Ratlos im Kunstverein? Ratlos in der BRD

Anlässlich der Ausstellung „Alexander Kluge. Gärten der Kooperation“ zeigt der Württembergische Kunstverein eine Auswahl an Filmen des Schriftstellers, Filmemachers und Theoretikers Alexander Kluge. Am kommenden Sonntag wird im Glastrakt der Film „Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos“ gezeigt. Dieser wurde am 30. August 1968 auf dem Internationalen Filmfestival in Venedig uraufgeführt und mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.
Sonntag, 12. November 2017, 16:30 – 18:30 Uhr
DIE ARTISTEN IN DER ZIRKUSKUPPEL: RATLOS, BRD 1968
im Rahmen der Ausstellung „Alexander Kluge. Gärten der Kooperation“

Handlung:
Wie schon ihr Vater will die Zirkusunternehmerin Leni Peickert (Hannelore Hoger) artistische Höchstleistungen erbringen. Zugleich empfindet sie Natürlichkeit als ihr Ideal. Ihre Neuerungen führen zum Bankrott des Unternehmens. Zirkus und Revolution sind radikale Formen der Selbstverwirklichung. Leni Peickert und ihre Elefanten geben sich Mühe. „Die Utopie wird immer besser, während wir auf sie warten.“

„Der Film läßt sich als eine Absage an das Leistungsprinzip unserer Gesellschaft verstehen und reflektiert gleichzeitig die politische Situation in der Bundesrepublik Deutschland in den späten 60er Jahren und die Lage der deutschen Jungfilmer. Der Regisseur bedient sich einer „offenen“ Form, die auf die geistige Beteiligung des Zuschauers setzt.““
(Quelle: Lexikon des Internationalen Films)

PROGRAMM
15:00 Uhr kostenfreie, öffentliche Führung
16:30 Uhr Filmvorführung + kurze Einführung zum Film & Ausstellung mit Sara Dahme

PS: Am 19.11. laden wir zur Finissage der Ausstellung „Politische Plakate“. Peter Grohmann stellt dabei Thesen zur „Opposition heute“ vor (AnStifter-Veranstaltung)

Feinstaub in der DenkMacherei

Die StZ vom 3.11.2017 veröffentlicht einen ausführlichen Bericht über Feinstaubmessungen in der Region Stuttgart. Der Artikel schildert auch die gesundheitlichen Gefahren, welche von Feinstaub ausgehen und informiert über den Aufbau eines privaten Messnetzes der Gruppe OK Lab Stuttgart. Hier können sich Privatpersonen eine Messvorrichtung kaufen. Sie kostet ca. 30 €. Diese Links führen zu den Artikeln:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.feinstaubradar-stuttgart-so-viel-feinstaub-ist-an-ihrem-ort-in-der-luft.91348ea0-3c1d-48b0-abbb-7bd8d399c223.html?utm_source=taboola&utm_medium=none&utm_campaign=feed
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.feinstaub-in-der-region-stuttgart-so-leicht-koennen-sie-feinstaub-selber-messen.af940816-8816-4ca1-b9d3-ecec2ae1dec7.html
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.feinstaubradar-stuttgart-so-messen-wir-feinstaub.8f5d2507-beae-43af-a579-74818c5d9453.html

Aktuelle Messungen in den Gemeinden mit Messstationen können hier abgerufen werden:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/feinstaub auf Vollbild klicken, auf jeweilige Gemeinde in
der Karte klicken. Angezeigt wird auch, wenn die Grenzwerte überschritten werden.
Bitte geben Sie diese Infos weiter und helfen Sie so, das von den AnStiftern unterstützte Messnetz der Gruppe OK Lab Stuttgart durch Installation von Messeinrichtungen zu ergänzen.

