Todeskommandos

Katar hat, anders als wir, keine Herzkammer der Demokratie, kein Parlament, keine CDU, keine Blutreserven aus Bundeswehrbeständen, aber natürlich jede Menge Waffen aus unseren Arbeitsplatz-Arsenalen. In Katar kann, anders als bei uns, die „Beratende Versammlung“ sagen, was sie will, wenn es dem Emir gefällt. Kurzum, unsere Beziehungen zu Katar sind wundervoll. Katar ist das todsichere sichere Herkunftsland für Terroristen und zudem unter anderem an vielen deutschen Pleitefirmen beteiligt – Hochtief etwa, Deutscher Bank, aber auch an Klimaschummlern wie Daimler und Porsche oder an Siemens. Klar ist auch: Air Berlin könnte nirgends mehr landen, gäbe es nicht Katar. Erleichternd für unsere Zusammenarbeit mit dem Land in der Wüste ist auch, dass es dort keine Parteien und Gewerkschaften gibt.

Zugegeben, Katar macht auch Sorgen, nicht nur, weil es die Al-Shabaab-Milizen in Somalia fördert, sondern weil es auch weltweit der Finanzier von Salafisten und Extremisten ist. Berlin, Manchester, London, Parisdie Rädelsführer sitzen in Doha. Der Fußballer und Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) nannte letzthin in einem ZDF-Interview im Zusammenhang mit der IS-Finanzierung das „Stichwort Katar“ – aber Angela Merkel hat sich umgehend distanziert.

Wenn morgen die Schalter der Deutschen Bank geschlossen bleiben (die von der Postbank sowieso), wenn deutsche Hochseeschiffe mit Leopardpanzern, Haubitzen, Kampfhubschraubern und Lenkraketen ziellos in den Weltmeeren herumirren, wenn der größte Segen Europas, der Luftfahrtkonzern Airbus, Pleite gehen sollte, würde selbst meine Omi Glimbzsch in Zittau sofort wissen: Terror in Katar!

Vier arabische Staaten haben eben ihre diplomatische Beziehungen zum Emirat Katar abgebrochen und gehen dem Zwergstaat linguistisch an die Gurgel. Muslimbruder gegen Muslimbruder! Diplomaten abgezogen, Flughäfen gesperrt. Wer versorgt die besten Freunde Katars, die Al Udeid Air Base, die dort stationierten 10.000 US-Soldaten, mit Wasser und Brot? Was, wenn sich Katar weigert, 2022 bei der Fußballweltmeisterschaft auszusteigen? Was, wenn die Rüstungslobby protestiert? Auch: Was, wenn die Arbeitsplätze… ? Was, wenn die Katar-finanzierten Todeskommandos morgen in Liverpool, Hamburg, Frankfurt …?

Über Peter Grohmann

Peter Grohmann, Jahrgang 1937, Breslauer Lerge, über Dresden auf d' Alb, dann runter nach Stuttgart: Schriftsetzer und Kabarettist, Autor und AnStifter gegen Obrigkeitsstaat und Dummdünkel. Mitgründer: Vom Club Voltaire übers undogmatische Sozialistische Zentrum, vom Theaterhaus zu den AnStiftern. Motto: Unruhe ist die erste Bürgerinnenpflicht. Was ärgert Grohmann? Alle, die den Arsch nicht hochkriegen, aber dauernd meckern. Und an was erfreut er sich? An Lebensfreude und Toleranz