Alle Beiträge von Michael M.

Abgasaffäre
Deutsche Automobilhersteller weiter in der Kritik

Audi A8 Jetzt Probefahren, Herr Ministerpräsident!
Jetzt Probefahren, Herr Ministerpräsident!
Foto: CC BY-SA 3.0 de

Die Deutsche Umwelthilfe (DHU) hat laut Spiegel einen 4,2 Liter Audi A8 mit Dieselmotor auf der Straße gemessen um festzustellen, welche Stickoxid-Werte dieses neue Model bei Straßenfahrten produziert. Zwischen 1422 und 1938 Milligramm Stickoxide pro Kilometer hat das Emissions-Kontroll-Institut der DUH mit einem mobilen Messgerät ermittelt. Der Grenzwert beträgt 80 Milligramm pro Kilometer!

Da verwundert es schon, dass Ministerpräsident Kretschmann auf ein Modell dieses Herstellers setzt, nachdem er von seiner Mercedes S-Klasse im Dezember auf einen wasserstoffbetriebenen SUV von Mercedes-Benz umgestiegen ist. Drei Monate später wechselt er wieder seine Dienstlimousine und fährt einen Audi-e-Tron (reiner Elektrobetrieb). Nur für Probefahrten versichert seine Pressestelle und weiter: „Da unser großes Ziel lautet, Fahrverbote für Diesel-5 vermeiden zu wollen, lohnt sich eine Probefahrt mit diesem Wagen“. Welche Erkenntnisse wird der beim Fahren mit dem Audi-e-Tron erlangen?

Wünschenswert wäre, dass der Ministerpräsident sich den Audi A8 Diesel als Dienstwagen zulegen würde, ausgestattet mit einem Messplatz, der ihm ständig vor Augen führt, was die Dieselfahrzeuge der neuesten Generation an Stickoxide in die Luft blasen. Dann hätte er Zahlen, um kompetent an der Diskussion über Fahrverbote teilzunehmen.

Kultur braucht Geld

Heinz Ratz Foto: M. Seehoff
Heinz Ratz (Foto: M. Seehoff)

Heinz Ratz ist weiterhin mit seiner Band Strom und Wasser auf Tournee. Ziel seiner neuesten Aktion: Eine Millionen Euro gegen Rechts zu sammeln. Bis 31. Dezember 2019 ist sein Tour-Kalender prall gefüllt. Mit dem Erlös der Konzerte will er soziokulturelle Zentren und selbstverwalteten Jugendhäuser im Osten unterstützen. Immer mehr gerät die Arbeit dieser Initiativen ins Visier der Rechtspopulisten, die schon heute in vielen Gemeinderäten ihren Einfluss geltend machen, um diese Orte der Weltoffenheit – oft basisdemokratisch geführt – finanziell ausbluten zu lassen.

Freie Kulturszene in Dresden unter Druck

Derzeit bangt die Freie Kulturszene in Dresden um ihre Zukunft: Ein neues rechtskonservatives Bündnis aus CDU, Bürgerfraktion und AfD bewilligte weit weniger Gelder als nötig. Die Finanzierungsvorlage der Fraktionen Die Linke, Bündnis 90/ Die Grünen und SPD wurde jüngst von 2 Mio Euro auf 400.000 Euro zusammengestrichen. Nun stehen Projekte vor dem Aus.

Dieses rechtskonservative Bündnis unter Einschluss der AfD, das die Aufstockung der Mittel für die Freie Kulturszene verhinderte, muss als Menetekel für die kommenden Kommunalwahlen im Mai gesehen werden, ebenso wie für die Landtagswahlen im September.

Es regt sich Widerstand

Es hat sich eine Initiative unter dem Namen „Dresden kippt“ gegründet, die gegen diese Gängelung der Kultur mobilisiert. Eine erste Demo dieser Initiative fand Ende Januar statt.

Auch Kulturschaffende haben mit einem offenen Brief vor den Auswirkungen gewarnt. Sie haben die Bedeutung gerade kleinerer Projekte für das Zusammenleben in der Stadt betont, die mangels Finanzierung schnell vor dem Aus stünden.

Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann

Diesen Satz des französischen Schriftstellers, Malers und Grafikers Francis Picabia sollte man sich im Alltag zu Herzen nehmen. Damit gelingt es, die Welt mit anderen Augen wahrzunehmen, Dinge in den Blick zu nehmen, die einem vorher verschlossen waren.

