Underground
Die Kunstausstellung im Bunker

Ob Aton und Amen wohl auch ausreichend für ihren Einsatz im Werk von Daniel Glaser und Magdalena Kunz entlohnt werden? Wer den beiden Gestalten in ihren Öljacken (Bootsflüchtlinge? Obdachlose?) in den Katakomben der Festung Schoenenbourg so beim Philosophieren zuhört, kann auf so eine Frage kommen, lenkt sie doch von den fundamentalen Themen ab, mit denen die beiden Schwarzen den Raum füllen. Doch die zwei sind nur eine animierte Kunstinstallation im Rahmen der Ausstellung „Underground“, die am 1. Mai im Elsaß eröffnet wurde.

Glaser Kunz - CH -Zürich - CH - Aton & Amen | Foto: Kontur Stuttgart
Glaser/Kunz – CH -Zürich – CH – Aton & Amen | Foto: Kontur Stuttgart

Den Ort, den sich Kontur Stuttgart für seine Ausstellung mit Werken internationaler Künstler ausgesucht hat, hätte nicht besser sein können. Unter einem Buchenwald versteckt sich als Teil der Maginot-Linie in bis zu 30 Metern Tiefe eine riesige Bunkeranlage, mit denen sich Frankreich im Zweiten Weltkrieg gegen Deutschland verteidigte.

An diesem Ort, der durch seine Enge, Kälte und Feuchtigkeit, seine Abschottung von der Außenwelt, seine Geschichte die BesucherInnen auch schon bei einem normalen Besuch emotional berührt, wirken die Werke, die den Schrecken von Krieg und Vertreibung thematisieren, viel stärker als es in einer anonymen Galerie möglich gewesen wäre.

So lässt eine schwarze, mehrfach geknickte Linie an der Wand (Herzklopfen von Margarete Rebmann) im Kopf parallel Bombeneinschläge, Sirenengeheul und ein Gefühl von Herzrasen entstehen.

Joelle Allet - Sirnach - CH - Flieg, Vogel, Flieg! | Foto: Kontur Stuttgart
Joelle Allet – Sirnach – CH – Flieg, Vogel, Flieg! | Foto: Kontur Stuttgart

Einige Meter weiter verweisen die überdimensionalen Schleuderguss-Rohlinge, von Joëlle Allet auf an Förderbänder erinnernde Konsolen in einem hunderte Meter langen Tunnel auf die Industrialisierung des Krieges, erinnern durch ihren Titel Flieg, Vogel, Flieg! an den friedlichen Wald über der Bunkeranlage und gleichzeitig an die unbedarfte Begeisterung, die vor Kriegen immer wieder herrschte – und heute im Modellbau weiterlebt, wo man sich mithilfe dutzender Firmen als Teil einer großen Fangemeinde jegliches Kriegsgerät originalgetreu, nur etwas verkleinert, nachbauen kann.

Zu dieser bewegenden Ausstellung mit Werken von über 30 Kunstschaffenden organisieren die AnStifter bis Ende September monatliche Exkursionen (Die Ausstellung selbst endet am 3. Oktober 2014). Die erste Exkursion findet am Samstag, den 31. Mai statt.

Wer es nicht zur Ausstellung selbst schafft: Einen hochwertigen Katalog gibt’s für 19 Euro bei Kontur.

 

Über Fritz Mielert

Fritz Mielert, Jahrgang 1979, arbeitet seit 2013 als Geschäftsführer beim Bürgerprojekt Die AnStifter in Stuttgart. Davor betreute er ab 2011 bei Campact politische Kampagnen im Spektrum zwischen Energiewende und Vorratsdatenspeicherung, engagierte sich in der AG Antragsbearbeitung der Bewegungsstiftung, baute ab 2010 maßgeblich die Parkschützer als eine der wichtigsten Gruppierung im Protest gegen Stuttgart 21 auf und war ab 1996 mehrere Jahre ehrenamtlich bei Greenpeace aktiv.

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