Reale Gespenster


In der Whatsapp-Gruppe einiger Soldaten taucht der Dialog auf: „Haben Sie etwas gegen Flüchtlinge?“ – „Ja, Pistolen, Maschinengewehre, Handgranaten.“ Jaja, schon gut – das war vor drei Jahren! Inzwischen haben sich die Jungs längst die Waffen besorgt. Weiß man’s? Und: Der Witz ist uralt und wird immer populärer. Der größte Witz sind allerdings die rechtzeitig angesagten Hausdurchsuchungen von Kaserne zu Kaserne durch den Oberbefehlshaber der Wehrmacht. Alles in Deckung, ob echte oder falsche Nazis, schuldig oder nicht. Über den Rest der Truppe wird ein naturnahes Tarnnetz gespannt: Hasch mich, ich bin der Frühling, würde meine Omi Glimbzsch jetzt sagen. Übrigens – was für ein Spaß, wenn man die Aufklärer aus dem Hause von der Leyen wieder mal so richtig auflaufen lässt! Ursula von der Leyen sprach von strukturellen und Haltungsproblemen, von Führungsschwäche und „falsch verstandenen Korpsgeist“ – aber wie sieht der richtige aus? Egal, die parteipolitischen Militärexperten aller Couleur hatten es eilig, der Ministerin kräftig auf den Helm zu hauen, wie Feldwebel Arnold von den Sozis. Die Frage ist aber: Wie tickt die Bundeswehr? Und wenn mal was in die Hose geht: Welche Informationen werden weitergegeben – und welche nicht? Uwe Mundlos, das wissen alle und die Vorgesetzten, „erfüllte seinen Dienst zur vollen Zufriedenheit und fiel bisher nicht negativ auf.“

Alfred Josef Ferdinand Jodl, Generaloberst und Kriegsverbrecher, hat auf der bayerischen Fraueninsel ein wunderbares Grabmal. Wieder und wieder pilgern Soldaten aller Waffengattungen hin – die Augen rechts. Mach, was wirklich zählt, so ein aktueller Slogan der Bundeswehr.

Die Augen rechts! Denn das Gespenst, das heute umgeht in Europa, ist nicht jenes, mit dem der olle Marx vor 170 Jahren dem ollen Engels drohte – und auch nicht jenes, das eben in Schleswig-Holstein die 1,5 % hinzugewonnen hat. Die gefährlichen Gespenster unserer Tage sind absolut real. Sie fahren quer durch Europa in demokratischen Wahlen ganz andere Ergebnisse ein.

Über Peter Grohmann

Peter Grohmann, Jahrgang 1937, Breslauer Lerge, über Dresden auf d' Alb, dann runter nach Stuttgart: Schriftsetzer und Kabarettist, Autor und AnStifter gegen Obrigkeitsstaat und Dummdünkel. Mitgründer: Vom Club Voltaire übers undogmatische Sozialistische Zentrum, vom Theaterhaus zu den AnStiftern. Motto: Unruhe ist die erste Bürgerinnenpflicht. Was ärgert Grohmann? Alle, die den Arsch nicht hochkriegen, aber dauernd meckern. Und an was erfreut er sich? An Lebensfreude und Toleranz