche Kunde (gegen Arier-Nachweis) die letzten faulen Bananen und weiß: Aber doch essen die Hündlein von den Brosamen, die von ihrer Herren Tisch fallen (Matthaeus 15:27). Was sagt uns das? Es wird viel zu wenig weggeworfen!

Nach der Olympiade und vor dem Mitgliedervotum der SPD können wir uns gemeinsam – Deutsche und Andersgläubige – am eigenen Medaillensegen ergötzen. Um ein Haar hätten wir sogar die Norweger auf koreanischem Boden geschlagen! Bedenkt: Norwegen hat eben mal etwas mehr als neun Millionen Einwohnerinnen – und dann das, und alles ungedopt. Frage: Kann das mit rechten Dingen zugegangen sein? Vielleicht liegt die Ursache für diese Siege in den langen Wege, die die Norwegerinnen zurücklegen müssen – sei es, dass sie ihr Kind in die Krippe bringen müssen, sei es, dass zum nächsten Aldi 30 Kilometer zurückzulegen sind – und der hat dann zu (was der Türke wüsste).

Trösten wir uns: Die Welt ist so schlecht nicht! Der Korruptionsausschuss des Europarats hat uns vor neun Jahren in Sachen Parteienfinanzierung 10 dringende Empfehlungen gegeben – und drei davon haben bereits umgesetzt. Es geht doch, auch ohne Höhlenmalerei und Ossis.

Über Peter Grohmann

Peter Grohmann, Jahrgang 1937, Breslauer Lerge, über Dresden auf d' Alb, dann runter nach Stuttgart: Schriftsetzer und Kabarettist, Autor und AnStifter gegen Obrigkeitsstaat und Dummdünkel. Mitgründer: Vom Club Voltaire übers undogmatische Sozialistische Zentrum, vom Theaterhaus zu den AnStiftern. Motto: Unruhe ist die erste Bürgerinnenpflicht. Was ärgert Grohmann? Alle, die den Arsch nicht hochkriegen, aber dauernd meckern. Und an was erfreut er sich? An Lebensfreude und Toleranz