Alle Beiträge von Michael M.

Menschenrechte Artikel 19
Meinungsfreiheit

„Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.“

Am 7. Mai 2012 veröffentlichten Najafi und Majid Kazemi das Lied Naghi, das zahlreiche Verweise auf den zehnten Imam ʿAlī al-Hādī an-Naqī enthält. Inspirationen dazu erhielt er möglicherweise durch die seit 11. Mai 2011 bestehende satirische Facebook-Gruppe „Kampagne zur Erinnerung der Schiiten an Imam Naghi“. Das Lied fleht Imam Naghi an „zurückzukehren“ und spricht eine breite Palette iranischer sozialer, politischer und ökonomischer Übel an, darunter die ökonomischen Sanktionen, Korruption, politische Unterdrückung, Schönheits- und Sexwahn sowie die Ohnmacht der Intelligenz und Opposition im Ausland. Das Cover zeigt eine einer Kuppel (und damit einem islamischen Heiligengrab) ähnelnde weibliche Brust mit einer Regenbogenfahne der Lesben- und Schwulenbewegung auf der Spitze der Brustwarze, welche von Greifvögeln umflogen wird. Durch das Lied wurde die Bekanntheit der Facebook-Gruppe stark gesteigert. Ende Mai wurde als Druckmittel der Vater eines in Holland studierenden Iraners verhaftet, in der fälschlichen Annahme der Student kenne die Betreiber der Gruppe, da er dort viel gepostet hatte. Quelle: Wikipedia

Zu diesem Rapper gibt es einen Film in der Reihe „Mit den Augen der Anderen“.
Mittwoch, 12.12.2018 um 20:00 Uhr
Treffpunkt Rotebühlplatz, Rotebühlplatz 28, 70173 Stuttgart, Theodor-Bäuerle-Saal

Ankündigungstext:
In seinem Dokumentarfilm „Wenn Gott schläft“ (Deutschland 2017, 88 Min.) porträtiert Regisseur Till Schauder den iranischen Sänger und Rapper Shahin Najafi. Als er 2012 einen satirischen Song veröffentlichte, sorgte das weltweit für Aufsehen und eine große Medienresonanz. Für den Song wurde er mit einer Fatwa belegt. In seinem Lied soll er angeblich Ali al-Naghi, einen der zwölf von den Schiiten verehrten Imame beleidigt haben. Tausende Menschen forderten Najafis Tod und ein Kopfgeld von 100.000 Dollar wurde auf ihn ausgesetzt, so dass er gezwungen war, unterzutauchen. Er ging nach Deutschland, wo er bis heute wohnt. Doch sein Leben ist noch immer von der Fatwa geprägt. Wenn Najafi auftritt, geht er ein hohes Risiko ein.

Nur gemeinsam kann es gehen!

“Prayer of the Mothers” ist ein Lied der Sängerin und Liedermacherin Yael Deckelbaum. Es entstand zusammen mit Frauen der Bewegung „Women Wage Peace“, die sich für eine friedliche und gewaltfreie Lösung des israelisch-palästinensischen Konfliktes einsetzen. Die Bewegung bringt seit ihrem Entstehen im Sommer 2014 während der Eskalation des Konfliktes in Gaza, bei dem über 2.200 Menschen starben, Frauen aller Religionen und aus allen Nationen zusammen, um einen wahrhaftigen Dialog zur Beendigung von Krieg und Gewalt in Gang zu bringen und einen neuen Geist für Hoffnung und fundamentalen Wandel zu erwecken, der nur mit der alles umfassenden Kraft von Frauen, dem Mütterlichen, dem Bewahrenden und Nährenden, geschaffen werden kann.
Quelle: Pressenza

Menschrechte Artikel 27
Freiheit des Kulturlebens

„Jeder hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich an den Künsten zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Errungenschaften teilzuhaben.“

Music is inclusion
Foto: © M. Seehoff

Am Tag der Inklusion lud der Rotary-Club Stuttgart Rosenstein am 3. Dezember 2018 zu einem Benefizkonzert der besonderen Art ins Theaterhaus Stuttgart ein.

