Flüchtlinge oder Geflüchtete?
Die neuen Nachbarn stellen sich vor

Aus einer privaten Initiative wurde eine gelungene Veranstaltung für, mit und vor allem von Geflüchteten. „You, me and our neighbors“ auf der Kulturinsel in Bad Cannstatt war ein Beitrag für gute Nachbarschaft in ungezwungener Atmosphäre. Auf der Bühne sprachen sie über ihre Erfahrungen und Wünsche, forderten nicht nur materielle staatliche Unterstützung, sondern auch ein Recht auf Arbeit und Bildung, damit sie selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können. Aber nicht nur das: viele Flüchtlinge forderten andere Flüchtlinge auf, deutsch zu lernen; motivierten sie, auf Einheimische zuzugehen und von ihren Problemen zu erzählen.
Das Problem des Arbeitsverbot für Geflüchtete greifen auch zwei Regisseure in ihrem Konzept für die Fernsehserie „Dr. Illegal“ auf (siehe auch StZ-Artikel). Zuerst wurde der Trailer gezeigt, einige Hintergrundinfos gegeben und später am Abend der Pilot-Film gezeigt. Genauso wie diese Geschichte Flüchtlinge nicht als Opfer darstellen soll, war auch die gestrige Veranstaltung vom emanzipatorischen Ansatz geprägt. Auf der Bühne waren eben keine Menschen, die über Geflüchtete reden, wie es sonst bei öffentlich-politischen Debatten zu diesem Thema ist. Besonders kontrovers wurde dann auch die These von der „inneren Zerrissenheit Eritreas“ und den aktuellen Fluchtursachen diskutiert. Schließlich sprach noch Rex Osa, von der Flüchtlingsselbsthilfeorganisation „Refugees for Refugees“. Die Veranstalter kündigten bereits an, weitere Veranstaltungen dieser Art durchführen zu wollen.

Über Dominik Blacha

Dominik Blacha, Sozial-Pädagoge, Jahrgang 1982, ist Anstifter der letzten Stunde, studiert einen internationalen und interdisziplinären Master in Politik, Soziologie und Geschichte. Er beschäftigt sich mal damit, mal hiermit, oft mit Menschenfeindlichkeit und dem Gegenteil davon. "Mit beiden Füßen fest auf dem Boden, mit dem Kopf in den Sternen."