Maison Charlotte
Eine Chronik der Menschlichkeit

Es kann geholfen werden

Vor vier Monaten erhielten wir von just human e. V. den ersten Hilferuf.  just human e. V. hatte ein ehrgeiziges Projekt auf die Beine gestellt, das ohne eine vielfältige Unterstützung nicht starten konnte. Vier Monate sind nun vergangen, seit sie das Maison Charlotte, eine Schutzwohnung für geflüchtete Frauen und Kinder in Athen, seine Türen geöffnet haben. Für sieben Frauen und drei Kinder hat sich das Leben zum Guten verändert. Neue Wege eröffnen sich, Freude und Hoffnung ist wieder in ihr Leben gekommen. Das ist nur durch die Spenden vieler großzügiger Menschen möglich geworden. Die AnStifter unterstützen finanziell diese Projekt und rufen alle Menschen guten Willens auf, eben dies zu tun. Hier erreicht Ihr Geld ein überschaubares Projekt, was die Not von geflüchteten Frauen direkt unerstützt.

Wie alles anfing – eine Projektchronik von just human e. V.

Im Mai 2020 schreibt Charlotte eine WhatsApp an just human: „Ich bin im sechsten Monat schwanger und auf der Straße. Bitte helfen Sie mir!“ Wir nehmen Kontakt zu NGOs vor Ort auf und finden keine Hilfe für Charlotte. Die Corona-Pandemie verschließt viele Türen. Mit unserer Partnerorganisation Safe Place International in Athen stellen wir deshalb ein Projekt auf die Beine: Eine Schutzwohnung für geflüchtete Frauen und Kinder. Safe Place stellt die Wohnung zur Verfügung, just human wird den Unterhalt für zehn Frauen und Kinder bezahlen und eine Sozialarbeiterin einstellen.

Foto: © just human
Foto: © just human
Juni 2020

Schon vor der Eröffnung im Juli 2020 kann Charlotte, die Namensgeberin der Schutzwohnung, ins „Maison Charlotte“ einziehen. Sie ist nach Wochen auf der Straße körperlich in einem sehr schlechten Zustand. Am ersten Abend ruft sie uns an und zeigt uns mit der Handykamera ihr neues Zuhause. Charlotte weint dabei vor Freude. Sie genießt ihr eigenes Bett, den Herd in der Küche, das Bad. Im siebten Monat schwanger hat sie nun endlich ein Dach über dem Kopf.

Juli 2020

Die Wohnung ist schnell gefüllt. Sechs weitere Frauen und zwei Kinder aus Eritrea, Kamerun, dem Kongo und Pakistan ziehen ein. Fünf Frauen waren monatelang im Lager Moria untergebracht, zwei Frauen wurden in ihrer Heimat verfolgt, weil sie Frauen lieben. Die beiden Kinder sind 1 Jahr und 2,5 Jahre alt. Die Frauen und Kinder teilen sich drei Schlafzimmer, eine Küche, ein Bad, ein Wohn- und ein Esszimmer. Ursprünglich wurde die Wohnung von Safe Place International für ausländische Gäste und Praktikant*innen genützt. Zentral gelegen und gut ausgestattet ist die Wohnung ideal für die Gruppe der geflüchteten Frauen und Kinder.

Flora, unsere Mitarbeiterin, berichtet uns wie glücklich die Frauen bei ihrem Einzug sind. Sie organisiert Gespräche, geht mit den Frauen zu Ämtern, Ärzt*innen, anderen Hilfsorganisationen. Die Situation für Migrant*innen in Griechenland ist nicht einfach. Verwaltungsakte wie das Ändern von Adressen dauern zum Teil Monate. Flora verbringt Stunden um Stunden mit den Frauen bei Behörden. Durch die monatliche Zuwendung von just human ist die Grundversorgung der Frauen und Kinder gesichert. Frauen, die eine staatliche Cashcard haben, können diese 120 € für sich ausgeben: Für ein T-Shirt, einen Besuch im Café, eine Fahrt mit der Metro. Doch Flora berichtet uns, dass fünf Frauen noch keine Cashcard und damit keinerlei eigene Mittel haben. Dank der Spenden kann just human für diese Frauen und die Kinder nun monatlich einen Betrag von jeweils 30 € überweisen.

August 2020

Corona macht vielen Plänen der Frauen einen Strich durch die Rechnung. Sprachkurse können nicht stattfinden, Behörden sind nicht verfügbar. Die meisten Frauen wollen arbeiten gehen. Eine möchte eine Ausbildung zur Köchin machen, eine zur Friseurin. In der Bücherei finden die Frauen Bücher zum Lernen der englischen und griechischen Sprache. Ende August wird Charlottes Baby geboren, die kleine Clara. Eine der Frauen war bei der Geburt im Krankenhaus dabei. Alle freuen sich, die Frauen werden vertrauter miteinander, es gibt Solidarität zwischen ihnen.

