Alle Beiträge von Benni Schad

#noafd in Herrenberg

Unser Kollege Schmidt war am 23.1.22 in Herrenberg und hat die Kundgebung der #noafd und den großen Gegenprotest dokumentiert.

Anhänger*innen der AfD vor der Stadthalle in Herrenberg

Das Bündnis „Herrenberg bleibt bunt“ rief zu einer Menschenkette unter dem Motto „Zusammenhalten in Pandemiezeiten – Menschenkette für
Demokratie und Solidarität“ auf.

Alle Fotos: Schmidt

Mehr Bilder von den Protesten gibt es auch der Website des Gäuboten zu sehen: AfD-Kundgebung und Gegendemonstrationen (gaeubote.de)

 

Betty Rosenfeld – Zwischen Davidstern und roter Fahne

Seit 2017 haben die AnStifter und ihre Spender*innen dieses Projekt erst möglich gemacht. Nun ist das Buch „Betty Rosenfeld – Zwischen Davidstern und roter Fahne“ von Michael Uhl im Schmetterling Verlag erschienen. Dafür gilt unseren Spender*innen unser größter Dank! Veranstaltungen zum Projekt sind bereits in Planung.

Mehr Informationen zu Projekt und Buch finden sie auf der Seite des Verlags und hier auf unserer Website.

Bunga Bunga mit Berlusconi und Djokovic

Bunga Bunga mit Berlusconi und Djokovic – Peter Grohmanns "Wettern der Woche"

Steuerbetrug. Meineid. Schmiergeld. Bilanzfälschung. Bestechung. Lüge. Amtsmissbrauch. Prostitution. Kavaliersdelikte? Ja, aber alles mit Freispruch durch Manfred Weber. Der christlich-soziale Demokrat ist behilflich, die Müllberge vor dem Cavaliere und Milliardär aus dem Weg zu räumen – Dreck. Und Schmutz und Schund und Abschaum. Doch Müll ist das Gold von morgen. Wer weiß, vielleicht reicht dem deutschen Weberknecht (lateinisch Opiliones) ja bereits das reichliche Echo auf seinen Appell, Berlusconi zum Staatspräsidenten zu machen?

Im Gegensatz zu Berlusconi, der nie ein Kostverächter war, ist Boris Johnson ein Wahrheitsverächter, ein Freund von Märchen und Sagen, aber auch der ins Gerede gekommene katholischen Kämpfer für Sitte, Anstand und Abendland. Möglich, dass die beiden Helden schon weg sind vom Fenster, wenn das gedruckt wird. Die Wahrheit lebt eben auch nur von der Hand in den Mund.

Nur Caren Miosga ist schneller. Letzte Woche interviewte die Gute den Rodelmeister und Olympiasieger Felix Loch, der für die Allianz in China bergab fährt und im Angermaier-Dirndl poussiert. Im Gespräch mit dem sympathischen Werbesportler ging’s auch um Moral und ob man – wie im Fußball-Fall Katar – doch lieber daheim bleiben sollte wie meine Omi Glimbzsch in Zittau, bei Baerbock und Bildschirmschoner und Fernsehen aus Oberhof. Felix Loch hat den Hut auf für die Allianz – und ohne Hut und Logis kein Interview für Caren. Bekanntlich ist die Allianz ja selbst das Paradebeispiel für Moral: Mal ermittelt die BaFin, mal das US-Justizministerium. Halt! Alles Schnee von gestern! Wichtig allein ist der Sport. Naja. Und eben die öffentlich-rechtlichen Chancen, zusätzlich abzusahnen.

Ob angezogen oder als a Nackter
Der Novak hat am ganzen Leib Charakter
Ich hätt‘ schon längst ein böses End genommen:
Aber der Novak lässt mich nicht verkommen … (Cissy Kraner)

Eine Goldmedaille für die Medien von Novak Djokovic, ungeimpft und fern der Heimat. „Ein Führer der freien Welt“, sagt sein Väterchen, „ein Symbol der armen und unterdrückten Länder und Völker“. Genau genommen wie Jesus, diesmal an der Seite der spazierenden Republikflüchtlinge und Staatsfeinde.

Und mein letzter Satz? Assange stirbt, Russland ist eingekesselt und der Krieg läuft frei herum.

Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator von Bürgerprojekten. Alle Wettern-Videos gibt es hier zum Nachgucken.

Impfpflicht, Haftpflicht, Gurtpflicht – Peter Grohmanns „Wettern der Woche“

Impfpflicht, Haftpflicht, Gurtpflicht – Peter Grohmanns "Wettern der Woche"

Impfdurchbruch bei Maaßen
Der Islam gehört zu Deutschland wie die Impfpflicht, die Haftpflicht und die Wehrpflicht – von der Gurtpflicht, der Maskenpflicht, der Helmpflicht, der Schulpflicht, der Meldepflicht und der Visumpflicht mal ganz zu schweigen. Bei uns gilt: Bei Grün gehen, bei Gelb warten, bei Rot stehen. Alles andere ist gefährlich. Gut, man kann auch bei Rot gehen wie die schwäbischen Truppen des Generalfeldmarschalls Erwin Rommel vor 80 Jahren bei El Alamein: Mit knirschenden Zähnen (das ist der Wüstensand von Heino) und 100 000 deutschen Mann: Pflicht oder Kür? Die Schlacht endete unentschieden, wenn man von den 10000 Gefallenen der Mörderei im Krieg und 10000 Toten und Verstümmelten Ägyptern nach dem Krieg (deutsche Minen) absieht. Der Durchbruch bei El Alamein gelang nicht, die Laune des Führers sank, aber der Rest war begeistert. Da hätte es nicht mal der Wehrpflicht bedurft.

Heute überlegt man sich natürlich zweimal, bei Rot eine Straße zu über-queren, für Volk und Vaterland nach El Alamein, Mali oder Afghanistan in den Krieg zu ziehen oder Islamisten zu küssen. Aus dem Internet weiß man: Da kann es zu Impfdurchbrüchen kommen. Auf der anderen Seite droht das spätbürgerliche Pflichtenheft mit Könnten und Müßten und Sollten, mit Maaßen, Bhakdi, mit Drosten, Ethik und Albert Camus, der meiner Omi Glimbzsch in Zittau und ihren Enkeln wieder und wieder predigte: Die Freiheit besteht in erster Linie nicht aus Privilegien, sondern aus Pflichten.