Bestes politische Kabarett
Die Anstalt

Alle, die am 8.11.nicht „Die Anstalt“ sehen konnten: Bildungsfernsehen vom Feinsten mit schönen Attacken zum Neoliberalismus und der Frage, was von Jamaika zu erwarten ist. Nur zu empfehlen, meint Peter: https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/die-anstalt-vom-7-november-2017-100.html

FriedensGala 2017 mit viel Prominenz

Der Vorverkauf hat bereits begonnen

Der Vorverkauf für die FriedensGala 2017 der AnStifter hat begonnen. Die Gala findet am Sonntag, den 10.Dezember 2017 im Theaterhaus Stuttgart statt und beginnt um 17 Uhr.

Die diesjährige Preisträgerin, die Autorin Aslı Erdoğan aus Istanbul, hat ihre Teilnahme zugesagt. Die Laudatio hält die Sozialwissenschaftlerin Elisabeth Abendroth aus Frankfurt. Den musikalischen Rahmen bieten Cemîl Qoçgîrî und sein Ensemble. Qoçgîrî ist ein virtuoser Tenbûr-Spieler und Sänger, zudem ein viel beachteter Komponist, Arrangeur und Brückenbauer. Sidar Çarman von der Föderation demokratischer Arbeitervereine moderiert.

Tickets gibt es ab sofort im Theaterhaus Stuttgart (0711-40207 -20-23, www.theaterhaus.de, über Reservix – und weitere Informationen über www.die-anstifter.de

15. Sitzung des NSU UA II am 6. November 2017

Live-Tweets aus dem NSU Untersuchungsausschuss des Landtags Baden-Württemberg ‏von @nsuwatch_bw und @fraufoo

Themenkomplex „mögliches Unterstützerumfeld in Baden-Württemberg für den NSU“
Tagesordnung vom 6. November
Zeug*innenliste
1. Ralf Hofer – KHK LKA – u.a. zu „Noie Werte“
2. Oliver Hilburger – „Noie Werte“
3. Andreas Graupner – Ex-Chemnitz, „Noie Werte“
4. Hendrik Lasch – Ex-Chemnitz, soll in den 90ern mit Uwe Mundlos befreundet gewesen sein
5. Wolfgang F. – KHK LKA – zu Funkzellendaten in Heilbronn


Der NSU-Beschuldigte Jan Werner verweigert Aussage im UA BaWü. Der Neonazi Andreas Graupner sagt heute aus: – @nsuwatch_bw

So ein endlos laufenden Ermittlungsverfahren kann für den Beschuldigten auch Vorteile haben… sieht man an diesem Fall mal wieder. – @DirkLaabs

der Saal füllt sich. Gleich geht es los – @fraufoo

Die 15.Sitzung des NSU UA BaWü wird eröffnet. Erster Zeuge ist Ralf Hofer Kriminalhauptkommissar vom LKA – @fraufoo mehr…

„Kraftlinien“ – Welthebel Peter Grohmann

Peter Grohmann ist jetzt 80. Über die Geburtstagsfeier im Theaterhaus haben wir hier schon berichtet. Eine Überraschung ist nachzutragen. Im Trubel der Geburtstagsfeier ist ein sehr schönes Geschenk aus dem Freundeskreis der AnStifter fast untergegangen: Jochen Stankowskis Skulptur Kraftlinien.

Die Überraschung ist gelungen. Peter Grohmann hat nichts davon mitbekommen. AnStifter-Freunde sammelten Geld und Jochen Stankowski entwickelte die Skulptur. Am 4. November wurde diese nun in Grohmanns Garten aufgestellt. Ihr Name: „Kraftlinien“. Sie drücken Leichtsinn und Lebensfreunde aus – und eine „zielführende“ Risikobereitschaft, kommentiert Peter Grohmann das Strahlenbündel.

