Dr. Tobias Ebbrecht-Hartmann (Hebräische Universität Jerusalem)
Filmische Spuren des Holocaust – Archivbilder

Mi, 1. Februar 2017, 19:00 Uhr - 21:00 Uhr
Stadtarchiv Stuttgart, Bellingweg 21, 70372 Stuttgart
Veranstalter: Stadtarchiv Stuttgart
Wichtiges:

Archivbilder von der Deportation jüdischer Bürger aus Stuttgart und dem Deutschen Reich in den Jahren 1941 und 1942

Nachdem Hitler im September 1941 angekündigt hatte, das Deutsche Reich bis Jahresende von allen Juden zu „befreien“, setzten in den folgenden Monaten die ersten systematischen Deportationen aus dem Reichsgebiet in die Vernichtungszentren in Osteuropa ein. Bereits zuvor war es zu vereinzelten, meist von lokalen Gauleitern angeordneten Aktionen gegen Juden gekommen. Von der Deportation aus Bruchsal legt beispielsweise ein etwa eine Minute langer Film Zeugnis ab. Auch aus Stuttgart ist ein kurzer Film überliefert, der im Dezember 1941 entstanden ist. Er zeigt Jüdinnen und Juden, die im provisorischen Sammellager Killesberg auf ihren Abtransport warten.

Interessanterweise wurden im Verlauf der Deportationen von 1941 und 1942 aus Deutschland und dem Protektorat Böhmen und Mähren noch weitere Filme hergestellt, die in lokalen Archiven oder in Privatbesitz erhalten geblieben sind. Neben den Aufnahmen aus Bruchsal und Stuttgart können Filme aus Warschau, Hildesheim, Dresden und Prag nachgewiesen werden. Diese Aufnahmen wurden nicht öffentlich gezeigt und hatten scheinbar die Funktion, die Ereignisse für einen späteren Zeitpunkt zu dokumentieren.

Der Vortrag stellt ausgehend von dem Film aus Stuttgart diese Filmdokumente aus lokalen Archiven vor und verortet sie in ihrem filmischen und historischen Kontext, um die Archivbilder als Spuren des Holocaust lesbar zu machen.

Tobias Ebbrecht-Hartmann ist Filmwissenschaftler und lehrt an der Hebräischen Universität Jerusalem Filmgeschichte, Visuelle Kultur und Deutsche Sozial- und Kulturgeschichte. Er hat an der Freien Universität Berlin zu filmischen Narrationen des Holocaust promoviert. Seine Forschungsschwerpunkte sind deutsche und israelische Filmgeschichte, die filmische Erinnerung an politische Gewalt im 20. Jahrhundert, audiovisuelle Archive und die Verwendungsgeschichte historischer Filmaufnahmen. Zuletzt hat er das Buch „Übergänge – Passagen durch eine deutsch-israelische Filmgeschichte“ (Neofelis 2014) publiziert.

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