Gegen Camus, die Wissenschaft, gegen Masken, Impfpflicht und Diktatur marschieren nun schon – Tendenz steigend – jede Woche die Hunderttausend: Nachbarn wie Du und ich, Förster, Krankenschwestern, gut und böse eng beinander, Lehrerinnen, Schausteller, ungeimpfte Kneipenwirte und Grüne, echte Sozis, Anthroposophen, AFD und CDU und FDP, Linke, Reichsbürgerinnen und Ärzte und Arbeiter. Sie freuen sich, weil sie endlich wissen, wie man sich mit der Polizei und anderen Obrigkeiten anlegt: Ein neuer anachronistischer Zug!

Die Mitte schließt die Fenster, die Regierenden tauchen ab, die Medien sind ahnungslos und der Rest arrangiert sich mit neuen Virus-Varianten und leugnet, dass da die eigenen Leute mitsingen: Solidarisieren – Mitmarschieren. Das alles klappt viel besser als bei Demos gegen Wehrpflicht, Sozialabbau oder Antisemitismus. Man ist querbeet meistens gut gelaunt und bestens vernetzt, hat viel Ausdauer und Geld, eine vorzüglich Infrastruktur und wenig gesicherte Informationen. Egal. Die andere Seite der Medaille sind Karneval, Fasching, Fasnet, derderwegen kann der Bundestag nicht tagen, heißt es aus dem heißen Haus. Richtig ist: Die einen haben die Nase voll, die anderen die Hose. Das ist keine neue Variante und kann noch heiter werden.

Und mein letzter Satz? Assange stirbt und Russland ist eingekesselt.

Peter Grohmann (peter-grohmann@die-anstifter.de)
ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts www.die-anstifter.de

Schnee im Sommer

Werner Ehrlich: 23. Juni 1948 – 12. Dezember 2021

Er war über Jahrzehnte einer der originellsten, scharfsinnigsten, unermüdlichsten und einfallsreichsten Kulturorganisatoren Dresdens. Er war Partisan unter den Kulturarbeitern, Pirat zwischen den Apparaten, Eulenspiegel unter den Bürokraten, Visionär im Tal der Ahnungslosen, Schelm im Dickicht der Verordnungen, Überwinder der Trägheit, Zauberer des Unmöglichen. Mit ihm war Kultur subversiv und Kunst kreativ.

Werner Ehrlich erfand Schnee im Sommer, Jazz im Boxring. Kulturelle Interessen-gemeinschaften, Esel für die Polit-Kirmes, die Experimentierbühne im Dresdner Zwinger, Picknick im Plattenwerk, Grafik im Espresso, Gemäldetransporte per Anhalter, Johannstädter Elbfeste und Plakate ohne Druckgenehmigung. Er gehörte zu den Mitbegründern der Dresdner AnStiftung, war Aktiver Macher + Denker beim Wendefest und dem Dresdner AnStifter-Friedenspreis, Motor unserer Ost-West-Begegnungen Stuttgart trifft Dresden, dem Stadt-Kulturspaziergang über_brücken mit Jochen Stankowski und vielen weiteren politisch-kulturellen Initiativen, die das Land gegen den Strich bürsten.

Er konnte ein Lied singen von Parteiverfahren, Auschlüssen, Abmahnungen, Ignoranz, Verachtung, Kleinmut und alter wie neuer SpießbürgerInnen.
Er machte Unmögliches möglich.
Ein Kommunist, der jetzt im Himmel auf uns wartet. Ich hoffe, er hat Zeit.

In Erinnerung an den ehrlichen Menschen denken wir an unsere FörderInnen und Freunde – stellvertretend für viele weitere: An Barbara Rockenbauch / Susanne Rinne / Enrico Pieri / Menne Maier / Pit Luz / Marc Hoh / Desmond Tutu / Doris Neu / Wolfgang Brunner / Inge Jens / Irmela Grämkow / Rainer Roth / Peter Dübbers / Gabi Dreiss / Andreas Henschel / Heinz Witthoeft / Guillermo Aparicio / Gangolf Stocker / Uwe Dreiss / Ilse Günther / Raimund Thum / Hans Hermann Frese 

Peter Grohmann, 7.1.2022

Triage
Mensch oder Atom? Peter Grohmanns Wettern der Woche

Triage: Mensch oder Atom? – Peter Grohmanns "Wettern der Woche"

Als allererstes meine ergebensten Wünsche und Hoffnungen – auf Sie und aufs neue Jahr! Ich mach‘ jede Wette: Ohne Sie läuft 2022 gar nichts, ob mit oder ohne Triage!

Vor Triage hatte ich noch im letzten Jahr den größten Respekt, ja regelrecht Schiss! Inzwischen habe ich mich kundig gemacht und bin beruhigt: Triage kommt lediglich vom französischen Verb „trier“ und bedeutet so viel wie sortieren! Und im Sortieren sind wir Deutschen Meister! Denken Sie nur mal an DIN A 4 oder wie und über wen das LKA politisch motivierte Straftaten sortiert, oder an die vielen sicheren Herkunftsländer, falls Sie mal abgeschoben werden sollten. Im einen Land kann das für Sie Folter, Vergewaltigung oder Tod heißen, in einem anderen Land kommen Sie vielleicht mit dem Verlust der Menschenrechte davon.

Triage – das ist ja erstmal nur eine ethische Frage, die die behandelnden Ärzte vor große Herausforderungen stellt. Damals, unterm Hitler, behauptet meine Omi Glimbzsch in Zittau, war für die Ärzte vieles einfacher, weil der Führer jeden Tag ganz allein entschieden hat, was lebenswertes Leben ist und was nicht – also wer nach Grafeneck oder Hadamar oder Sonnenstein oder in eine der anderen Tötungsanstalten kam oder wer im Stuttgarter Bürgerhospital mit dem Leben abwarten konnte. Zugegeben, das ist weit hergeholt. Heute wird sogar demokratisch entschieden, welche Medikamente erforscht und weiter entwickelt werden und welche nicht, weil es sich nicht lohnt. Das ganze Leben ist ein ständiges Für und Wider, ein Abwägen und Aussortieren von Menschen und Möglichkeiten.

Wenn wegen Omikron & Co. KG der Platz auf Intensivstationen knapp wird, wenn zu wenig Ärztinnen und Pfleger und Krankenhäuser und passable Medikamente da sind, kann das – wählen Sie! – am Tarifvertrag liegen, am niedrigen Organisationsgrad der Pflegekräfte, an der grünen CDUSPDFDP oder der Lobby im Bundestag, Landtag, Gemeinderat, am politischen Bewusstsein der Menschen, an der Ethik – oder daran, dass die meisten Leute glauben statt wissen. Sie bilden sich ein, dass sie doch relativ gesund sind. Sie sollen nicht wollen, dass ihre Steuergelder in gemeinwohl-orientierte und unrentable Zuschussbetriebe fließen: Kultur, Soziales, Gesundheit.

