Alle Beiträge von Seehoff Michael Maria

Über Seehoff Michael Maria

M. Seehoff schreibt über ungewöhnliche akustische Musik und zu bewegenden Ereignissen. Eventuell bringt die Musik auch die Seelen anderer AnStifter in Resonanz und lässt sie staunen (eine Hoffnung!). Auf dem Blog "Elsternest" erscheinen M's. Texte vor allem über kleine literarische Ereignisse in Stuttgart.

Kuscheln nein – soziale Kontakte ja

Social distancing

Mit Blick auf die Kontaktverbote angesichts der Corona-Pandemie hat das deutsche PEN-Zentrum an Politik und Medien appelliert, auf den Ausdruck „soziale Distanz“ zu verzichten.

Er könne durch „physische Distanz“ oder „körperlicher Abstand“ ersetzt werden, sagte PEN-Präsidentin Regula Venske. „Soziale Distanz“ klinge wie ein Begriff aus dem Wörterbuch des Neoliberalismus, führte die Schriftstellerin aus: „Wir alle aber wissen, dass jetzt soziale Nähe gefragt ist: Kooperation, Verantwortung füreinander.“ Es gebe sicherlich derzeit dringlichere Probleme, als Worte auf die Goldwaage zu legen, betonte Venske, aber Sprache präge des Denken und Verhalten der Menschen. Im Englischen bedeute das Wort „social“ heute vor allem „gesellig“ und erst in zweiter Linie das, wofür „sozial“ im Deutschen stehe, nämlich für gesellschaftliche Werte wie Gemeinsinn und Solidarität.

Quelle: Pen-Pressedienst

Songwriting
Stu Larsen gerät in einen Sturm

Stu Larsen
Zum Abspielen auf das Bild klicken

„Hurricane“ ist die neueste Single von Stu Larsen, diesem ewig Reisenden, der weltweit mit seinem Gitarrenkoffer unterwegs ist. (Ich hatte ihn bereits hier vorgestellt.)

Und erleben nicht auch wir gerade einen Sturm der ganz besonderen Art? Kommt gut durch diese Zeit! mehr…

Frauen im Rock XIV
Larkinpoe

Larkin Poe | Bleach Blonde Bottle Blues (Official Video)

Die Schwestern Rebecca & Megan Lovell von Larkin Poe sind Singer / Songwriter, Multiinstrumentalistinnen, die ihre eigene Marke von Roots Rock ’n‘ Roll kreieren: grobkörnig, gefühlvoll und von ihrem südlichen Erbe geprägt. Sie stammen ursprünglich aus Atlanta und leben derzeit in Nashville. Inspiration für den Namen der Band war Larkin Poe, ein Ur-Ur-Ur-Großvater der Lovells. Dieser war zugleich ein Cousin des legendären Schriftstellers Edgar Allan Poe.

Rassismus
Nicht nur Corona tötet

Diskriminierung

Michel Abdollahi schreibt:
Rassismus ist auch ein Virus, das sich in der Gesellschaft festgesetzt hat. Dieses Virus befällt Menschen und tötet. Aber eben nicht alle. Es genießt aktuell immer noch eine zweifelhafte Exklusivität. Würde es alle befallen, wir wären schon längst anders gegen es vorgegangen. Solange wir aber glauben, gegen Rassismus immun zu sein, reicht es meist nicht zu mehr als zu kurzfristiger Betroffenheit. Aber der Hass gegenüber Haltung, wie sie etwa Walter Lübcke zeigte, wird sich weiter ausbreiten. Dann wird auch Herkunft kein Privileg mehr sein. Dann kann es jeden treffen.
Quelle: Spiegel
Ein ausführliches Interview mit ihm kann man hier lesen/hören

Zeit zum Nachdenken

Peter Grohmann Foto: © M. Seehoff
Foto: © M. Seehoff

Peter Grohmann, Gründer der AnStifter, lässt uns folgende Botschaft zukommen:

Liebe Leute,

vielen Dank für die freundliche Post, für Nachfragen, Anrufe und die interessanten Ideen zur eigenen, der Volksgesundheit und der Rettung der Demokratie.

