Schlagwort-Archive: Wahlkampf

In den Maschinenraum der Parteien geschaut
Es ist Zeit für mehr Gerechtigkeit

Den Stadtflaneur beschleicht ein gewisses Déjà-vu-Erlebnis, schaut er auf die Plakate der SPD. Er sieht eine junge Frau, die im Blaumann an einer Maschine lehnt, eine ältere Dame, Seite an Seite mit ihrer Tochter, dazu jede Menge Kinder und Slogans wie „Damit die Rente nicht klein ist, wenn die Kinder groß sind“. Warum, so fragt er sich, hat man nicht einfach die Kampagne von vor vier Jahren recycelt? Damals hieß es: „Für ein Alter ohne Armut“, „Für mehr Kitaplätze“

Seit Jahren ist die Rede davon, dass Parteien sich professioneller vermarkten müssten. Dass sie sich ein Beispiel an den Konsumgüterherstellern nehmen sollten, die akribisch ihre Markenkerne und Zielgruppen analysieren und daraufhin ihre Kampagnen abstellen. Doch der Politikbetrieb scheint davon wenig anzunehmen. Ob Flüchtlinge, innere Sicherheit oder die Zukunft des Diesels: Die Bedürfnisse und Sorgen der Wähler bleiben in der Kommunikation weitgehend außen vor.

Die SPD fordert auf ihrem Plakat mit dem Kanzlerkandidaten Martin Schulz: „Die Zukunft braucht neue Ideen und einer der sie durchsetzt“. Allerdings wagt sie in ihrer Kampagne selbst kein Risiko. Sie hat die Hamburger Werbeagentur KNSK beauftrag, ihre Werbekampagne zu gestalten. Einige Plakate scheinen auf einen anderen Auftraggeber hinzudeuten: Die Vereinigung der Zahnärzte.

SPD Wahlkampfplakat Familienpolitik

Wird fortgesetzt

In den Maschinenraum der Parteien geschaut
Maximal schwammig

Wahlplakat GrüneDie Grünen haben 2016 eine eigene Werbeagentur für den Wahlkampf gegründet: „Ziemlich beste Antworten“. Zugegeben, ein witziger Titel. Aber ist es wirklich geschickt, sich Werbefachleute aus den eigenen Reihen zu holen? Was ist mit Betriebsblindheit?
Zwei Beispiele aus dem Bereich Umwelt, für die sich diese Partei besonders kompetent erklärt, seien exemplarisch herausgegriffen:
Ein abgewandelter Spruch: „x ist nicht alles aber ohne x ist alles nichts“. Nicht sehr originell, mit einer beliebigen Aussagekraft.

Wahlplakat GrüneNoch schwammiger ist die Aussage, die „Ziemlich beste Antworten“ der Spitzenkandidatin Karin Göring-Eckardt untergeschoben haben: Hier wird „Handeln“ als Klimaziel definiert. Die Autoindustrie handelt auch. Die chemische Industrie handelt auch …
Kann’s auch ein bisschen konkreter sein, Frau Göring-Eckardt, mag man ihr da zurufen.

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In den Maschinenraum der Parteien geschaut
Die CDU denkt an Opa

Frech kommt die Werbung der CDU zum Thema Briefwahl daher. Sie hat einen großen Anteil alter Menschen als Symphatisanten und will verhindern, dass Opa am Wahltag nicht kann, weil er gefesselt, krank oder vergesslich ist. Soll er doch ganz in Ruhe Briefwahl machen.

Die CDU hat für ihre Wahlkampagne eine der ganz großen, erfolgreichen Werbeagenturen verplichtet: Jung von Matt. Den Plakaten sieht’s man an.

Fortsetzung folgt

In den Maschinenraum der Parteien geschaut
Aussagen der Parteien – Plakatwerbung

Es ist Wahlkampf und eine Zeit, zu der man in hohem Maße belustigt durch die Straßen gehen kann. Die Absurditäten, die von den Wahlplakaten der Parteien ausgehen, sind kaum zu überbieten.

Z. B. eine Minipartei – nennen wir sie MLPD – will nicht mehr, als die „Proletarier“ zusammen schweißen. Und bitteschön die aus allen Ländern. Darunter macht es die MLPD nicht. Wie sie das machen will, bleibt ihr Geheimnis. Und da sie es offensichtlich selber nicht so ganz glaubt, machen die Oberlehrer der MLPD  mal eben einen Befehl daraus, mit einem dicken Ausrufezeichen. „Ey, Ey, Sir!“, kann man da nur sagen.

