Greenwashing gestoppt
Aktion gegen Shell

Das hatte sich die PR-Agentur Burson Marsteller für Shell so schön ausgedacht: ein Science Slam sollte es sein, um das ramponierte Image des Ölkonzerns mit “frischen Ideen” anzuhauchen.

Ein Science Slam ist laut Wikipedia “ein wissenschaftliches Kurzvortragsturnier, bei dem Wissenschaftler ihre Forschungsthemen innerhalb einer vorgegebenen Zeit vor Publikum präsentieren. Im Vordergrund steht die populärwissenschaftliche Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte, die Bewertung erfolgt durch das Publikum. Bewertet wird neben dem wissenschaftlichen Inhalt auch die Verständlichkeit und der Unterhaltungswert des Vortrags.”

Science Slams sind gerade angesagt und Shell wollte das Turnier natürlich zu den Themen Energiegewinnung und Energieeffizienz ausrichten, denn Greenwashing tut dem Konzern immer gut, wenn es darum geht, z.B. das Umwelt- und Menschenrechtsdesaster im Niger-Delta vergessen zu machen. Man hatte extra den Moderator Markus Kavka für die Show angeheuert.

Und auf der Shell-Seite hieß es:

Für den reibungslosen Ablauf sorgt Moderatoren-Legende Markus Kavka, der mit Charme und Witz dabei hilft, dass es garantiert kein langweiliger Abend wird. Mach mit und sei live dabei!

Reibungslos verlief der Abend dann nicht und langweilig wurde es auch nicht. Doch der Charme und Witz war nicht so sehr auf Shells Seite. Denn gleich drei der angetretenen Wissenschafter wendeten sich direkt in ihren Vorträgen gegen Shell. Schon zu Beginn der Veranstaltung war spontan ein Rapper aufgetreten, der gegen Shell freestylte. Und die ersten beiden Slammer nutzten das Event, um die Rolle von Mineralölkonzernen für Umwelt und Klima deutlich zu machen.

Den krönenden Abschluss machte ein Aktivist, der eine Maschine mitgebracht hatte, die als CO2-Rückgewinnungexperiment getarnt war. Die Maschine verspritzte schwarzen Ölschlamm auf Bühne und Publikum – und brachte die hässliche Fratze des 500-Milliardenkonzerns direkt ins hippe PR-Event im Berliner Tempodrom.

Bei Science Slams entscheidet das Publikum darüber, wer den Preis gewinnt. Es entschied sich für den Aktivisten mit dem Ölschlick. Doch die Veranstaltung wurde abgebrochen…

Greenwashing verhindert: Chapeau!

Der Artikel stammt von John F. Nebel und erschien unter CC-BY-NC auf metronaut.de

PS: Wer gegen Exxon agieren will, kann gerne meine Domain drexxon.de nutzen.

Über Fritz Mielert

Fritz Mielert, Jahrgang 1979, arbeitete von 2013 bis 2017 als Geschäftsführer beim Bürgerprojekt Die AnStifter in Stuttgart. Davor betreute er ab 2011 bei Campact politische Kampagnen im Spektrum zwischen Energiewende und Vorratsdatenspeicherung, engagierte sich in der AG Antragsbearbeitung der Bewegungsstiftung, baute ab 2010 maßgeblich die Parkschützer als eine der wichtigsten Gruppierung im Protest gegen Stuttgart 21 auf und war ab 1996 mehrere Jahre ehrenamtlich bei Greenpeace aktiv.