Gutes Leben ohne Wirtschaftswachstum
Degrowth-Konferenz in Leipzig startet

Heute startet die fünftägige Degrowth-Konferenz in Leipzig. Bis Samstag werden in Vorträgen, Kleingruppen, Kunstaktionen neue Theorien der ökologischen Nachhaltigkeit und sozialen Gerechtigkeit diskutiert, Ansätze ausprobiert und mit einer Demo eingefordert.

Die Veranstalter schreiben: “Im Deutschen gibt es für “Degrowth” unterschiedliche Übersetzungen mit verschiedenen Bedeutungen: beispielsweise “Postwachstum”, “Schrumpfung”, “Wachstumswende” oder “Entwachstum”. Gemeinsam ist die Überzeugung, dass eine auf Wachstum basierende Gesellschaft keine Zukunft hat: Trotz technologischer Lösungsversuche für ein „Grünes Wachstum“ steigen Ungleichheit und Umweltverbrauch weiter an. Es ist an der Zeit, Formen von Wirtschaft und Gesellschaft aufzubauen, die unabhängig von Wirtschaftswachstum ein gutes Leben für alle ermöglichen!”

Von der Konferenz gibt es eine Live-Übertragung. Die Eröffnungvorträge für Einsteiger beginnen am heutigen Dienstag um 14.30 Uhr und 17.00 Uhr.

Der Medienpartner detektor.fm begleitet ebenfall die Konferenz als Themenwoche mit Radio-Beiträgen.

Frieden schaffen ohne Waffen – war da was?

Liebe Leut,

heute vor 75 Jahren begann Deutschland den Zweiten Weltkrieg. Seit Jahrzehnten finden deshalb hierzulande am 1. September Aktionen zum Weltfriedenstag statt. In diesem Jahr kommt die wichtigste Aktion aus dem Bundestag selbst: Eine Debatte über deutsche Waffenlieferungen an die Kurden im Nordirak. Toll was? Soweit sind wir schon gekommen.
Frieden schaffen ohne Waffen. So griffig dieser Spruch vom friedensbewegten und leider viel zu früh verstorbenen Ulli Thiel war und immer noch ist: Unsere Politik ist mittlerweile auf ganz anderen Wegen.
Und dabei ist die heutige Parlamentsdebatte selbst eine Farce. Denn unsere liebe Regierung hat nicht nur schon schon sechs Bundeswehrsoldaten nach Erbil geschickt, um die Waffenlieferungen zu koordinieren, sie hat sie auch gestern schon endgültig abgesegnet. (Eine Segnung der Waffen hätte gerade noch gefehlt…). Ausrüstung für insgesamt 8.000 Soldaten.
Der Bundestag soll quasi symbolisch abstimmen. Vielleicht auch symbolisch debattieren.
„Ich werde dazu eine Regierungserklärung halten, und der Bundestag kann sich dann informieren und debattieren“, erklärte Merkel ihren Affront.
Eine Parlamentsdebatte als Bestätigung von Regierungshandeln.
Ohne Entscheidungskompetenz.
Nur ein Schein von Demokratie wird gewahrt.
Und das beim Bruch eines wichtigen Grundsatzes deutscher Politik: Keine Waffenlieferungen in Krisengebiete.
Egal. Weg damit. Wer braucht schon Grundsätze? Lieber noch mehr Waffen in ein Gebiet, das nur so von Waffen strotzt. In ein Gebiet, das nicht zuletzt durch Interventionen des Westens extrem destabilisiert wurde.
Keine Rede davon, Druck auf die Unterstützer des Islamischen Staats auszuüben. Auf Katar und Saudi-Arabien. Nein. Das würde ja wehtun. Nicht den Menschen. Nein, unserer Rüstungsindustrie. Unserer Ölindustrie. Unserer Bauindustrie.
Keine Rede davon, über den UN-Sicherheitsrat aktiv zu werden. Die gesamten Vereinten Nationen spielen in den Überlegungen keine Rolle mehr.
Legitimität gewinnen die Aktionen dadurch nicht. Im Gegenteil: Sie werden willkürlicher, reißen immer mehr Gräben auf. Nicht nur im Nahen Osten. Auch in Osteuropa. Für das Großbritannien jetzt eine 10.000 Mann starke Eingreiftruppe aufbauen will. Klingt wie der Versuch, das Wettrüsten wieder einmal zu verstärken.
Als hätten wir aus der Geschichte nichts gelernt…