Herr Lindner schaut nicht – wie bei vielen Kandidatenbildern – dem potentiellen Wähler ins Gesicht. Er hat sich perfekt dem heute so häufig in unseren Straßen anzutreffenden „Geisterfußgänger“ angepasst und schaut auf seinen Smartphone-Bildschirm. Um auch nicht akustisch Kontakt mit den Menschen aufnehmen zu müssen, hat er sich Kopfhörer ins Ohr gesteckt. Den Slogan hat die FDP ein wenig  von Donald Trump geklaut. In der Kombination mit „Bedenken“ macht er den dahinter liegenden Geisteshorizont deutlich: dem Digitalen eine Bresche schlagen, das Nachdenken (Bedenken) hinten anstellen. Das ist übrigens das einzig ansprechende an diesem Plakat: das Spiel mit dem Wort „Bedenken“ und seiner Doppeldeutigkeit.

Und was bitte soll „NEU DENKEN“ sein? So wird das nichts mit der Wissensgesellschaft, mag man Christian Linder hinterherrufen, der aber hört ja nichts: wegen seiner Kopfhörer.

Fortsetzung folgt

Mach dir nur einen Plan …

Wer Martin Schulz am Sonntag im ZDF-Sommerinterview gesehen hat, bleibt angesichts dieses Wahlkämpfers ratlos zurück. Er versuchte zu erklären, warum die SPD nach der Wahl den Kanzler stellen sollte. Doch als Zuschauer hatte man den Eindruck, der Mann scheint es selbst nicht zu wissen.

Zunächst tat Schulz, was Kandidaten nun mal tun, wenn jüngste Wahlumfragen die eigene Partei bei nur bei 24 Prozent sehen, die Konkurrenz hingegen bei 38 Prozent. Erstens preist man das eigene Durchhaltevermögen („Ich bin ein erfahrener Wahlkämpfer“). Zweitens erklärt man, sechs Wochen vor der Wahl sei noch alles drin („In der Flüchtigkeit von Wählerbindungen ist alles möglich“). Drittens muss man sagen, was man selbst besser machen würde als die anderen. Und das ist Schulz‘ Problem.

Quelle: Die Zeit vom 14. Augst 2017

Totgesagte leben länger

Totgesagte leben länger – Peter Grohmanns "Wettern der Woche"

Schau mich bitte nicht so an, dachte ich, als ich Hannelore Kraft ins Gesicht sah. Und da fiel mir dieses Lied ein, das meine Omi Glimbzsch in Zittau gern trällerte: „Schau mich bitte nicht so an, Du weißt es ja ich kann Dir dann nicht widerstehen…“. Als ich fast zeitgleich zur NRW-Wahl Salvador Sobral hörte, wusste ich: Der Portugiese kannte meine Omi und ihr Lied! Beim ESC in Kiew wurden wir immerhin Vorletzter – in Düsseldorf nur Zweiter. Es ist heute ja alles so ähnlich. Macron, Lindner, Kurz, Guttenberg, Petry, Grohmann…
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AfD
Die Maske der Rechtspopulisten rutscht immer weiter

Die Süddeutsche berichtet heute von einem Wahlkampfauftritt von Bernd Lucke der sogenannten Alternative für Deutschland auf dem dieser widerliche Sätze wie den folgenden losließ.

Dann bilden sie eine Art sozialen Bodensatz – einen Bodensatz, der lebenslang in unseren Sozialsystemen verharrt.

Vorratsdatenspeicherung
Wie Welt, Spiegel & co. auf Seehofer reinfallen

Die Süddeutsche hat in Ihrem Blog eine lesenswerte Analyse über den jüngsten Coup des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU). Dieser versucht anscheinend, aus dem Skandal um die internationale Überwachung und willkürliche Speicherung möglichst aller unserer Daten Kapital zu schlagen.

Was den Journalisten verborgen blieb: Die Union ist schon lange von der VDS abgerückt, zumindest von diesem Begriff. Speichern will sie aber trotzdem – in geringerem Umfang und gemäß eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts, dass die ursprüngliche VDS für verfassungwidrig erklärte.

Schon im Regierungsprogramm der Union aus dem Jahr 2009 taucht das Wort „Vorratsdatenspeicherung“ nicht explizit auf, stattdessen heißt es: „Wir wollen einen umfassenden Datenschutz garantieren. Wir wollen keine unnötigen Datenmengen speichern und kämpfen gegen den ‚Gläsernen Bürger‘.“

Michael König unter dem Titel Seehofers Etikettenschwindel