Leider sind – aus Mangel an Erkenntnis und Zeit – viele Menschen, die uns nahestehen, durch unser eher mageres Informationsraster gefallen – nicht nur jene, die keine eMail-Adresse haben. Jetzt besteht deshalb für uns alle eine gute Gelegenheit, Versäumtes nachzuholen. Kontaktsperre aufheben. mehr…

Herzlichen Glückwunsch
Zum 75. Geburtstag von Eric Clapton

Eric Clapton 2008 im Hyde Park, London
Eric Clapton 2008 im Hyde Park, London
Foto: © Majvdl / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Heute, vor 75 Jahren, wurde Eric Clapton in Ripley, ca. 40 km südlich von London, geboren. Zur Zeit seiner Geburt war seine Mutter gerade mal 16 Jahre alt, sein Vater, ein in England stationierter, 24-jähriger kanadischer Soldat, hatte das Land bereits verlassen. Dass Eric Clapton einer der bekanntesten und besten Bluesgitarristen werden sollte, konnte die alleinerziehende Mutter zu diesem Zeitpunkt nicht ahnen.
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Ásgeir singt und spielt unter der Brücke

Ásgeir - King And Cross (Live at The Bridge)

Der achtundzwanzigjährige Singer-Songwriter Ásgeir Trausti ist in Island kein Unbekannter. Ásgeir ist der Sohn des isländischen Dichters Einar Georg Einarsson, der für Ásgeir die meisten Lieder geschrieben hat. Sein Debütalbum „Dýrð í dauðaþögn“ wurde das bestverkaufte Debütalbum Islands. Etwa 10 % der Isländer (340.000) besitzen dieses Album. Mit einer Neuauflage des ursprünglich in Isländisch gesungenen Albums und mit Björk als Labelkollegin im Rücken, gelang ihm 2014 auch international der Durchbruch („In the Silence“). Mittlerweile ist er heiß begehrt, tourt durch die ganze Welt und erklärt dabei in Interviews immer wieder so sympathisch bescheiden, dass er als Kind kaum etwas anderes zu tun hatte als Musik zu machen. Ich habe mich auf Anhieb in seine wunderschöne Stimme verliebt.

Frauen im Rock XIII
Samantha Fish „Chills And Fever“

Samantha Fish - Chills And Fever - Daytrotter Session - 9/8/2017

Die 1989 in Kansas City geborene Samantha Fish ist eine Blues- und Country-Gitarristin, Sängerin und Songwriterin. Bei ihren Auftritten wird sie zumeist nur von E-Bass und Schlagzeug, manchmal auch von Keyboard, Saxophon und Trompete begleitet. Samantha Fish stammt aus einer musikalischen Familie, denn sowohl ihr Vater als auch ihr Onkel spielten Bluesgitarre; sie selbst begann zunächst Schlagzeug, später dann im Alter von 15 Jahren, Gitarre zu spielen. Für ihre erste Plattenproduktion „Runaway“ (2011) erhielt sie den Blues Award für das beste Debütalbum. Ihre achte LP erschien 2019.

Trauer in der Musikerszene
Manu Dibango ist tot

Festival der Kulturen in Stuttgart, 2013 Foto: © M. Seehoff
Festival der Kulturen in Stuttgart, 2013
Foto: © M. Seehoff

Der aus Kamerun stammende Saxophonist Manu Dibango verstarb am 24. März im Alter von 86 Jahren. Auf seiner offiziellen Facebook-Seite wurde bestätigt, dass er dem Coronavirus zum Opfer gefallen ist. Manu Dibango galt als Star des Afro-Jazz. Er verband Jazz und Funk mit den musikalischen Einflüssen seiner Heimat Kamerun – unter anderem der Tanzmusik Makossa.
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Katie Noonan
Coverversion von Chandelier

Katie Noonan

Live At The Bridge ist eine Videoserie, in der ausgewählte Musiker aus aller Welt ihre Lieblingslieder unter der Sydney Harbour Bridge aufführen. Die australische Künstlerin Katie Noonan spielt auf hohem Niveau Alternative Rock, Jazz. Auch von Opermusik hält sie sich nicht fern. Hier im Video interpretiert sie den Song „Chandelier“ der australischen Sängerin und Songwriterin Sia Kate Isobelle Furler.

Textlich hat das Lied ein melancholisches Thema, das die Demoralisierung und Rationalisierung des Alkoholismus durch den Denkprozess eines „Partygirls“ beschreibt. Im weiteren Sinne spricht das Lied die flüchtigen Gefühle der Befreiung und Verlassenheit an, die mit der Vergiftung einhergehen, sowie den Schmerz, die Schuld und die Leere, die mit Sucht, Alkoholismus und hedonistischem Übermaß einhergehen.

