AnStifterFunken
Nachbemerkung zur Sendung vom 13.10.2009

brokenradioWas es beim Freien Radio für Stuttgart nicht geben sollte – und bei anderen Radios ebenso wenig – sind Sendelöcher. Sendelöcher entstehen, wenn Nichts – als Hauptwort und mit großem „N“! – gesendet wird. Und wir haben gestern zwischen 22.01 und 22.04 Uhr Nichts gesendet.
Die gesamte gestrige Sendung hatte ich, einschließlich Anmoderation und Abspann, vorproduziert. Bei den Sendungen im August und September hatte ich die vorproduzierten Teile der Sendung immer auf CD gebrannt, um sie dann zum gegebenen Zeitpunkt einzuspielen. Bei den selbstgebrannten CDs gibt es aber immer das Risiko, dass etwas (oder alles) nicht richtig gebrannt wird und folglich nicht zu hören ist. Aus diesem Grund habe ich dann mitunter 4 CDs brennen müssen, um das Risiko geringer zu halten. Denn während der Sendung dasitzen mit einer Musik oder einem Wortbeitrag oder einem Interview, das nicht eingespielt werden kann: Katastophe. Sendeloch. Außerdem kosten CDs Geld.
Deswegen wollte ich gestern mal auf CDs verzichten und alles vom iPod aus einspielen. Ein altes Gerät meiner Tochter. Das Studio in der Rickestraße ist bestens ausgerüstet; hier kann man sogar noch mit Audiokassetten -Typ Kassettenrekorder – arbeiten.
Also: zum ersten Mal per iPod. Seitens der Technik hörte ich zwar den Einwand, noch nie mit so einem Ding gearbeitet zu haben,  das Problem schien mir jedoch lösbar, da ich kürzlich selbst an einem Technikwörkschop des Freien Radios teilgenommen hatte.
Jetzt muss man noch wissen, dass die verschiedenen Redaktionen, die eine nach der anderen senden, sich ablösen, indem sie jeweils fünf Minuten vor Programmende Musik auflegen, um auf diese Weise einen für die Zuhörerinnen und Zuhörer unhörbaren Übergang hinzubekommen. In unserem Fall kümmerte sich der Mann aus Ghana – die Ghana-Redaktion war vor uns dran* – nicht um diesen 5-Minuten-Puffer. Seelenruhig nahm er noch um 21.59 Uhr einen Telefonanruf entgegen. Und als wir dann um 22.01 Uhr dran waren, trat ein, was nicht eintreten soll, nicht eintreten darf.. Der iPod wollte nicht starten und als er dann gestartet war, fanden wir nicht die Tasten, um den Inhalt des iPods über Stuttgart zu verteilen, will sagen, zu senden. Der schwarze Mann aus Ghana machte große Augen, wegen der Hektik, die aufeinmal im Studio ausbrach. Wertvolle Sekunden verstrichen. Schieberegel wurden rauf und runter geschoben, Knöpfe wurden gedrückt, manche leuchteten, manche nicht. Manche leuchteten rot, manche grün, manche rot und grün. Chaos. Und Sendeloch. Die Technik kam dann wenigstens auf die Idee, eine Durchsage zu machen und das Nichts zu beenden. Aus äußerer Hektik wurde innere. Ich dachte, was mache ich jetzt? Keine Musik, keine Interviews, keine Beiträge. Wenn ich jetzt anfange, irgendwas zu erzählen, dann habe ich zwar eine im Freien Radio für Stuttgart durchaus übliche Sendeform, die ganze Arbeit der letzten Wochen wäre aber für die Katz‘ gewesen. Schweißausbruch. Schieberegler rauf. Grüner Knopf? Roter Knopf! Grüner ein, roter aus: Wunder. Plötzlich funktioniert alles!
„Da habe ich doch vorher schon draufgedrückt.“ „Ja, ich auch. Aber wir hätten gleichzeitig auch den anderen Knopf drücken müssen!“ Aufatmen. Jetzt noch einmal eine Durchsage. Den iPod auf Anfang stellen und los. „Heute ist der 13.10.2009. Der zweite Dienstag im Monat. Es ist 22.00 Uhr und Zeit für AnstifterFunken…..“ Gerettet!
Den Rest der Zeit im Studio mussten wir eigentlich nichts mehr machen. Nur noch etwas Ton nachpegeln. Die gesamte Sendung lief ja „vom Band“. Einschließlich Abspann. Was schade war. Denn so konnte ich mit keinem Wort auf die zahlreichen Reaktionen eingehen, die während der Sendung im Studio ankamen. Das mit dem Klingeln (1 x für „ja“, 2 x für „nein“, ab dem 3 x wird der Anruf entgegengenommen) funktioniert sehr gut. Es gab mindestens 10 einzelne Klingler und einen Zweier, der ein Dreier wurde. Das war Matthias von der Ska-Redaktion. Wir hatten im Jahr 2003 – also „vorgestern“ vor sechs Jahren – zusammen die Einführung ins Radiomachen besucht. Es fährt seine Ska-Sendung mit dem Titel „File under Ska“ seit nunmehr sechs Jahren. Gut gemacht. Toll. Und nett, dass er sich gemeldet hat.
Das Spiel mit dem Anrufbeantworter hat überhaupt nicht funktioniert. Kein Anruf und niemand, der erraten hätte, das es sich bei dem fraglichen Sänger um Eminem handelte. Schade! Vielleicht beim nächsten Mal.
Vielen Dank an dieser Stelle für die Telefon- und Email-Reaktionen während und nach der Sendung.
(Burkhard)

