Plakatwettbewerb “Die Waffen nieder!”
Die Jury hat getagt

Herzlichen Dank allen Teilnehmenden am Plakatwettbewerb “100 Jahre erster Weltkrieg. Die Waffen nieder! Jetzt!” Am Samstag, den 26. Juli 2014 tagte die Jury – bestehend aus Hans D. Christ, Prof. Marcus Wichmann, Peter Boehm und Fritz Mielert – und beriet über die Einsendungen.

Die Entscheidung fiel nicht leicht. Trotzdem hat sich in stundenlanger Debatte ein eindeutiger Favorit herauskristallisiert: Arms Race – Wettrüsten von Vincenzo Fagnani. Seinen bestechend klaren Entwurf belohnt die Jury mit 1.000 Euro.

Auf den zweiten Platz (600 Euro) kam ein Werk von Kathrin Wevering, dass das Leiden der schwächsten Kriegsopfer thematisiert.

Den dritten Platz (400 Euro) belegt Anne Kuper mit ihrer Arbeit “War is not…”, die die Jury durch ihren Mut, einen ganz anderen Ansatz zu verfolgen, überzeugte und mit ihrem Plakat den Versuchen entgegenwirkt, Krieg den Schrecken zu nehmen.

Die Plätze 4-8 (Burkhardt Hauke, Erik Bölscher, Sandra Gratz, Jan Heerlein & Anne Schäfer) belohnt die Jury mit Buchpreisen.

1. Platz

Vincenzo Fagnani
Vincenzo Fagnani

2. Platz

Kathrin Wevering
Kathrin Wevering

3. Platz

Anna Kuper
Anna Kuper

4.-8. Platz

burkhardthauke
burkhardthauke
Erik Bölscher
Erik Bölscher
Sandra Gratz
Sandra Gratz
Jan Heerlein
Jan Heerlein
Anne Schäfer
Anne Schäfer

Entwürfe in der engeren Wahl

Die Entwürfe aus der engeren Wahl werden voraussichtlich vom 9. November 2014 an im Theaterhaus Stuttgart ausgestellt.


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Wettern der Woche
1 Million nebenher

Dass der CSU-Parlamentarier Peter Gauweiler rund eine Million mehr oder weniger so ganz nebenbei eingenommen hat, schmerzt allenfalls die Geringverdiener und mich. Neidhammel, ruft mir in diesem Augenblick meine Omi Glimbzsch aus Zittau zu – ich hätte ja auch Karriere machen können, wenn ich fleissig genug gewesen wäre. www.abgeordnetenwatch.de ist da die eine gute Seite unserer Mediengesellschaft, die Karriere macht, und die andere, die ebenfalls furchtbar die Leute ärgert, heisst www.transparency.de. Auf der einen oder anderen Liste taucht früher oder später jeder auf, der Rang und Namen hat in unserer Demokratie. Es sei denn, man macht rechtzeitig gutes Wetter, um einem Getwitter zuvorzukommen. Unsere Landesregierung etwa, die neulich in Berlin zur Stallwächterparty des Landes einlud, ging mit dem 250.000-Euro-Fest absolut souverän um. „100 Prozent Öko“ war die Devise. Deshalb reiste die ganze Klicke von Stuttgart aus mit dem Flieger nach Berlin – der wäre ja so oder so geflogen. „Ja, Grohmann, Du Seckel“, wird mich jetzt vielleicht Genosse Friedrich fragen, „hättet mir etwa mit ‘m Fahrrädle kommen solle? Über Helmstedt?“

Die Party des Landes kostete rund 220.000 Euro. Eingeladen waren alle, die irgendwie irgendwo zur Berliner Haute volee zählen, darunter natürlich auch der eine oder andere Steuersünder, zwei-drei handzahm gewordene Journalisten, Bankrotteure und Banker, Zuhälter der Rüstungsindustrie, Zocker aus dem Immobilienmilieu, wie Spötter aufzählen dürfen – vor allen aber wohlverdiente und verdienende Zeitgenossen, wie sie unser Land braucht.

Ich sag’ mal so: Die Schickeria,die Großkopfeten brauchen auch solche Events, bei denen es ein Verbrechen wäre, wie Anno Dunnemal die Roten am Holzstecken ins Feuer zu halten. Die gepamperte Demokratie trinkt in Maßen – nur der Pöbel würde sich sinnlos besaufen.