In Zeiten des Coronavirus ein Zeichen der Verbundenheit setzen

L'inno d'Italia cantato da balconi e finestre in tutto il Paese

Aus der Stille der italienischen Städte steigt ein Chor, ein Konzert, ein herzerwärmendes Lebenszeichen. Alle paar Stunden, irgendwo im Land, treten Menschen aus der Isolation, die ihnen die Regierung wegen der Verbreitung des Coronavirus verordnet hat, heraus. Sie stellen sich auf ihre Balkone oder an ihre Fenster und stimmen in Lieder ein, alle miteinander, über Straßen und Piazze hinweg, manchmal begleitet von improvisierten Schlagzeugern, die sich mit Pfannen behelfen, mal von Trompetern zweifelhafter Güte, mal von richtig guten Tenören und Gitarrenspielern. Jeder mit seinem Talent.
Quelle: Süddeutsche Zeitung

Herzlichen Glückwunsch
Bobby McFerrin wird 70

Photo by Szaniszlo Ivor, CC BY-SA 3.0
Photo by Szaniszlo Ivor, CC BY-SA 3.0

Bobby McFerrin, dieser große Stimmkünstler wird heute 70 Jahre alt. Man kann den Eindruck gewinnen, er sei vom Himmel geschickt, um uns mit seiner Stimme zu verzaubern. Ich hatte das Vergnügen, ihn in den 80ziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Hamburg zu erleben. Es ist nicht nur seine Stimme, die mich für ihn eingenommen hat. Es ist sein ganzes, den Menschen freundlich zugewandtes Wesen. Bescheiden tritt er auf die Bühne, ganz ohne Starallüren, die er damals schon hätte haben können. mehr…

Lernort Komödien
Von der Freundschaft zwischen Kommunisten und Anarchisten

Känguru-Chroniken: Freunde sein
Foto: X Verleih

Die Komödie Die Känguru-Chroniken ist gerade angelaufen. (Regie Dani Levy nach dem Buch von Marc-Uwe Kling). Darin findet sich dieser klärende Dialog:

Känguru: „Ich bin Kommunist und was sind Sie?“
Marc-Uwe: „Ich bin Anarchist“
Känguru: „Cool, dann können wir Freunde sein. Bis zur Revolution. (leiser, für sich) Danach wird es allerdings schwierig.“

Peter Grohmanns Wort zum Montag

Hand ausgestreckt

In seinem aktuellen Wort zum Montag lenkt Peter Grohmann den Blick auf den Umgang mit den Flüchtlingen, die in der Türkei gestrandet sind und die einen sicheren Zufluchtsort in Europa suchen:

Es ist Zufall, dass ich das „Wort zum Sonntag“ in der ARD von Annette Behnken gehört habe. Kirche zeichnet sich selten durch klare Worte aus und ist eher Sprachrohr der Herrschenden. Manchmal und diesmal aber war es ein mutiges Wort. Vielleicht lesen Sie es und geben es weiter. In dieser Radikalität wünsche ich mir meine bedenkentragenden Freunde aller Fraktionen.

Diese 4 Minuten haben es in sich: Deutliche und scharfe Worte zur aktuellen Flüchtlingspolitik. Hier einige Auszüge: mehr…

Lesung Wolfgang Schorlau
Die trüben Wasser von Venedig

Wolfgang Schorlau und Claudio Caiolo im Hospitalhof
Wolfgang Schorlau und Claudio Caiolo im Hospitalhof
Wolfgang Schorlau hat ein festes Stammpublikum und das ist am 4. März 2020 in den großen Saal des Hospitalhofs geströmt und hat diesen bis zum letzten Platz gefüllt. An diesem Abend ist er nicht allein mit einem neuen Roman gekommen: Der freie Hund. An seiner Seite der Italiener Claudio Caiolo. Mit dem Schauspieler Claudio verbindet Wolfgang Schorlau eine 25jährige Freundschaft. Seit vielen Jahren wollten sie ein Projekt zusammen machen. Nun liegt das Ergebnis vor: Ein Kriminalroman, in Venedig angesiedelt. Weiterlesen nach Landung im Blog „Elsternest“

Songwriting
Dezember im Frühling – The Decemberists

The Decemberists - Rox in the box live

The Decemberists ist eine US-amerikanische Indie-Folk-Band aus Portland, Oregon, deren Name sich auf die Dekabristen und die Stimmung bezieht, die im Dezember herrscht. Die Dekabristen waren „adlige Revolutionäre“, vor allem Offiziere der russischen Armee, die am auf dem Platz vor Senat und Synode in Sankt Petersburg den Eid auf den neuen Zaren Nikolaus I. verweigerten. Damit bekundeten sie ihren Protest gegen das autokratische Zarenregime, gegen Leibeigenschaft, Polizeiwillkür und Zensur. In ihrem Song Rock in the Box aus dem Jahr 2011 aus dem Album The King is Dead singen sie:

Und du wirst keinen Cent machen
Auf dieser grauen Granitbergmine
Von Schmutz bist du gemacht und verschmutzt du wirst zurückkehren

Friedenspreis der AnStifter 2019
Grimme-Preis 2020 für Film über SeaWatch3

Rettungsschiff Bildquelle: Sea-Watch e.V. – Zivile Seenotrettung von Flüchtenden

Die Panorama- und STRG_F-Autoren Nadia Kailouli und Jonas Schreijäg werden mit dem Grimme-Preis 2020 ausgezeichnet. Sie erhalten den Preis in der Kategorie „Information und Kultur“ für ihren Dokumentarfilm „SeaWatch3“, eine Gemeinschaftsproduktion von STRG_F, Panorama und NDR Dokfilm. Die Auszeichnung wird am 27. März 2020 in Marl vergeben.
Das ausgezeichnete Video hier anschauen

Sie wissen, was sie tun

Rechte GewaltDie Erzählung von Protestwählern, die Rechtsextremisten und Nazis in die Parlamente verhelfen, erweist sich als falsch und verharmlosend. Im Rahmen der Leipziger Autoritarismus-Studien befragten die Forscher von Mai bis Juli 2018 insgesamt 2344 Personen im Alter zwischen 18 und 91 Jahren zu ihren politischen Einstellungen. Aus den Ergebnissen lasse sich ableiten, dass ein Großteil der Anhänger die AfD nicht trotz, sondern wegen ihrer antidemokratischen Positionen wähle, ergänzt die an der Studie beteiligte Wissenschaftlerin Julia Schuler. Weiterlesen hier.

Was gegen die AfD zu tun ist, beschreibt Sascha Lobo in seiner Kolumne so:
Die Zivilgesellschaft hat ein effektives Mittel gegen das Erstarken des Rechtsextremismus: Ausgrenzung.

 

 

Filmkritik
Es ist nie zu spät für Gerechtigkeit

Der schwarze Anwalt Brian Stevenson (Michael B. Jordan, rechts) übernimmt die Verteidigung des zum Tode verurteilten Walter McMillin (Jamie Foxx)
Der schwarze Anwalt Brian Stevenson (Michael B. Jordan, rechts) übernimmt die Verteidigung des zum Tode verurteilten Walter McMillin (Jamie Foxx)
© Warner Bros.

Wer in den Jahren der Präsidentschaft von Donald Trump über Amerika den Kopf schüttelt, der wie kaum ein anderer Präsident vor ihm in jüngster Zeit das Land spaltet, sollte sich den Justizthriller „Just Mercy“ anschauen. Hier wird gezeigt, wie gespalten dieses Land schon immer war und wie Menschen, die an die amerikanische Verfassung glauben, den Kampf für Gerechtigkeit aufnehmen. Die daran scheitern können, aber auch Gerechtigkeit mit Hilfe der Gesetze wieder herstellen können. Der Film „Just Mercy“ konzentriert sich ganz auf seine beiden Protagonisten, den schwarzen Anwalt Brian Stevenson (hervorragend: Michael B. Jordan) und den zum Tode verurteilten Schwarzen Walter McMillian, alias „Johnny D.“, (Jamie Foxx). Er sitzt als Todeskandidat im Gefängnis und ringt um seine Würde.

JUST MERCY Trailer German Deutsch (2020)

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Ernesto Cardenal gestorben
Lyriker, Revolutionär und Mystiker

Ernesto Cardenal
Bildquelle Wikipedia CC BY-SA 3.0

Der nicaraguanische Dichter und Priester Ernesto Cardenal starb am 1. März 2020 in Managua im Alter von 95 Jahren an Nieren- und Herzschäden. Als Theologe war er einer der prominentesten Vertreter der Befreiungstheologie. Sein politisches Engagement veranlasste ihn, den bewaffneten Kampf gegen die Somoza-Diktatur zu unterstützen. Als Dichter war er hoch geehrt, er bekam unter anderem den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1980).

Gott
braucht den Menschen nicht,
um glücklich zu sein,
und doch liebt er ihn so,
als ob er ohne ihn
ewig unglücklich wäre.

Ernesto Cardenal

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