Okay, sie sind tolerant, sie machen auch mal ’ne außerklinische Ausnahme, bei Atomkraft. Jährlich produziert Deutschland 230 Tonnen Atommüll. Weltweit wurde noch keine Lösung gefunden, wie die Abfälle entsorgt werden sollen. 99 Prozent der Leute wollen aber auf keinen Fall, dass der strahlende Atommüll bei ihnen gelagert wird, in gesunden Regionen mit guten Steinen. Sie haben also die Wahl: Hamburg, Hannover, Schwerin, Stuttgart und Bremen liegen da günstig. Oder Triage erste Wahl: Afrika.

Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator von Bürgerprojekten. Alle Wettern-Videos gibt es hier zum Nachgucken.

Belarus – Demokratiemärchen

Belarus – Demokratiemärchen“ ist eine von den AnStiftern unterstützte künstlerisch-politische Aktion von InterAKT Initiative. Hier ist der angekündigte Kurzfilm zu sehen.

Belarus – Demokratiemärchen || Беларусь – казка пра дэмакратыю

Die Postkarten für die belarussischen Gefangenen können weiterhin in unserem Büro abgeholt werden.

Der SWR berichtet über das Video und die Postkarten-Aktion: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/postkarten-und-video-aus-stuttgart-zur-unterstuetzung-von-kolesnikowa-100.html

 

BELARUS – DEMOKRATIEMÄRCHEN – Postkartenaktion mit Unterstützung der AnStifter

 

BELARUS – DEMOKRATIEMÄRCHEN

Belarus – Demokratiemärchen“ ist eine von den AnStiftern unterstützte künstlerisch-politische Aktion von InterAKT Initiative, die beinhaltet:

  • einen animierten Kurzfilm nach einer Geschichte von Anna Bakinovskaia. Der Film wird am 24. Dezember 2021 digital auf social Media Plattformen (YouTube, Facebook), sowie auf http://interakt-initiative.com veröffentlicht werden. Wir hoffen so viele Menschen wie möglich (sowohl in Belarus und Deutschland, als auch darüber hinaus) zwischen dem 24. Dezember 2021und dem orthodoxen Weihnachtsfest am 6. Januar 2022 zu erreichen.
  • eine Initiative mit 1000 Postkarten an die Inhaftierten in Belarus:

1. Zur analogen Verbreitung in Stuttgart und Esslingen: wir verteilen Kartensets zum selber Schreiben und Weitergeben: „Du bist mein*e gut*er Freund*in. Ich gebe dir 15 frankierte und ready-to-go Postkarten, eine verschickst du selbst, 14 gibst du an gute Freund*innen weiter“. So hoffen wir 1000 Postkarten an 1000 Inhaftierte schnell zu versenden.

Im Büro der AnStifter in der Werastr 10 in Stuttgart ist ein Vorrat dieser Postkarten vorhanden und kann zu unseren Geschäftszeiten dort abgeholt werden.

2. Eine digitale Version in Kooperation mit politzek.me als Ergänzung zum Kurzfilm.

InterAKT Initiative (interakt-initiative.com)

Zum Tod von Enrico Pieri – Aus Hass wird Hoffnung

Hallo liebe FreundInnen von Sant Anna di Stazzema,

hier die Berichterstattung über die Aufbahrung von Enrico am 11. Dezember in der Kapelle des Croce Verde in Pietrasanta und der Feierlichkeit zur Urnenbestattung am Sonntag den 19. Dezember in Sant Anna, den uns Jenö Egan-Krieger zugeschickt hat.

Aus Deutschland war zu mindestens sein langjähriger Rechtsbeistand, die Anwältin Gabriele Heinecke aus Hamburg, anwesend.

Saranno disperse a S.Anna le ceneri di Enrico Pieri

Es wird keine Beerdigungszeremonie geben, aber Enrico Pieri hatte den Wunsch geäußert, dass seine Asche in S. Anna beigesetzt wird, an den Orten, an denen er zum historischen Gedächtnis geworden war.

Dies bestätigte auch der Bürgermeister von Stazzema, Maurizio Verona, der sich zu den vielen Menschen gesellte, die Enrico in der Kapelle des Croce Verde di Pietrasanta, einer Vereinigung, der Pieri angehörte, die letzte Ehre erweisen wollten.

Der Bürgermeister erinnerte auch an Enricos Engagement für die Weitergabe europäischer Werte an die jüngeren Generationen, wofür er 2011 mit dem Titel „Europäischer Bürger des Jahres“ ausgezeichnet wurde.

Hier der Beitrag zur Urnenbeisetzung

Zum Tod von Enrico Pieri: Aus Hass wird Hoffnung – Baden-Württemberg – Stuttgarter Zeitung (stuttgarter-zeitung.de)

Facebook gefährdet ihre Gesundheit – Peter Grohmanns „Wettern der Woche“

Facebook gefährdet ihre Gesundheit – Peter Grohmanns "Wettern der Woche"