In Wahrheit hat das Fest das Land so gut wie gar nichts gekostet, denn es wurde gesponsert. Nehmen wir die Firma Diehl, Kennwort: Schwerter zu Pflugscharen. Diehl hat 5.000 gegeben, Daimler das Vierfache, die AOK 10.000. Das sieht dann die „Stiftung Entwicklungszusammenarbeit“ (SEZ) mit ihren 1.000 Euro (Sachleistung!) richtig alt aus. Die Stiftung hat wenigstens bei dieser Party „ein wichtiges Zeichen dafür gesetzt, dass die Bekämpfung von Armut und die Schaffung von Zukunftsperspektiven in den Ländern des Südens nicht nur eine Aufgabe auf internationaler Ebene ist, sondern auch Handeln auf Landesebene erfordert.“ Schön gesagt.

Peter Grohmann schreibt und spricht das Wettern der Woche für die Wochenzeitung Kontext – für lau.

Volksverhetzung
Anzeige erstattet

Am Freitag, den 25. Juli waren verschiedene Personen aus dem Umfeld von AnStiftern und DFG-VK auf einer Demonstration zum Gaza-Konflikt auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Mit Pace-Fahnen und Schildern, die einerseits die deutsche Verantwortung im Konflikt und andererseits den Wunsch nach Frieden zwischen Israel und Palästina thematisierten, wollten wir einen Beitrag zur Debatte leisten.

Die Veranstalter distanzierten sich mehrfach von der Bühne aus von Antisemitismus. Und so lief die Kundgebung lief einigermaßen problemlos ab, beinhaltete aber auch aufputschende Sprechchöre, die Gott huldigten oder gegen Israel gerichtet waren. Eine Frau mit israelischem Fähnchen stand am Rand, debattierte hin und wieder mit anderen Teilnehmern und wurde mit der Zeit immer stärker von Polizeikräften geschützt/abgeschirmt.

Gegen 17:30 Uhr brachen die Demonstrationsteilnehmenden langsam zu ihrem angekündigten Demozug auf. Gleichzeitig putschten zwei auf den Schultern weiterer Personen sitzender Männer die Menge mit allahu akbar-Rufen (bzw. einer wohl verkürzten Variante hiervon) auf. Unsere Gruppe bildete mit einem Transparent und einem Fahrrad eine kleine Absperrung zwischen der Masse der Demonstrierenden und dem Gebiet indem das Israelfähnchen zu sehen war. Die Menge wurde lauter und aggressiver. Auf der Treppe zum Kunstmuseum tauchten eine größere israelische Fahne und ein Plakat “Hamas ist das Problem” auf. Direkt bei Peter Grohmann und mir hielten plötzlich zwei junge Männer zwei mutmaßlich volksverhetzende Plakate in die Höhe. Wir versuchten immer wieder, die Plakate mit einer Pace-Fahne bzw. mit einem Schild zu verdecken. Schließlich durchbrachen immer mehr Menschen aus der aufgeputschten Masse unsere kleine Absperrung woraufhin sich unsere Gruppe trennte.

Fotos der beiden grässlichen Plakate in unserer direkten Nachbarschaft habe ich erst heute Vormittag zu sehen bekommen und sofort über die Internetwache der baden-württembergischen Polizei Anzeige erstattet. Diese fokussiert sich auf eines der Plakate, da ich das andere auf der Demo nicht wirklich inhaltlich wahrgenommen habe.

Bildschirmfoto 2014-07-28 um 11.07.46
Screenshot: polizei-bw.de

Friedenskundgebung in Osnabrück
Israelis und Palästinenser demonstrieren gemeinsam

Während eine Stuttgarter “Friedens”-Demo heute um 16.30 auf dem Schlossplatz weitgehend Positionen vertritt, die öffentlich auch von der Hamas vertreten werden, zeigt eine Demo in Osnabrück, wie es richtig gehen könnte. Denn erstmals in Deutschland haben Israelis und Palästinenser in Osnabrück gemeinsam zu einer friedlichen Demonstration gegen den Krieg in Gaza aufgerufen.

via Neue Osnabrücker Zeitung.

Syrias “bloodiest two days yet”, 700 dead

Raqqa-mad

Human rights activists are calling it the bloodiest 48 hours of the Syrian conflict to date. Over the course of Thursday and Friday, they say, more than 700 people were killed in clashes between the militant group known as the Islamic State of Iraq and Greater Syria ISIS and government forces. While the scale of such a massacre is staggering, the downing of a Malaysian passenger plane over Ukraine and Israel’s escalating attacks on Gaza dominated international headlines last week, leaving Syria’s grief relegated to the back-burner

via MuslimVillage.com.