September 2020

Das Zusammenleben ist dennoch nicht immer einfach. Viele der Frauen haben Ängste: Wem kann ich trauen? Wie können wir auf engstem Raum zusammenleben? Flora führt viele Gespräche. Ängste und Depressionen einiger Frauen brechen wieder auf, manche Frauen können Angebote nicht nutzen, ziehen sich zurück. Bei allem wuseligen Leben in der Wohnung sind die Zimmer auch oft voller Trauer und Mutlosigkeit. Es gibt so vieles, was die Frauen erlebt haben und verarbeiten müssen. Aber das Vertrauen zwischen Flora und den Bewohnerinnen ist gewachsen. Sie haben in ihr eine Ansprechpartnerin, die zuhört, auch mal einen Ratschlag gibt, tröstet. „Ich weiß nicht alles, was die Frauen und ihre Kinder schon durchmachen mussten“, berichtet Flora. „Sie bekommen langsam Vertrauen und erzählen manchmal ein Bruchstück ihrer Geschichte.“

Mitte September verlässt Sheila das Maison Charlotte. Sie kann in ein staatliches Programm aufgenommen werden, in dem auch anderer Frauen aus Pakistan leben. So kann sie ihre Sprache sprechen, sie freut sich auf ihre Landsleute. Nach dem Auszug Sheilas können Charlotte und Baby Clara ein eigenes Zimmer haben. Das bringt viel Entspannung. Jetzt können die anderen Frauen und Kinder wieder ungestörter schlafen. Sheila, die noch viel medizinische Hilfe braucht, wird von just human auch nach ihrem Auszug weiter unterstützt.

Langsam wird die Stimmung in der Wohnung wieder besser. Die Frauen teilen ihr Essen, kochen zusammen, putzen zusammen. Und sie feiern zusammen: Der Geburtstag von Neda wird mit einem Picknick im Park gefeiert. Flora: „Da habe ich viele Frauen das erste Mal lachen hören.“ Und doch fehlt vielen ihre Heimat, die Gedanken sind oft bei den Angehörigen. „Ihr seid jetzt meine Familie“, sagte Neda bei ihrem Fest.

Oktober 2020

Mehrda zieht sich immer mehr zurück. Als Flora sie um ein Gespräch bittet, erzählt sie weinend von den Anrufen ihrer Schwester. Eigentlich ist Mehrda nach Europa gekommen, um von hier aus ihre Familien zu unterstützen. Nun ist sie selbst auf Hilfe angewiesen. Die Schwester in Äthiopien lebt auf der Straße. just human hat inzwischen Kontakt aufgenommen und wird sie monatlich unterstützen, damit Mehrda in Ruhe lernen und Arbeit suchen kann.

Im Maison Charlotte hat sich inzwischen trotz Corona einiges verändert. Zwei Kinder gehen jetzt regelmäßig in eine Kinderbetreuung. Das Loslassen ist den Müttern zunächst sehr schwer gefallen. Mittlerweile können sich von ihren Kindern ohne Ängste stundenweise trennen und haben nun Zeit für Sprachkurs und Arbeitssuche. Denn arbeiten wollen alle. Es gibt noch Hürden: vor allem die Sprache, aber auch Konzentration und Mut fehlen oft.

Ein langer Weg in ein sicheres und selbständiges Leben liegt noch vor den Frauen. Doch wenn es Nacht wird im Maison Charlotte, fühlen die Frauen sich geschützt und geborgen, aufgehoben in der Gemeinschaft. Ihre Kinder spüren das und können ruhig schlafen.

Einmischen, mitmischen, anstiften

Menschenrechte gelten überallWenn Sie diese beeindruckende Chronik der Hilfe berührt hat, können Sie das Projekt finanziell mit Ihrer Spende unterstützen und damit Ihre Solidarität für den Schutz und die Perspektive von Frauen in größter Notlage ausdrücken. Das geht ganz einfach online über die Seite von just human e. V.

Über Seehoff Michael Maria

M. Seehoff schreibt über ungewöhnliche akustische Musik und zu bewegenden Ereignissen. Eventuell bringt die Musik auch die Seelen anderer AnStifter in Resonanz und lässt sie staunen (eine Hoffnung!). Auf dem Blog "Elsternest" erscheinen M's. Texte vor allem über kleine literarische Ereignisse in Stuttgart.