Alle Beiträge von Michael M.

Der Künstler in der Diktatur

„Von nun an wird es nur zwei Arten von Komponisten geben: die einen waren am Leben und hatte Angst und die anderen waren tot“
Aus: Julian Barnes „Der Lärm der Zeit“

Künstlerroman über den Komponisten Schostakowitsch, der durch Glück den stalinistischen Säuberungen entgeht und sich mit brennenden Fragen konfrontiert sieht: was bedeutet es für einen Künstler, keine Entscheidung frei treffen zu können? In welchem Verhältnis stehen Kunst und Unterdrückung, Diktatur und Kreativität zueinander, und ist es verwerflich, wenn man sich der Macht beugt, um künstlerisch arbeiten zu können?

Wahre Demokratie

Weil die Wochenzeitung DIE ZEIT überall auf der Welt „einen neuen Faschismus“ heraufdämmern sieht, schrieb Thomas Assheuer ein „Alphabet des rechtens Denkens“.

W: Wahre Demokratie:
Früher als alle anderen haben rechte Politiker begriffen, welch fantastische Möglichkeiten ihnen die sozialen Medien eröffnen. Vor allem Twitter ist wie geschaffen für die wahre Demokratie. Im Gegensatz zur repräsentativen Demokratie erlaubt es diese tolle Erfindung, dass der Führer ungefiltert mit dem Volk ins Gespräch kommt. So wird am Ende der Geschichte ein uralter Traum der konservativen Staatstheorie doch noch wahr. Für sie war es unannehmbar, dass der Liberalismus freiwillig darauf verzichtet, über die Innenwelt der Bürger zu regieren. Twitter ändert das gerade, oder um ein Wort von Thomas Hobbes abzuwandeln: Es verbindet die „Lippen des Herrschers“ ohne Umwege mit der „Seele der Bürger“. Follow me.

Sicher ist, dass US-Präsident Donald Trump ein geübterer Twitterer ist als Recep Tayyip Erdoğan der das Twittern vielleicht gar nicht mehr nötig hat, falls er das Referendum über die Einführung des Präsidialsystems gewinnt.

Aus allen Wolken gefallen

Die Angst vor politisch motivierten Hackerangriffen greift um sich. Dennoch haben deutsche Parteien, Ministerien und internationale Organisationen Daten auf teils völlig veralteten Servern im Internet gespeichert – und ihre Dokumente damit sehr hohen Sicherheitsrisiken ausgesetzt.

Betroffen sind Cloud-Speicherdienste, ähnlich wie Dropbox. Konkret handelt sich um die Anbieter Nextcloud und ownCloud – deren Kunden ihre Daten auf einem eigenen Server speichern können, aber sich selbst um Updates kümmern müssen.

Eine Warnung, die im Namen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) verschickt wurde, wurde ignoriert. Die Grünen benutzten eine stark veraltete Softwareversion, die zahlreiche Angriffsflächen bietet, reagierten aber auf die BSI-Warnung nicht. ….

Die Vorfälle verdeutlichen die Sicherheitsrisiken, die aus sorglosem Umgang der Politik mit den eigenen Informationen erwachsen. Nach den Hackerangriffen in den USA auf die Demokratische Partei und das Umfeld der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton und der politisch motivierten Veröffentlichung von dort gewonnenen Informationen hat sich zwar auch in der deutschen Politik das Problembewusstsein verschärft – Parteien haben etwa begonnen, ihre IT-Systeme besser auszustatten. Doch im Alltag hapert es allzu oft an grundlegenden Vorsichtsmaßnahmen.

Quelle: Spiegel Online vom Montag, 06.03.2017   13:08 Uhr

Freiheit für Deniz Yücel

Denis Yüzel Veranstaltung Stuttgart
Foto: © M. Seehoff

Auf die Nachricht der Verhaftung des deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel in der Türkei reagierten die AnStifter am 3. März 2017 mit einer Kundgebung vor dem türkischen Konsulat am Kernerplatz in Stuttgart. mehr…

Antirassistische Plakat-Aktionen

Die Gruppe „Dies Irae“, übersetzt: Tag des Zorns, gehört zur AdBusting-Bewegung, bei der Künstler Werbeplakate überkleben oder umgestalten. „Wir definieren uns als politische und selbst-denkende Menschen, die den öffentlichen Raum von der visuellen Umweltverschmutzung, auch Außenwerbung genannt, befreien.


