Frauen im Rock XXII
Vor 50 Jahren starb Janis Joplin

Janis Joplin
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In einer Serie über Frauen, die maßgeblich die Rockmusik geprägt haben, darf Janis Joplin nicht fehlen. Obwohl sie nur 27 Jahre alt wurde, hat sie Generationen von Bluesmusikerinnen beeinflusst. Heute, am 4. Oktober vor 50 Jahren, ist diese Ausnahmekünstlerin an einer Überdosis Heroin in ihrem Hotelzimmer im Landmark Hotel in Hollywood gestorben.

Sie wurde als das älteste von drei Kindern im texanischen Port Arthur am 19. Januar 1943 geboren. Als Teenagerin kämpfte Janis Joplin mit einer Vielzahl lähmender Unsicherheiten: ihrer pummeligen Erscheinung, ihrer von Akne geplagten Haut und ihren büscheligen, ungezähmten Haaren. Sie war bei ihren Klassenkameraden unpopulär. Aus dieser Situation heraus entschied sie sich für den Weg des Aneckens: Harte Sprache, harte Gesten, dazu Alkohol und Zigaretten. Bei älteren Jungs verzeichnete sie damit Erfolg, doch die Fronten unter ihren Altersgenossen verhärteten sich nur noch mehr. Sie suchte nach Akzeptanz.

Sie lernte von den Bluesgrößen

Anfänglich genoss sie es nicht, in der Öffentlichkeit zu singen. Doch sie trat dem Kirchenchor der lokalen Gemeinde bei. Neben der Musik und der Literatur pflegte Janis Joplin früh eine ausgeprägte Leidenschaft für die Malerei. Im Jahr 1960 schrieb sie sich für ein Kunststudium ein. Janis reiste oft in das nahe gelegene Louisiana, um Blues-Cover-Bands zu hören. Sie hörte zudem Musiker wie Leadbelly, Bessie Smith, Odetta und Big Mama Thornton. Diese Blues- und Folk-Künstler waren es, die den fruchtbaren Boden bereiteten, in den Janis‘ Wurzeln schließlich eindringen sollten.

Ab 1963 sang Janis Joplin in Bars und Kaffeehäusern, oft begleitet von ihrer Autoharp, einer amerikanischen Version der Zither, die häufig im Bluegrass und Country Verwendung findet. Janis war finanziell nicht auf Rosen gebettet. Dazu musste sie zusehen, wie sie ihren wachsenden Drogenkonsum finanzieren konnte. 1964 kam ihre musikalische Karriere ins Stocken geraten, nicht jedoch der Drogenkonsum. Sie fing an, Methedrin zu nehmen, häufig trank sie 80-prozentigen Alkohol. Janis war nicht in der Lage, mit diesem Lebensstil umzugehen. In der Hoffnung, ihre wachsende Sucht zu überwinden, zog sie zurück nach Port Arthur.

Ihr musikalischer Aufstieg begann 1967

Im August 1967 begann für Janis Joplin der Aufstieg als Musikerin. Es war der Sommer des Monterey Pop Festival. Janis, die in ein samtiges Outfit gekleidet und von Kopf bis Fuß mit Perlenketten behangen war, begeisterte die Menge mit ihrer sexuell aufgeladenen Interpretation von Ball and Chain. Die Legende der Janis Joplin war geboren und die Gagen stiegen. Sie bekam einen lukrativen Plattenvertrag von CBS/Columbia Records. Die Platte ihrer damaligen Band Big Brother and the Holding Company verkaufte sich gut. Doch in der Presse bekam sie schlechte Kritiken.

Nach nur zwei Alben verließ Janis Joplin die Band und gründete die Kozmic Blues Band. Gemeinsam nahmen sie das Album I Got Dem Ol‘ Kozmic Blues Again Mama auf, auf dem der Hit Try (Just a Little Bit Harder) enthalten war. In der kurzen Existenz der Band spielte sie unter anderem auf dem Woodstock Festival 1969.

Trotz des Ruhms überwand sie nicht ihr Unsicherheit

Trotz diese Ruhmes ließen sich ihre Unsicherheiten nicht unterdrücken. Abhilfe schafften Drogen und Alkohol. Whiskey und Heroin waren dabei die Substanzen ihrer Wahl. Zwischenzeitlich konsumierte Janis Joplin Heroin im Wert von 200 Dollar pro Tag. Zu allem Überfluss infizierte sie sich außerdem mit Tripper. Mehrfach versuchte Janis Joplin die Heroinabhängigkeit zu überwinden. Ohne Erfolg.

Sie gründete eine neue Band, Full Tilt Boogie, mit der Hoffnung, ihren bisherigen Erfolg wieder aufleben zu lassen. Sie harmonierten hervorragend und begannen im September 1970 damit, die Songs für das geplante Album Pearl in Los Angeles aufzunehmen. Das sollte ihr letztes Album werden. Unter der Leitung von Paul A. Rothchild, der für seine Zusammenarbeit mit The Doors bekannt war produzierte sie dieses Album. Am 3. Oktober 1970 waren die Sessions fast abgeschlossen, bei denen sich Janis in vielen Bereichen einbrachte. Sie war der Boss. Um sich die bereits aufgenommene Instrumental-Version von Buried Alive in the Blues anzuhören, fuhr sie an diesem Tag einmal mehr in die Sunset Sound Studios.

Alkohol und Morhium

Am Abend des 3. Oktober nahm sie einige Drinks in der Bar Barney’s Beanery am Santa Monica Boulevard, um darauf zum Landmark Hotel zurückzukehren und dort wiederholt Heroin zu konsumieren. Am 4. Oktober wunderte sich Paul Rothchild darüber, dass Janis nicht zur vereinbarten Uhrzeit im Studio auftauchte. Ihr Tour-Manger fuhr zu ihrem Hotel, vor dem ihr psychedelisch bemalter Porsche stand.

Er fand sie tot in ihrem Zimmer neben ihrem Bett, aus dem sie bewusstlos gefallen war. Der Gerichtsmediziner stellte eine akute Morphin-Vergiftung als Todesursache fest, ausgelöst durch eine Überdosis Heroin. Erst zwei Wochen zuvor war Jimi Hendrix verstorben.

Im Blueshimmel singt sie weiter – in bester Gesellschaft

Die Welt hatte eine begnadete Bluessängerin verloren. Wenn ich heute ihre letzte Platte Pearl höre, läuft es mir immer noch warm den Rücken runter. Nun hockt sie schon seit 50 Jahren im Blueshimmel und singt mit den anderen großen Bluesmusikerinnen und Bluesmusikern ihre himmlischen Lieder.

Über Seehoff Michael Maria

M. Seehoff schreibt über ungewöhnliche akustische Musik und zu bewegenden Ereignissen. Eventuell bringt die Musik auch die Seelen anderer AnStifter in Resonanz und lässt sie staunen (eine Hoffnung!). Auf dem Blog "Elsternest" erscheinen M's. Texte vor allem über kleine literarische Ereignisse in Stuttgart.