Olga Tokarczuk
Diese Frau zeigt Größe

Olga Tokarczuk während einer Lesung in der StaBi Foto: © M. Seehoff
Olga Tokarczuk während einer Lesung in der StaBi
Foto: © M. Seehoff

Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk lehnt eine Ehrenbürgerschaft ihrer polnischen Heimatregion Niederschlesien ab. Diese Ablehnung begründet sie mit der zeitgleichen Auszeichnung des katholischen Bischofs Ignacy Dec. Dieser betreibt nach Aussagen von Olga Tokarczuk die Spaltung der polnischen Gesellschaft, weil er den Lesben, Bisexuellen und Transsexuellen ihre Rechte verweigere. Bischofs Ignacy Dec bezeichnet die LGBTQ-Bewegung in seinen Reden als Gefahr für die katholische Kirche und Polen.
Stadträte mit Verbindung zur Oppositionspartei Bürgerplattform hatten Olga Tokarczuk für die Ehrenbürgerschaft nominiert. Mitglieder der Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit hatten Dec vorgeschlagen.

Über die tiefe Spaltung Polens hatten die Anstifter schon hier berichtet.Die Literaturnobelpreisträgerin von 2019 setzt sich nicht nur für die Gleichberechtigung alle Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Ausrichtungen ein, sondern auch für ökologische Themen und hat diese in die polnische Literatur eingebracht. Immer wieder kreist sie in ihren Werken um diese Themen. Z. B. in dem Roman Der Gesang der Fledermäuse. Krakau hat deshalb zur Erinnerung an ihre Bücher einen Wald mit 2.000 Bäumen pflanzen lassen. Im Gegenzug revanchiert sich Olga Tokarczuk mit einer Stiftung: Einen Teil der mit 9 Millionen schwedischen Kronen (etwa 830.000 Euro) dotierten Auszeichnung brachte sie in eine Stiftung für ein Writers in Residence-Programm ein. Breslau stellte dafür eine Villa zur Verfügung, die bis zum ersten Jahrestag der Nobelpreisverleihung renoviert wird. 2020, pünktlich am 10. Dezember, zum Jahrestag der Verleihung des Nobelpreises, soll das Haus eingeweiht werden. Ab dann können dort Lesungen und Gespräche mit Schriftstellern stattfinden.

Über Seehoff Michael Maria

M. Seehoff schreibt über ungewöhnliche akustische Musik und zu bewegenden Ereignissen. Eventuell bringt die Musik auch die Seelen anderer AnStifter in Resonanz und lässt sie staunen (eine Hoffnung!). Auf dem Blog "Elsternest" erscheinen M's. Texte vor allem über kleine literarische Ereignisse in Stuttgart.