Facebook – Hass, Hetze, Heimtücke
„Facebook gefährdet die Gesundheit von Menschen, Facebook ist mitverantwortlich für Hass, Hetze, Suizide, Versklavung und Völkermorde. Facebook arbeitet auf der ganzen Welt mit verrückten Faschisten zusammen und fackelt die Demokratien der Erde ab.“ Meine Fresse, das ist stark!  Quelle? ZDF, 10.12.2021. Sehen Sie? Geht doch. Bezüglich Aufklärung gibt’s immer Aufklärungsbedarf. Die Sateliten von heute etwa erkennen vom Weltall aus selbst Autonummern und die Marke einer Zigarettenschachtel – doch bei den Aufmärschen der Roten Armee herrscht undankbarer Aufklärungsnebel. Ami-Panzer? Russen-Panzer? Nicht erkennbar. Abgesehen davon: Putins Drohkulisse fehlt das Äquivalent: Die gut gelungene Einkesselung Russlands. Das gilt auch für die Ukraine-Berichterstattung dieser Tage – sie erinnert an die schlechten Zeiten eines wohlig eingebetteten Journalismus vergangener Kriege, bei der sich die Medien den vorgegebenen politischen Strukturen und Erwartungen anzupassen hatten und zum Sprachrohr von Regierungen und Militärs wurden (ob im Osten oder Westen) – oder eben draußen bleiben mußten. Was bleibt? Alternative Medien, ‚alternativen‘ Fakten? Vielleicht Facebook? 10 prominente Deutschen haben in einem offenen Brief an Bundeskanzler Bubi Scholz, Außenministerin Annalena Baerbock und Bundesjustizminister Marco Buschmann appelliert, sich bei Joe Biden für den todkranken inhaftierten Whistleblower Julian Assange einzusetzen. Biden hätte ja bei seiner Amtseinführung versprochen, die Bevölkerung vor Polizei- und Justizgewalt zu schützen. Scholz, Baerbock und Buschmann forderten daraufhin unter Hinweis auf die deutsche Verfassung, diverse Wahlprogramme und die Menschenrechte umgehend eine Blockade der Olympischen Sommerspiele in China, die Aussetzung der Fußball-WM in Katar und freie Wahlen in Guantanamo ohne Fußfesseln. Was Katar angeht: Die britische Tageszeitung The Guardian berichtet von mehr als 6500 Toten: Gastarbeiter, Zwangsarbeiter, keine Uiguren. Aber was die Promis, Assange und den Rest angeht: Natürlich alles Lüge! Mir ist nicht ein einziger Brief eines halbwegs prominenten Menschen bekannt, der sich bei der neuen Regierung für Assange eingesetzt hätte, kein Verleger, der wegen des Assange-Skandals auf journalistischen die Barrikaden gegangen wäre. Warum? Zum Beispiel, weil Ziffer 1 der Präambel des Pressekodexes
behauptet: Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse. Aber? Stattdessen eine lauwarme Berichterstattung bei Verletzungen der Menschenrechte und ein weltweites Sauberwaschen, wenn’s der Rendite dient. Ruhe im Stall von Bethlehem.

Peter Grohmann (peter-grohmann@die-anstifter.de)
ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts www.die-anstifter.de

Ein Tag im Leben mit Enrico Pieri – Eine nachgerufene Liebeserklärung

Ich erreiche am 19. April 2013 mit der Bahn frühmorgens Pietrasanta. Enrico Pieri holt mich ab: Mit seiner Ape, seinem motorisierten Lastentier. Mein Koffer landet auf der Pritsche, darauf schon das vorbestellte Fahrrad. Ab in die Pension Villa Elena in Forte di Marmi. Enrico fragt kurz, ob alles gut gegangen ist im Nachtzug. Er lädt eigenhändig ab. Ich bin angekommen.


Kurze Pause. Wir starten nach Valdicastello. Natürlich mit der Ape. Sie kennt bereits die Strecke Pietrasanta – Valdicastello Centro – Valdicastello Oliveto – Sant’Anna und zurück in- und auswendig. Für Enrico Alltag.

Enrico stoppt. Er gibt mir den Auftrag, beim Musikalienhändler eine Zeitung zu kaufen. Hier gibt es wirklich alles für alle. Ich frage Enrico , welche Zeitung denn. Seine Instruktion: Die UNITÁ.

Die Unità gab es seit 1924. Sie war das das offizielle Organ der Kommunistischen Partei Italiens bis zu deren Auflösung 1991. Das Blatt existierte mit Unterbrechungen weiter noch bis 2017.

Gegenüber das Geburtshaus des italienischen Dichters und Schriftstellers und Dichters Giosuè Carducci, geboren 1835. Träger des Nobelpreises für Literatur 1906. Der Literaturprofessor, Teil des gehobenen Bildungsbürgertums, ein Reaktionär? Enrico, nach seinen eigenen Worten selbst minimal gebildet, klärt mich auf: Der Mann war
Atheist, Freimaurer, Anhänger der Republik …

Weiter geht’s zum Lokal eines Arbeiterclubs, Treffpunkt zu fast jeder Tages- und Nachtzeitzeit, Ort für den kurzen Espresso, den Blick in die Tageszeitung – oder das Studium der Sportgazetten. Und für den Austausch über Alltägliches, Fußball und Politik. Noch wenig los, Enrico ist mit allen gut bekannt. Sein Freund und Mitstreiter Enio
Mancini trifft auch ein. Freudige Begrüßung.

An den Wänden Konterfeis von Che Guevara, programmatische Plakate der ARCI, ein Freizeit- und Kulturverein mit politischem Anspruch: Frei denken, solidarisch handeln. Über den Bildschirm gehen die Sportprogramme von Sky und den Berlusconi-Sendern.

Für mich ein Flashback der besonderen Art zu den Debatten über den Eurokommunismus der Siebziger-Jahre, speziell den Weg der KPI. Sie brachte scheinbar Unvereinbares zusammen: Pro Parlamentarismus, contra Kapitalismus.

Enrico hat nie vergessen, woher er gekommen ist. Er fühlte sich zeitlebens an der Seite der „kleinen Leute“. Vor allem auch derer, die in den Bergen hinter Pietrasanta in bitterer Armut gelebt hatten und nicht nur in Sant’Anna durch die deutschen Kriegsverbrechen in noch tiefere Existenzkrisen gestürzt worden waren. Für ihn gehörten Gerechtigkeit im rechtlichen und im sozialen Sinne untrennbar zusammen.

Weiter mit der Ape zu Enricos Oliveto: Sein Olivenhain ist sein zweites Zuhause, sein persönliches Paradies. Hier kann er schweigen, hier kann er reden, mit den Katzen, vielleicht auch mit den knorrigen Olivenbäumen, die gelegentlich Menschengestalt anzunehmen scheinen.

Ohne viele Worte zu machen, arbeiten wir ein paar Stunden zusammen, ich grabe um, er pflanzt, gießt und erntet. Frische Zitronen, reines Olivenöl, aromatischer Honig landen in meinem Reisegepäck.

Es ist Mittagszeit: Auf dem Weg nachhause besuchen wir noch verschiedene befreundete Handwerker und Künstler, so auch ein Atelier, in dem Marmorskulpturen hergestellt werden. Enrico , der Sohn eines Minenarbeiters, ein wenig stolz im Dialog mit dem Meister. So werde ich am nächsten Tag noch einen Kunst-Metallgießer und den Chef eines Marmorsteinbruchs kennenlernen …

Zum Mittagessen gibt es Polenta und Rotwein, schon vorher zur Begrüßung und nach dem Espresso Fiorenzas selbstgemachten Limoncello.

