Was von der Liebe bleibt

Mi, 8. Mai 2024, 18:00 Uhr - 21:30 Uhr
Atelier am Bollwerk, Hohe Str. 26, 70176 Stuttgart
Veranstalter: Heinrich Böll Stiftung BW
Wichtiges:

Film und Gespräch veranstaltet von der Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg. Hier anmelden.

Es ist ein seltener Glücksfall, wenn das Politische und das Private so klug miteinander verwoben werden wie in dem Kinospielfilm von Regisseur und Drehbuchautor Kanwal Sethi. Der indischdeutsche Regisseur und Drehbuchautor verknüpft in WAS VON DER LIEBE BLEIBT den politischen Hintergrund der individuellen Schicksale von Ilyas und Yasemin, zwei Deutsche türkischer und kurdischer Abstammung – und seine eigenen Erfahrungen – geschickt mit einer berührenden Liebesgeschichte. In seinem aktuellen Film nähert sich Sethi dem im deutschen Kino kaum berührten Thema struktureller Rassismus an. Davon zu erzählen, ist heute wichtiger denn je. Sethi stellte schon mit Filmen wie FERNES LAND (2011) und ONCE AGAIN – EINE LIEBE IN MUMBAI (2018) sein Gespür unter Beweis, gesellschaftlich relevante Themen poetisch zu erzählen. WAS VON DER LIEBE BLEIBT wurde produziert von Benny Drechsel, ROHFILM Productions (u.a. GROSSE FREIHEIT, Regie: Sebastian Meise, LORE, Regie: Cate Shortland, u.v.a.), in Koproduktion mit ZDF, gefördert von BKM, MDM, DFFF, MBB, HessenFilm und FFA. FILMWELT bringt den Film am 2.5.2024 in die Kinos.


Statement des Director: Auch wenn die Idee zu dem Film im Kontext des NSU-Verbrechens entstand, ist WAS VON DER LIEBE BLEIBT eine Liebesgeschichte – über eine Liebe, die über den Tod hinausgeht. Eine Geschichte von Ilyas und Yasemin und dem gesichtslosen strukturellen Rassismus, der das Dreieck vervollständigt. Ilyas und Yasemin, zwei Deutsche türkischer und kurdischer Abstammung, sind seit langem ein Paar, Geschäftspartner und Eltern einer Tochter. Dennoch bleiben sie immer die Fremden im eigenen Land. Es ist ein Film über die Zweifel, die jede Liebe kennt, und gleichzeitig über Zweifel, die durch staatliche Behörden wie ein Gift injiziert werden – und damit Ilyas’ Liebe zu Yasemin auf die Probe stellen. Der tief verwurzelte Rassismus in Deutschland kostet den Liebenden ihr Leben. Jedoch erzähle ich nicht vom expliziten Rassismus auf der Straße oder jenem, der von extremen Rechten propagiert und gelebt wird. WAS VON DER LIEBE BLEIBT handelt vielmehr vom institutionellen, systemischen Rassismus, der gesichtslos und fest in der Mitte der Gesellschaft verankert ist. Er grenzt unzählige Menschen mit nicht-weißem und anderen ethnischen Hintergründen täglich aus und fügt ihnen Kränkungen zu. Die Ermordung eines jungen Mannes in Frankreich im Frühjahr 2023 und die darauffolgenden Unruhen werfen erneut Licht auf dieses gesellschaftliche Problem, das seinen Schatten tief in staatliche Institutionen Europas wie die der Polizei wirft. Und dennoch ist das Thema institutioneller Rassismus in den Medien und dem gesellschaftlichen Diskurs nach wie vor weitestgehend ein Tabu. Ilyas’ Geschichte spürt dem nach, was den NSU-Opferfamilien und unzähligen anderen Opfern von Rechtsterrorismus widerfahren ist. Sehr oft konzentrieren sich die folgenden Ermittlungen bei rechtsextremen Verbrechen ausschließlich auf die Opfer und ihren ethnischen Hintergrund. Mehr noch, der systemische Rassismus kriminalisiert die Opfer und macht sie zu Tätern. Es ist an der Zeit, dass diese Schicksale von der deutschen Mehrheitsgesellschaft nicht mehr ignoriert und bezweifelt oder als Einzelschicksale abgetan werden. Auch wenn Ilyas Liebe zu Yasmin stärker ist als der Tod: Rassismus tötet und Liebesgeschichten enden wegen ihm. Das muss endlich aufhören.


Ilyas (Serkan Kaya) und Yasemin (Seyneb Saleh) sind ein Liebespaar, seit fünfzehn Jahren. Dann geschieht etwas Entsetzliches: Aus dem Nichts wird Yasemin bei einem Anschlag auf ihr Café von Unbekannten erschossen. Ilyas Leben und das der gemeinsamen Tochter Senna (Amira Demirkiran) gerät aus den Fugen, besonders als Ilyas selbst von der Polizei verdächtigt wird, seine Frau erschossen zu haben. Außerdem tauchen Gerüchte auf, Yasemin habe ein Doppelleben geführt, sie habe die verbotene PKK unterstützt. Die Polizei ermittelt, doch eine Antwort bleibt sie schuldig. Je länger diese Verdächtigungen andauern, desto mehr stellt Ilyas sich die Frage: War Yasemin wirklich die Frau, die er geliebt hat? Was bleibt von der Liebe?

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Anschließendes Gespräch


REGIE Kanwal Sethi

DARSTELLER*INNEN Serkan Kaya, Seyneb Saleh, Amira Demirkiran


Einlass: ab 17:30 Uhr

Filminfo: ca. 100 Minuten Laufzeit / Freigegeben ab 12 Jahren

Verschlagwortet mit: Rassismus