Der Wahnsinn hat Methode

Nach den „Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung wärmeentwickelnder radio­ aktiver Abfälle“ des Bundesumweltministeriums (BMU) vom 30. September 2010 ist „zum Nachweis der Langzeitsicherheit … eine umfassende, standortspezifische Sicherheitsana­ lyse und Sicherheitsbewertung, die einen Zeitraum von einer Million Jahre umfasst, vorzunehmen.1“
Nun weiß niemand, was in einer Million Jahre sein wird (und es gibt radioaktive Stoffe, die wesentlich län­ ger strahlen – also selbst in dieser „Sicherheitsanforderung“ täuscht und verharmlost die Bundesregierung wieder einmal).
Niemand weiß, welche geologischen- (z. B.: Erdbeben, Vulkanausbrüche, Kontinentalverschiebung), kli­ matischen- (Sturmfluten, Überschwemmungen) und/oder gesellschaftspolitischen Veränderungen in die­ sem Zeitrum stattfinden (Revolutionen, Kriege, Zusammenbruch von Gesellschaftssystemen, Entstehung oder Zusammenbruch von Reichen usw.)
Aber, was vor einer Million Jahre war, beziehungsweise geschah, das ist nachlesbar! Geologische Veränderungen
o vor etwa 1,6 Millionen Jahren begann die letzte große Eiszeit. Seither war es mehrmals kälter und wär­ mer. In den kälteren Zeiten wurde ein großer Teil der Erde von Eis bedeckt. Große Wassermengen wurden in Schnee und Eis umgewandelt. Dadurch sank der Meeresspiegel zeitweise bis zu hundert Meter.
o Erst vor etwa 800.000 Jahren änderte der Rhein seine Fließrichtung. Von der seitherigen nördlichen Richtung zur sogenannten Feldberg-Donau nun in westliche Richtung in das Gebiet um den heutigen Bo­ densee. Damals war die Meeresküste da, wo das heutige Niederrhein- Gebiet liegt.
o Zwischen 115.000 bis 10.000 Jahre v. Chr., während der Würmeiszeit entstand durch Abschmelzen des Rheingletschers der Bodensee. Der Rheingletscher reichte damals bis in die Gegend des heutigen Schaffhausen. Der heute noch existierende Rhonegletscher bildete während dieser Zeit den Bieler- und den Neuenburgersee. Auch Ammer- Chiem- und Starnberger See entstanden erst während der Würmeiszeit
Zur Entwicklung des Menschen:
o Vor etwa 2,5 Millionen Jahren begann in Afrika die ältere Steinzeit. o vor etwa 1,1 Mio. begann sie in Südeuropa.
o Vor etwa 600 000 Jahren ist sie auch in Mitteleuropa nachgewiesen.
In dieser Zeit lernte der Mensch Steine als Werkzeug zu benutzen (z. B. als Faustkeil, später Messer,
1 Kap. 7.2 S. 13 der „Sicherheitsanforderungen an die Endlagerung wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle“ des Bundesumweltministeriums (BMU) vom 30. September 2010.