Nach kurzer Mittagsruhe bringt uns die Ape hoch nach Sant’Anna. Dort warten schon viele junge Leute auf ihn. Stets wie zum ersten Mal erzählt er seine Geschichte vom 12. August 1944: Wie die Waffen-SS brüllend das Haus der Familie stürmte und alle seine Angehörigen (und weitere Personen) erschoss. Wie er sich mit Hilfe eines Mädchens verstecken konnte und überlebte. Wie er damit zurechtkommen musste, im Alter von zehn Jahren als einziges Familienmitglied überlebt zu haben.

Er zeigt den Schüler*innen sein Elternhaus. Inzwischen hat er es der Gemeinde Stazzema geschenkt, um dort eine Begegnungsstätte für Jugendliche einzurichten.

Wir besuchen die Gedenktafel für Enricos Familie oben am Ossario. Am 12. August 1944 hatte Enrico seinen Vater Natale, seine Mutter Irma, im vierten Monat schwanger, und seine beiden Schwestern Luciana und Alice verloren.

Später spricht er vor und mit einer weiteren Gruppe Jugendlicher. Das Besondere daran: Mit ihm zusammen tritt der Militärstaatsanwalt Marco de Paolis auf. Dieser hatte den Prozess gegen zehn Täter in La Spezia auf den Weg gebracht. Er ist auf vielen Gedenkveranstaltungen anwesend und zeigt den Überlebenden und Hinterbliebenen nicht nur von Sant’Anna seine Solidarität. Davon konnten wir in Baden-Württemberg nur träumen.

Enrico verabschiedet alle persönlich mit Handschlag. Übrigens redet er stets frei, ohne Manuskript. Vor Schüler*innen, Studierenden und Professoren, auf Veranstaltungen mit vielen Menschen. So auch 2013 vor 800 Leuten in Stuttgart oder vor Staats- und Bundespräsidenten in Sant’Anna und Rom.

An diesem Tag feiert Enrico seinen 79. Geburtstag. Gäste kommen und gratulieren. Es wird gefeiert im Arbeiterclub in Valdicastello. Es gibt Spaghetti Aglio e Olio.

Enrico bleibt auch hier, wie in seinem ganzen Leben, ein bescheidener Mensch. Dadurch und mit seiner menschlichen Wärme sowie seinen scheinbar einfachen, aber werthaltigen Botschaften erreicht und beeindruckt er viele, besonders junge Menschen außerordentlich – nicht nur für den Augenblick.

Danke, Enrico – und leb wohl!

Eberhard Frasch
10. Dezember 2021

Alle Fotos Eberhard Frasch

Wettern der Woche
Olaf impft die SPD

Olaf Scholz impft die SPD – Peter Grohmanns "Wettern der Woche"

Das hat es in der SPD seit Martin Luther und Otto Grotewohl nicht gegeben. Scholz schaffte, was kein Genosse vor ihm vollbracht hatte: 99 Prozent Zustimmung zum Ruck, zum Wumms. Der Hallodri Willy Brandt meinte mal schenkelschlagend: „Wenn jemand bei ’ner Wahl auf mehr als 95 Prozent kommt, wirft das Fragen auf.“ In ihren besten Zeiten kam die SED maximal auf 97,7 Prozent – aber das war unter den Kommunisten, wo es die Genossen natürlich immer besonders schwer hatten.

Das erinnert mich an meine Omi Glimbzsch in Zittau. „Im Konsum gibt’s wieder Bratwürschtel!“, rief sie am 6. Dezember 1951. Den Nikolaustag verbrachten wir meist mit dem Absingen antifaschistischer Lieder bei den Jungen Pionieren, aber so eine Nachricht sprengt jede Versammlung! Das wär‘ exakt wie heute, wenn es hieße: „Es ist wieder Biontech da.“ Selbst beim Spiel Hamburger SV gegen Bayern München wäre das Volksparkstadion ratzfatz leer, um die nächste Impfe zu stürmen.

Sie sehen, die DDR geht mir nicht aus dem Sinn – genau wie die guten Thüringer Würschtel, heute höcke-braun-gebrannt: Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral! Mal so gesagt: Eine volkseigene Kuh in der LPG Ernst Thälmann gab vor 70 Jahren 12 bis 15 Liter Milch pro Tag. Kapitalistische Rindviecher liefern heute das Doppelte, andernfalls werden sie kaltgestellt oder zu Rindsbratwürschteln verarbeitet. Die Rasse Deutsche Holstein Schwarzbunt gehört dabei zu den beliebtesten bei den Großagrariern.

Aber jetzt eine gute Nachricht: Die Waffenkäufe wachsen weltweit – die Ostfront lockt das Kapital. Insider sagen sogar eine Kriegsweihnacht voraus – diesmal freilich nur im engen Kreis der Liebsten. Und die Friedensgala am 19.12. fällt auch aus. Für die Ampel stellt sich dann die Frage: Solle mer se durchlasse, also Grün geben à la Kosovo für die Truppen? Obwohl die Weltwirtschaft 2020 aufgrund der Corona-Pandemie geschrumpft ist, notieren die Hundert größten Kriegswaffenschmieden nämlich weiter arbeitsplatzsichernde wachsende Umsätze. Spitzenreiter bleiben US-Konzerne, die deutschen Rüstungsunternehmen hinken mit läppischen 7,8 Milliarden Euro hinterher – ein Rülpser mehr als 2019.

Nochmal zurück zu den Milchkühen. Der Milchmädchenrechner Ferdl Dudenhöfer meinte mit Blick auf Auto, Ampel und Auspuff, wenn alles gut werden soll mit dem Klima, brauchen wir wieder Atomkraft, ja bitte. Gut heißt: So wie’s im Koalitionsvertrag steht – kein Trabant, sondern die neue E-Klasse von Mercedes: „Athletisch bis ins Innerste – dynamisch, elegant und luxuriös wie niemals zuvor.“ (Originalzitat 8.12.2021). Die Tragik dabei: „Die künstliche Intelligenz bei Bedienung, Navigation und Komfortfunktionen passt sich dem Fahrer an“.

Peter Grohmann ist Kabarettist und Koordinator von Bürgerprojekten. Alle Wettern-Videos gibt es hier zum Nachgucken.

