Mein Freund Franziskus

„Es gibt eine große Zahl von ‚Nichtbürgern‘, von ‚Halbbürgern‘ oder ’städtischen Überbleibseln‘, die an unseren Wegrändern liegen, die an den Rändern unserer Städte leben, ohne die nötigen Bedingungen für ein Leben in Würde“, sagte mir mein Freund neulich. Und er sagte den fake news den Kampf an, direkt aus dem Vatikan. Wer glaubt. Aber Wunder gibt es immer wieder.

Dieser Tage machen die Menschenversuche am Diesel Furore. Neu ist nur der Diesel – Versuche direkt am Menschen sind ein alter Hut. Die Arzeimittelindustrie testet ihre Medikamente selten am Äffchen, und es ist nicht allzu lange her, da wurden auch an Städtischen Kliniken in Stuttgart solche Versuche unternommen – allerdings „nur“ an psychisch Kranken. Da gibt’s keinen Mitgliederentscheid durch die AOK, da muss man durch, da ist Ethik gefragt. Alles vermutlich weder Ausnahme noch Einzelfall – und wenn’s hierzulande aufliegt, sind die Verantwortlichen (wie bei Stuttgar21) längst im Himmel. Wer freilich so etwas auf die Tagesordnung setzen will, muss mit Geschrei und Unglauben rechnen. Im aktuellen Auto-Abgas-Fall taten daher die Akteure gut daran, heimlich zu ermitteln, um aufklären zu können. „Ein Fall für Cottan“ – mit dem kleinen Unterschied, dass die Bösewichter den Ermittler bezahlen. Man darf gespannt sein, ob hinten mehr rauskommt als vorne. Mir ist speiübel.

Das „haben wir nicht gewusst“ ist eine beliebte deutsche Redensart, fast so beliebt wie „das haben wir nicht gewollt“. Bei den „Mehrkosten“ des Desaster-Projekts 21 hat etwa Prof. Roland Ostertag bereits 2014 der Öffentlichkeit exakte Berechnungen der erwartbaren Kosten präsentiert, und alles hat sich unter der Bettdecke verkrochen – Stadt, Land, Bund.

Zugegeben, es waren unangenehme Fakten. Bei einer Fertigstellung bis 2022 betrügen (ach, was für ein schönes Wort!) die Kosten rund 12 Milliarden EU (und nicht 8 oder 9), bei einer Fertigstellung von S 21 bis 2025 rund 16 Milliarden. Wetten, dass?

Hintergrund all dessen ist natürlich, wie mein Freund Franziskus sagt, das hemmungslose Streben nach Geld, das die Welt regiert. Er hat öfter recht als wir glauben. Heben Sie diese Kontext auf, wenigstens bis 2022.

Über Peter Grohmann

Peter Grohmann, Jahrgang 1937, Breslauer Lerge, über Dresden auf d' Alb, dann runter nach Stuttgart: Schriftsetzer und Kabarettist, Autor und AnStifter gegen Obrigkeitsstaat und Dummdünkel. Mitgründer: Vom Club Voltaire übers undogmatische Sozialistische Zentrum, vom Theaterhaus zu den AnStiftern. Motto: Unruhe ist die erste Bürgerinnenpflicht. Was ärgert Grohmann? Alle, die den Arsch nicht hochkriegen, aber dauernd meckern. Und an was erfreut er sich? An Lebensfreude und Toleranz