Wütende Grüße

Fritz Mielert & Peter Grohmann

PS: Wir sind jetzt beide wieder im Lande und zu neuen Schandtaten bereit
PPS: Unsere August-Exkursion zur Kunstausstellung war etwas überlaufen. Deshalb gibt’s nicht nur den 27.9., sondern auch einen Zusatztermin am 28.9.
PPPS: Das neue Programm des Philosophischen Cafés steht ebenso online wie unsere Veranstaltungsreihe Commons – Wir schaffen die Gemeingüter von morgen
PPPPS: Auch lesenswert www.rationalgalerie.de/home/die-irren-sind-unter-uns.html

Commons
leihbar.org

imageNutzen statt Besitzen – Das ist das Prinzip der Sharing Economy. Was beim Carsharing und für Wohnungen bereits funktioniert, kann auch für Beamer, Bohrmaschine und Raclettegrill funktionieren. Viele Menschen wollen sich diese Dinge nicht mehr anschaffen. Sie wollen nicht die Bohrmaschine – sie wollen das Loch in der Wand.

Es gibt in Privathaushalten zahlreiche wenig genutzte Güter. Eine durchschnittliche Bohrmaschine bohrt 45 von 300 möglichen Stunden, bevor sie ausrangiert wird. Diese auf einer Internetplattform wie fairleihen oder frents von Nutzer zu Nutzer zu verliehen, klingt nach einer cleveren Lösung. In der Realität gibt es jedoch zu viele Hürden. Was passiert, wenn etwas kaputt geht – bei den meisten Haftpflicht-Versicherungen ist Leihen nicht abgedeckt. Eine Übergabe zu organisieren, eine Rückgabe, und das bei jedem Leihvorgang, bedeutet viel zeitlichen Aufwand. Dasselbe gilt für Baumärkte und andere Vermieter. Diese sind nicht am Ort der Nutzung, oft an der Peripherie der Städte angesiedelt. Für viele Menschen bedeutet das eine Verschwednung ihrer knappsten Ressource: Zeit.

Leihbar.org hat eine innovative Lösung für dieses Problem: Einen Leihautomaten, die Leihbar Sharing Box. Und nicht nur eine, sondern hunderte, über die Stadt verteilt – eine Wolke aus Bohrmaschinen, Stabmixern und Gadgets, aus denen sich die Nutzer bedienen können. Die Sharing Box stellt die Dinge dort zur Verfügung, wo sie genutzt werden. Das Sortiment wird dynamisch an die Nachfrage des jeweiligen Standortes angepasst.

Leihbar will nur hochwertige und langlebige Produkte vermieten. Für einen Vermieter bedeutet Langlebigkeit: Je länger ein Beamer durchhält, je besser man ihn reparieren kann, desto länger kann man Geld mit ihm verdienen, desto niedriger werden die Tarife für die Nutzer. In Zukunft will leihbar diesen Anreiz an die Hersteller weitergeben, sie an den Umsätzen beteiligen. Damit sie von der gängigen Praxis ablassen, die Lebenszeit der Geräte absichtlich zu verkürzen. Damit sie ein wirtschaftliches Eigeninteresse an Langlebigkeit und Reparierbarkeit haben.

Wenn es leihbar schafft, die Nutzer, Hersteller und Gastgeber für ihre Boxen in ein Boot zu bekommen, ergibt sich eine Win-Win-Win Situation: Die Nutzer sparen Geld, die Unternehmen machen mehr Umsatz als mit dem Verkauf und Ressourcen werden in einer Kreislaufwirtschaft geschont.

noch mehr unter leihbar.org

Commons – Wir schaffen die Gemeingüter von morgen!

Im Herbst werden wir uns dem Thema Commons nähern. Commonisch zu wirtschaften bedeutet, dass Menschen gemeinsam das herstellen, was sie zum Leben brauchen, und dabei über Verteilung und Regeln selbst bestimmen. Mit dem Einführungsvortrag über die Funktionsweise der Commons im September beginnt die Reihe, es folgen die Themen Creative Commons, Landwirtschaft, Open Source Ecology und Wohnen. Aber das Theoretische ist uns nicht genug: Wir wollen nicht nur Törtchen essen, sondern auch beim Backen mitmachen. Deswegen scannen wir Bücher mit dem Württembergischen Kunstverein, packen bei der Solidarischen Landwirtschaft in Stuttgart-Möhringen mit an und besuchen zwei Mietshäuser-Projekte in Tübingen.

Das Commons-Prinzip beginnt schon: Alle Veranstaltungen sind kostenlos, haben aber ihren Preis. Wir verlangen keinen Eintritt und bitten daher um Spenden, um die Kosten zu decken.
Außerdem wurde das angehängte Faltblatt mit Creative Commons-Lizenzen hergestellt und versehen. D.h. kopieren und verbreiten, abmalen und aushängen, ausdrucken und weitergeben ist sorgenfrei möglich und erwünscht.