Zwei großartige Inklusionsbands – Groove Inclusion und Social Inclusion Band (Dreams Academy, Istanbul) – stehen an diesem Abend auf der Bühne. Matthias Berg als Moderator führt humorvoll durch den Abend. Er ist selber Rotarier und einer der erfolgreichsten Behindertensportler der Welt, kennt also das Thema Inklusion gut.

Weiterlese auf dem Blog Elsternest.

Menschenrechte Artikel 11
Unschuldsvermutung

„Jeder, der wegen einer strafbaren Handlung beschuldigt wird, hat das Recht, als unschuldig zu gelten, solange seine Schuld nicht in einem öffentlichen Verfahren, in dem er alle für seine Verteidigung notwendigen Garantien gehabt hat, gemäß dem Gesetz nachgewiesen ist.“

Die polnische Gruppe Yugopolis spielt die Folk/RockMusik aus dem ehemaligen Jugoslawien in neuen Arrangements und mit polnischen Texten. Sie wurde im Jahr 2000 unter dem Namen Yugoton gegründet. Begründer des Projekts war der Musikjournalisten Grzegorz Brzozowicz.

Ostatnia nocka (Die letzte Nacht)

Die letzte Nacht
Ich habe Kopfweh und kann nicht schlafen
Obwohl alle um mich herum schon schlafen gegangen sind
Ich kann weder liegen noch aufstehen
Die letzte Nacht in meiner Zelle geht vorbei

Nur die Nacht, Nacht, Nacht, die Rampenlichter brennen
Der Scheinwerfer sucht das Gebiet durch
Dieses Licht kenn‘ ich gut
es geht nie aus, jemand beobachtet immer

Ich weiss nicht, ob ich ihr glaube oder nicht
Glaube ich oder nicht

Letzte Tag und Nacht bin ich dort
Aber immer noch bin ich hier
Ich kann nicht liegen aber ich kann nicht aufstehen
ein ,,Reptil“ klopft an ,,Beton“ mit seinen Halbstiefeln

Nur die Nacht, Nacht, Nacht, die Rampenlichter brennen
Der Scheinwerfer sucht das Gebiet durch
Dieses Licht kenn‘ ich gut
es geht nie aus, jemand beobachtet immer

Ich weiss nicht, ob ich ihr glaube oder nicht
Glaube ich oder nicht

Ich habe Kopfweh und kann nicht schlafen
Obwohl alle um mich herum schon schalfen gegangen sind
Ich kann weder liegen noch aufstehen
Ein paar Jahren soll der Teufel vergeblich holen

Nur die Nacht, Nacht, Nacht, die Rampenlichter brennen
Der Scheinwerfer sucht das Gebiet durch
Dieses Licht kenn‘ ich gut
es geht nie aus, jemand beobachtet immer

Ich weiss nicht, ob ich ihr glaube oder nicht
Glaube ich oder nicht

Wenn der Morgen kommt, ich werde vor deiner Tür stehen
Ich habe Abschied genommen, ohne ,,Auf Wiedersehen“ zu sagen

Ich weiss nicht, ob du dort sein wirst
Es ist egal, ich geh‘ aus dem Gefangnis raus

Nur die Nacht, Nacht, Nacht, die Rampenlichter brennen
Der Scheinwerfer sucht das Gebiet durch
Dieses Licht kenn‘ ich gut
es geht nie aus, jemand beobachtet immer

Ich weiss nicht, ob ich ihr glaube oder nicht
Glaube ich oder nicht

Aktion Vielfalt – musikalisch

Leonard Cohen – Seine Lieder in akustischem Gewand

Foto: © M. Seehoff
Foto: © M. Seehoff

Die Musik von Leonard Cohen ist eine Synthese aus Melodie und Lyrik. Damit stand der im letzten Jahr verstorbene Musiker in der Tradition der antiken Dichter, die ihre Lyrik gesungen haben. Die drei Musiker des „Leonard-Cohn-Projects“ interpretierten seine frühen Lieder am 28. November 2018 auf geniale Weise im Theaterhaus Stuttgart.

Ausführliche Konzertkritik auf dem Blog Elsternest.