*nachträglich eingefügt am 09.12.2009

Über Peter Grohmann

Peter Grohmann, Jahrgang 1937, Breslauer Lerge, über Dresden auf d' Alb, dann runter nach Stuttgart: Schriftsetzer und Kabarettist, Autor und AnStifter gegen Obrigkeitsstaat und Dummdünkel. Mitgründer: Vom Club Voltaire übers undogmatische Sozialistische Zentrum, vom Theaterhaus zu den AnStiftern. Motto: Unruhe ist die erste Bürgerinnenpflicht. Was ärgert Grohmann? Alle, die den Arsch nicht hochkriegen, aber dauernd meckern. Und an was erfreut er sich? An Lebensfreude und Toleranz

5 thoughts on “AnStifterFunken: Nachbemerkung zur Sendung vom 13.10.2009

  1. Es geht in der Sendung für mich wenig zusammen. Es sind insgesamt viele Schnippsel, unvermittelte Sounds, die verwundern.
    Es fehlt mir Berührung. Es dauert Vieles lange, worum ging es nochmal.
    Ich hatte den Eindruck, Du bist stellenweise unglücklich über das Thema oder sind es die Fragen?

    Letztlich würde ich mir mehr Konzentration wünschen, auf ein Thema.
    kürzere Musikbeiträge, wenn die Worte schon wenig Inhalt hatten …
    Die flüsternde Oma, das war interessant, die hättest Du mehr kitzeln können, in bezug auf ihre Klassenkameradinnen.
    Kai

  2. Lieber Burkhard,
    habe das Interview gehört zur lila Farbe.
    Schon beeindruckend, dass auch in einem kleinen Dorf 22-25 Leute aktiv werden und vom Bürgermeister die nötige räumliche Unterstützung erhalten. Dem Inerviewer hört man die Herzbluttropfen an, prima Burkhard!!
    Ja und der Fahrer mit Migrationshintergrund! Er guckt wahrscheinlich viel RTL shows an, das kann nur was mit einem Sensationsbuch der Rekorde zu tun haben.
    Hätte gerne mit „meinen“ Schülern auch mitgepinselt … .
    Wer sucht eigentlich beim Anstifter Radio die Musik aus? Ausgefallen! Die ethnische Vielfalt gefällt mir.
    Weiter viel Schaffensfreude! Gruß
    Dagmar

  3. Guten Morgen Burkhard,
    schon wieder ich. Dein Interview mit der lila Farbenfrau ging mir durch den Kopf. Wäre es möglich, dass ich das Interview heute noch bekommen könnte? Ich glaube, das spricht die Schüler aus der neunten Klasse stark an und einige könnten dann am Freitag noch in die Stadt zur Abschlussveranstaltung fahren.

    Meine Vertretung könnte dann am Freitag in WZG (alt Geschichte) „Die Spur der Erinnerung“ ansprechen und während die Klasse einen Zeichenauftrag erhält( damit sie den Mund hält und besser hören kann), könnte das Interview angehört werden.
    Kannst du mir bitte Bescheid sagen, ob ich heute noch das Interview bekommen könnte evtl Übergabe im Theaterhaus nach 21.00?

    Jetzt keine hohle Phrase, du machst die Sendung gut! Eine klare, deutliche, angenehme, engagierte Stimme. Gut, dass du mir Bescheid gegebn hast, sonst hätte ich die Sendung natürlich nicht gehört.In Zukunft evtl etwas früher, so einen Tag etwa, damit ich meinen interessierten Bekanntenkreis informieren kann.
    Bis bald!
    Gruß
    Dagmar

  4. hallo burkhard,

    habe mitgeschwitzt – beim schwarzen gefühlten 5 minuten funkloch – dachte – hört ihr das selbst oder nicht – aber bis ich mein handy mit leerem akku gefunden und installiert hatte – gab es gottseidank wieder töne…. ufffffff…… geschafft.
    die erste hälfte, spur der erinnerung und stolpersteine fand ich gut, auch wenn ich mich gefragt habe warum das handwerkliche so im vordergrund stand.
    am besten fand ich das interview der netten ältere dame! hier gab es zwischendurch seltsame geräusche – war das geplant?
    die 2. hälfte war diesmal nicht so schön schlüssig wie bei der letzten sendung, aber dafür hat susheela wunderbar gesungen und josef hader passende worte zur natur gefunden!
    ich freu mich schon auf weitere beiträge, bleib drann burkhard!
    liebe grüße
    heike

    1. Ja, das Handwerkliche. Das Einfache. Die kleinen Worte, die kleinen Gesten. Da fühle ich mich wohl. Der Rest kommt dann von selbst. Und die seltsamen Geräusche hatten mit einem Umstand zu tun, den ich in der Anmoderation andeutete: Bei der älteren Dame habe ich es einfach nicht auf die Reihe bekommen, dass sie HEUTE Nachbarin ist, während des dritten Reiches aber in Ulm gelebt hat. Für mich war es sehr witzig, als ich sie erst frage, ob sie morgens aus Ulm angereist sei – sie antwortet schlagfertig, dass doch mittlerweile viele Jahre vergangen seien, seit sie in Ulm gelebt habe – und es dann nicht auf die Reihe bekomme, dass sie wiederum in Bezug auf die heutige Nachbarschaft die geehrte Familie natürlich nicht kennen konnte, denn damals hat sie ja in Ulm gelebt. Der Klang der Karnevalspfeife bezog sich genau auf meine Dämlichkeit. Und Du hast vollkommen Recht: der zweite Teil der Sendung war schwächer. Ob das an der Schiller-Sache lag?
      Danke, Heike, für’s Mitfiebern. Sehr nett! Burkhard

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