Grohmann wettert gegen Böhmermann

Böhmermann, böser Mann …

Was sich der ZDF-Star-Kabarettist des ZDF Jan Böhmermann dieser Tage erlaubte, geht auf keine Kuhhaut! Nicht nur das. Das ZDF-Magazin Royal war schlicht Gotteslästerung! So was gefährdet die Ampelkoalition, schändet den grünen Aufbruch und stört den Weihnachts-, ja den Völkerfrieden! Nicht umsonst will z.B. Recep Tayyip Erdoğan schon lange nichts mehr von Jan wissen und bis zur letzten Patrone kämpfen, um dieses Kriegerdenkmal zu schleifen. Und Tayyip ist nicht irgendwer, sondern ein enger Verbündeter, der unsere Grenzen sauber hält. Zurück zu ZDF-Royal letzte Woche: Die Grünen sind eine ganz normale Partei, die Ideale und Wahlversprechen vergisst, behauptet der Satiriker – aber kein Wort darüber, dass auch alle anderen Parteien ihre Wahlversprechen vergessen! Kein Ton zu den Linken, die über Wagenbach und Marx längst vergessen haben, dass sie in der DDR einst fast 95 % der Stimmen erhalten haben. So etwas muss doch einen Grund haben! In 14 von 16 Ländern der Republik hätten die Grünen in den letzten Jahren mitregiert, außer in Bayern und Mecklenburg-Pommes. Die Partei, so einer der unweit hergeholten Vorwürfe, sei mitverantwortlich für Hartz IV und den beherzten Einsatz im Kosovo-Krieg. „Grüne Politik passt zu allem – wie ein schwarzes Top oder Ketchup,“ sagt Böhmermann. Und dass die hessischen Grünen etwa gemeinsam mit der CDU NSU-Akten unter Verschluss halten, geschieht nur zu unserem Besten und damit nichts rauskommt. Böhmermann hat großes Glück, dass es bei uns noch die Pressefreiheit gibt – wenn auch sehr spät abends Meine Empfehlung: Machen Sie sich Ihr eigenes Bild über Böhmermann und ZDF-Royal, noch jeden Freitag! Wer weiss …

Korruption ist legal. Wenn sie klug daherkommt, kann sie gern steuerlich geltend gemacht werden, heisst aber bissel anders, wie das Beispiel S 21 zeigt. Die englische (!) Financial Times machte jüngst darauf aufmerksam – zwei Whistleblower hatten dem Blatt gesteckt, dass dem Bahnprojekt durch korrupte Ingenieure etwa 600 Millionen EU Mehrkosten entstanden seien. Bitte? 600 Mio? Wo lebt Ihr denn, Leute! Bei Stuttgart 21 geht’s um Mehr-kosten von 6 -10 Milliarden, da zahlt die Stadt die 600 aus der Hosentasche! Die AnStifterin Petra Reski machte jüngst beim Thema 21 wieder mal auf die ‘Ndrangheta aufmerksam – und die italienische Antimafia-Behörde DIA hält in ihrem jüngsten Halbjahresbericht fest, dass Deutschland für die Mafia vor allem der Geldwäsche diene, unter anderem über Immobilien. Wenn Sie sachdienliche Hinweise haben, wenden Sie sich an KONTEXT oder gern direkt an jochen.bernhard@menoldbezler.de, den Antikorruptionsanwalt der Landeshauptstadt. Geht auch anonym.

Peter Grohmann (peter-grohmann@die-anstifter.de)
ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts http://www.die-anstifter.de

Coronadiktatur – das Sterben verlacht
Peter Grohmanns Wettern der Woche

Coronadiktatur – das Sterben verlacht: Peter Grohmanns "Wettern der Woche"

Heute früh bin ich mal wieder aufgewacht und sofort furchtbar erschrocken: Die Corona-Diktatur ist über Nacht eingeführt worden – und ich hab’s komplett verschlafen! Selbst alte Freunde aus fernen Dörfern im Remstal waren schneller und haben bereits vor Wochen maskenfrei gegen das neue Regime gewettert. Sie sind inzwischen untergetaucht. Am ehesten, sekundierten sie der AfD, merke man es an der gleichgeschalteten Presse. Keine Debatte nirgends, die ersten Journalisten aus der Verantwortung geflohen – das hatten wir ja früher schon – oder verfolgt oder schlicht von der Bildfläche verschwunden wie diese rotchinesische Tennisspielerin und der totgeschwiegene Julian Assange. Allenthalben manipulierte Auflagenzahlen der System-Medien a la Wirecard.

Das Auto-Immun-System steht wie eine Eins. Aus der Illegalität ist mir von unterdrückten rosa Luxemburgisten ein digitales Flugblatt aus Österreich zugespielt worden, das sich wie das Kommunistische Manifest in einfacher Sprache liest. Ich hab’s geahnt: Ein Gespenst geht um in Europa oder „30 Gründe, warum ich mich nicht impfen lasse“.
Ich kann Sie beruhigen, das österreichische Bundesheer rebelliert vom Offizierschor aus gegen Impfpflicht, aber Österreich bleibt deutsch, von der Maaß bis an die Ischgl. Inzwischen wurde von Israel und Christian Drosten festgestellt, dass auf den innerdeutschen Intensivstationen fast keine Querdenker oder routiniertere Impfgegner am Tropf hängen, sondern größtenteils erschrockene Nachbarn, oft nicht informiert, oft mit bereits halbtoten Bildungsstand, oft nicht mal biodeutsch.

Tot oder lebendig – das führt mich direktemang zu Friedrich Hecker, bei dem die Leute fragen: Lebt der Hecker noch? / Dann könnt ihr ihnen sagen / Ja, er lebet noch! /Er hängt an keinem Baume / er hängt an keinem Strick / Er hängt nur an dem Traume / der deutschen Republik. Ausgeträumt? Ist die Republik als Gemeinschaft entschiedener Freunde der Menschenrechte passé? Habt acht, Freunde: Ebenso wie das ‚Offene‘ liegt die Würde der Menschen nicht offen dar. Sie in Anspruch zu nehmen, zu verteidigen und auszukosten, ist in diesen Zeiten schwer, ob hier oder bei den Bergvölkern meiner Omi Glimbzsch, ob im bayrischen Rottal oder Tirol.

Die Gesellschaft von heute lässt Unglückliche und sozial Ausgesonderte zurück – an den Rändern der Städte, an den Grenzen der Nachbarschaft. Theorie ist die Fähigkeit, aus der Anschauung allgemeine Schlüsse zu ziehen, nach denen sich handeln lässt. Dieses Handeln ist das Eigentliche im Leben, das Richtige im Richtigen – als Maxime der ‚Versammlung der entschiedenen Freunde der Verfassung‘ vom 12. September 1847. Mit Blick auf die Möglichkeiten des Volkes heute – auf Deine Möglichkeiten, Freundin und Freund, auf die sich selbst begrenzende Presse, auf fehlende Laune zur Demokratie, auf Streitkultur, auf fehlende Mittel für uneigennützige, nicht am Profit orientierte Informationen. Dafür lohnt sich’s, den Diktatoren in der Demokratie Widerstand zu leisten.