SchülerInnen der Werkrealschule Münchingen setzen ein Zeichen für die Menschenrechte

SchülerInnen der Flattichschule
Foto: © M. Seehoff

Es fängt erwartungsgemäß an: ein getragenes Stück vom Bläserchor des Musikvereins Münchingen erfüllt die Aussegnungshalle auf dem Münchinger Friedhof. Volkstrauertag 18. November 2018. Ein Tag des Innehaltens und des Gedenkens an die Toten der zwei großen Kriege. Die helle Morgensonne vertreibt finstere Gedanken an Krieg und Tod. Herbstlaub liegt auf den Gräbern. Die Millionen Tote der zwei Weltkriege liegen verstreut europaweit und ihnen wird gedacht an diesem Tag. Das Massensterben veränderte Europa, wie Dr. Otto Koblinger vom VdK in seiner Ansprache ausführt. Das Gedenken an die Toten des Zweiten Weltkrieges wach zu halten und die Verpflichtung daraus zu lernen war der Auftrag bei der Gründung des Vereins der Kriegsopfer vor 70 Jahren.

Am 11. November vor 100 Jahren ging der Erste Weltkrieg mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandes zu Ende. (Es war die erste Zivilregierung, die diesen Waffenstillstand in Compiègne unterzeichnete. Das Militär, das den Krieg angezettelt hatte, war zu feige, zu ihrer Verantwortung zu stehen.)

Vor siebzig Jahren wurden aus den schmerzhaften Erfahrungen des fürchterlichen zweiten großen Krieges im 20. Jahrhundert die Menschenrechte formuliert. Sie sollten eine Richtschnur geben für das Zusammenleben der Menschen weltweit. Einige Artikel der Erklärung der Menschrechte nehmen die Schülerinnen und Schüler der Werkrealschule Münchingen an diesem Morgen in den Blick, zitieren sie und stellen sie ins Verhältnis zu ihren eigenen Schicksalen:

Artikel 1: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.

Artikel 2: Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse*, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Artikel 3 : Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

Artikel 12 :Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden.

Artikel 14: Jeder hat das Recht, in anderen Ländern vor Verfolgung Asyl zu suchen und zu genießen.

u.e.a.m

Es sind junge Menschen mit sehr verschiedenen kulturellen Hintergründen. Obwohl größtenteils in Deutschland geboren, so haben sie kulturelle und sprachliche Wurzeln in der Türkei, Bosnien, Kroatien, Syrien. Sie stellen sich namentlich vor, halten ihre unterschiedlichen Pässe hoch, nicht ihre Nationen. Sie sind Teil einer universellen Menschheit. Die Menschrechte beschreiben, wie das Zusammenleben in Freiheit und Würde vonstatten gehen kann.

Bei der Einarbeitung in dieses so wichtige Thema begleitete die Schülerinnen und Schüler ihre engagierte Ethiklehrerin Dagmar Müller-Buchalik, der es immer wieder gelingt, aktuelle politische und ethische Themen altersgerecht umzusetzten. Für die visuelle Umsetzung stand ihnen die katholische Religionslehrerin und Künstlerin Eva Rogale tatkräftig zur Seite.

Die Jugendlichen verweisen mit ihrem Beitrag zu den Menschrechten auf die Aktion „Vielfalt“, die in diesen Tagen in Stuttgart angelaufen ist. Über zweihundertzwanzig Organisationen beteiligen sich mit Vorträgen, Theaterstücken, Musikaufführungen an dieser Aktion. Die Schülerinnen und Schüler der Flattichschule haben gezeigt, dass sie ein Teil dieses Netzwerkes sind, das Respekt und Toleranz in Vielfalt postuliert.

Gegen das Starre – Sprungbereit

Heinz Ratz Foto: M. Seehoff
Heinz Ratz (Foto: M. Seehoff)

Heinz Ratz wird am 6. Dezember 2018 im Theaterhaus spielen. Ein neues Projekt hat er auf die Beine gestellt: 1 Millionen gegen Rechts. Bis Ende 2019 will er eine Million Euro für selbstverwaltete Jugendhäuser und soziokulturelle Zentren sammeln, die in Sachsen, Brandenburg und Thüringen von rechtspopulistischen Mehrheiten bedroht sind. Dafür tour er durch die Lande.