Ergänzung
“Kultur des Hasses”

netanjahu

In der Online-Ausgabe der Stuttgarter Zeitung illustriert seit gestern Abend das hier gezeigte Bild ein Interview mit einem Psychologen namens Rolf Verleger. Man muss die Meinung dieses Herrn nicht teilen, aber man kann Anstoß an dem erwähnten Bild nehmen, auf dem Benjamin Netanjahu, der Ministerpräsident Israels, in der Pose des blutsaugenden Kindermörders dargestellt wird, eine – vorsichtig ausgedrückt – von Hass (und gewissen Klischees) “nicht ganz freie” Darstellung. Neben der Frage, ob einem selbst aufgefallen ist, wer oder was auf dem Pappschild zitiert wird und in welchen Zusammenhang einem ganz ähnliche Darstellungen schon einmal begegnet sind, könnte man sich noch am Kopf kratzen und sich fragen, was denn die Überschrift bedeuten könnte: “In ISRAEL (meine Hervorhebung) gibt es eine Kultur des Hasses”. Ja wurde das Foto denn in Israel oder in Deutschland aufgenommen?

Das Bild stammt übrigens von Daniel Bockwoldt und wurde auf einer Demonstration in Berlin aufgenommen. Es illustriert im Online-Angebot der Westdeutschen Zeitung einen Text über judenfeindliche Parolen bei Demonstrationen gegen Israels Militäreinsatz im Gazastreifen. Der Nordbayerische Kurier macht das Bild sogar zum Thema und schreibt: “Anti-israelisches Plakat bei einer Demonstration in Berlin“. Die in Nordrhein-Westfalen erscheinende (konservative) Rheinische Post verwendet das Bild und formuliert noch klarer: “Entsetzen über antisemitische Hass-Parolen“.

Die Bildunterschrift in der Stuttgarter Zeitung lautet übrigens: “… Ministerpräsident Netanjahu steht wegen seiner Palästina-Politik im Zentrum der Kritik.”

Hm. So sieht also das “Zentrum der Kritik” aus…. (bh)

Anzeige der israelischen Friedensinitiative Gush Shalom

Enough!

Genug!

Die Körper von Zivilisten und Soldaten stapeln sich in den Straßen von Gaza.

Dutzende Kinder wurden umgebracht.

Israel versinkt in Gaza in einem neuen Sumpf.

Genug! Wir müssen das Blutvergießen und die Belagerung des Gaza-Streifens beenden.

Es gibt keine militärische Lösung. Nur Verhandlungen können an der Grenze Ruhe schaffen.

Gush Shalom (Wikipedia, offizielle Website)

Wettern der Woche
Auge für Auge

Es erzählt eine Legende von fünf blinden Männern, die einen toten Elefanten finden. Sie wissen sofort: Es ist etwas Großartiges! Und so beschließen sie, das Fundstück von allen Seiten zu untersuchen. Der eine entdeckt inspiziert den Stoßzahn, der andere den gewaltigen Rücken, der dritte untersucht den Schwanz, der vierte den Rüssel und der fünfte Blinde die Zehen der Vorderbeine. Als sie ihre Erfahrungen austauschen, stellen sie fest, dass sie unterschiedlicher nicht sein könnten.

Guantanamo oder Gaza, Ostukraine oder Omertà – wir wissen nicht mehr, wo vorn und hinten ist, vor allem, wenn man den Elefanten nachts umdreht oder wiederbelegt. Während im Falle Gaza bewusst wie unbewusst antisemitische Klischees mobilisiert werden, überwiegt bei der Ostukraine der Blick auf den Putinschen Stoßzahn. Russische Nachrichten – No wosti, Genosse? – werden im Gedenken an den Antikommunismus so gut wie nirgends zitiert, und die Akteure von Revolution und Konterevolution mahnen die Betroffenen mit einem Spruch des Kinderschänders Berlusconi: „Wer taub, blind und stumm ist, lebt hundert Jahre in Frieden.“
Die mit den Waffen Krieg und Frieden spielen, proklamieren ungeniert Bibel oder Tora, Koran oder Schari’a und jagen den Gläubigen nicht nur einen Heidenschrecken ein, sondern lassen den frommen Worten gemeine Taten folgen: Raketen aus dem Wohnzimmer, Granaten ins Kinderzimmer. Das neue Volkslexikon Wikipedia meint, dass nach überwiegender rabbinischer und historisch-kritischer Auffassung bei der Vergeltung ein angemessenen Schadensersatz verlangt wurde, um die im alten Orient verbreitete Blutrache einzudämmen und durch die Verhältnismäßigkeit von Vergehen und Strafe abzulösen. OK, das ist lange her und war früher so.

Unrecht? „Das sieht ja ein Blinder mit dem Krückstock“, tät’ heute meine Omi Glimbzsch aus Zittau sagen. Aber ihr Blinder würde spätestens vor dem toten Elefanten kapitulieren, weil es zu dunkel ist geworden ist. Dafür sind die fünf Blinden dieser Tage sind laut: Auge für Auge, rufen sie, Zahn für Zahn!

Peter Grohmann schreibt und spricht das Wettern der Woche für die Wochenzeitung Kontext – für lau.