Peter Grohmann (peter-grohmann@die-anstifter.de) ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts www.die-anstifter.de

Wettern der Woche
Impfskeptiker? Sterben und sterben lassen!

Impfskeptiker? Sterben und sterben lassen! – Peter Grohmanns "Wettern der Woche"

Impfskeptiker? Sterben und Sterben lassen!

Polizeigewalt, Rechtsradikalismus und Flüchtlingsschutz – das sind vielleicht die drei größten Baustellen der runderneuerten Regierung – ohne Bauzaun. Im Grund genommen ist das ja alles Polizeiarbeit, und vieles muss man gottlob nicht mal selber machen. Das Ertränken im Mittelmeer übernimmt in der Regel Frontex; die Jahresgehälter liegen bei rund 200 000 EU. Nicht gerade viel, wenn man weiß, wie schwer es oft ist, einem Ertrinkenden beim Ertrinken zuzuschauen. Es ist selbstverständlich auch für einen guten Katholiken in Polen nicht eben leicht, Kinder oder Schwangere in den Nato-Stacheldraht Richtung Belarus zurückzuschubsen – aber Befehl ist Befehl, und wenn der es nicht macht, macht es ein anderer. Außerdem kann er ja beichten. Tut mit leid, Leute, aber so ist die Lage, und das alles kurz vor Weihnachten, wo es uns doch zu Liebe und Versöhnung drängt und bei uns
inzwischen sogar viele Türken Weihnachtsbäume in die gute Stube stellen. Andererseits ziehen immer mehr Bio-Deutsch neuerdings die Schuhe aus, bevor sie in ihre Wohnung treten. Das kenne ich sonst nur aus Sachsen, wo in jedem guten Haushalt vor der Wohnungstür für den Besucher ein Paar Potschen bereitstehen (Schlappen, wie man in Untertürkheim sagt). Daran erkennt man, wie weit die Entdeutschung bereits vorangeschritten ist. Da fehlen nur noch die feuerfesten wissenschaftlichen Belege, dass der Mensch doch vom Affen abstammt und den weiten Weg über Afrika und Sibirien ins Erzgebirge bis nach Annaberg-Buchholz auf sich genommen hat, um dort nicht geimpft zu werden.
Die höchste Zahl der Impfskeptiker lebt also nicht mehr in Afrika, sondern mehr oder minder unter sich und unterprivilegiert in Sachsen. Es sind lt. Studie Menschen mit geringem Einkommen, die als ArbeiterInnen oder Freiberufler tätig sind, zwischen 31 und 40 Jahre alt. Sie haben einen (bundesrepublikanischen!) Realschulabschluss und eine extrem starke Parteiensympathie für die AfD. Auf Gemeindeebene (Annaberg-Buchholz) liegt der Anteil dieser Bevölkerungsgruppe bei ca. 34 Prozent. Doch Vorsicht mit dem Bade: Dieses soziale Milieu gibt es natürlich auch bei uns, in Stetten im Remstal oder Heidenheim, in Sigmaringen oder Horb. Aber dort wird lieber CDU gewählt. Ist das ein Trost? In vielen erzgebirgischen Gasthäusern pfeifen Wirte und Gäste gemeinsam auf Impfpass, auf G2 oder 3 oder AHA. Test Test Test. Ja, ein hartes Völkchen – die erste Gebirgsbildung reicht 350 bis 250 Millionen Jahren zurück!
Wie sagt der Impfgegner im Osten oder Westen gern? Sterben und sterben lassen. Wenn’s hart auf hart kommt: Mein Omi Glimbzsch in Zittau kennt die Nummer der Pannenseelsorger: Sorgentelefon, 0800 – 086 72 53.

Peter Grohmann (peter-grohmann@die-anstifter.de) ist Kabarettist und Koordinator des Bürgerprojekts www.die-anstifter.de und nächstes Mal am 16.11. in der Geißstraße 7 wieder auf der Bühne.

Ekkehard Rössle spielt „In einem fernen Land“ am 9.11.2021 am Mahnmal für die Opfer des Faschismus in Stuttgart

Gedenkveranstaltung der AnStifter und zahlreicher weiterer Organisationen zum 9.11.21

Video: Thomas Renkenberger

Anmerkungen zum Auschwitz-Appell der AnStifter und der Zusage der Bundesrepublik Deutschland, bis Ende 2021 bis zu 60 Mio. Euro zum Kapitalstock der Stiftung Auschwitz-Birkenau beizutragen


Zum Zeitpunkt der Gründung der Auschwitz-Birkenau-Stiftung im Jahr 2009 wurde davon ausgegangen, dass aus dem Stiftungskapital jährlich 4 -5 Millionen Euro erzielt werden müssen, um dem Stiftungszweck annähernd gerecht zu werden. Dazu sollte die Stiftung mit 120 Millionen Euro ausgestattet werden.
Zum 31.12.2018 (neuere Zahlen liegen noch nicht vor) belief sich das Stiftungsvermögen auf 111 Mio Euro. Das angestrebte Ergebnis wurde bisher in keinem Jahr erreicht. Im Gegenteil. Aufgrund der aktuellen makroökonomischen Lage vermindern sich die zu realisierenden Erlöse.
Konnten 2016, bei 10 Mio Euro weniger Stiftungsvermögen und ungünstigerem Wechselkurs, noch 11,8 Mio PLN ( 2,7 Mio Euro) erzielt werden, so weist die Gewinn- und Verlustrechnung für 2018 nur noch einen Ertrag von 8,65 PLN (2,01 Euro) aus. Da sich die Verhältnisse an den Finanzmärkten auf absehbare Zeit voraussichtlich nicht wesentlich ändern werden, risikoreicheres Agieren im Markt ggf. den Bestand der Stiftung gefährden könnte, wird angestrebt, das Stiftungsvermögen über die 120 Millionen Euro hinaus weiter aufzustocken. Die Bundesrepublik Deutschland leistet dazu mit bis zu 60 Mio Euro in den nächsten zwei Jahren einen Beitrag.
Aber: Selbst wenn das Stiftungskapital in kurzer Zeit auf 240 Millionen Euro anwachsen würde, wäre es eine äußerst sportliche Aufgabe, das 2009 gesteckte Ziel- einen Erlös von 4 -5 Millionen Euro – zu erreichen.
Es kommt hinzu, dass der Faktor Zeit eine wesentliche Rolle spielt. Je später die notwendigen Erhaltungs- und Restaurierungsarbeiten ausgeführt werden, um so aufwendiger und teurer werden sie sein.
Wir haben starke Zweifel, dass der Erhalt dieses Welterbes, dieses Ortes der kollektiven Erinnerung und Begegnung, der Aufklärung nur mit Hilfe der Stiftung mit ihrer derzeitigen und auch künftigen finanziellen Ausstattung zu gewährleisten ist.
Wir erwarten deshalb von der Bundesrepublik Deutschland und der neuen Bundessregierung, dass sie mit geeigneten Maßnahmen dafür Sorge tragen.
Dr. Klaus Kunkel für den Vorstand der AnStifter eV. und die Initiatoren und Unterzeichnenden des Auschwitz-Appells

