Hartz IV und die Folgen

Mo, 21. September 2015, 17:00 Uhr - 20:00 Uhr
Evangelisches Bildungszentrum Hospitalhof, Büchsenstraße 33, 70173 Stuttgart
Veranstalter: a:2:{i:0;s:83:"a:2:{i:0;s:13:"p.P. 1/5/7€";i:1;s:40:"Hospitalhof & Ev. Gesellschaft Stuttgart";}";i:1;s:83:"a:2:{i:0;s:13:"p.P. 1/5/7€";i:1;s:40:"Hospitalhof & Ev. Gesellschaft Stuttgart";}";}
Wichtiges:

»Hartz IV« ist europaweit die berühmteste Chiffre für den Abbau sozialer Leistungen und gilt hierzulande als tiefste Zäsur in der Wohlfahrtsstaatsentwicklung nach 1945: Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg wurde damit eine für Millionen Menschen in Deutschland existenziell wichtige Lohnersatzleistung, die Arbeitslosenhilfe, faktisch abgeschafft und durch eine bloße Fürsorgeleistung, das Arbeitslosengeld II, ersetzt.
Aber mehr als das: Durch die Agenda 2010 des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, die Hartz-Reformen und besonders das am 1. Januar 2005 in Kraft getretene Vierte Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt ist Deutschland zu einer anderen Republik geworden. Denn dieses Gesetzespaket hat nicht bloß das Armutsrisiko von (Langzeit-)Erwerbslosen und ihren Familien spürbar erhöht, sondern auch einschüchternd und disziplinierend auf viele Beschäftigte gewirkt. Belegschaften, Betriebsräte und Gewerkschaften wurden genötigt, Lohn- und Gehaltseinbußen sowie schlechtere Arbeitsbedingungen zu akzeptieren.
Ein ausufernder Niedriglohnsektor, der mittlerweile fast ein Viertel aller Beschäftigten umfasst, gehörte ebenso zu den Folgen wie soziale Eiseskälte, Entsolidarisierungs- und Entdemokratisierungstendenzen.
Die konkreten Folgen für Menschen, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind, dokumentiert eine qualitative Studie, die kürzlich vom Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD veröffentlicht wurde.
Auf der Basis biografischer Interviews werden die Sichtweisen und Handlungspraktiken von Langzeitarbeitslosen zur Bewältigung des Alltags und von Lebenskrisen in den Vordergrund gerückt. Dies macht einerseits deutlich, wie unglaublich aktiv die Befragten sich um die Absicherung ihres prekären Alltagslebens bemühen und welche Erfolge sie dabei verzeichnen. Andererseits stoßen sie dabei immer wieder an strukturelle Hürden, die es ihnen unmöglich machen, ihre Lebenssituation grundlegend zu ändern. Hinsichtlich des Wohlbefindens und der sozialen Integration leisten die Förderinstrumente, allen voran die Arbeitsgelegenheiten, zwar einen unterstützenden Beitrag. Die Kernfrage, wie Langzeitarbeitslosen unter den veränderten sozialpolitischen Bedingungen wirklich und dauerhaft geholfen werden kann, stellt sich jedoch nach wie vor.

REFERENTEN: Prof. Dr. Christoph Butterwegge, lehrt Politikwissenschaft an der Universität zu Köln. Kürzlich ist sein Buch »Hartz IV und die Folgen. Auf dem Weg in eine andere Republik?« (290 Seiten; 16,95 Euro) bei Beltz Juventa erschienen; Dr. Antje Bednarek-Gilland, ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sozialwissenschaftlichen Institut der EKD und Leiterin der Studie »Anerkennen – Ermutigen – Befähigen. Zur Lebenssituation von Langzeitarbeitslosen«.
WEITERE INFORMATIONEN: www.christophbutterwegge.de

Verschlagwortet mit: Ökonomie/Wirtschaft, Sozialpolitik

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