Risse in der Kirche

In der Berliner Schinkelkirche sind erneut Risse entdeckt worden- aber kein Problem, der Sakralbau ist eh‘ geschlossen: Einsturzgefahr, weil der Neubau von Luxuswohnungen in direkter Nachbarschaft schwere Schäden verursacht haben soll. Ganz ähnlich wie in Zorneding: Das Kaff bei München, also tiefste bayrische Provinz, hat einen Schwarzen verloren. Die örtlichen Schwarzen hatten Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende (viel Afrika) schon letztes Jahr gewarnt, weil er sich für Flüchtlinge stark gemacht hatte. Johann Haindl etwa (CSU) in der lokalen Ebersberger Zeitung: „Der … muss aufpassen, dass ihm der Brem [Altpfarrer von Zorneding] nicht mit dem nackerten Arsch ins Gesicht springt, unserem Neger.“ Jetzt ist der Pfarrer, nach Morddrohungen, abgehauen, untergetaucht. Vielleicht findet er ja Asyl in einem „Flüchtlingsheim für Christen“ (Forderung aus der Stuttgarter CDU).

Zazenhausen und Zorneding – hier liegt das Geheimnis des 13. März. Wenn schon Schwarze predigen und Balkanesen der kranken Omi Glimbzsch in Zittau den Hintern säubern dürfen, ist es nicht mehr weit zum Seehoferschen Unrechtsstaat der AfD. Und für Wahlerfolge der alten Mutter SPD braucht’s mehr als Schlagworte wie Zukunft- Arbeit- Gesundheit. Schon recht- aber für wen, fragt sich der kritische Sozialdemokrat. Er ist zu Hause geblieben, zu Kretsche gewechselt oder zu den Angstmachern. Keine Rede von links. Die Omi Glimbzsch in Zittau war nach 45 gegen die Wiedervereinigung (der KPD und der SPD) – jetzt hätt’se nüscht gegen Rot-Rot-Grün, „denn wir brauchen ja die SPD auf dem Weg zurück zum Rechtsstaat, Peter!“ Weit ist der Weg nach Tempico, so weit, so weit…

„Herr Doktor, wohin bringen Sie mich denn?“
„Ins Leichenschauhaus.“
„Aber ich bin doch noch gar nicht tot!“
„Wir sind ja auch noch nicht da …“.

Zugegeben, bei knapp 13 % ist es ein weiter Weg zurück im Zorn, auf der Suche nach neuem Profil, Personal und Pinunse. Und mal ganz unter uns:
Kein Mensch glaubt, dass eine Partei ihre Wahlversprechen halten würde. Aber wir brauchen doch wenigstens die Überzeugung, dass hinter den saudummen Slogans Menschen stehen, die klüger sind, Menschen, für die Begriffe wie Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit noch alltagstauglich sind. Sonst wird’s nichts mit der Wiedergeburt, alte Tante!

Über Peter Grohmann

Peter Grohmann, Jahrgang 1937, Breslauer Lerge, über Dresden auf d' Alb, dann runter nach Stuttgart: Schriftsetzer und Kabarettist, Autor und AnStifter gegen Obrigkeitsstaat und Dummdünkel. Mitgründer: Vom Club Voltaire übers undogmatische Sozialistische Zentrum, vom Theaterhaus zu den AnStiftern. Motto: Unruhe ist die erste Bürgerinnenpflicht. Was ärgert Grohmann? Alle, die den Arsch nicht hochkriegen, aber dauernd meckern. Und an was erfreut er sich? An Lebensfreude und Toleranz

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