Jochen Stankowski beschreibt sein Werk so: Die reine Form bei dieser Plastik hier, ist die Linie. Eine Linie ist ein bewegter Punkt. Durch die Reihung des Punktes zur Linie entsteht eine neue Qualität. Das Umschlagen von Quantität in Qualität ist eines der dialektischen Gesetze. Ein arabisches Sprichwort sagt: Stiehl ein Kamel so wirst du gehängt, stiehl tausend Kamele, so wird mit dir verhandelt. Für René Descartes bildet die Aussage ‚Ich denke, also bin ich“ einen ‚Archimedischen Punkt‘. Wenn Archimedes nur einen festen Punkt und einen ausreichend langen Hebel hätte, könne er ganz alleine die Erde anheben. Der Ausgangspunkt kann eine Idee, eine Betroffenheit oder ein anderer Impuls sein. Die einzelnen Linienpunkte beginnen ihre Bewegung auf einem Untergrund und treffen, berühren, stützen sich im Fortschreiten. Sie bilden ein neues, gemeinsames Ganzes. Die Figur wird zum Träger der Bedeutung ‚Kraftlinien‘ und als solche, zum Gegenstand der Wahrnehmung: „Welthebel Peter Grohmann und Die AnStifter.“

Peter Grohmanns kurzer und treffender Kommentar: „Schön wär’s!“

Text und Fotos: Hermann Zoller

Schluss mit Teilen!

Das Wettern der Woche am 1.11.17

„Na endlich“, wollte ich den Katalanen schon zurufen, und geht, geht, geht, verschwindet von unserer Landkarte! Sie sind so einzigartig, so besonders, sagen sie zu sich und von sich – genau wie die Oberbayern oder die Russlanddeutschen oder die Sorben. Eine eigene Sprache, eigene Volkstänze, eigene Fleischküchle. Und ganz, ganz große Dichter. F. J. Strauß, Helene Fischer, Stanislav Tillich. Bis ich nachgedacht habe. Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Meistens wollen ja die unabhängig werden, die mehr haben als die anderen. In Italien die Lombardei (Friede den Hütten) und Venetien (Krieg den Palästen), in Südtirol die mit den Autobahnäpfeln, in Wallonien die mit der Kohle und den Brathähnchen. Dann Kalifornien (Schwarzer Afghan), Texas (Furi), Tibet (DalaiLama), Slowenien (Höhlen) oder Tunesien (Schnäppchen).

Die Mehrhaber wollen nicht teilen – gucken Sie sich uns an. Wir geben lieber Almosen. Bei Manufactum kostet der Wintermantel von Stuhlmann schlappe 1700 Euro, ein echtes Schnäppchen! Und bei aller Liebe: Wer will den schon teilen wie einstens der heilige Martinus? Keiner macht sich in diesen unsicheren Zeiten mit einem katholischen Deserteur gemein. Ganz abgesehen davon: Wo nimmt man in Tagen der kompletten Überwachung noch schnell ein Schwert her, bevor es eisig wird im Lande?

Unsere Lebensweise macht uns imperial. Niemand würde ernsthaft ans Teilen denken. Spenden? Gern. Aber nur, wenn’s auch steuerlich absetzbar ist. Insoweit sind wir doch den Katalanen, Südtirolern, Texanern und anderen Indepedenzlern ein Vorbild: Die wollen auch nicht länger die Hungerleider nebenan durchfüttern. So gesehen sind wir längst unabhängig. Der andere Teil der Welt geht uns am Allerwertesten vorbei.

„Wir müssen geopolitisch denken!“ Wie oft hat mir das meine Omi Glimbzsch (aus Zittau, Silbermann-Orgel) schon gepredigt. Und dass immer mehr Menschen (ich glaube, wir sind gemeint) auf Kosten von Natur und Arbeitskraft andernorts leben, kann nur Fake News sein. In Wahrheit geht der Druck auf die Herkunftsstaaten nicht von Elend und Hunger und Terror und Krieg aus, nicht von Ausbeutung, sondern von der EU. Ohne Mauern und Stacheldraht gibt’s kein Brot für die Welt.

Peter Grohmann ist Kabarettist und Initiator des Bürgerprojekts Die AnStifter.Alle „Wettern“-Videos gibt’s hier zum Anschauen.