Aktualisierung am 9.11.2021 
Die Kapitalausstattung der Auschwitz-Birkenau-Stiftung ist im letzten und diesem Jahr deutlich verbessert worden. Mit den 60 Millionen Euro Deutschlands (28,9 Mio Euro in 2020) und Zuwendungen anderer Staaten (u. a. Taiwan, Irland, Niederlande, GB, USA), privater Organisationen und Privatpersonen wird das Stiftungskapital Ende 2021 zwischen 175 und 180 Millionen Euro betragen. Das ist eine deutliche Annäherung an das Ziel, jährlich vier bis fünf Millionen Euro aus Kapitalerträgen für den Erhaltungaufwand der Gedenkstätte und des Museums zur Verfügung stellen zu können. (Auf den Jahresertrag 2020 hatte die bis dahin erfolgte Kapitalerhöhung noch keinen großen Einfluss.)
Es ist allerdings zu erwarten, dass Aufwand und Kosten zur Erhaltung in den nächsten Jahren weiter zunehmen werden, was auch einen höheren Kapitalertrag der Stiftung erfordern wird.
Es ist nach wie vor sehr ambitioniert bzw. fraglich, ob mit dem jetzt vorhandenen Stiftungskapital in der aktuellen Finanzmarktsituation ein Erlös von vier bis fünf Millionen Euro erzielt werden kann.
Wir erwarten deshalb, dass die Bundesrepublik Deutschland – über die Zuwendung an die Stiftung Auschwitz-Birkenau hinaus – weitere finanzielle Hilfe für den Erhalt von Gedenkstätte und Museum bereitstellt.Wir fragen uns ernsthaft, was die Bundesrepublik Deutschland daran hindert, für den Erhalt von Auschwitz-Birkenau zuverlässig eine jährlich wiederkehrende, den Erfordernissen genügende Finanzierung zu leisten?
Dass dies möglich ist, zeigt der Umgang mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Hier trägt die BRD zu einem guten Drittel das Budget des eingetragenen Vereins (2019 ca. 17 Mio Euro von 52 Mio Euro) durch die Erstattung seitens der Bundesregierung (Kriegsgräber), der Bundesländer (Gräberpflege Inland) und für Workcamps.

Das konvivialistische Manifest – Für eine neue Kunst des Zusammenlebens

Am vergangen Donnerstag diskutierte die Steuerungsgruppe der AnStifter nach einer Einführung von Ulrich Börngen angeregt und  kontrovers  über das konvivialistische Manifest.

Auf der Website http://www.diekonvivialisten.de/ heißt es zu diesem Manifest:

„Die globalen Probleme des Klimawandels, der Armut, der sozialen Ungleichheit oder der Finanzkrise erfordern ein Umdenken und veränderte Formen des Zusammenlebens. Viele Bewegungen, Initiativen und Gruppierungen suchen aktuell schon nach alternativen Wegen. Ihnen allen gemeinsam ist das Streben nach einer neuen Kunst, miteinander zu leben (con-vivere).

Als sich im Jahr 2010 Wissenschaftler_innen um Alain Caillé, Marc Humbert, Serge Latouche und Patrick Viveret zu einem Kolloquium in Tokio trafen, um über die Aktualität von Konvivialität und Konvivialismus zu debattieren, war noch nicht abzusehen, welche Resonanz diese Begriffe in den Folgejahren erfahren würden.

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Pressespiegel
Die Trägerin des Stuttgarter FriedensPreises 2021 muss für elf Jahre in Haft

Die Süddeutsche Zeitung schreibt: „Die belarussische Oppositionelle Maria Kolesnikowa ist fast ein Jahr nach ihrer Festnahme im Zuge der Proteste gegen Machthaber Alexander Lukaschenko zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Das teilte das Gericht laut belarussischen Staatsmedien in Minsk mit. Das Urteil erging wegen angeblicher versuchter illegaler Machtergreifung“

Quelle: sueddeutsche.de 

Aus der Neuen Zürcher Zeitung: „Ihr mit beiden Händen geformtes Herz wurde im Sommer vergangenen Jahres zu einem Symbol des friedlichen Aufbegehrens gegen den Machthaber Alexander Lukaschenko in Weissrussland. Maria Kolesnikowa mit dem charakteristischen blonden Kurzhaarschnitt repräsentierte zusammen mit der oppositionellen Präsidentschaftskandidatin Swetlana Tichanowskaja und Weronika Zepkalo ein weissrussisches Sommermärchen: Die drei Frauen lösten mit ihrer Kampagne Begeisterung aus. Sie gaben dem Wahlkampf und den Protesten nach der gefälschten Präsidentschaftswahl vom 9. August 2020 jenes weibliche Gesicht, das kurze Zeit auch den Westen Europas elektrisierte“

Quelle: nzz.ch

In der taz: „In einer ersten Stellungnahme forderte die im litauischen Exil lebende Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja die sofortige Freilassung von Maria Kolesnikowa und Maxim Snak. Das Urteil sei Terror gegen das belarussische Volk. „Maria und Maxim sind Helden für die BelarussInnen. Das System will uns brechen und uns die Kraft nehmen. Doch seht sie an: sie lachen und tanzen“, so Tichanowskaja auf Twitter.“

Quelle: taz.de

BürgerInnenbrief Nr. 518

Leider kam es beim Druck von Peter Grohmanns BürgerInnenbrief Nr. 518 zu Problemen. Deswegen veröffentlichen wir ihn jetzt hier als PDF.

Der nächste BürgerInnenbrief erscheint dann wieder in gedruckter Form.