Oft fühlen sich Menschen, die die Humanität nicht preisgeben wollen, isoliert und wissen nicht genau, wie sie ihre politischen Einsichten kanalisieren sollen. Heinz Ratz und seine Musiker haben in den letzten Jahren oft erleben müssen, dass sozial engagierte lokale Gruppen nicht schnell und öffentlichkeitswirksam genug auf Angriffe von rechts reagieren konnten. So kam ihm zusammen mit Konstantin Wecker der Gedanke, zur Unterstützung humaner Initiativen und friedlicher Proteste eine kulturelle „schnelle Einsatztruppe“ zu schaffen, das „Büro für Offensivkultur“. Bundesweit sollen 100 Konzerte in 100 Städten stattfinden. Die Anstifter haben auf seine Anfrage, in Stuttgart zu spielen, spontan zugesagt. Heinz Ratz ist den Anstiftern kein Unbekannter. Er spielte mit seiner Band Strom & Wasser auf der Friedensgala 2015 zusammen mit zu uns geflüchteten Musikern, „THE REFUGEES“.

 

 

Yael Deckelbaum – eine beeindruckende Sängerin und Friedensaktivistin

Yael Deckelbaum mit Band
Foto: © M. Seehoff

Die Position Israels auf der Weltbühne ist derzeit nicht die einfachste. Daher war es besonders beeindruckend, dass die preisgekrönte israelisch / kanadische Singer-Songwritering Yael Deckelbaum am 19.7.2018 zu Gast beim Sommerfest der Kulturen in Stuttgart auftrat.

Unterstützt von fünf musikalischen Powerfrauen bringt Yael Deckelbaum ihre politische Botschaft in griffigen Songs voller Empathie unters Volk. Yael Deckelbaum ist nicht nur Musikerin sondern auch Aktivistin. Ihre Berufung als Aktivistin fand sie in den Jahren 2015 – 2016. Sie initiierte die soziale, musikalische Reise „The Road Home“ zusammen mit der Protestführerin Daphni Leef. Die beiden Frauen fuhren mit einer Crew von 20 Personen für 45 Tage durchs ganze Land, um die Stimmen der guten Leute von Israel zu dokumentieren. Sie steht mit der Organisation „Frauen wagen den Frieden“ an der Spitze einer Friedensbewegung, die sich über die ethnischen Grenzen hinweg für den Frieden unter alle Menschen in der Region Palästina einsetzt.

Die Botschaft von Versöhnung und Ausgleich wird teils nicht verstanden

Angesichts der Botschaften der Versöhnung und des Ausgleichs aller in Palästina lebenden Menschen und ihrem Ziel, Konflikte zu entschärfen, aufeinander zuzugehen, mutet eine Gruppe Frauen auf dem Marktplatz fast schon anachonistisch an. Auf ihren roten T-Shirts fordern sie den Boykott Israels. Diese Forderung widerspricht den Ansichten der sechs Musikerinnen auf der Bühne und ist sicher auch nicht im Sinne des Veranstalters, der Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen bringen und nicht ausgrenzen will.

Kinder und Frauen sind die Hauptleidtragenden von Krieg, davon singt Yael Deckelbaum

Immer wieder rücken die Musikerinnen die Mütter und die Kinder ins Zentrum ihrer Lieder. Sie sind es, die die Hauptlast der Kriege zu tragen haben, die unter Hass, Gewalt und Ausgrenzung besonders leiden nicht nur in Palästina und Israel sondern weltweit.

Den Song „Prayer of The Mothers“ schrieb Yael Deckelbaum für den „March of Hope“: Tausende von jüdischen und arabischen Frauen marschierten aus dem Norden Israels nach Jerusalem mit der Forderung nach Frieden. Das Lied hat die Botschaft des „Marsches der Hoffnung“ in die ganze Welt getragen und hat viele universelle Frauenbewegungen inspiriert. Diese Hoffnung ist dieses Jahr auch in Stuttgart angekommen.