Guerilla-Werbung aus dem Hamburger Hauptbahnhof

Lenin versus Bannon

lechts und rinks kann man nicht velwechsern

Steve Bannon gilt als wichtigster Berater und politischer Chefstratege von Präsident Trump. Er ist Mitglied im Nationalen Sicherheitsrat der Vereinigten Staaten. Da verwundert es schon, dass er sich selber als glühenden Verehrer von Lenin bezeichnet. Er sei Leninist, behauptete er in einem Interview, weil dieser „den Staat zerstören wollte“. Gleiches habe er vor. Alle heute existierenden staatlichen Strukturen sollen zusammenbrechen. Das heutige politische Establishment, einschließlich der republikanischen Partei, sollen dabei vernichtet werden. Darauf arbeite er hin. Somit sei er alles andere als ein Populist oder gar ein „amerikanischer Nationalist“.

Bannon glaubt, dass die Geschichte der USA in Zyklen von siebzig bis hundert Jahren verläuft und diese stets in einem Krieg enden. Darauf folge dann wieder ein gesellschaftlich-kulturelles Hoch. Nach Ende des 2. Weltkrieges vor 70 Jahren stehe derzeit ein neuer, reinigender Krieg unmittelbar bevor. Da verwundert es nicht, dass er Die Kunst des Krieges zu seinen Lieblingsbüchern zählt.

Rückblick
Hannes Wader im Theaterhaus

Konzert Hannes Wader
Foto: M. Seehoff

Wieder einmal ist Hannes Wader auf Tournee gegangen. Am 12. Februar trat er im Theaterhaus in Stuttgart auf. Keine Schwierigkeit für ihn, den größten Saal im Haus zu füllen.

Mit Heute hier, morgen dort beginnt er den Abend. Ganz allein im Scheinwerferlicht steht der baumlange Sänger mit seiner Gitarre und singt mit seiner sonoren Stimme und zieht augenblicklich das Publikum auf seine Seite. Wenn Hannes Wader mit einem Lied identifiziert wird, so ist es dieser Titel. Seit 1972 eröffnet er jedes seiner Konzerte damit. Das Lied erschien auf der legendären Platte 7 Lieder. Die Leadgitarre spielte, wie auch auf der Vorgängerplatte, der Ausnahmegitarrist Werner Lämmerhirt. Alle, die der Folkmusik verbunden sind und eine Gitarre halten können, werden wohl dieses Lied im Repertoire haben.

Weiterlesen …

Gegen Frust einfach mal ein wenig Rechtsstaat zu sich nehmen

Rechtsstaatlichkeit
.

Der deutsch-türkische Autor Akif Pirincci hatte bei einer Pegida-Demonstration am 19. Oktober 2015 in Dresden zur Flüchtlingspolitik gesprochen. In seiner Rede sagte er unter anderem: „Es gäbe natürlich andere Alternativen. Aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb.“ Das bezog sich nicht direkt auf Flüchtlinge. Wen er genau meinte, konnte nicht klar nachvollzogen werden. Weil ein Biogroßhänder aus Stuttgart die Rede zitierte, machten die Anstifter dieses auf ihrem Blog bekannt, auch im Elsternest wurde darüber berichtet. Nun ist Anfang Februar Akif Pirincci ein Strafbefehl zugestellt worden. Höhe: 11.700 Euro, zahlbar in 180 Tagessätze zu 65 Euro. Ihm wird Volksverhetzung vorgeworfen.

Auch der Richter Jens Maier muss für seine Äußerungen auf der Veranstaltung von Björn Höcke zum Thema Erinnerungskultur mit Sanktionen rechnen. Bei dieser Veranstaltung erklärte der Dresdner Richter die „Schuldkult“ der Deutschen für „endgültig beendet“. Ihm wurden umgehend Zuständigkeiten am Landgericht entzogen. Er ist zukünftig nicht mehr für Medien- und Presserecht zuständig. Ebenso würden Verfahren, die den Schutz der persönlichen Ehre betreffen, künftig von einer neuen Zivilkammer übernommen. Das hat der Gerichtspräsident Gilbert Häfner mitgeteilt. Mittlerweile ermittelt auch die Staatsanwaltschaft.

So geht Rechtsstaat!