Good luck, Millenium Generation

Ein Kommentar von Rüdiger Lenz.
Die BILD-Zeitung versucht flächendeckend, Eltern Schuld einzureden, in dem sie eine forsa-Studie erwähnt und titelt, Zitat Anfang: STUDIE ZEIGT GROSSE HERAUSFORDERUNG FÜR ELTERN – fast jedes zweite Kind wird digital alleine gelassen, Zitat Ende. Weiter heißt es auf BILD, Zitat Anfang:

Heutzutage gilt schon in jungen Jahren: Wer sozial dazu gehören will, der braucht den Zugang zu digitalen Medien, am besten über Smartphone oder Tablet.
Das spiegelt sich auch in den Zahlen wider: Unter den Elf- bis Vierzehnjährigen verwenden 93 Prozent digitale Technologien. Bei den Grundschülern sind es schon 74 Prozent. Das geht aus einer forsa-Studie hervor, die von der Online Lernplattform „scoyo“ und dem Lernroboter-Unternehmen „Wonder Workshop“ in Auftrag gegeben wurde. mehr…

80 Jahre Peter Grohmann
Peter Grohmann ist nicht zu fassen!

Großer Blumenstrauß für Peter | Foto © M. Seehoff
Großer Blumenstrauß für Peter | Foto © M. Seehoff

Der Gründer der AnStifter, Peter Grohmann, feierte am 27. Oktober 2017 ein rauschendes Fest im Theaterhaus anlässlich seines achtzigsten Geburtstages. Thema des Abends, wie kann es anders sein bei diesem immerzu ruhelosen Anstifters, „Zeit zum Aufstehn!“

Barbara Stoll moderiert den Abend Sie hat alle Hände voll zu tun, die vielen RednerInnen und Musiker anzukündigen, führt aber in bekannter Ruhe durch den Abend.

Sein alter Weggefährte aus der Theaterlandschaft, Werner Schretzmeier, mit dem er in den achtziger Jahren das Theaterhaus gegründet hat, eröffnet als Hausherr den Abend.

Der tschechischer Fotograf und Dokumentarfilmer Vacláv Reischl hat ein Portrait des Jubilars gefilmt, das aktuelle Statements mit Teilen seiner Biografie zusammenschneidet und auch darin wird eine Überzeugung von Peter Grohmann deutlich: Das Leben ist ein Kabarett.

Loretta Paretti | Foto © M. Seehoff
Loretta Paretti | Foto © M. Seehoff

Schon seit 1973 arbeiten und essen Peter und Loretta Paretti gemeinsam, schmieden immer wieder Pläne, um die Welt ein wenig besser zu machen. Loretta hat ihre Kochkünste sehr oft wieder in den Dienst der AnStiftern gestellt. Legendär sind die kulinarischen Diskussionsabenden unter dem Motte „Abendmahl bei Loretta“ in ihrem kleinen Alimentari in der Römerstraße 8. An diesem Abend lässt sie die gemeinsamen Jahre wie ein Fünf-Gänge-Menue revue passieren.

Der AnStifter und Stadtflaneur Joe Bauer verliest in gewohntem kritisch-analytischem Stil eine Grußbotschaft auf seinen Weggefährten. Joe Bauer ist Kolumnist bei den Stuttgarter Nachrichten, Peter Grohmann hat sein Leben lang „gesetzt“.

Wolfgang Dauner und Jo Bauer | Foto © M. Seehoff
Wolfgang Dauner und Jo Bauer | Foto © M. Seehoff

Wolfgang Dauner hat im Theaterhaus im Laufe seiner langen Karriere viele Konzerte gegeben. An diesem Abend begrüßt er Peter im Club der achtzigjährigen und spielt auf dem großen Flügel des Theaterhauses dem Jubilar ein Potbury aus seinen Kompositionen. Ich habe Wolfgang Dauner vorher noch nie live gehört, besitze einige Platten von ihm, diesem Urgestein der Stuttgarter Jazzszene. Heute höre ich den virtuosen Tastenkünstler am Flügel improvisieren und er begeistert nicht nur mich. Der Singer/Songwriter Philipp Volksmund und sein Bruder Simon sind extra aus ihrer Wahlheimat Berlin angereist, um Peter an seinem 80sten Geburtstag zu feiern.

