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Debatte
Für eine offene Streitkultur

Schlechte Ideen

„Schlechte Ideen können durch Entlarvung, Debatte und Überzeugung besiegt werden, nicht indem man versucht, sie zum Schweigen zu bringen oder sie sich weg wünscht“.

Wird man bestraft, wenn man unbequeme Standpunkte verteidigt? In einer Petition warnen 153 Intellektuelle – darunter Daniel Kehlmann und J.K. Rowling – vor einer Verelendung der Debattenkultur.  Hier der offene Brief im Wortlaut:

„Unsere Kulturinstitutionen stehen vor einer Prüfung. Heftige Proteste gegen Rassismus und für soziale Gerechtigkeit haben zu Forderungen nach einer Polizeireform und nach mehr gesellschaftlicher Gleichberechtigung geführt – an Hochschulen, im Journalismus, in den Künsten. Diese notwendige und überfällige Abrechnung stärkt aber auch moralische Einstellungen und politische Bekenntnisse, die jede offene Debatte und das Aushalten von Differenzen zugunsten einer ideologischen Konformität schwächen. Sosehr wir die erste Entwicklung begrüßen, so entschieden erheben wir unsere Stimme gegen die zweite. Die Kräfte des Illiberalismus nehmen weltweit Fahrt auf und haben in Donald Trump einen mächtigen Verbündeten, der die Demokratie ernsthaft bedroht. Aber Widerstand darf nicht – wie unter rechten Demagogen – zum Dogma werden. Die demokratische Inklusion, die wir wollen, kann nur erreicht werden, wenn wir uns gegen das intolerante Klima wenden, das überall entstanden ist. mehr…

Initiative #verlagegegenrechts erringt Erfolg

Krimischriftstellerin Zoë Beck ist Mitbegründerin der Initiative Verlage gegen Rechts
Krimischriftstellerin Zoë Beck ist Mitbegründerin der Initiative Verlage gegen Rechts

Eine Vereinigung von 45 unabhängigen Verlagen tritt für Toleranz und Weltoffenheit ein und positioniert sich gegen rassistisches, antifeministisches und homofeindliches Gedankengut rechter Verlage. Mitgegründet wurde die Initiative von der Krimischriftstellerin und Verlegerin Zoë Beck, die im Rahmen der Kriminächte Stuttgart am 7. März in der Stadtbibliothek Bad Cannstatt las und in der Diskussion von ihrem Engagement berichtete. (Ausführlicher Bericht siehe hier).

In ihrem Gründungsmanifest schreibt die Inititiative #verlagegegenrechts:

Wir, die unterzeichnenden Verlage, Initiativen und Einzelpersonen, stehen für eine offene Debatte, einen Streit um die richtigen Ideen, um die Gesellschaft voranzubringen. Wir treten für die Teilhabe möglichst vieler Menschen an Literatur, Kultur und Bildung ein. Dabei spielt es keine Rolle, welche Herkunft, Sprache, sexuelle Identität und Orientierung oder Religion jemand hat. Wir wehren uns gegen die Ausgrenzung von Menschen aus diesen Gründen in jeder Form – politisch, sozial oder kulturell.

Mittlerweile haben sich dieser Initiative weiter 40 Verlage angeschlossen sowie 180 Einzelpersonen. Auch der PEN, der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller, der Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V., der Verband deutschsprachiger Übersetzer und die Böll-Stiftung unterstützen den Aufruf.

Auch im Vorfeld der Leipziger Buchmesse ist die Vereinigung Verlage gegen Rechts aktiv geworden. Ein Ausschluss von Verlagen kann aufgrund des Messecharakters nicht ausgesprochen werden. Die Leipziger Buchmesse ist ein Marktplatz, an dem sich erst einmal alle beteiligen können. Messedirektor Zille hatte erklärt, dass Verlage aus dem rechten Spektrum ebenso in Leipzig ausstellen dürften wie alle anderen Kunden auch, solange sich die Publikationen im Rahmen der Gesetze bewegen. Die Buchmesse sei der Meinungsfreiheit verpflichtet.

Nun hat die rechtsgerichtete Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) ihre Teilnahme an der Leipziger Buchmesse zurückgezogen. Dem Direktor der Leipziger Buchmesse warf Dieter Stein, Geschäftsführer der Jungen Freiheit, vor, mit der von linksradikalen Verlagen initiierten Aktion „#verlagegegenrechts“ zu kooperieren. Als Begründung führte die JF an, durch eine einseitige und ungünstige Standplatzierung in einem von der Messe konstruierten „rechtsextremen Block“ von Verlagen, sei eine Messeteilnahme absolut rufschädigend und wirtschaftlich sinnlos.

Derweil ist der Streit um die Teilnahme an den Buchmessen in eine neue Runde eingetreten: Nachdem eine vom Dresdner Buchhaus Loschwitz initiierten „Charta 2017“ vor einer „Meinungsdiktatur“ warnte, hat eine Schriftstellergruppe einen Gegenaufruf gestartet, die der Charta 2017 „verbale Entgleisungen“ vorwarf. Die beiden prominenten Vertreter der Initiativen, Uwe Tellkamp für die Charta 2017 und Durs Grünbein vom Gegenaufruf trafen am 22. März 2018 in Dresden aufeinander und debattierten im Dresdner Kulturpalast vor 700 Zuhörern. Über die Debatte der beiden renommierten Dresdner Schriftsteller hat die Wochenzeitung Die Zeit ausführlich berichtet, sie ist hier dokumentiert. Eine Videoaufzeichnung der gesamten Debatte hat die Sächsische Zeitung hier veröffentlicht.