Speer- Pfeilspitzen).
o Vor etwa 500.000 Jahren wanderten die Vorfahren des Neandertalers aus Afrika über den Mittleren Os­
ten bis nach Südwesteuropa.
o Ebenfalls vor ca. 500 000 Jahren lernten Menschen das Feuer zu bewahren und zu nutzen.
o Vor ca. 300 000 Jahren vervollständigten die Menschen ihre Verständigung durch mit Lauten verbundenen
Gesten zur Sprache.
o Erst vor ca. 80 000 Jahren beginnt der Mensch sich Kleider aus Fellen zu nähen.
o Vor ca. 50 000 Jahren beginnt er sich eigene Behausungen zu bauen.
o Erst vor 50-40.000 Jahren wanderte der heutige Mensch, der „homo sapiens“ in Europa ein und verdräng­
te allmählich seinen Vorgänger, den Neandertaler.
o Vor ca. 30 000 Jahren entstehen erste Kunstwerke (der Löwenmensch aus dem Lone- Tal auf der Schwä­
bischen Alb ist ungefähr 28 000 Jahre, australische Felsmalereien sind ca 17 000, der ebenfalls gemalte
Bison von Altamira (Spanien) ist ca. 15 000 Jahre alt).
o Vor ca. 20 000 Jahren begannen Menschen Tiere zu zähmen und zu züchten.
o Vor etwa 12 000 Jahren begann im Gebiet des „Fruchtbaren Halbmonds“ (umfasst regenreichere Gebiete
des heutigen Jordaniens, Syriens, der Türkei und das Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris im jet­ zigen Irak und Iran, sowie Israels ) der Übergang von Jäger- und Sammlerkulturen zu Ackerbau und Viehzucht.
o Erst vor ungefähr 3000 v. Chr. lernten Menschen aus Erzen Metalle zu gewinnen und zu verarbeiten (Gold, Silber, Kupfer) und Metalllegierungen (Bronze) herzustellen und zu bearbeiten (Bronzezeit). o Erst vor ca. 2 900 Jahren entwickelten die Sumerer in Mesopotamien eine Zahlenschrift.
o Vor 2 950 Jahren ist in Sumer eine Bilderschrift mit 2 000 Symbolen nachgewiesen.
o Die Eisengewinnung und – Verarbeitung gibt es erst seit ca. 1 200 Jahren. o Von 2720 bis 2700 v. Chr. regierte in Ägypten der Pharao Djoser. Er ließ die
1. Pyramide bauen. (Stufenpyramide von Sakkara)2.
o Schließlich: Das Christentum ist gerade etwas mehr als 2000 Jahre alt.
Glaubt eigentlich irgendwer, dass irgendwo auf oder in der Erde eine sichere Lagerung von Atommüll für weit über eine Million Jahre möglich ist? Sicher nicht einmal die Atomlobby selbst. Zu der gehören natürlich auch diverse Politiker und Bürokraten,
Bei all denen geht es nach dem Motto: „Die Kasse stimmt und nach mir die Sintflut …..“
Denn das BMU gibt selbst zu, dass ein „sicherer Einschluss“ nicht möglich ist. Es formuliert in 4.2 „Die Endlagerung muss sicherstellen, dass Freisetzungen radioaktiver Stoffe aus dem Endlager langfristig die aus der natürlichen Strahlenexposition resultierenden Risiken nur sehr wenig erhöhen“.
Und in 6.1 “ …und allenfalls geringfügige Stoffmengen diesen Gebirgsbereich verlassen können. Zusätzli­
2 Da ich nicht beabsichtige eine Doktorarbeit zu schreiben, gebe ich, soweit nicht bereits genannt folgende Quellen an: Arno Peters: Synchronoptische Weltgeschichte – 30 000 Jahre Kunst, Phaidon Verlag – Internet Recherche.

che Strahlenexpositionen sollen nur in einem begrenzten Gebiet auftreten können, so dass möglichst wenige Personen einer Generation betroffen sein können“.
Und was „sehr“ oder „möglichst wenig“ ist, bestimmen die!
In 6.5 „Für Entwicklungen aufgrund eines unbeabsichtigten Eindringens in den einschlusswirksamen Ge­
birgsbereich wird kein Wert für zumutbare Risiken oder zumutbare Strahlenexpositionen festgelegt.3“ Achtung Forscher, Archäologen, Neugierige! Selbst Schuld! Und Euere Forschung kann zukünftig das Le­
ben tausender Menschen kosten.
Prüfe die Rechnung, Du musst sie bezahlen! (Bert Brecht)
Wer zahlt eigentlich die Kosten für den Bau von sogenannten Endlagern, ihren Betrieb, schließlich die Still­ legung, die Überwachung und Kontrolle, die „Rückholung“, für eintretende Katastrophen während des ge­ samten Zeitraums von (auch nur) 1 Million Jahren?
Ein aktuelles Beispiel ist das absaufende Atommülllager Asse II: Dazu Monitor vom 23.07.2009:
„Sanierungsfall Asse. Wer muss dafür eigentlich bezahlen? Bis zu 4 Milliarden Euro soll die
Stilllegung kosten. Doch damit wollen die deutschen Energieversorgungsunternehmen, die EVU,
nichts zu tun haben. Dazu Walter Hohlefelder vom Deutsches Atomforum: „Die Kosten in der Asse entstehen ja im Wesentlichen dadurch, dass es hier Fehlverhalten auf der staatlichen Seite gegeben hat, …. Und da kön­ nen Sie von den EVU nicht verlangen, dass sie hier für staatliches Fehlverhalten eintreten.“ Dementsprechend beschloss die CDU/CSU/FDP- Regierung mit Zustimmung der SPD im Fall der Asse: „Die Kosten für den Weiterbetrieb und die Stilllegung trägt der Bund.4“ Anmerkung: Die Asse ist seit 1965, also nicht einmal 40 Jahre in Betrieb!
Das nennt man auch: Gewinne privatisieren – Verluste sozialisieren.
Und ohne unsere Gegenwehr werden die uns auch mit Gewalt weiter verarschen!
29. Mai 2012 Menne Maier

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