Wettern
Kretschmann droht

Haben Sie neulich auch gelesen, dass Winfried Kretschmann Schluss machen will? Unser Minischterpräsident? Eine leere Drohung, sagen Sie? Dass Sie sich mal nicht täuschen! Wenn er nicht mehr gewählt wird, hat er gesagt, tritt er nicht mehr an! Schon beleidigt, tät‘ meine Omi Glimbzsch in Zittau jetzt sagen.

Wenn er je eine Niederlage einheimsen sollte, wird er nicht mehr Ministerpräsident, meinte er sinngemäß. Mensch, wie soll man das denn auch machen – nicht gewählt zu werden und trotzdem Ministerpräsident zu werden? Ja Winfried, wo sind wir denn? Wir sind doch nicht mehr bei den Maoisten wie früher! Ich natürlich nicht – aber Du. Mal ganz unter uns: Gewählt ist gewählt und nicht gewählt ist nicht gewählt, da beißt die Maus keinen Faden ab! Da haben wir halt Pech. Wirr, Deine Wählerinnen und Wähler und Du und Deine Frau. Klar, wenn Du nicht mehr gewählt wirst, ist das ja schlimmer, als wenn ich nicht mehr gewählt werden würde. Der Vorteil bei mir liegt auf der Hand: Bei mir ginge dann das Abendland nicht unter, ich wäre faktisch auf der sicheren Seite. Aber Du! Na gut – Du könntest immerhin im ZK weitermachen, beim Zentralrat der Katholiken, mein‘ ich. Dieser Weg bleibt unsereins verschlossen. Und das wäre eine gute Wahl für Dich. Da ist man immer auf der richtigen Seite, egal, was kommt. Das gilt vor allem auch für später mal – ich sag’s mal so: Die richtige Seite ist, wenn man oben bleibt – oder eben nach oben kommt. Der einzige Trost: Über kurz oder lang müssen wir alle daran glauben.

Peter Grohmann schreibt sein Wettern der Woche für die Wochenzeitung Kontext – für lau.

Über Peter Grohmann

Peter Grohmann, Jahrgang 1937, Breslauer Lerge, über Dresden auf d' Alb, dann runter nach Stuttgart: Schriftsetzer und Kabarettist, Autor und AnStifter gegen Obrigkeitsstaat und Dummdünkel. Mitgründer: Vom Club Voltaire übers undogmatische Sozialistische Zentrum, vom Theaterhaus zu den AnStiftern. Motto: Unruhe ist die erste Bürgerinnenpflicht. Was ärgert Grohmann? Alle, die den Arsch nicht hochkriegen, aber dauernd meckern. Und an was erfreut er sich? An Lebensfreude und Toleranz