Commons - Wir schaffen die Gemeingüter von morgen - Die Anstifter1Faltblatt zum Runterladen: Commons – Wir schaffen die Gemeingüter von morgen – Die Anstifter

Die Veranstaltungen der Anstifter finden Sie auch im Terminkalender unter dem Stichwort Commons.

Sant’Anna-Nachlese

Liebe Leut,

haben wir nun in Sant’Anna di Stazzema Buße getan? Schwer zu sagen. Zumindest nicht im religiösen Sinne. Unter anderen klimatischen Bedingungen wäre es eine leichte Arbeit in einer wunderbaren Landschaft gewesen. Doch in der toskanischen Hitze und bei z.T. tropischer Feuchtigkeit der in knapp 700 Metern hängengebliebenen Wolken waren fünf Tage mit Heckenschnitt, Heu machen und das Ossario von Gräsern und Efeu befreien nicht gerade ein Spaziergang. Umso herzlicher wurden wir Neun vor Ort aufgenommen. Umso emotionaler waren die zufälligen Begegnungen mit Angehörigen von Opfern und Überlebenden während unserer Arbeit. Dokumentiert haben wir unseren Einsatz in einem mehr schlecht als recht geratenen Filmchen.

Neben der Verkündung, dass der deutsch-italienische Zukunftsfonds die Restaurierung einer zentralen Kappelle übernimmt, stieß natürlich der Beschluss des Oberlandesgerichts Karlsruhe in Sant’Anna auf große Begeisterung. Wie zum Jahrestag bestellt hatte das Gericht die von den Stuttgarter Staatsanwaltschaften 2012 verkündete Einstellung der Ermittlungsverfahren gegen die Verantwortlichen des Massakers vom 12. August 1944 in der Luft zerrissen und so bei den Überlebenden wieder Hoffnung auf Gerechtigkeit geschürt.

Wie nun, da die Verantwortung bei einem Hamburger Gericht liegt, unsere Kampagne genau weitergehen wird, ist noch nicht abzusehen. Ideen haben wir auf jeden Fall. Z.B. steht eine Lesung aus der Autobiografie des Massaker-Überlebenden Enio Mancini an. Sobald der Termin fixiert ist, erfahren Sie’s natürlich sofort.

Leider schon von uns gegangen ist am Montag, den 11. August 2014 ist unser Freund Peter Buohler, mit 77 Jahren, Architekt, AnStifter und Städtebauer für eine bessere Welt. Er ist uns vorausgeeilt. Die Beerdigung findet am Dienstag, 19. August 2014 um 11 Uhr auf dem Waldfriedhof statt, anschließend sind wir im Gemeindezentrum Sonnenberg (Anna-Peters-Straße). Wir trauern mit den Angehörigen und Freunden.

Leider im russischen Exil weilt Edward Snowden. Das Internationale Literaturfestival Berlin ruft deshalb für den 8. September zu einer weltweiten Lesung für Edward Snowden mit dem Ziel auf, dass in den USA die Anklage gegen den Whistleblower zurückgenommen und ihm weltweit freies Geleit erteilt wird – auch zu Anhörungen und zur Verleihung unseres Friedenspreises am 23. November. Haben Sie Interesse an einer gemeinsamen Aktion in Stuttgart?

Grüßle

Fritz Mielert & Peter Grohmann (die leider beide bis Ende August nur schwer erreichbar sind)

PS: Peter Grohmann wetterte über Semitismus und Antisemitismus und dasLompapack
PPS: U.a. Süddeutsche und Kontext berichteten über Sant’Anna.
PPPS: Fordern Sie jetzt Infos zu unserem Kongress “Der NSU im Staat” am 8.11. an!
PPPPS: Auch vormerken sollten Sie sich den 23.9., an dem die Berliner Compagnie mit der Lobbyisten-Komödie “Stille Macht” in der Halle auf der Schrey ist.
PPPPPS: Immer noch hörenswert: Georg Schramm über den Krieg „Reich gegen Arm“
PPPPPPS: Am So, den 31. August gibt’s um 11 Uhr “Besessenheit / Ossessione” von Luchino Visconti in unserer Reihe Filme, die Geschichte machen im Planetarium
PPPPPPPS: Am 30. August geht’s zum vorletzten Mal zur Kunstausstellung Underground im Elsaß. Waren Sie schon mit dabei?