Wettern der Woche
Rauchende Colts

Am 4. Februar, vor 30 Jahren, starb Jesse Hibbs an Alzheimer. Wir Jüngeren von uns kennen den Regisseur aus Filmen wie „Mit roher Gewalt“ oder gar „Rauchende Colts“ und „Tausend Meilen Staub“, wir Älteren haben das längst vergessen. Dafür sehen mit durchaus gemischten Gefühlen jenen zu, die mit rauchenden Colts durch die Medien, durch die Lande streuen: Scharfmacher aller Couleur, Politiker, eingebettete Journalisten, gute und schlechte Schauspieler. Man hat das Gefühl, das Drehbuch zu kennen: „1000 Meilen nach Dnjepropetrowsk oder „Brennende Krim“. Alternativ: „Nur einer kam durch“.

Keine Angst! Momentan sind wir persönlich in dieser Ecke der Welt erst einmal nur in der Türkei engagiert: Kobane gucken und Peschmergas sterben lassen. Aber wir dürfen auf den Trittbrettern der Verbündeten rund um Mütterchen Russland mitfahren: Ein Kessel Buntes rund ums Zarenreich. Falls man dem russischen Bären noch etwas mehr auf den Pelz rücken müsste, um die Menschenrechte zu sichern, sollten wir nicht abseits stehen. Wir sind gefragt, selbst von Gauck. Und immer nur zusehen war nie unser Bier. Ich sag mal so: Die Aussichten, dass der Film spannend wird, sind da!

Allerdings: Die NATO und die EU werden sich mit der Frage beschäftigen müssen, was als nächstes ansteht – nach der erforderlichen Mitgliedschaft der Ukraine in der Nato, wie sie Zbigniew Brzeziński, weise seiner Zeit voraus, forderte. Man muss dem Russen zeigen, wo der Bartel den Moscht holt. Der strategische Ausdenker dieser ollen Orakel, die jetzt nach und nach erfüllen, war Sicherheitsberater und immer schon ein hervorragender Drehbuchschreiber für die US-amerikanischen Präsidenten. Er hat gewusst, was man an Vaihingen und Möhringen hat: Das AFRICOM steuert alle militärischen Einsätze der USA in Afrika, Kampfdrohnen inkludet. Das EUCOM befehligt die US-Atomwaffen in Europa und sorgt dafür, dass die Colts rauchen, wenn’s sein müsste.

Das ist völkerrechtswidrig? Mannomann, jetzt werd‘ mir nich zickig, die Amis sind die einzige Weltmacht, вы понимаете? tät meine Omi Glimbzsch aus Zittau sagen. Junge, es geht um Menschenrechte, nicht um Krieg und Frieden! Nu, irgendwas bleibt eben immer auf der Strecke, Krieg oder Frieden.

Peter Grohmann schreibt und spricht sein Wettern der Woche für die Wochenzeitung Kontext – für lau.

Über Peter Grohmann

Peter Grohmann, Jahrgang 1937, Breslauer Lerge, über Dresden auf d' Alb, dann runter nach Stuttgart: Schriftsetzer und Kabarettist, Autor und AnStifter gegen Obrigkeitsstaat und Dummdünkel. Mitgründer: Vom Club Voltaire übers undogmatische Sozialistische Zentrum, vom Theaterhaus zu den AnStiftern. Motto: Unruhe ist die erste Bürgerinnenpflicht. Was ärgert Grohmann? Alle, die den Arsch nicht hochkriegen, aber dauernd meckern. Und an was erfreut er sich? An Lebensfreude und Toleranz