Das hatte vielleicht auch der Cellist Danny Kenyon der Bluegrassband The Dead South im Sinn, als er sein Cello wie eine Bassgitarre spielte.

Social Networks
Warum ihre Nutzung für Politiker problematisch ist

Zwei Ereignisse der letzten Zeit werfen mal wieder ein Schlaglicht auf die sozialen Netzwerke: Der Rückzug von Robert Habeck von Twitter und Facebook und der Datenklau Ende letzten Jahres. Das nimmt auch der Spiegel zum Anlass, in seinem aktuellen Heft die Titelstory „Wie Hacker und Trolle Politik und Gesellschaft zersetzen“ zu lancieren. Die Informationen wurden vor allem über soziale Medien abgezogen.

Solange wir uns in sozialen Netzwerken bewegen (Twitter, Facebook, Instagram etc.) geben wir unsere Daten an gewinnorientierte Unternehmen weiter. Man sollte den Konflikt zwischen den Gewinninteressen von Social-Media-Services und den Ansprüchen der Demokratie in den Blick nehmen. Und unter diesem Blickwinkel diskutieren, ob ein Abgeordneter Kommunikationskanäle nutzen darf, die ihr Geld mit der gezielten Förderung von Extrempositionen verdienen. Eventuell könnte man damit auch das Anwachsen des Rechtspopulismus eindämmen.

Der Grüne-Politiker Habeck hat seine Accounts mit folgender Begründung gelöscht:

Twitter desorientiert mich, macht mich unkonzentriert, praktisch, wenn man in Sitzungen verstohlen aufs Handy schaut. Grundsätzlich, weil ich mich dabei ertappt habe, wie ich nach Talkshows oder Parteitagen gierig nachgeschaut habe, wie die Twitter-Welt mich denn gefunden hat. Und das ist die Schere im Kopf. Als wäre Politik eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Dass man so redet, wie es das Medium will. Ich möchte gern wieder konzentrierter sein, fokussierter und auf die lange Distanz geeicht, nicht auf den kurzfristigen Geländegewinn.

Robert Habeck

NB.: Das ist natürlich nicht wirklich möglich, die Unternehmen behalten alle Daten und Aktivitäten von ihm in ihren riesigen Datenspeichern.

Habeck hat erkannt, dass die sozialen Medien die Sprache, die eigene Haltung und Reflexe normieren. Sie konditionieren die Nutzer, damit diese die maximale Resonanz erreichen. Die Betreiber dieser Plattformen sind Unternehmen, die mit einem hochprofessionellen Anreizsystem so viel Interaktion wie möglich erzeugen. Das dient ihrem Geschäftsmodell. Ihr Ziel: möglichst komplexe Nutzerprofile zu erstellen, um diesen ihre maßgeschneiderte Online-Werbung übermitteln zu können. Das unterscheidet sie grundsätzlich von öffentlich-rechtlichen Anbietern, die ohne Gewinninteressen Nachrichten verbreiten.

Die Betreiber der Social-Media-Kanäle haben mit aufwändigen Studien belegt, dass Zwischentöne die geringsten und Extrempositionen die höchsten Interaktionsraten generieren, also für sie die interessantesten sind. Was folgt daraus? Wir haben Debattenkanäle, die für Debatten ungeeignet sind, denn Hysterie wird mit Resonanz belohnt, während Moderates gefiltert wird. Deshalb sind Populisten so erfolgreich in den sozialen Medien. Und der einzelne Nutzer lernt mit der Zeit, was performt und was nicht. Das hat Robert Habeck richtig erkannt und die Konsequenzen gezogen.

