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Aslı Erdoğan erhält Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2017

© Gürcan Öztürk

Am Freitag, 22. September, erhielt Aslı Erdoğan den mit 25.000 Euro dotierten Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis 2017 verliehen. Während einer Feierstunde im Friedenssaal des Osnabrücker Rathauses überreichte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert den Preis, der nach dem weltbekannten, in Osnabrück geborenen Schriftsteller Erich Maria Remarque benannt ist. Damit hat die türkische Journalistin und Schriftstellerin neben dem Friedenspreis der Anstifter einen weiteren wichtigen Preis für ihre Arbeit erhalten. Sie nahm an der Verleihung des Preises teil. Das lässt hoffen, dass sie auch am 10. Dezember zur Verleihung des Friedenspreises der Anstifter ins Theaterhaus kommen wird.

In ihrer Dankesrede erzählt Aslı Erdoğan von einem Erlebnis aus dem Frauengefängnis von Istanbul, in dem sie 132 Tage in Haft saß. Sie hatte Frauen in ihrer Zelle beobachtet, die heimlich eine Pflanze aufgezogen hatten. Dabei gab es keine Erde für das zarte Gewächs, nur ein Provisorium aus Eierschalen und Teebeuteln: „Sie haben versucht, diese kleine Pflanze zu verbergen und am Leben zu erhalten. Sie haben ihr die Sonne und den Regen gezeigt als wäre sie ihr kleiner Prinz. Und natürlich wurde diese kleine Pflanze entdeckt – und die Wächter haben sie den Frauen mit Freude aus den Händen gerissen. Das hätten Sie sehen sollen: Frauen, einige seit zehn Jahren und länger in Haft, die um diese kleine Pflanze weinen!“

Quelle: Deutschlandfunk Kultur

Friedenspreis der AnStifter
Wie geht es unserer Friedenspreisträgerin?

© Gürcan Öztürk

Aslı Erdoğan wurde im August 2016 festgenommen und saß 132 Tage in Haft. Seit einem halben Jahr ist sie draußen. Auf die Frage, wie es ihr geht, antwortet sie:

„Nicht so gut – es fühlt sich an, als wäre ich zusammengeschlagen worden und im Krankenhaus aufgewacht. Im ersten Moment versuchst du nur zu überleben, wenn du ein bisschen heilst, beginnt es wehzutun, du heilst weiter, es beginnt dich wütend zu machen: Warum haben sie dich geschlagen? In dieser Phase bin ich gerade.“

Warum sie in Haft gekommen ist, was sie dort erlebt hat, erzählt sie in einem feinsinnig, schonungslos, tief bohrenden Ton im Interview mit Sonja Hartwig in der Zeit.