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Kick oder Kack
„Tansgeräte“

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Die Frankfurter Allgemeine veröffentlichte die Tage einen Text zum Thema künstliche Intelligenz und der populären Vorzeigedisziplin „Sprach“erkennung. Die Rede ist von Alexa, Siri und Cortana, Stimmen, die die Funktion bestimmter Geräte erweitern. Entsprechend einer Studie der Unesco seien diese Stimmen mittlerweile für viele Menschen ein Gesprächspartner, mit dem sie mehr sprächen, als mit echten Menschen. „Gesprächspartner“, heißt es, nicht Partnerinnen, obwohl es sich um weibliche Stimmen mit weiblichen Vornamen handelt.

Die Geräte, aus denen die Stimmen erklingen, werden aufgrund dieser Stimme personalisiert und bekommen ein Geschlecht? Mit der weiblichen Stimme in einem sächlichen („es“) oder männlichen („er“) Körper müsste es sich genau genommen um „Transgeräte“ handeln. Aber das führt zu weit.

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Zwischenruf
Geht’s noch?

Genderwahn

 

In einem Artikel der TAZ vom 8. Mai 2019 über „Crowdworking“ (Arbeiten über eine IT-Plattform vermittelt) schlägt sich der ganze Genderwahn im derzeitigen Umgang mit der deutschen Sprache nieder. Die TAZ hat nicht nur Männer und Frauen im Blick sondern auch die sexuell Unentschlossenen, die sie mit einem * in ihre Texte schmuggelt. So werden aus Leserinnen und Leser „Leser*innen“.

In dem Artikel über Crowdworking wird der Stern (auch Gender Star genannt oder mittels eines Unterstrichs, „Gendergap“ gekennzeichnet) durch einen Doppelpunkt ersetzt. Aus Konsument*innen (Konsument_innen) wird Konsument:innen.

Damit aber nicht genug:
diese Form wird auch englischen Begriffen übergestülpt, die damit zwangseingedeutscht werden. So wird aus Crowdworker (das im Englischen ein Neutrum ist) flux ein Crowdworker:innen. Das ist nun völlig schräg, wenn man neutrale englische Begriffe gendert. Ebenso kommen in dem Artikel die „Gigworker:innen“ vor, also Menschen, die sich ihre Arbeit über eine Online-Plattform vermitteln lassen, diese aber dann offline absolvieren, zum Beispiel Lieferdienste.

Da frage ich mich: Haben wir nicht wichtigere Probleme zu lösen als dieses? Die Handvoll sexuell Unentschlossenen versuchen die Diskussion zu dominieren. Aber gibt es nicht Minderheiten, die es viel nötiger hätten, in den Blick genommen zu werden, wie z. B. die Menschen mit Beeinträchtigungen? Leider habe die keine so wirkmächtige Lobby.

Sag es treffend – Sag es kurz!

Die Anstifter sprechen oft eine klare, verständliche Sprache, wenn sie ihre Anliegen an die Frau/den Mann bringen. Das ist auch gut und richtig.

Komplizierte Namen und Begriffe (z.B. bei Medikamenten) lösen beim Leser andere Reaktionen aus, als einfache.

Die Beobachtung (bei Medikamentenamen, .d. A.) ist ein weiterer Beleg für die Auswirkungen der sogenannten Verarbeitungsflüssigkeit: Wie leicht oder schwer es fällt, eine Information zu berücksichtigen, wirkt sich bereits auf deren Bewertung aus. Wird etwa eine Aussage in einem klaren, gut leserlichen Schriftbild präsentiert, dann akzeptieren Leser diese eher als richtig. Die verwendete Sprache wirkt ebenfalls. So hat Daniel Oppenheimer von der University of California in Los Angeles demonstriert, dass der komplizierte Jargon etwa der Geisteswissenschaften kontraproduktiv ist. Legte der Psychologe Lesern die gleichen Aussagen in sperrigen und einfachen Formulierungen vor, hielten diese die Autoren der schwer verständlichen Texte für weniger intelligent. Auch an der Börse wirkt sich die Leichtigkeit aus, mit der Handelskürzel von Aktien gelesen werden können: Die Kursentwicklung profitiert von flüssig aussprechbaren Namen.

Quelle: Süddeutsche Zeitung vom 29.6.17

Wer präzise und einfach formulieren will, dem seien die Standartwerke von Wolf Schneider ans Herz gelegt, z. B. dieses hier:

Deutsch für Profis. Wege zu gutem Stil. Illustriert von Luis Murschetz.
Goldmann-TB, 288 Seiten, Preis 8,95 €

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