JOGIDA
Jodel-Offensive gegen Idiotisierung durch Angst

Zwei jodelnde Frauen aus Berlin kämpfen gegen Rechte. Auf ihrer Web-Seite Eselsalptraum schreiben sie:

Wir aber denken: Reaktionären und konservativen Kräften darf nicht das Feld überlassen werden! Nicht auf der Straße, nicht in den Köpfen und nicht in der Musik!
Es ist unsere Mission, die Jodelei aus der für viele Ohren immer noch bestehenden unheilvollen Allianz mit der geistigen Verkrustung zu befreien! Die Deutungshoheit des Musikantenstadls hat ein Ende!
Wir wollen diese lustvolle, sehnsüchtige, kraftvolle, diverse, globale und traditionelle Stimmtechnik mit unseren lachenden Mündern und scharfen Zungen feiern!

http://www.eselsalptraum.de/

Wer Lust auf diese Art des Widerstandes gegen Rechts bekommen hat, kann sich das erst Toutorial zum Erlernen der Basics anschauen:

Weitere Toutorials auf ihrem Youtube-Kanal Ultimate Combat Yodeling

Songwriting
Today

Der Songwriter James Taylor ist seit Jahren auf seinem Weg, im Sound unverwechselbar. Darüber hat er dieses wunderbare Lied geschrieben:

Today, today, today
I’m finally on my way
The time has come to say
Goodbye, goodbye, goodbye

The bird is on the wing
The bell is about to ring
The big girl she’s about to sing
Today, today, today

The world will open wide
And I’m running with the tide
It’s time to cut this side
And I must not miss my ride

Somehow I haven’t died
And I feel the same inside
As when I caught this ride
When first I sold my pride

Kreative Ideen

Ein Unternehmer ist einer, der macht was er machen will …

… z. B. Brotaufstriche (oder baut einen Kesselhof oder macht einen Demokratie-Kongress)

Lässt sich der Reifegrad einer Gesellschaft an der Brillanz ihrer Satire ablesen?

"Was darf Satire?", fragte weiland Kurt Tucholsky
„Was darf Satire?“, fragte weiland Kurt Tucholsky

Dieser Frage geht ein lesenswerter (auch hörenswerter) Artikel von Deutschlandfunk Kultur nach. Verfasst hat ihn der Philosoph und Publizist Christian Schüle. Darin konstatiert er, dass in der „Kampfzone Deutschland“ die Degenerierung der Satire zur armseligen Witzigkeit erfolgte.

Er vermisst die „Herrschafts- und Gesellschaftskritik auf doppeltem Boden, mutig, aufklärerisch, emanzipatorisch“, die heute politisiertem Gesinnungsmoralismus gewichen ist und zur  vulgäre Massen-Unterhaltung geworden ist: „Alltags-Schmunzeleien mit Genital-Humor gern unterhalb der Beschämungsgrenze.“

Satire, so meint Christian Schüle, ist heute größtenteils „Bloßstellungsentertainment wie in der heute-show, wo Politiker konsequent der Lächerlichkeit preisgegeben oder durch heitere Interviewer vorgeführt werden. Das ist unerhört simpel und letztlich ein wenig dämlich.“

Auch mir fehlt der Menschenfreund Hans Dieter Hüsch, der mit seinem feinsinnigen Humor nie jemanden bloß stellte und trotzdem politisch höchst brisant war.

Ich empfehle, diesen aufschlussreichen Artikel nachzuhören oder nachzulesen unter DRadio Kulur.

Songwriting
Lass die Karten fallen

Der Gitarrist Stuart McCallum überzeugte bei Cinematic Orchestera mit seinem Mix aus Electronica, Jazz, Soul und Trip-Hop. Zusammen mit der Sängerin Ríoghnach Connolly, dem Pianisten John Ellis, dem Bassisten Sam Vickery und dem Drummer Luke Flowers bildet er heute „The Breath“. Hier der Titelsong ihrer neuesten CD

Auf diesem Album geht es um Entwurzelung, gescheitete Lieben und nostalgische Erinnerungen an längst vergangene Kindheitssommer. Man hört Geschichten über Geschichte, Songkleinode wie ein Klagelied über die irische Massenemigration in den Hungerjahren.

Richard Rodgers
Lieblingsdinge

Mal ehrlich, was ist dein allerliebstes Ding? Manchmal lohnt es sich darüber nachzudenken.

Wenn Hunde beißen
Wenn Bienen stechen,
Wenn ich mich traurig fühle
Dann erinnere ich mich einfach an meine Lieblingsdinge
Und schon fühl ich mich nicht mehr so schlecht

Richard Rodgers (* 28. Juni 1902, † 30. Dezember 1979) war ein US-amerikanischer Komponist.
Rodgers ist eine von nur zwölf Personen, die alle vier großen Preise der amerikanischen Unterhaltungsindustrie gewinnen konnten