Géants de la chanson I
Juliette Gréco, die Amsel von Paris singt nicht mehr

Juiliette Géco
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Gestern verstarb im Alter von 93 Jahren Juliette Gréco. Immer elegant schwarz gekleidet. Im schwarzem Etui-Kleid oder in schwarzer Hose. Dazu ein schwarzer Pullover, ihre schwarzen Haare. Für Juliette Gréco eine Farbe, die ihr Raum für das Imaginäre gab und zugleich ein Schutz war. Das brachte ihr den Namen „Die Amsel“ ein, in Anlehnung an ihre Kollegin Edith Piaf, die alle den „Spatz von Paris“ nannten. (Piaf heißt umgangssprachlich Spatz).

Wenn man sie in Musikvideos sieht, sind es die Hände, die einem zuerst ins Auge man stechen: Feingliedrige Finger, die sich winden, Kreise ziehen, am Körper entlangstreichen. Mit ihnen und ihrer Stimme zieht sie den Zuschauer in Bann.

Juliette Gréco kam aus einfachen Verhältnissen

Juliette Gréco wurde am 7. Februar 1927 in einfachen Verhältnissen in Montpellier geboren. Ihren Vater lernte sie nicht kennen, die Mutter war in der Résistance aktiv, hatte wenig Zeit für die Kinder. Die Gestapo verhaftete ihre Mutter und verbrachte sie nach Ravensbrück, zusammen mit der älteren Schwester. Gottseidank überlebte die Mutter und die Schwester das KZ Ravensbrück. Die kleine Juliette steckte man drei Wochen in ein französisches Gefängnis. Trotz dieser Erfahrungen mit den Deutschen, trat sie schon 1959 als erste französischen Künstlerin in Deutschland auf.

„Meine Mutter war ein Soldat, ihr Leben lang“

Über ihre Mutter sagte sie einmal:

Meine Mutter war niemals eine richtige Mutter zu mir. Sie war ihr ganzes Leben lang Soldat. An ihrer Brust hingen unzählige Auszeichnungen und Medaillen der französischen Widerstandskämpfer … sie war eine Frau, die man achten musste, aber nicht lieben konnte. Ich habe niemals eine richtige Familie gehabt.

Zitiert nach der Rückseite der LP Juliette Gréco in Deutschland

Das Café als Universität

Nach der Befreiung von den Nazis 1944 erholte sich Frankreich langsam. Juliette Gréco tauchte voller Lebenslust ins Nachtleben ein. «Wir haben jeden Abend die Befreiung gefeiert», sagte Gréco in einem Interview. Im Bohème-Viertel Saint-Germain-des-Prés besuchte sie regelmäßig das Café «Tabou», ein Treffpunkt für Künstler, Musiker und Schriftsteller. Zu Grécos Freundeskreis gehörten Albert Camus, Marlene Dietrich, Serge Gainsbourg, Jacques Prévert, Françoise Sagan, Jean-Paul Sartre, Boris Vian, Orson Welles.

«Meine Universität war das Café», sagte Gréco. Sie habe ihren Freunden dumme Fragen stellen dürfen und darauf intelligente Antworten erhalten. Sie wurde die Muse der Existenzialisten. Sie war ein Mythos, das wusste sie, hatte sich selber spöttisch gefragt, bin ich ein Mythos oder eine Motte (mithe or mite). Sie sang Chansons, deren Texte von Boris Vian, Jean-Paul Sartre, Léo Ferré, Serge Gainsbourg, Jacques Brel, Jaques Prévert und vielen, vielen anderen. Im Gegensatz zu Edith Piaf, die dem Volk mehr aufs Maul geschaut war Sie war Juliette Gréco immer lyrischer und in ihren Liedern.

Ihre Stimme wird uns fehlen.

Über Seehoff Michael Maria

M. Seehoff schreibt über ungewöhnliche akustische Musik und zu bewegenden Ereignissen. Eventuell bringt die Musik auch die Seelen anderer AnStifter in Resonanz und lässt sie staunen (eine Hoffnung!). Auf dem Blog "Elsternest" erscheinen M's. Texte vor allem über kleine literarische Ereignisse in Stuttgart.