Das Leonard-Cohen-Projekt, ein akustisches Meisterwerk | Foto © M. Seehoff
Das Leonard-Cohen-Projekt, ein akustisches Meisterwerk | Foto © M. Seehoff

Der Höhepunkt des Abends ist für mich allerdings das Leonard-Cohen-Projekt, mit dem Peter seit einigen Jahren immer wieder auftritt und die deutschen Texte der Lieder von Leonard Cohen liest. Peter wäre nicht das Schlitzohr der außerparlamentarischen Opposition, wenn er manchen Texten von Cohen nicht eine aktuelle Note anfügen würde. Das harmonische Gitarrenspiel des Trios, bestehend aus: Manuel Dempfle, Jürgen Gutmann und Thomas Schmolz kann man nur perfekt nennen. Da sitzt jeder Ton. Videomitschnitte kann man hier und hier ansehen.

In seiner ihm eigenen Bescheidenheit, was seine Person angeht, hat Peter sich nichts zum Geburtstag gewünscht. Der Erlös des Abends soll in das neue Projekt der AnStifter fließen, das der Historiker Michael Uhl auf den Weg gebracht hat. Das Leben von Betty Rosenfeld soll einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Der Name Betty Rosenfeld steht für Aufklärung im Widerstand. Sie musste als Jüdin vor den Faschisten fliehen, kämpfte zeitlebens gegen Dummheit und Tyrannei und war die einzige Frau aus Stuttgart, die sich bei den Internationalen Brigaden in Spanien engagierte.

Dr. Annette Ohme-Reinicke überreiht Peter das von Jochen Stankowski gestaltete Buch | Foto © M. Seehoff
Dr. Annette Ohme-Reinicke überreiht Peter das von Jochen Stankowski gestaltete Buch | Foto © M. Seehoff

Doch die Geschäftsführerin der AnStifter, Annette Ohme-Reinicke, hat heimlich ein Buch mit Texten von diversen AnStiftern zusammen gestellt. Peters Freund und AnStifter-Grafiker Jochen Stankowski hat das Buch gestaltet. Dieses Buch überreicht sie Peter Grohmann am Schluss des Abends. Es ist in einer kleinen Auflage gedruckt und kann bei den AnStiftern erworben werden.

Stuttgart liest ein Buch
Der Nahe Osten zu Gast im Welthaus

Laiea Nekoufar und Odile Néri-Kaiser mit der Gruppe Hindukusch
Laiea Nekoufar und Odile Néri-Kaiser mit der Gruppe Hindukusch
Foto © M. Seehoff

Odile Néri-Kaiser und Laiea Nekoufar verstehen sich darauf, Geschichten lebendig zu erzählen. Zwei Frauen, zwei Herkunftsländer. Odile Néri-Kaiser ist in Frankreich geboren und Laiea Nekoufar im Iran, dem Land, in dem das erste Kapitel aus Nachts ist es leise in Teheran der Autorin Shida Bazyar spielt. Wie Bazyars Protagonisten – fünf Familienmitglieder – ist Laiea Nekoufar aus dem Iran zu uns gekommen und hat ihre Geschichten mitgebracht, die sie am 25. Oktober 2017 im Weltcafé vor über vierzig ZuhörerInnen erzählt.

Ein breites Bündnis

Alle drei Kooperationspartner dieses Abends: Das Welthaus, Die AnStifter, Kontext Wochenzeitung und das Schriftstellerhaus als Initiator des Lesefestivals „Stuttgart liest ein Buch“ hatten die Idee, die Geschichten des Landes nach Stuttgart zu bringen, aus der die Familie der Autorin stammt. Mit Odile Néri-Kaiser und Laiea Nekoufar brachten sie zwei Vollblutprofis der oralen Erzählkunst auf die Bühne des „Globalen Klassenzimmers“ des Welthauses. Mit wenigen Requisiten, ein paar Teppichen, einem reich verzierten Windlicht, schaffen die beiden Erzählerinnen eine warmherzige Atmosphäre.

