Wettern der Woche
Mamatschi

Es war einmal ein kleines Bübchen, das bettelte so wundersüß: „Mamatschi, schenk’ mir ein Pferdchen ! Ein Pferdchen wär‘ mein Paradies….“ .
Mal ganz unter uns – ein Gutes hatte diese Wahl denn doch: Die CDU liegt deutlich unter 80 %. Und das will was heißen in einer Volksdemokratie, die ja medial betrachtet nur zwei Parteien kannte: CDU und SPD. Alles andere landete bei den Redaktionen auf dem Müllhaufen der Geschichte – und dem der ungedruckten Nachrichten. Um es mit dem Lieblingsspruch meiner Omi Glimbzsch aus Zittau etwas seriöser auszudrücken: Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.

Ich hab’ mir die halbe Nacht über den Kopf zerbrochen, wo ich denn diesen oft zitierten rot-grüne Linksruck schon mal gesehen habe der an allem Schuld ist. In den beiden Parteiprogrammen war er nicht, da bin ich mir sicher. Im Wahlkampf, bei dem man in der Hektik der Gefühle auch mal das Parteiprogramm mit der eigenen Partei verwechselt, auch nicht. Nicht in den Sprüchen, Reden, Interviews, nicht auf den schönen Plakaten, Flyern, Bannern, Anzeigen. Vielleicht bei den Hausbesuchen? Und da gibt’s allerdings keine glaubwürdigen Zeugen, allenfalls Leute, die später mal ihren Enkel sagen werden: Ich war’s nicht. Bei den Hartz-IV-Empfängern hätte man ja eventuell noch mit links punkten können – aber die hatten sich bereits mehrheitlich für Merkel entschieden: Mamatschi, schenk wir ein Pferdchen. Den Teufel wird die tun.

Der kleine Mann auf der Straße, unberechenbar und immer noch still, sagte mir mal, als ich ihn mal auf die Sorgen von morgen ansprach: Lass mich in Frieden, Alter! Ich sag’ noch zu ihm: Junge, deine Rente ist nicht sicher! Wir müssen mehr Geld in die Bildung deiner Enkel stecken, sag’ ich noch, und deine Geldanlage …Er lachte nur nachhaltig und ging wählen. Fukushima und Freie Demokraten, Mondfinsternis und Massentierhaltung, Klimawandel und soziale Katastrophen, Armutsflüchtlinge und Abhörskandale, Gentechnik und Giftmüll: Das sollen jetzt endlich mal die ausbaden, die uns das eingebrockt haben, die, die die Macht haben.

Mamatschi, das ist die Sehnsucht von uns allen nach der Mutterbrust, für die einen mit, für die anderen ohne schwarz-rot-goldner Kette. Merkels Mantra bietet allen großen Frauen und ihren kleinen Männern und Schutz und Frieden, auch wenn der einer oder andere bei Heckler und Koch arbeitet und Schießgewehre produziert. Solche Pferde wollt’ ich nicht? Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Also Schweinskopfsülze am Veggie-Day.

Über Peter Grohmann

Peter Grohmann, Jahrgang 1937, Breslauer Lerge, über Dresden auf d' Alb, dann runter nach Stuttgart: Schriftsetzer und Kabarettist, Autor und AnStifter gegen Obrigkeitsstaat und Dummdünkel. Mitgründer: Vom Club Voltaire übers undogmatische Sozialistische Zentrum, vom Theaterhaus zu den AnStiftern. Motto: Unruhe ist die erste Bürgerinnenpflicht. Was ärgert Grohmann? Alle, die den Arsch nicht hochkriegen, aber dauernd meckern. Und an was erfreut er sich? An Lebensfreude und Toleranz