Vom Mythos der russischen Kommune zum Spektakel um 1917
„Ein Jahrhundert verlassen!“

Mi, 18. Oktober 2017, 19:00 Uhr - 22:00 Uhr
Stadtteilzentrum Gasparitsch, Rotenbergstr. 125, 70190 Stuttgart
Veranstalter: Selbstverwaltetes Stadtteilzentrum Gasparitsch
Wichtiges:

In der herrschenden Geschichtsschreibung wirkt der Oktober 1917 wie ein riesenhafter retrospektiver Zerrspiegel. Die Verhältnisse zwischen den Gesellschaftsklassen, Organisationen, Nationen und Personen erscheinen darin bis heute in der Regel als Personenkult mit positiven oder negativen Vorzeichen, zugleich entzünden sich hier wie in einem Brennspiegel immer neu die linken Rivalitäten um die Repräsentation der Revolution. In der Jahrhundertbilanz gar hat sich eine totale Spiegelverkehrung im Blick auf das „sowjetische System“ 1917-1991 eingestellt: „Das war der Kommunismus“ (Schwarzbuch). Und so können die für jene Ära aufgerechneten zig Millionen Menschenopfer des „Realsozialismus“ als dessen notwendige Betriebskosten verbucht werden: mit Lamento oder Achselzucken, je nachdem, aus welcher Perspektive der jeweils „besten aller möglichen Welten“. Was von „der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution“ seine Legitimation für den „Arbeiter- und Bauern-Staat“ als angeblicher „Übergangsgesellschaft“ zur Abschaffung der Herrschaft von Menschen über Menschen bezog, ist von der andauernden Herrschaft totaler Warenproduktion und -konsumtion über die Menschen, von einer „klassenlosen Klassengesellschaft“ die keinen Widerspruch mehr duldet, integriert worden. Gerade auch in Russland.

Im Versuch einer spektakelkritischen Skizze soll an diesem Abend der besondere russische Ursprung und Verlauf der „Revolution in Permanenz“ vor und nach 1917 vor Augen geführt werden. Die Reflexion der bäuerlichen, bürgerlichen und proletarischen Revolutionszwecke ineinander wird als blutig roten Faden auch etwas sichtbar machen, was sich als spiegelverkehrende Konter-Revolution schlechthin gegen alle diese wirklichen Bewegungsmomente gekehrt hat. Immer wieder, bis in das Welt-Bild des heutigen Russland hinein.

Zwei Referenten des Autorenkollektivs Biene Baumeister Zwi Negator.

Von diesem Autorenkollektiv stammen zwei Bände über „Situationistische Revolutionstheorie“ in der Reihe theorie.org.

Verschlagwortet mit: Bewegungen, Geschichte

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