Beim mündlichen Erzählen pulsiert etwas Wesentliches und Flüchtiges zugleich. Es hat eine besondere Herzenskraft, verwandelt unseren Alltag und lässt immer wieder neue Geschichten entstehen. Das wurde an diesem Abend erlebbar. Die Geschichten, die Odile Néri-Kaiser und Laiea Nekoufar erzählen funktionieren, wie auch die Märchen funktionieren, die in den unterschiedlichen Kulturen erzählt werden.

Geschichten und Musik in Harmonie

Die Lieder der Gruppe Hindukusch um den Sänger und Gitarristen Qasem Heidary passen perfekt auf die Erzählungen, denn beide Gattungen sind in der oralen Tradition verankert. Die Themen seiner Lieder haben alle vor Beginn der Veranstaltung in Deutsch und Farsi ausgehändigt bekommen, so dass die ZuhörerInnen mit den in Farsi vorgetragenen Liedern über den rein akustischen Genuss etwas verbinden können. Das Lied hat in unserer Gesellschaft einen großen Stellenwert: vor einem Jahr hat ein Sänger, Bob Dylan, verdient für seine „Poesie für die Ohren“, den Literaturnobelpreis erhalten.

Aber Geschichten werden bei uns nicht mehr oder nur selten mündlich erzählt (z. B. in der Poetry-Slam-Szene). Es ist schön, an diesem Abend an dieser Tradition teilhaben zu können. Viele Geschichten sind auch in anderen Gegenden in leicht variierter Form bekannt, so z. B. die von dem Schmuggler, der sein Leben lang über die Grenze geht und auf seinem Esel eine Kiste mit unwichtigen Dingen mitführt. Am Ende wird er gefragt, was er denn nun die vielen Jahre geschmuggelt hat und er antwortet: „Esel!“

Geschichte aus 1001 Nacht

Odile Néri-Kaiser und Laiea Nekoufar
Odile Néri-Kaiser und Laiea Nekoufar
Foto © M. Seehoff

Dervishe sind im vorderen Orient Männer, die starke Geschichten erzählen, erfahren wir an diesem Abend von Laiea Nekoufar. Hinter Dervishe brauchen sich diese beiden selbstbewussten Frauen nicht verstecken. Und wenn wir der Geschichte von Scheherazade lauschen, die ihren König mit Geschichten von seinem grausigen Tun, dem Töten seiner Frauen abbringt, so begreifen wir, wie wirkmächtig Geschichten sind. Scheherazade ist die Tochter des Wesirs des persischen Königs Schahrayâr, der von seiner Frau mit einem schwarzen Sklaven betrogen wurde. Davon überzeugt, dass es keine treue Frau auf Erden gibt, fasst Schahrayâr den Entschluss, sich nie wieder von einer Frau betrügen zu lassen. Deshalb heiratet er jeden Tag eine neue Frau, die er am nächsten Morgen töten lässt. Um diesem Treiben ein Ende zu bereiten, lässt Scheherazade sich selbst von ihrem Vater dem König zur Frau geben. In der Nacht beginnt sie, dem König eine Geschichte zu erzählen, deren Handlung am nächsten Morgen abbricht. Neugierig auf das Ende der Geschichte lässt König Schahrayâr sie am Leben.

Anna Hunger von der KONTEXT Wochenzeitung eröffnete den Abend mit dem Hinweis, dass sie als Journalistin ebenfalls Geschichten erzählt unter anderem Geschichten von Menschen, die die Welt verändern. Wenn wir auf die Weisheit der Geschichten hören würden, könnte sich die Welt ein wenig zum besseren wenden.