Das Sommerfestival der Kultuen findet bis einschließlich Sonntag, 22.8.18 auf dem Marktplatz der Stadt Stuttgart statt. Vom Auftaktkonzert berichtet die Elster in ihrem Nest.

Initiative #verlagegegenrechts erringt Erfolg

Krimischriftstellerin Zoë Beck ist Mitbegründerin der Initiative Verlage gegen Rechts
Krimischriftstellerin Zoë Beck ist Mitbegründerin der Initiative Verlage gegen Rechts

Eine Vereinigung von 45 unabhängigen Verlagen tritt für Toleranz und Weltoffenheit ein und positioniert sich gegen rassistisches, antifeministisches und homofeindliches Gedankengut rechter Verlage. Mitgegründet wurde die Initiative von der Krimischriftstellerin und Verlegerin Zoë Beck, die im Rahmen der Kriminächte Stuttgart am 7. März in der Stadtbibliothek Bad Cannstatt las und in der Diskussion von ihrem Engagement berichtete. (Ausführlicher Bericht siehe hier).

In ihrem Gründungsmanifest schreibt die Inititiative #verlagegegenrechts:

Wir, die unterzeichnenden Verlage, Initiativen und Einzelpersonen, stehen für eine offene Debatte, einen Streit um die richtigen Ideen, um die Gesellschaft voranzubringen. Wir treten für die Teilhabe möglichst vieler Menschen an Literatur, Kultur und Bildung ein. Dabei spielt es keine Rolle, welche Herkunft, Sprache, sexuelle Identität und Orientierung oder Religion jemand hat. Wir wehren uns gegen die Ausgrenzung von Menschen aus diesen Gründen in jeder Form – politisch, sozial oder kulturell.

Mittlerweile haben sich dieser Initiative weiter 40 Verlage angeschlossen sowie 180 Einzelpersonen. Auch der PEN, der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller, der Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e.V., der Verband deutschsprachiger Übersetzer und die Böll-Stiftung unterstützen den Aufruf.

Auch im Vorfeld der Leipziger Buchmesse ist die Vereinigung Verlage gegen Rechts aktiv geworden. Ein Ausschluss von Verlagen kann aufgrund des Messecharakters nicht ausgesprochen werden. Die Leipziger Buchmesse ist ein Marktplatz, an dem sich erst einmal alle beteiligen können. Messedirektor Zille hatte erklärt, dass Verlage aus dem rechten Spektrum ebenso in Leipzig ausstellen dürften wie alle anderen Kunden auch, solange sich die Publikationen im Rahmen der Gesetze bewegen. Die Buchmesse sei der Meinungsfreiheit verpflichtet.

Nun hat die rechtsgerichtete Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) ihre Teilnahme an der Leipziger Buchmesse zurückgezogen. Dem Direktor der Leipziger Buchmesse warf Dieter Stein, Geschäftsführer der Jungen Freiheit, vor, mit der von linksradikalen Verlagen initiierten Aktion „#verlagegegenrechts“ zu kooperieren. Als Begründung führte die JF an, durch eine einseitige und ungünstige Standplatzierung in einem von der Messe konstruierten „rechtsextremen Block“ von Verlagen, sei eine Messeteilnahme absolut rufschädigend und wirtschaftlich sinnlos.

Derweil ist der Streit um die Teilnahme an den Buchmessen in eine neue Runde eingetreten: Nachdem eine vom Dresdner Buchhaus Loschwitz initiierten „Charta 2017“ vor einer „Meinungsdiktatur“ warnte, hat eine Schriftstellergruppe einen Gegenaufruf gestartet, die der Charta 2017 „verbale Entgleisungen“ vorwarf. Die beiden prominenten Vertreter der Initiativen, Uwe Tellkamp für die Charta 2017 und Durs Grünbein vom Gegenaufruf trafen am 22. März 2018 in Dresden aufeinander und debattierten im Dresdner Kulturpalast vor 700 Zuhörern. Über die Debatte der beiden renommierten Dresdner Schriftsteller hat die Wochenzeitung Die Zeit ausführlich berichtet, sie ist hier dokumentiert. Eine Videoaufzeichnung der gesamten Debatte hat die Sächsische Zeitung hier veröffentlicht.